„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Willensfreiheit

Für den Begriff "Willensfreiheit" (auch: freier Wille) gibt es derzeit keine allgemein anerkannte, hinreichende Definition.

Es ist jedoch weitestgehend unumstritten, dass die im drei-Komponenten-Modell formulierten Bedingungen zumindest notwendig sind für eine starke Form von Willensfreiheit. Eine Person besitzt demnach einen freien Willen, wenn sie:

a.    Alternativität: unter identischen Bedingungen auch anders hätte entscheiden können,

b.    Urheberschaft: Urheber ihrer Handlungen ist (mentale Verursachung)

c.    Autonomie: und Kontrolle über ihre Entscheidung und Handlung hat (Handlungsfreiheit), weil diese nicht durch äußere oder innere Zwang beeinträchtigt ist.

Das Problem der Willensfreiheit besteht nun darin, dass eine so verstandene Willensfreiheit nicht mit dem Determinismus vereinbar ist. Der (neuronale) Determinismus besagt, dass alle mentalen Zustände wie etwa Willensentscheidungen vollständig durch neuronale Zustände festgelegt sind und damit nicht anders hätten ausfallen können. Dies steht im Widerspruch zu den Punkten (a) bis (c).

Philosophische Theorien der Willensfreiheit verneinen nun entweder die Willensfreiheit (Inkompatibilismus); den Determinismus (Libertarismus); oder die Inkompatibilität zwischen den beiden (Kompatibilismus), bei Letzterem wird dabei i.d.R. eine schwächere Form von Willensfreiheit vertreten:

Die häufigsten Positionen in der Debatte um Willensfreiheit.
Die häufigsten Positionen in der Debatte um Willensfreiheit.

Die Willensfreiheitsdebatte dreht sich somit v.a. um zwei Fragen:

(1) semantische Frage: Was bedeutet Willensfreiheit?
(2) ontologische Frage: Gibt es eine solche Form von Willensfreiheit?

In einem weiteren Sinne kann noch eine dritte Frage hinzugefügt werden:

(3) weltanschauliche Frage: Welche Konsequenzen hat dies für unser Verständnis von Schuld, Moral, Recht, Strafe, Demokratie, Personalität, usw.

"Die Frage nach der Willensfreiheit ist wirklich ein Probierstein, an welchem man die tiefdenkenden Geister von den oberflächlichen unterscheiden kann, oder ein Grenzstein, wo beide auseinandergehn, indem die ersteren sämtlich das notwendige Erfolgen der Handlung bei gegebenem Charakter und Motiv behaupten, die letztern hingegen mit dem großen Haufen der Willensfreiheit anhängen. Sodann gibt es noch einen Mittelschlag, welcher sich verlegen fühlend, hin und her laviert, sich und andern den Zielpunkt verrückt, sich hinter Worte und Phrasen flüchtet oder die Frage so lange dreht und verdreht, bis man nicht mehr weiß, worauf sie hinauslief"
- Arthur Schopenhauer, 1837

1. Bedingte und unbedingte Willensfreiheit

1.1. unbedingte Willensfreiheit

Eine unbedingte Willensfreiheit lässt keine Beschränkung der Freiheit zu, d.h. der Wille darf durch nichts bedingt sein.

Entscheidungen und Handlungen, die durch nichts bedingt sind, sind reine Zufallsereignisse. Ein sog. indeterminierter  Wille ist auch nicht mehr durch unsere Entscheidungen bedingt (Widerspruch zu b.). Er unterliegt nicht mehr unserer Kontrolle und entspricht auch nicht unseren Neigungen oder Charaktereigenschaften (Widerspruch zu c.). Letzten Endes würde er der grundlosen Beliebigkeit eines Münzwurfs gleichen (Widerspruch zu a.). Indeterminismus ist also nicht die Bedingung für Freiheit, sondern schließt Willensfreiheit, Selbstbestimmung und moralische Verantwortlichkeit aus. "Unbedingte Willensfreiheit" ist ein Oxymoron.

Diese Überlegungen zeigen, weshalb einige Philosophen das 3KM um eine weitere Bedingung ergänzen wollen:

(d) Intelligibilität: Die entsprechende Person handelt nicht willkürlich, sondern aus verständlichen Gründen.

„Nehmen wir an, Sie hätten einen unbedingt freien Willen. Es wäre ein Wille, der von nichts abhinge: ein vollständig losgelöster, von allen ursächlichen Zusammenhängen freier Wille. Ein solcher Wille wäre ein aberwitziger, abstruser Wille. Seine Losgelöstheit nämlich würde bedeuten, dass er unabhängig wäre von Ihrem Körper, Ihrem Charakter, Ihren Gedanken und Empfindungen, Ihren Phantasien und Erinnerungen. Es wäre, mit anderen Worten, ein Wille ohne Zusammenhang mit all dem, was Sie zu einer bestimmten Person macht. In einem substantiellen Sinn des Wortes wäre er deshalb gar nicht Ihr Wille.“
- Peter Bieri: Unbedingte Freiheit: Eine Fata Morgana

Libertaristen entgegnen dem auf verschiedene Weisen. Immanuel Kant meint, es müsse indeterminierte Willensfreiheit geben, da wir moralisch verantwortliche Wesen sind, selbst wenn die Naturwissenschaften das nie beweisen können. Peter van Inwagen findet, dass es libertarische Willensfreiheit geben müsse, da sonst Verantwortlichkeit nicht begründet werden könne. Beide Positionen sind natürlich keine wirklich überzeugenden Antworten auf das Intelligibilitätsproblem. Deshalb wird zunehmend auch naturwissenschaftlich argumentiert, dass die Relevanz von Quantenphänomenen für Gehirnprozesse zeigt, dass indeterminierte Entwicklungen dennoch rational sein können.

1.2. Bedingte Willensfreiheit

Nach dem Konzept der bedingten Willensfreiheit ist ein Wille frei, wenn eine Person ihren Willen nach ihren persönlichen Motiven und Neigungen bildet und tun kann, was sie will. Welcher der konkurrierenden Wünsche eines Menschen sich als Wille herausbildet, hängt von seiner Persönlichkeit und von den Umwelteinflüssen ab.

Aufgrund der Komplexität der Umstände, die zur Willensbildung führen, sind die Ursachen einer Entscheidung zwar prinzipiell determiniert, aber nur teilweise einsehbar. Man spricht deshalb von Freiheit, weil die getroffene Wahl den Neigungen und Motiven der Person entspricht und somit deren eigenen Willen darstellt und nicht einem aufgezwungenen. Es bestehen allerdings Zweifel, ob der Ausdruck Freiheit hier angebracht ist, da dem Entscheider keine Alternativität (a.) und nur eine stark eingeschränkte Autonomie (c.) zugesprochen werden kann. Zudem hat er selbst keine vollumfängliche Einsicht in die kausalen Ursachen seiner Entscheidungen, es stellt sich also die Frage, inwiefern es seine Entscheidungen sind (b.). Schopenhauers Ausspruch, der Mensch könne tun, was er will, aber er könne nicht wollen, was er will, fasst diese Ambivalenz pointiert zusammen.

2. Vereinbarkeitsproblem

Das Problem der Willensfreiheit besteht, wie bereits erwähnt, in der zumindest augenscheinlichen Inkompatibilität zwischen Willensfreiheit und neuronalem Determinismus. Es kann als logischer Schluss formuliert werden:

P1:   Wenn der neuronale Determinismus wahr ist,

        dann kann es keine Willensfreiheit geben.

P2:   Der neuronale Determinismus ist wahr.
K:     Es gibt keine Willensfreiheit.

Dieser Schluss ist deduktiv-zwingend. Wer ihm widersprechen will, muss dies folglich inhaltlich tun, indem er mindestens eine der Prämissen zurückweist: Der Kompatibilist hält P2 für wahr und weist P1 zurück, nach ihm sind neuronaler Determinismus und (eine schwächere Form von) Willensfreiheit prinzipiell kompatibel. Der Libertarist hält hingegen P1 für wahr und weist P2 zurück, nach ihm existieren reale Entscheidungsalternativen bei gegebenen Umständen. Der Inkompatibilist schließlich hält beide Prämissen und somit auch die Konklusion für wahr, wenn es nach ihm geht haben wir keinen freien Willen.

2.1. Inkompatibilismus

Kann mein Wille in einer neuronal-deterministischen Welt frei sein? Auf den ersten Blick scheint alles dafür zu sprechen, dass das nicht möglich ist. Wie soll es möglich sein, dass ich mich anders entscheide, wenn durch frühere Ereignisse determiniert ist, wie ich mich entscheide? Wie kann ich der Urheber meiner Entscheidungen und Handlungen sein, wenn diese letztendlich auf frühere Ereignisse und neuronale Zustände zurückgehen? Und wie können meine Entscheidungen und Handlungen frei sein, wenn sie doch vollständig determiniert sind?

Der Determinismus impliziert, dass sich die Welt mit Notwendigkeit nur auf genau eine einzige Weise entwickeln kann. Wenn diese Beschreibung zutreffend ist, so bildet der mögliche Weltverlauf eine gerade unverzweigte Linie:

Abb. 2
Abb. 2

Laut dem Inkompatibilisten setzt Freiheit jedoch voraus, dass die Zukunft insofern offen ist, als es zumindest manchmal von uns abhängt, wie es weiter geht. Wenn es Freiheit gibt, scheint es im Weltverlauf also Zeitpunkte geben zu müssen, an denen es so oder so weiter gehen kann, an denen der weitere Weltverlauf nicht durch vorangegangene Ereignisse determiniert ist, sondern davon abhängt, wie wir uns entscheiden oder was wir tun:

Abb. 3
Abb. 3

So verstanden schließen sich Determinismus und Freiheit aus. Wenn es Freiheit gibt, dann kann der Weltverlauf nicht determiniert sein. Und wenn der Determinismus wahr ist, dann kann keine der nach dem 3K-Modell für Freiheit charakteristischen Bedingungen erfüllt sein:

·         Alternativität: Wenn der Determinismus wahr ist, dann kann ich mich niemals anders entscheiden und niemals anders handeln, als ich es tue.

·         Urheberschaft: Wenn der Determinismus wahr ist, dann gehen meine Entscheidungen und Handlungen nicht auf mich zurück, sondern auf die vorhergehenden Ereignisse, durch die sie determiniert sind.

·        Autonomie: Und wenn der Determinismus wahr ist, dann können meine Entscheidungen und Handlungen nicht unter meiner Kontrolle stehen, weil ja von vornherein feststeht, wie ich mich entscheide und wie ich (deshalb) handele.

In letzter Zeit ist ein weiteres wichtiges Argument für den Inkompatibilismus ins Feld geführt worden – das Konsequenz-Argument von Peter van Inwagen: Wenn der Determinismus wahr ist, ergibt sich jede meiner Entscheidungen mit logischer Notwendigkeit aus vorhergehenden Ereignissen und den geltenden Naturgesetzen. Für diese vorhergehenden Ereignisse gilt ebenso, dass sie sich mit logischer Notwendigkeit aus anderen noch weiter zurück liegenden Ereignissen und den geltenden Naturgesetzen ergeben, usw. Wenn der Determinismus wahr ist, gilt also Folgendes: Alle meine Entscheidungen stehen seit dem Urknall fest!  Ich habe aber weder Macht über Ereignisse, die zu Zeiten des Urknalls stattgefunden haben, noch über die geltenden Naturgesetze. Also habe ich auch keine Macht über meine Entscheidungen.

2.1.1. Libertarianismus

Es sprechen also gute Gründe für die allgemeine Form des Inkompatibilismus. Der Libertarimus (auch Libertarianismus) kann als spezielle Form des Inkompatibilismus angesehen werden, insofern er Freiheit und Determinismus ebenso für inkompatibel hält, jedoch nicht an den Determinismus glaubt und die Willensfreiheit gewissermaßen "retten" kann. Immanuel Kant ist sicher einer der bekanntesten Vertreter dieser Position.

Wie überzeugend ist der Libertarismus? Ein erstes Problem ergibt sich bereits daraus, dass Freiheit offenbar nicht nur mit dem Determinismus, sondern auch mit dem Indeterminismus unvereinbar ist (vgl. Abschnitt "unbedingte Willensfreiheit"). Wenn an einem bestimmten Punkt des Weltverlaufs nicht determiniert ist, ob ich die Handlung A oder die Handlung B ausführe, dann wird man sicher nicht sagen, ich hätte mich für meine Handlung entschieden, wenn diese doch nicht durch mich bedingt sondern bloßer Zufall war. In diesem Fall wird man vielmehr sagen, dass weder ich noch irgendjemand anderes für diese Handlung verantwortlich ist. Bloß zufällige Handlungen sind irrational und unerklärlich; und niemand kann für sie verantwortlich gemacht werden:

Abb. 4
Abb. 4

Freiheit setzt also nicht nur voraus, dass zumindest manchmal nicht naturgesetzlich determiniert ist, was ich tue, Freiheit setzt auch voraus, dass ich nicht zufällig handele (Intelligibilität). Diese Annahme ist weitestgehend unbestritten (eine Ausnahme bildet der US-amerikanische Philosoph Robert Kane). Neben naturgesetzlicher Determiniertheit und bloßem Zufall muss es also etwas Drittes geben; dass konstitutiv für Freiheit ist, und für die meisten Libertarier ist dieses Dritte Akteurskausalität. Im libertarianischen Sinne ist eine Handlung nur frei, wenn sie weder naturgesetzlich determiniert ist noch rein zufällig stattfindet, sondern durch den Handelnden selbst hervorgerufen wird. 

Freie Entscheidungen sehen für den Libertarier damit so aus: Wenn ich vor der Frage stehe, ob ich A oder B tun soll, habe ich in der Regel für beide Alternativen Gründe – also sowohl Gründe für A als auch Gründe für B. Aber weder diese Gründe noch andere Umstände determinieren meine Entscheidung. Vielmehr bin ich selbst es, der sich angesichts der Gründe für A oder für B entscheidet. Und nichts im vorherigen Weltlauf determiniert, wie ich mich entscheide. Wenn ich mich für A entscheide, könnte ich mich unter genau denselben Bedingungen auch für B entscheiden.

Abb. 5
Abb. 5

Freiheit im Sinne des Libertariers setzt also voraus, dass zumindest an bestimmten Punkten im Weltverlauf durch den Zustand der Welt und die Naturgesetze nicht determiniert ist, wie es weitergeht, und dass vielmehr ich es bin, der dies entscheidet, und dass diese meine Entscheidung nicht selbst determiniert ist.

Diese Position entspricht dem weitläufigen intuitiven Selbstverständnis des Menschen und scheint deswegen sehr naheliegend zu sein. Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber, dass sie mit schwerwiegenden Problemen konfrontiert ist:

1. Wenn nicht andere Umstände festlegen, wie ich mich entscheide, sondern ich selbst diese Entscheidung herbeiführe, muss ich selbst offenbar ein Wesen sein, das außerhalb des normalen Weltverlaufs steht und in der Lage ist, von außen in diesen Weltverlauf einzugreifen. Die Auffassung, dass handelnde und entscheidende Personen nicht Teil der natürlichen Welt sind, sondern von außen in diese Welt eingreifen, ist aber mit allem unvereinbar, was uns die Naturwissenschaften über die Welt sagen (siehe z.B. die Energieerhaltungssätze).

2. Die Auffassung des Libertariers setzt wie gesagt voraus, dass es eine eigene Art von Kausalität gibt, über die nur handelnde und entscheidende Personen verfügen – Akteurskausalität. Normalerweise sind Ursachen und Wirkungen Ereignisse. Mit dem Satz "Die Scheibe zerbrach, weil sie von einem Stein getroffen wurde" führen wir ein Ereignis (das Zerbrechen der Scheibe) auf ein anderes Ereignis zurück (darauf, dass die Scheibe von einem Stein getroffen wurde). Ursachen sind Ereignisse, die andere Ereignisse – ihre Wirkungen – mit naturgesetzlicher Notwendigkeit zur Folge haben. Und d.h. zumindest: Immer wenn die Ursache vorliegt, tritt auch die Wirkung ein. Diese Art von Ereigniskausalität ist uns wohl vertraut. Aber was soll Akteurskausalität  sein? Offenbar eine Art von Geschehenmachen. Aber im Allgemeinen kann man etwas nur dadurch geschehen machen, dass man etwas anderes tut – ich mache das Licht an, indem ich den Schalter betätige. Wie kann ich also A geschehen machen, ohne etwas anderes zu tun, woraus sich A zwangsläufig ergibt?

3. Akteurskausalität wird von Libertariern eingeführt, um verantwortliches von bloß zufälligem Handeln zu unterscheiden. Letztlich sind aber freie Entscheidungen in libertarischen Sinne trotzdem immer rein zufällig und nicht erklärbar. Denn zur Situation, in der sich eine Person entscheidet, gehören auch die Gründe, die sie für die Alternativen A und B hat. Wenn sie sich in dieser Situation für A entscheidet, entscheidet sie sich also angesichts dieser Gründe für A. Und wenn sie sich für B entscheidet, entscheidet sie sich angesichts  derselben Gründe für B. Wenn man angesichts genau derselben Gründe einmal A und ein anderes Mal B wählt, ist diese Wahl selbst aber offenbar unbegründet.

2.2. Kompatibilismus

Im Gegensatz zum allgemeinen Inkompatibilismus halte ich den Libertarianismus also für keine sonderliche überzeugende Position. Wie steht es mit dem Kompatibilismus? Lange Zeit über konnte ich mir nicht einmal vorstellen, wie eine kompatibilistische Theorie der Willensfreiheit aussehen soll. Wie soll ich mich frei entscheiden können, wenn doch von vornerein alles determiniert ist?

Andererseits wusste ich auch, dass es in der Geschichte der Philosophie immer wieder sehr kluge Köpfe gegeben hat, die der festen Überzeugung waren, dass Determinismus und Freiheit kompatibel sind. Das hat mich veranlasst, mehr über den Kompatibilismus erfahren und seine Gedankengänge nachvollziehen können zu wollen. Der Clou liegt primär darin, dass klassische Kompatibilisten wie Thomas Hobbes oder David Hume unter "Freiheit" etwas anderes unter "Freiheit" verstanden haben als die Inkompatibilisten. Für sie bedeutete der Freiheitsbegriff einfach nur, das tun zu können, was wir tun wollen, dass wir also nicht durch äußere Zwänge gehindert sind, die Handlungen auszuführen, für die wir uns entschieden haben (Hobbes 1651, 1654; Hume 1758). Diese Art von Freiheit wird Handlungsfreiheit genannt. Und es ist unbestritten, dass Handlungsfreiheit mit dem Determinismus vereinbar ist.

·        Willensfreiheit: Eine Person ist in ihrem Wollen frei, insb. wenn sie die Fähigkeit hat, ihren Willen zu bestimmen, zu bestimmen, welche Motive, Wünsche und Überzeugungen handlungswirksam werden sollen.

·        Handlungsfreiheit: Eine Person ist in ihrem Handeln frei, wenn sie tun kann, was sie tun will.

Dass Handlungsfreiheit nicht alles sein kann, ist allerdings schon von Thomas Reid gegen Hume eingewandt worden (Reid 1788). Frei können wir uns nach Reid nur nennen, wenn wir nicht nur tun können, was wir wollen, sondern wenn wir auch bestimmen können, was wir wollen. Wirkliche Freiheit setzt voraus, dass wir bestimmen, aufgrund welcher Motive, Wünsche und Überzeugungen wir handeln; wenn Umstände, die außerhalb unseres Einflussbereichs liegen, bestimmen, welche dieser Beweggründe handlungswirksam werden, sind wir nicht frei. Für verantwortliches Handeln reicht Handlungsfreiheit also nicht aus, der Handelnde muss auch über Willensfreiheit verfügen – über die Fähigkeit, seinen eigenen Willen zu bestimmen, zu bestimmen, welche seiner Motive, Wünsche und Überzeugungen handlungswirksam werden sollen.

Dass Handlungsfreiheit nicht alles sein kann, ergibt sich auch aus unserer Einschätzung von Drogensüchtigen. Drogensüchtige können tun, was sie wollen; sie sind in ihren Handlungen frei. Trotzdem machen wir sie nicht verantwortlich. Sie sind nicht äußerlich, sondern innerlich unfrei; sie unterliegen einem inneren Zwang. Denn der Drogensüchtige kann zwar tun, was er will, aber in seinem Willen, in seinen Entscheidungen ist er nicht frei. Sein Wille führt gewissermaßen ein Eigenleben. Auch wenn er sich anders entscheiden möchte, sein Wunsch, Drogen zu nehmen, wird sich durchsetzen. Der Drogensüchtige ist diesem Wunsch gewissermaßen hilflos ausgeliefert. Mit einem Wort: Was ihm fehlt ist Willensfreiheit.

Die entscheidende Frage für den Kompatibilisten ist daher, ob es Lesarten 3-Komponenten-Modells gibt, die zeigen, dass auch Willensfreiheit mit dem Determinismus vereinbar ist.

2.2.1. Alternativität

Eine Möglichkeit für den Kompatibilisten, mit der ersten Bedingung zu Rande zu kommen, ist zu leugnen, dass sie überhaupt eine notwendige Bedingung für Freiheit bzw. Verantwortlichkeit darstellt. So hat etwa Harry Frankfurt auf der Grundlage des folgenden fiktiven Beispiels argumentiert (Frankfurt 1969): Nehmen wir an, dass sich Hans überlegt, ob er Paul umbringen soll. Hans hat Gründe, dies zu tun, hat sich aber noch nicht entschieden. Außer Hans hat auch Dr. Schwarz Gründe, den Tod von Paul zu wünschen. Aber Schwarz will den Mord nicht selbst ausführen; er will Hans als Instrument benutzen. Und zwar so: Schwarz ist ein genialer Neurochirurg, der in Hans' Gehirn Elektroden eingepflanzt hat, mit denen er Folgendes erreichen kann. Er kann jederzeit feststellen, wozu sich Hans entscheiden wird, und er kann außerdem Hans' Entscheidung in die eine oder andere Richtung manipulieren. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Hans entscheidet sich, Paul zu töten, dann greift Schwarz nicht ein; denn die Entscheidung ist ja in seinem Sinne ausgefallen. Wenn Schwarz aber feststellt, dass Hans dabei ist, sich zu entscheiden, Paul nicht zu töten, dann greift er ein und erreicht mit Hilfe der eingepflanzten Elektroden, dass sich Hans doch dazu entscheidet, Paul zu töten. In diesem Szenario gilt nach Frankfurt: Hans kann sich nur dazu entscheiden, Paul zu töten, er kann sich also nicht anders entscheiden. Falls er aber von selbst – ohne das Eingreifen von Schwarz – zu diesem Entschluss kommt, ist er trotzdem verantwortlich. Also kann man auch dann für eine Entscheidung verantwortlich sein, wenn man sich nicht anders entscheiden kann.

Die andere Möglichkeit für den Kompatibilisten besteht darin, den Stier bei den Hörnern zu packen und zu behaupten, dass wir auch in einer determinierten Welt die Fähigkeit haben können, anders zu handeln bzw. uns anders zu entscheiden. Inkompatibilisten argumentieren: In einer determinierten Welt kann zu jedem Zeitpunkt nur das passieren, was tatsächlich passiert. In einer determinierten Welt kann daher jeder nur das tun, was er tatsächlich tut, er kann nie etwas anderes tun. Denn: Jemand kann nur dann anders handeln, wenn es naturgesetzlich möglich ist, dass er anderes handelt, als er es tatsächlich tut; und das ist in einer deterministischen Welt nicht möglich. Wie kann der Kompatibilist diesem Argument begegnen?

George Edward Moore hat darauf hingewiesen, dass das Wort "können" neben dieser auch noch andere Bedeutungen hat – z.B. die, von der wir ausgehen, wenn wir einer Person eine Fähigkeit zuschreiben (Moore 1912). Diese Bedeutung von "können" lässt sich Moore zufolge so analysieren: Dass jemand X tun kann, d.h., dass er die Fähigkeit hat, X zu tun, heißt nichts anderes, als dass er X tun würde, wenn er sich dazu entschiede, X zu tun. Dies nennt man die konditionale Analyse von Können: Eine Person kann X tun (hat die Fähigkeit, X zu tun), wenn sie X tut, falls sie sich entscheidet, X zu tun. Offenbar ist dieser Analyse zufolge Anders-Handeln- oder Sich-Anders-Entscheiden-Können mit dem Determinismus vereinbar. Denn auch wenn determiniert ist, was ich tue, weil determiniert ist, wie ich mich entscheide, kann es immer noch wahr sein, dass ich etwas anderes täte, wenn ich mich anders entscheiden würde. Mit anderen Worten: Auch wenn es naturgesetzlich unmöglich ist, dass ich zu einem bestimmten Zeitpunkt X tue, kann es durchaus sein, dass ich zu diesem Zeitpunkt die Fähigkeit habe, X zu tun.

Die konditionale Analyse von Können: Eine Person kann X tun (hat die Fähigkeit, X zu tun), wenn sie X tut, falls sie sich entscheidet, X zu tun.

Gegen die konditionale Analyse von Können sind hauptsächlich zwei Einwände vorgebracht worden. Erstens (Austin 1956): Dass man die Fähigkeit hat, X zu tun, heißt keineswegs, dass es einem immer gelingt, X zu tun, wenn man X tun will. Es kann z.B. wahr sein, dass ein Basketballspieler die Fähigkeit hat, Freiwürfe zu verwandeln, auch wenn ihm dies dann und wann nicht gelingt, obwohl er es will. Zweitens (Chisholm 1964): Dass man X tun würde, wenn man sich entscheiden würde, X zu tun, heißt nur dann, dass man X tun könnte, wenn man auch die Fähigkeit hat, sich zu entscheiden, X zu tun. Jemand mit einer Spinnenphobie könnte die Spinne anfassen, wenn er sich dazu entschiede; aber eben das lässt seine Phobie nicht zu. Und deshalb kann er die Spinne nicht anfassen. (Hier handelt es sich offenbar um ein ähnliches Motiv wie bei dem Argument Reids, dass Handlungsfreiheit ohne Willensfreiheit nicht ausreicht, um jemanden verantwortlich zu machen.) Wenn man nun erwidert, dass man auch die Fähigkeit, sich für eine Handlung zu entscheiden, konditional analysieren kann, dann stellt sich das Problem in derselben Form wieder; d.h., dann gerät man in einen infiniten Regress (siehe: Frankfurts Theorie der Willensfreiheit).

Eine Zwischenposition könnte so aussehen: Die Vertreter der konditionalen Analyse von Können besitzen eine richtige Intuition– nämlich die Intuition, dass man auch dann die Fähigkeit haben kann, X zu tun, wenn man determiniert ist, etwas anderes als X zu tun. Sie geben sich jedoch die Blöße, diese Intuition mit einer Analyse von Können zu untermauern, die ihrerseits angreifbar ist. Wie die folgende Überlegung zeigt, ändert das jedoch nichts an der Richtigkeit der zugrunde liegenden Intuition.

Ich habe die Fähigkeit, bestimmte Dinge zu tun; andere Dinge kann ich nicht tun. Ich kann jetzt von meinem Stuhl aufstehen und in den Garten gehen; aber ich kann nicht aus dem Stand zwei Meter hoch springen oder zwei zehnstellige Zahlen im Kopf multiplizieren. Dass ich die Fähigkeit habe, jetzt von meinem Stuhl aufzustehen, ist von bestimmten Voraussetzungen abhängig. Ich hätte diese Fähigkeit nicht, wenn ich an den Stuhl gefesselt oder gelähmt wäre. Offenbar ist es für das Haben der Fähigkeit aber irrelevant, ob ich mich entscheide aufzustehen oder ob ich mich entscheide sitzen zu bleiben. Auch wenn ich mich entscheide, sitzen zu bleiben, habe ich trotzdem die Fähigkeit aufzustehen. Ja, selbst wenn determiniert wäre, dass ich mich entscheide, sitzen zu bleiben, würde das an meiner Fähigkeit nichts ändern. In diesem Sinne kann jemand also auch dann die Fähigkeit haben, anders zu handeln, als er es tut, wenn determiniert ist, was er tut, weil determiniert ist, wie er sich entscheidet. Und in demselben Sinn kann eine Person auch dann die Fähigkeit haben, sich anders zu entscheiden, als sie es tut, wenn ihre Entscheidung determiniert ist.

Die Pointe dieser Überlegung wird noch deutlicher, wenn man sich Folgendes klar macht. Wer bestreitet, dass ein Wesen – sei es Mensch, Tier oder Maschine – die Fähigkeit hat, X zu tun, wenn determiniert ist, dass es etwas anderes als X tut, der muss auch behaupten, dass in einer determinierten Welt kein Wesen eine Fähigkeit hat, wenn es diese Fähigkeit nicht ausübt. In einer determinierten Welt wäre es daher falsch zu sagen, dass ein Auto, das in der Garage steht, 200 km/h schnell fahren kann oder dass ein Mensch, der auf einem Stuhl sitzt, aufstehen kann. Doch das ist unplausibel. Denn wenn das so wäre, könnte man aus der bloßen Tatsache, dass manche Autos 200 km/h schnell fahren können, auch wenn sie es nicht tun, schließen, dass der Determinismus falsch ist.

2.2.2. Urheberschaft

Was heißt es eigentlich, dass ich etwas tue bzw. dass ich eine Entscheidung treffe? Eine naheliegende Antwort ist offenbar, dass ich eine bestimmte Handlung ausführe, wenn es meine Wünsche und meine Entscheidungen sind, die zu dieser Handlung führen, und dass ich etwas entscheide, wenn diese Entscheidung von meinen Wünschen, Überzeugungen und Überlegungen abhängt. Wenn das so ist, bin ich aber auch dann der Urheber meiner Handlungen und Entscheidungen, wenn diese auf bestimmte Ereignisse zurückgehen – darauf, dass ich bestimmte Wünsche habe und bestimmte Entscheidungen treffe, bzw. darauf, dass ich bestimmte Überlegungen anstelle. Und dies bleibt auch dann wahr, wenn meine Wünsche, Entscheidungen und Überlegungen determiniert sind.

Sicher bleibt hier die Frage, was bestimmte Wünsche zu meinen Wünschen und bestimmte Überlegungen zu meinen Überlegungen macht. Aber die Antwort auf diese Frage liegt wohl nicht in der Annahme, dass ich diese Wünsche und Überlegungen kausal herbeiführe. Vielmehr ist es eher so, dass bestimmte Wünsche meine Wünsche sind, wenn ich sie als meine Wünsche anerkenne, wenn ich mich mit ihnen identifiziere, für sie Verantwortung zu übernehmen bereit bin (Fischer/Ravizza 1998). Und dasselbe gilt auch für Überlegungen. Wenn das so ist, dann können Wünsche und Überlegungen aber auch dann meine Wünsche und Überlegungen sein, wenn sie determiniert sind. Und wenn das so ist, dann kann eine Entscheidung auch dann auf mich zurückgehen, wenn sie von vorangegangenen Ereignissen kausal hervorgerufen wurde.

2.2.3. Kontrolle

Inkompatibilisten argumentieren, dass unsere Handlungen nur frei sind, wenn auch unsere Entscheidungen frei sind, und dass unsere Entscheidungen nicht frei sein können, wenn sie determiniert sind. Der Kompatibilist kann dem entgegnen, indem er darauf hinweist, dass Inkompatibilisten im Allgemeinen keine Definition der Willens- oder Entscheidungsfreiheit benutzen, aus der dies folgen würde. Auf kompatibilistischer Seite gibt es jedoch einige Gegenversuche, den Begriff der Willens- oder Entscheidungsfreiheit zu definieren – und zwar so, dass sich zeigt, dass der Inkompatibilist Unrecht hat.

Eine erste solche Definition findet sich wieder bei Moore (Moore 1912). Wenn Handlungsfreiheit darin besteht, dass ich tun kann, was ich tun will, warum, so Moore, soll Willensfreiheit nicht darin bestehen, dass ich wollen kann, was ich wollen will. Was mit dieser auf den ersten Blick seltsamen Formel gemeint ist, wird erst deutlich, wenn wir Harry Frankfurts Theorie höherstufiger Wünsche betrachten (Frankfurt 1971, 1988). Die meisten unserer Wünsche beziehen sich auf Handlungen. Ich möchte mir ein Auto kaufen oder an der Ostsee Urlaub machen. Solche Wünsche nennt Frankfurt Wünsche erster Stufe. Neben diesen gibt es aber auch Wünsche zweiter Stufe, die Wünsche erster Stufe zum Gegenstand haben. Im Fall des Drogensüchtigen z.B. kann man sich gut vorstellen, dass der Drogensüchtige neben dem Wunsch, Drogen zu nehmen, auch den Wunsch hat, genau diesen Wunsch, Drogen zu nehmen, nicht zu haben. Er wäre froh, wenn er diesen Wunsch los wäre oder zumindest, wenn er erreichen könnte, dass sich dieser Wunsch nicht mehr gegen seine anderen Wünsche durchsetzt.

Nach Frankfurt ist eine Person in ihrem Wollen frei, wenn ihr Handeln durch die Wünsche erster Stufe bestimmt wird, von denen sie auf der zweiten Stufe will, dass sie handlungswirksam werden. Diese Definition hat zumindest den Vorteil, dass sie das Problem des Süchtigen zu treffen scheint. Der Süchtige könnte auch keine Drogen nehmen, wenn sein Wunsch, Drogen zu nehmen, nicht handlungswirksam würde. Doch eben dies verhindert seine Sucht. Selbst wenn ihm klar ist, wie schädlich die Einnahme von Drogen ist, und wenn er aus diesem Grund möchte, dass der Wunsch, Drogen zu nehmen, nicht handlungswirksam wird, wird dies nicht geschehen. Sein Wunsch, Drogen zu nehmen, ist stärker. Selbst wenn der Süchtige wollte, dass es nicht so wäre; er kann diesen Wunsch nicht unter Kontrolle bringen. Mit anderen Worten: Er ist in seinem Wollen unfrei, weil sich auf der ersten Stufe die Wünsche durchsetzen, von denen er auf der zweiten Stufe nicht möchte, dass sie sich durchsetzen.

·        Willensfreiheit nach Moore: Eine Person ist in ihrem Wollen frei, wenn sie wollen kann, was sie wollen will.

·        Willensfreiheit nach Frankfurt: Eine Person ist in ihrem Wollen frei, wenn auf der erste Stufe die Wünsche handlungswirksam werden, von der sie auf der zweiten Stufe will, dass sie handlungswirksam werden.

Leider ist jedoch auch Frankfurts Theorie nicht unproblematisch. Denn reicht es für Willensfreiheit wirklich aus, dass auf der ersten Stufe genau die Wünsche handlungswirksam werden, von denen wir auf der zweiten Stufe wollen, dass sie handlungswirksam werden? Müssen wir nicht darüber hinaus fordern, dass auch die Wünsche zweiter Stufe frei sind? Und würde das in Frankfurts Theorie nicht bedeuten, dass sie den Wünschen dritter Stufe entsprechen? Usw. usw. Auch hier droht also ein unendlicher Regress. Außerdem wird in dieser Theorie ein für Willensfreiheit entscheidender Gesichtspunkt außer Acht gelassen – der Gesichtspunkt der Wertung und des moralischen Urteils. Wenn ich vor der Wahl stehe, A oder B zu tun, dann frage ich mich, was unter den gegebenen Umständen die richtige Handlung ist – die Handlung, die ich unter den gegebenen Umständen tun sollte. Und die Fähigkeit, der Einsicht in die Richtigkeit einer Handlung zu folgen, ist für Freiheit zentral. Jedenfalls spielt diese Idee in John Lockes Theorie der Willensfreiheit eine entscheidende Rolle (Locke 1689, 2. Buch, Kap. 21).

Für Locke beruht Willensfreiheit darauf, dass wir – zumindest in vielen Fällen – die Fähigkeit besitzen, vor einer Entscheidung innezuhalten und zu überlegen, was wir in der gegebenen Situation tun sollten – was moralisch richtig wäre und was unseren wohlverstandenen Eigeninteressen am meisten nützen würde. Willensfreiheit setzt nach Locke also zum einen die Fähigkeit voraus, vor dem Handeln innezuhalten und darüber nachzudenken, was in der Situation zu tun richtig wäre. Doch das reicht noch nicht aus. Willensfreiheit setzt nämlich zweitens voraus, dass man dem Ergebnis der eigenen Überlegung gemäß entscheiden (und dann entsprechend handeln) kann. In ihrem Wollen frei ist eine Person also, wenn sie erstens die Fähigkeit besitzt, vor dem Handeln innezuhalten und zu überlegen, und wenn sie zweitens darüber hinaus die Fähigkeit besitzt, dem Ergebnis dieser Überlegung gemäß zu entscheiden und zu handeln. Kompatibilistisch ist diese Position, weil sie durchaus mit der Annahme vereinbar ist, dass die Entscheidungen und Handlungen einer Person mit kausaler Notwendigkeit dem Ergebnis ihrer Überlegungen folgen. Dies ist in Lockes Augen "kein Mangel, sondern ein Vorzug unserer Natur". Denn wer kann schon ein Interesse daran haben, etwas anderes als das zu tun, was ihm bei reiflicher Überlegung als richtig erscheint. Wohl gemerkt: Entscheidend ist für Locke nicht, dass wir vor einer Entscheidung tatsächlich überlegen, sondern dass wir die Fähigkeit besitzen, vor der Entscheidung zu überlegen. Eine Entscheidung ist im Lockeschen Sinne also genau dann frei, wenn wir die Fähigkeit besitzen, vor der Entscheidung innezuhalten und zu überlegen, was zu tun richtig wäre, und wenn unsere Entscheidung dem Ergebnis dieser Überlegungen folgen würde.

Willensfreiheit nach Locke: Eine Person ist in einer Entscheidung frei, wenn sie erstens die Fähigkeit besitzt, vor der Entscheidung innezuhalten und zu überlegen, was zu tun richtig wäre, und wenn sie zweitens die Fähigkeit besitzt, dem Ergebnis dieser Überlegung gemäß zu entscheiden und zu handeln.

Ein großer Vorteil dieser Analyse ist, dass sie noch besser zum Fall des Drogensüchtigen passt. Was der Drogensüchtige beklagt, ist doch, dass er selbst dann, wenn er einsieht, dass die Drogensucht seine Gesundheit ruinieren wird, nicht anders kann, als sich für die Drogen zu entscheiden. Was dem Drogensüchtigen fehlt, ist also die Fähigkeit, so zu entscheiden, wie es aufgrund seiner eigenen Überlegungen richtig wäre. Er mag die Fähigkeit haben, zu überlegen und einzusehen, dass das, was er tut, ihm selbst schaden wird und dass es möglicherweise sogar unmoralisch ist. Doch auf seine Entscheidungen hat das keinen Einfluss. Sie werden durch Umstände determiniert, die durch solche Überlegungen nicht beeinflusst werden können. Außerdem passt Lockes Theorie auch sehr gut zu dem, was sich im Strafrecht zum Thema Verantwortlichkeit findet. Der § 20 StGB lautet: "Ohne Schuld handelt, wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln". Entscheidend ist also auch hier die Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht der Tat und die Fähigkeit, dieser Einsicht gemäß zu handeln.

3. Weitere Positionen

Das sind einige Argumente, die für den Inkompatibilismus, den Libertarismus und den Kompatibilismus ins Feld geführt werden können. Welchen Standpunkt man einnimmt, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Ich denke sogar, dass man in einem gewissen Sinn Inkompatibilist und Kompatibilist zugleich sein kann. Man kann einerseits an den Determinismus glauben, andererseits an die Willensfreiheit im Sinne von "Gemäß-den-eigenen-Charaktereigenschaften-und-Neigungen-Entscheiden-und-Handeln-können" (Kompatibilist), nicht aber im Sinne von "Anders-Handeln- und Sich-Anders-Entscheiden-können" (Inkompatibilist). Der Libertarismus hingegen ist mit keiner der beiden anderen, bisher bekannten Positionen vereinbar. Entweder man ist Determinist oder nicht.

In einer 2009 durchgeführten Erhebung wurde der Verbreitungsgrad der dargelegten Positionen unter Philosophen ermittelt. In der Erhebung wurden Mitglieder von insgesamt 99 philosophischen Fakultäten befragt, die vom Philosophical Gourmet Reportals hochrangig eingestuft wurden, davon 90 in englischsprachigen Ländern. Von den 931 teilnehmenden Philosophen wurden zur Frage "Freier Wille" die Wahlmöglichkeiten (Optionen) "Ich akzeptiere" oder "Ich neige zu" wie folgt auf vier vorgegebene Kategorien verteilt: "Kompatibilismus" 59,1 %, "Libertarismus" 13,7 %, "Kein freier Wille" 12,2 %, "Anderes" 14,9 %.

Unter "Anderes" fallen z.B. die folgenden Positionen:

Ted Honderich meint, „der Determinismus ist wahr, Kompatibilismus und Inkompatibilismus sind aber beide falsch“ und das wahre Problem liege anderswo. Der Determinismus sei deshalb wahr, weil die indeterministischen Quantenphänomene nicht in Raum und Zeit lokalisiert werden können und als abstrakte Entitäten aufzufassen sind. Und den Inkompatibilismus und den Kompatibilismus lehnt Honderich ab, da beide von eingeengten Freiheitsbegriffen ausgehen. Der Inkompatibilismus sieht einen engen Zusammenhang zwischen Freiheit und Letzturheberschaft (origination). Frei sind dieser Auffassung zufolge die Handlungen und Entscheidungen, die nur auf mich und nicht auf Umstände zurückgehen, die ich selbst nicht kontrollieren kann. Kompatibilisten dagegen betonen einen anderen Zusammenhang – den Zusammenhang zwischen Freiheit und Willentlichkeit (voluntariness). Frei sind dem Kompatibilismus zufolge die Handlungen und Entscheidungen, die ich ausführe bzw. treffe, weil ich sie ausführen oder treffen will, die keinerlei inneren oder äußeren Zwängen unterliegen. Ted Honderich hat diese beiden Positionen mit Hilfe einer Unterscheidung zweier grundlegender Hoffnungen (life-hopes) erläutert, die wir im Hinblick auf unser zukünftiges Leben haben können:

„One sort [of hope] is for a future in which our actions will be voluntary, uncompelled and unconstrained. We won’t be in jail or victims of our fearfulness. The other sort of desire is for a future in which our actions are also not fixed products of our natures and environments. We will not just be creatures of them. Each of us has the two sorts of desires, or at any rate each of us is more than capable of having them. One contains ideas of our future actions as our own in being voluntary. The other sort makes them our own in also containing at least an image of our future actions as originated.“

Wieder eine andere Position nahm William James ein, dieser sah in der Willensfreiheit zuvorderst ein pragmatisch nutzvolles Konzept. James glaubte an Willensfreiheit aus "ethischen Gründen", nicht aber, dass auch "naturwissenschaftliche Gründe" für diese Auffassung existieren. Das sei jedoch kein Problem, da Willensfreiheit sowieso metaphysisches Problem ist und deshalb nicht von den Naturwissenschaften behandelt werden könnte. Außerdem bejahte James eine Kompatibilität von Determinismus und moralische Verantwortlichkeit. 

Ein großer Teil der philosophiehistorischen Debatte dreht sich um Mehrdeutigkeiten und Definitionen  von Begriffen wie "Freiheit", "Wille", "Wahl" usw. (Begriffsanalyse). Dass man sich vor allem um Worte zu zanken scheint und sich bis heute auf keine einheitliche Definition des Willensfreiheitsbegriffs einigen konnte, hat einige Philosophen dazu gebracht das Problem der Willensfreiheit als sprachliches Scheinproblem abzutun. Dem entgegnen andere Philosophen, dass das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Determiniertheit ontologisch real sei und bereits Nuancen in der Terminologie einen entscheidenden Unterschied machen können.

Auf jeden Fall sollte man die semantisch Frage (a) nicht unterschätzen, wie dieses Beispiel zeigt: Schon die Substantivierung des Verbs "wollen" zu einem "Willen" (und nicht etwa "Wollenden") ist etwa problematisch. Wer etwas will, übt dabei ein Vermögen aus. Dieses Vermögen oder dessen Ausübung zu einem Ding namens "Wille" zu Substantivieren, dem dann bestimmte Eigenschaften zukommen, oder dem seinerseits gar Fähigkeiten zugeschrieben werden, verschiebt die Aufmerksamkeit von der wollenden Person zu einer Instanz in ihr! Und wenn angenommen wird, dass in Wirklichkeit nicht wir es sind, die etwas wollen oder tun, sondern etwas in uns, eben der Wille, sind philosophische Rätsel vorprogrammiert (unendlicher Regress). Andererseits erscheint es aussichtslos, die etablierte Substantivierung im Terminnus "freier Willle" einfach verbieten zu wollen.

3. Indeterminismus

Als Indeterminismus bezeichnet man die dem Determinismus gegensätzliche Auffassung, dass es einige (mindestens ein) Ereignis gibt, die nicht durch vorangegangene Ereignisse bedingt sind. Libertarianer vertreten eine spezielle Form des Indeterminismus. Sie sind der Meinung, dass undeterminierte Handlungen nicht rein zufällig sind, sondern einem substantiellen Willen entspringen, dessen Entscheidungen undeterminiert sind. Dieser Ansatz wird weithin als nicht zufriedenstellend angesehen, da er das Problem nur einen Schritt weiter zurück verlagert und nicht erklären kann, was ein substantieller Wille ist und welchen Gesetzen er im Unterschied zu herkömmlichen Konzepten des Geistes unterworfen sein soll.

Es spricht jedoch einiges für einen Zufalls-Indeterminismus, bei dem einige Ereignisse ohne kausale Erklärung stattfinden. Die Kopenhagener Standarddeutung der Quantenmechanik etwa vertritt einen objektiven Indeterminismus bezüglich Phänomenen wie dem radioaktivem Zerfall. Wenn diese Phänomene tatsächlich indeterministisch und wenn sie bei unserer Willensbildung relevant sind, wäre der Determinismus falsch. Darauf erwidern Deterministen gerne, dass die Quantenmechanik ursprünglich als Theorie des "räumlich Kleinen" und "Kalten" formuliert wurde. Und das stimmt, mittlerweile werden aber quantenmechanische Experimente bei Lufttemperatur durchgeführt, deren experimentelle Herstellung zu Quantenobjekten führt, die eine Ausdehnung von über hundert Kilometer besitzen. Ein anderes Gegenbeispiel ist der Sehvorgang des Auges, der heute bereits mit quantentheoretischer Genauigkeit untersucht wird. Die Vorstellung der Quantenmechanik als Theorie des Kleinen und Kühlen ist also veraltet. Meine genaue Argumentation und Quellen diesbzgl. können Sie hier nachlesen: neuronaler Determinismus.

Was bedeutet das im Hinblick auf die menschliche Willensfreiheit? Nicht viel. Wenn die Quantenmechanik im Bereich neuronaler Phänomene relevant und zusätzlich auch noch indeterministisch sein sollte, so wäre unser Wille Prozessen unterworfen, die den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit gehorchen. Wenn ich beispielsweise vor der Entscheidung stehe nach rechts oder nach links zu gehen, so kann es sein, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich nach rechts gehe, vierzig Prozent beträgt, und die Wahrscheinlichkeit, dass ich nach links gehe, sechzig Prozent. In diesem Fall wäre mein Willensverlauf indeterministisch, da er mindestens an einer Stelle nicht eindeutig feststeht, aber wäre er auch frei? Definitiv nicht, meine Entscheidung hätte genauso wenig mit einem freien Willen gemein wie jede andere Entscheidung aufgrund von Zufallsereignissen (z.B. aufgrund eines Würfelwurfs).

Die neue – und angesichts der Entwicklungen in der modernen Physik im 20. und 21. Jahrhundert durchaus berechtigte - Frage müsste also lauten: Inwiefern sind Willensfreiheit und Zufalls-Indeterminismus miteinander vereinbar?

Meine Antwort auf diese Frage und zugleich auch meine Position in der Debatte um Willensfreiheit ist die folgende:

(1) Es ist physikalisch anzunehmen, dass alles im Universum entweder mikroskopisch-probabilistisch oder makroskopisch-deterministisch abläuft. Also: Mindestens einige Prozesse im Universum geschehen zufällig, also ist der Indeterminismus wahr.

(2) Wir haben zudem festgestellt: Objektiver Zufall und Willensfreiheit schließen einander ebenso strikt aus wie objektiver Determinismus und Willensfreiheit.

(K) Daraus folgt: Der Indeterminismus ist wahr und es gibt keine Willensfreiheit im starken, alltäglichem Wortsinne.

Keiner der mir bekannten Philosophen vertritt diese Position – der Indeterminismus ist wahr und es gibt keinen freien Willen - ausdrücklich –, obwohl sie eindeutig die empirisch vernünftigste ist! Viele schimpfen sie sogar den "Impossibilismus", wobei mir im Lichte des modernen Weltbildes gerade die anderen Positionen empirisch "unmöglich" aufrechterhaltbar zu sein scheinen. 

4. Ethische und Rechtliche Implikationen

Die meisten Inkompatibilisten verwerfen das Konzept der moralischen Verantwortlichkeit: Wie kann man jemanden moralisch verantwortlich machen, wenn er in jeder Situation immer nur eben jene Möglichkeit zu handeln hat (Alternativität)? Dass die Entscheidungen nicht unter Einschränkung der Handlungsfreiheit entstehen, ändere nichts an der Tatsache, dass der Determinismus den Handelnden von moralischer Verantwortlichkeit entbinde.

Das, jedenfalls für das deutsche Strafrecht maßgebliche, Schuldprinzip leitet das Bundesverfassungsgericht aufgrund der verfassungsrechtliche Leitidee der Menschenwürde aus der Entscheidungsfreiheit des Menschen ab:

„Dem Schutz der Menschenwürde liegt die Vorstellung vom Menschen als einem geistig–sittlichen Wesen zugrunde, das darauf angelegt ist, sich in Freiheit selbst zu bestimmen und zu entfalten.“

- Lissabon–Entscheidung des BVerfG (30. Juni 2009)

Ebenso geht das Strafgesetzbuch von der Voraussetzung der freien Entscheidung aus: Nur „wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln“, handelt gemäß § 20 StGB „ohne Schuld“.

Harte Deterministen, die den Determinismus und moralische Verantwortlichkeit bzw. Schuldfähigkeit für kompatibel halten, plädieren seit geraumer Zeit für einen grundlegenden Kurswechsel in der Rechtstheorie und für ein deterministisches Strafrecht (Vgl. Eduard Dreher: Die Willensfreiheit. Ein zentrales Problem mit vielen Seiten, S. 11 ff.). Solche Fragen werden auch in der Neurojurisprudenz erörtert.

2. Kompatibilisten argumentieren dagegen, dass sich solche Fragen gar nicht erst stellen und Determinismus gerade eine Vorbedingung für moralische Verantwortlichkeit sei. Man könne niemanden für etwas verantwortlich machen, es sei denn, seine Handlungen wurden durch seinen Charakter, seine Motive und Werte bestimmt.

3. Libertarianer halten natürlich ebenso an dem Konzept moralischer Verantwortlichkeit fest, da sie an einen freien Willen glauben, mit dem man sich so-oder-anders entscheiden kann.

5. Verweise

6. Literatur

6.1. Systematische Darstellungen

·       Hannah ArendtVom Leben des Geistes. Bd. 2 Das Wollen. Piper, München 1979.

·       Peter BieriDas Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens. Hanser, München 2001. (Lizenzausgabe als „Fischer TB 15647“ Fischer, Frankfurt 2003.

·       Daniel DennettElbow Room: The Varieties of Free Will Worth Having. MIT Press, Cambridge, MA 1984.

·        Edith Düsing, Klaus Düsing, Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Geist und Willensfreiheit. Klassische Theorien von der Antike bis zur Moderne. Königshausen & Neumann, Würzburg 2006.

·        Dirk HartmannWillensfreiheit und die Autonomie der Kulturwissenschaften. In: Handlung Kultur Interpretation. (PDF; 2,1 MB) 9, 2000, S. 66–103. (repr. In: e-Journal Philosophie der Psychologie. (PDF; 178 kB) 1, 2005.)

·        Uwe an der HeidenHelmut SchneiderHat der Mensch einen freien Willen? Die Antworten der großen Philosophen. Reclam jun., Stuttgart 2007.

·       Geert KeilWillensfreiheit. De Gruyter, Berlin 2007.

·        Andreas Klein: Willensfreiheit auf dem Prüfstand. Ein anthropologischer Grundbegriff in Philosophie, Neurobiologie und Theologie. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2009.

·        Michael McKenna, Derk PereboomFree Will: A Contemporary Introduction. Routledge, New York 2016.

·        Michael PauenGerhard RothFreiheit, Schuld und Verantwortung. Grundzüge einer naturalistischen Theorie der Willensfreiheit. Suhrkamp, Frankfurt 2008, ISBN 978-3-518-26012-8.

·       Franz M. WuketitsDie Illusion des freien Willens – Essay. In: APuZ. 44-45/2008, S. 3–5.

6.2. Freiheit und Determinismus

·       Brigitte FalkenburgMythos Determinismus. Wieviel erklärt uns die Hirnforschung? Springer, Heidelberg 2012.

·       Jürgen HabermasFreiheit und Determinismus. In: DZPhil. 2004: 52/6, S. 871–890. (ern. In: Zwischen Naturalismus und Religion. Philosophische Aufsätze. Suhrkamp, Frankfurt 2005)

·       Ted HonderichWie frei sind wir? Das Determinismus-Problem. Reclam, Stuttgart 1995.

·       Geert KeilWillensfreiheit und Determinismus. Grundwissen Philosophie. Reclam TB 20329. Reclam, Stuttgart 2009.

6.3. Psychologische Aspekte

·        Martin Heinze, Thomas Fuchs, Friedel M. Reischies (Hrsg.): Willensfreiheit – eine Illusion? Naturalismus und Psychiatrie. Pabst/Parodos, Lengerich/ Berlin 2006.

·         Josef Lukas (Hrsg.): Themenheft: Wie frei ist unser Wille? In: Psychologische Rundschau. 55/4, 2004, S. 161–206. (Kommentare dazu in: Psychol. Rdsch. 56/3, 2005, S. 220–239)

·        Wolfgang PrinzOpen Minds: The Social Making of Agency and Intentionality, MIT Press 2012, S. 358 - Deutsche Übersetzung von Jürgen Schröder: Selbst im Spiegel. Die soziale Konstruktion von Subjektivität. Suhrkamp, Berlin 2013, S. 502.

6.4. Aspekte aus der Hirnforschung

·        Peter BieriUntergräbt die Regie des Gehirns die Freiheit des Willens? In: Martin Heinze u. a.: Willensfreiheit – eine Illusion? 2006.

·        Christian Geyer (Hrsg.): Hirnforschung und Willensfreiheit. Zur Deutung der neuesten Experimente. Suhrkamp, Frankfurt 2004. (es 2387)

·        Thomas GoschkeDer bedingte Wille. Willensfreiheit und Selbststeuerung aus der Sicht der kognitiven Neurowissenschaft. In: Gerhard RothKlaus-Jürgen Grün (Hrsg.): Das Gehirn und seine Freiheit. Beiträge zur neurowissenschaftlichen Grundlegung der Philosophie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, S. 107–156.

·        Ingo-Wolf Kittel: Hirnforschung und Willensfreiheit. In: bvvp-Magazin 3, 2005, S. 12–14.

·        Michael PauenIllusion Freiheit? Mögliche und unmögliche Konsequenzen der Hirnforschung. Fischer, Frankfurt 2004.

·        Reinhard WerthDie Natur des Bewusstseins – Wie Wahrnehmung und freier Wille im Gehirn entstehen. C. H. Beck, München 2010.

6.5. Handlungsfreiheit, Schuldfähigkeit und juristische Aspekte

·       Christof Gestrich, Thomas Wabel (Hrsg.): Freier oder unfreier Wille? Handlungsfreiheit und Schuldfähigkeit im Dialog der Wissenschaften. Beiheft 2005 zur Berliner Theologischen Zeitschrift.

·       Martin HochhuthDie Bedeutung der neuen Willensfreiheitsdebatte für das Recht. In: Juristenzeitung. (JZ) 2005, S. 745–753.

·       Thomas Stompe, Hans Schanda (Hrsg.): Der freie Wille und die Schuldfähigkeit in Recht, Psychiatrie und Neurowissenschaften. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2010.

·       Rolf Dietrich HerzbergWillensunfreiheit und Schuldvorwurf, Mohr-Siebeck, Tübingen 2010.

·       Thomas Hillenkamp"Freie Willensbestimmung" und Gesetz, In: Juristenzeitung. (JZ) 2015, S. 391–401.

Stand: 2017

Kommentare: 6
  • #6

    WissensWert (Freitag, 13 Oktober 2017 23:11)

    Entgegen einer landläufigen Fehleinschätzung ist die Willensfreiheitsdebatte nicht der theoretischen, sondern der praktischen Philosophie zuzuordnen, da sie sich primär mit dem Handeln / Entscheiden und nicht per se mit dem Denken beschäftigt.

  • #5

    WissensWert (Freitag, 13 Oktober 2017 23:10)

    https://www.youtube.com/watch?v=PFkZGpN4wmM

  • #4

    WissensWert (Freitag, 13 Oktober 2017 22:46)

    https://www.sapereaudepls.de/was-darf-ich-hoffen/religion/islam/

    Gottesknechtschaft statt Leben in Selbstverantwortung

    Koran und Überlieferungen verbreiten die Mär, jede Handlung des Menschen wäre von Gott vorherbestimmt, und ohne Erlaubnis Gottes könne kein Mensch etwas tun. Sein Schicksal sei von Gott besiegelt. Allah bestimme, wer reich und wer arm werde, bestimme, wer Muslim und wer Ungläubiger würde und so fort. Mohammed hat einen Gott kreiert, der beliebig und ungerecht handelt, und wer nicht an ihn glaubt, sei Heide.

    Ich meine hingegen: Erst die Selbstverantwortung führt den Menschen zur radikalen Bejahung der eigenen Existenz und zur Freiheit. Dadurch, dass im Islam alles als von Gott gelenkt proklamiert wird, wird der Mensch in die Nichtigkeit, d.h. in die Unmündigkeit und Wertlosigkeit geführt und versinkt in Gleichgültigkeit und Passivität. Dies kann man in vielen muslimisch geprägten Ländern beobachten. Die negative Wirkung dieser Lehre wird noch dadurch verstärkt, dass viele gläubige Muslime glauben, dass das eigentliche Leben erst im Jenseits gelebt werde. Dieser Irrglaube behindert Wissenschaft, Fortschritt, Aufklärung, Mündigkeit und Freiheit. Abgesehen davon schwächt all dies die Moral, weil dem Menschen die Verantwortlichkeit für seine Taten abgenommen wird.

  • #3

    WissensWert (Dienstag, 10 Oktober 2017 00:08)

    Willensfreiheit als „So-oder-anders-Können“.

  • #2

    WissensWert (Samstag, 30 September 2017 22:26)

    „Kausalgesetz und Willensfreiheit – ein Thema so alt wie der innere Drang eines jeden ernsthaft nachdenkenden Menschen, das Bewusstsein seiner eigenen sittlichen Würde in Einklang zu bringen mit seiner Überzeugung von dem Walten einer strengen Gesetzlichkeit in dem gesamten Getriebe der äußeren und inneren Welt. Offenbart sich hier doch auf den ersten Anblick ein Gegensatz, wie er schärfer kaum gedacht werden kann:

    Auf der einen Seite der Ablauf aller Geschehnisse nach unverbrüchlichen Regeln – in der Natur wie im Geistesleben -, die Vorbedingung jeder wissenschaftlichen Erkenntnis und die Grundlage allen praktischen Handelns.

    Auf der anderen Seite die uns in unserem Selbstbewusstsein, also durch die unmittelbarste Erkenntnisquelle, die es geben kann, verbürgte Gewissheit, dass wir letzten Endes selber Herr sind über unsere eigenen Gedanken und Entschließungen, dass wir in jedem Augenblick die Möglichkeit haben, so oder so zu handeln, klug oder töricht, gut oder schlecht.

    Wie reimt sich dies beides zusammen? Sicherlich ist doch jeder einzelne von uns auch nur ein Stück der großen Welt, und daher ebenso wie alle übrigen Wesen ihren Gesetzen unterworfen.“

    Max Planck, Kausalgesetz und Willensfreiheit, 1923

  • #1

    WissensWert (Samstag, 30 September 2017 22:25)

    http://www.spektrum.de/news/persoenliche-meinung-zur-willensfreiheit-beeinflusst-hirnaktivitaet/1072951


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