„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Nonkognitivismus

Nonkognitivismus bezeichnet einen metaethischen Standpunkt, nach dem moralische Aussagen wie "Q ist gut" keine gerechtfertigten, objektiven Wahrheiten darstellen. Die nonkognitivistische These lässt sich weiter individuieren:

  • Epistemologischer Nonkognitivismus: Es gibt keine Erkenntnis moralischer Wahrheiten. "A ist gut" ist also keine Erkenntnis über die Welt, sondern drückt eine subjektive Überzeugung (Subjektivismus), kollektive Gepflogenheit (Relativismus) o.ä. aus.
  • Sprachanalytischer Nonkognitivismus: Moralische Sätze wie "A ist gut" sind nicht wahrheitsfähig, d.h. sie können nicht wahr oder falsch sein. "A ist gut" ist also keine Proposition oder Behauptung, sondern drückt ein Gefühl (Emotivismus), einen Befehl (Präskriptivismus) o.ä. aus.

Aus den drei Interpretationen des Nonkognitivmus (1) bis (3) folgt jeweils ein moralischer Skeptizismus. Wenn es (1) keine moralischen Wahrheiten gibt, (2) wir keine moralischen Wahrheiten erkennen können oder (3) moralische  Auffassungen nicht wahr sein können, so können wir nie in den Besitz moralischer Wahrheiten und damit moralischen Wissens kommen. Normen und Gebote sind folglich keine Frage von wahr oder falsch, sondern von subjektiven oder intersubjektiven Meinungen, Gefühlen oder Befehlen.

Der ontologische und der sprachanalytische Nonkognitivismus stehen im engen Verhältnis zum Sein-Sollen-Fehlschluss bzw. Naturalistischen Fehlschluss. Das inhaltliche Verhältnis besteht darin, dass beide Positionen sowie Fehlschlüsse davon ausgehen, dass das Verhältnis zwischen Fakten und Normen Auswirkungen darauf haben kann, wie man den Wahrheitsbezug des Moralischen einschätzt. Das strukturelle Verhältnis drückt sich darin aus, dass wieder eine epistemologische und sprachanalytische Ebene unterschieden werden.

1. Ontologischer (Non-)Kognitivismus

Der ontologische (Non-)Kognitivismus bezieht Stellung zu der Frage, ob so etwas wie moralische Wahrheiten existieren. Hiermit ist ein primär ontologischer Fragenkreis angesprochen: Stehen moralische Überzeugungen unter einer objektiven Differenz von wahr oder falsch? Können moralische Überzeugungen wie "A ist gut" mit etwas in der Welt korrespondieren, das sie wahr macht?

2. Epistemologischer (Non-)Kognitivismus

Der epistemologische (Non-)Kognitivismus bezieht Stellung zu der Frage, ob man so etwas wie moralische Erkenntnis haben kann. Hiermit ist ein primär epistemologischer Fragenkreis angesprochen: Haben wir einen prinzipiellen Erkenntniszugang zu moralischen Wahrheiten? Können wir Einsicht in moralische Wahrheiten der Form "A ist gut" erlangen?

2.1. Der epistemologische Kognitivismus

Der epistemologische Kognitivismus bejaht diese Fragen: Ihm zufolge ist in moralischen Angelegenheiten, ähnlich wie in faktischen Zusammenhängen, objektive Erkenntnis möglich. Der normative Satz "helfen ist gut" kann also in ähnlicher Weise wahr sein wie der deskriptive Satz "der Stuhl ist blau". Gewiss sind nicht alle moralischen Aussagen wahr, und vielleicht sind moralische Überzeugungen mit größeren Unsicherheiten behaftet als empirische oder positive Einsichten. Aber zumindest lässt sich nach dem epistemologischen Kognitivismus sinnvoll von moralischer Erkenntnis sprechen, wie schwer sie auch zu erlangen sein mag. Dies hat zur Voraussetzung, dass es im Moralischen, ähnlich wie im Faktischen, überhaupt objektive Wahrheit gibt, d.h. dass der ontologische Kognitivismus wahr ist. Der epistemologische Kognitivismus geht aber über einen moralischen Objektivismus hinaus und behauptet nicht nur, dass es moralische Wahrheit gibt, sondern dass wir diese auch prinzipiell erkennen können.

Offensichtlich ist der epistemologische Kognitivismus Bedingung dafür, dass normative Ethik, d.h. die philosophische Suche nach moralischer Erkenntnis, eine sinnvolle Beschäftigung sein kann. Dabei lässt er sich noch einmal in zwei Hauptvarianten untergliedern, die ihrerseits Stellung dazu nehmen, wie moralische Wahrheit genauer zu denken ist.

2.1.1. metaethischer Realismus

Stand: 2018

Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Freitag, 20 April 2018 01:35)

    In diesem Abschnitt werden wir zuallererst einige zentrale Begrifflichkeiten einführen. Diese werden es uns erlauben, eine präzisere Unterscheidung zwischen Nonkognitivismus und seinem Gegenpart, demKognitivismus, vorzunehmen.
    Sprachformen werden generell in zwei Arten unterteilt: Kognitive Sätze(kognitiver Sprachgebrauch) und nonkognitive Sätze (instrumentaler Sprachgebrauch). Kognitive Sätze sind tatsachenabhängig oder tragen Wahrheitswerte, gegenteilig die nonkognitiven Sätze, die tatsachenunabhängigsind und keine Wahrheitswerte tragen.
    Kognitive Sätze beschreiben typischerweise Sachverhalte, wie zum Beispiel: "Angela Merkel war 2009 die Bundeskanzlerin Deutschlands" oder "Die Erde ist [annähernd] rund". Solche Sätze sind überprüfbar und stets entweder wahr oder falsch.
    Auf der anderen Seite beschreiben nonkognitive Sätze wie "Du sollst nicht stehlen", "man darf keine Steuern hinterziehen" oder "Lass die Türe bitte offen"keine Sachverhalte, sie können dementsprechend auch nicht als Träger von Wahrheit oder Unwahrheit auftreten. Dennoch besitzen nonkognitive Sätze eine andere Art von illuktionärer Kraft!


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