„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Person (Ethik)

Der Ausdruck "Person" spielt eine zentrale Rolle in der philosophischen Ethik. Das liegt daran, dass er gewöhnlich für dasjenige steht, was uns (uns alle) ausmacht und zugleich so besonders an uns ist.

Darin gleicht er dem Ausdruck "Mensch", wie er z.B. in der anthropologischen Grundfrage der Philosophie: „Was ist der Mensch?“ auftaucht. Da es allerdings umstritten ist, ob tatsächlich alle Menschen diese besonderen Eigenschaften teilen (auch ungeborene, sehr junge, stark geistig behinderte, dauerhaft bewusstlose oder tote Menschen) und ob es nicht umgekehrt weitere ‚Bewohner‘ der Welt geben könnte, die dafür ebenfalls in Frage kommen (übermenschliche Wesen, Tiere, Korporationen, Maschinen), wird dem Wort "Person" heutzutage häufig der Vorzug gegeben. Kurz, es ist klar, dass wir Personen sind, philosophisch ist es aber strittig, erstens was genau unsere Personalität ausmacht und zweitens wer ebenfalls eine Person ist und wer nicht.

1. Geschichte des Personenbegriffs

Das deutsche Wort „Person“ geht auf das lateinische „persona“ zurück, das wiederum die Übersetzung des griechischen „prosopon“ war. Der griechische, wie auch der lateinische Ausdruck bezeichneten ursprünglich Theatermasken, wurden dann aber auch für die entsprechenden Rollen im Schauspiel verwendet und von dort wiederum auf die Rollen beispielsweise vor Gericht übertragen. Großen Einfluss hatte Ciceros Verwendung des Wortes „persona“ für die Rollen, die ein Mensch in seinem Leben spielt und an denen er sich orientieren sollte („Über die Pflichten“). In der christlichen Theologie diente „persona“ zur Charakterisierung sowohl der Dreifaltigkeit Gottes (drei Personen einer Substanz) als auch des Wesens Christi (eine Person zweier Substanzen). Maßgebliche Bedeutung für die weitere Diskussion hatte die Charakterisierung der Personen als ‚individuelle Substanz rationaler Natur‘ durch den spätantiken Philosophen Boethius.

In der neuzeitlichen Philosophie haben vor allem drei Philosophen auf den Personenbegriff zurückgegriffen, Thomas Hobbes, John Locke und Immanuel Kant. Bezeichnend für Hobbes‘ Verwendung ist die aus dem juristischen Umfeld stammende Idee, dass es für Personen kennzeichnend ist, dass ihnen Handlungen zugerechnet werden können. Insofern spielen sie eine Rolle ganz ähnlich wie menschliche Akteure, auch wenn sie keine natürlichen Personen sind, sondern beispielsweise Firmen oder Staaten. Dieses Verständnis von Personalität und die Frage, wie ernst man nicht-natürliche Personen philosophisch nehmen sollte, hat heute in der Wirtschaftsethik große Bedeutung.

Für Lockes Personenbegriff ist kennzeichnend, dass er unter einer „Person“ dasjenige verstand, was jemand mit „Ich“ bezeichnen kann. Daraus folgt, dass Personen eine bestimmte zeitliche Ausdehnung haben, eine Biografie, zu der all das gehört, was diese Person einmal gewesen ist und wofür sie sich deshalb – das war Lockes eigentliches Anliegen – auch verantwortlich fühlen muss („Versuch über den menschlichen Verstand“ 2. Buch, Kap. XXVII). Mit der Frage, wie weit die eigene Biografie reicht, wer man also früher einmal gewesen ist, hat Locke den Anstoß für die moderne Debatte über die Bedingungen personaler Identität gegeben (siehe den entsprechenden Absatz unten). Nach seiner eigenen Überzeugung ergibt sich die Identität aus den Fähigkeiten des Gedächtnisses: Man war, wer gewesen zu sein man sich erinnert. Das macht schon deutlich, dass für Locke, wie bereits für die Tradition vor ihm, Personalität an das Vorliegen bestimmter psychischer Fähigkeiten geknüpft war. Insofern hatte er auch einen großen Anteil an der modernen Debatte über die grundsätzlichen Bedingungen von Personalität (siehe unten).

Ebenfalls im Einklang mit dieser Debatte verstand auch Kant unter einer Person ein vernünftiges Wesen, woraus sich im Rahmen seiner Ethik vor allem ein spezieller Anspruch auf moralische Berücksichtigung, auf Achtung ihrer Würde, ergibt („Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, 2. Abschnitt). Weil Personen vernünftig sind, sind sie autonom und dürfen deshalb (in ihrer Vernünftigkeit) nicht bloß als Mittel, sondern müssen immer auch als Zweck behandelt werden (à kategorischer Imperativ). Kant hat damit einen wesentlichen Anteil an der aktuellen Debatte gehabt, ob und inwieweit unser Personsein unseren speziellen moralischen Status in der Welt ausmacht (siehe unten).

2. Philosophische Debatten rund um den Personenbegriff

Wie sich schon in dem historischen Überblick gezeigt hat, lassen sich ganz grob drei Aspekte unterscheiden, in Bezug auf die wir etwas Besonders sind, also auch dreierlei Antworten auf die Frage, was eine Person ausmacht und wen man deshalb zu den Personen zählen sollte. Der erste Aspekt ist der der Personalität als Verantwortlichkeit, der heute vor allem in der Wirtschaftsethik eine Rolle spielt und hier nicht weiter thematisiert werden soll. Die beiden anderen Aspekte kann man als den der metaphysischen Personalität und den der moralischen Personalität bezeichnen.

2.1. Metaphysische Personalität

In der anthropologischen Tradition wird immer wieder darauf hingewiesen, dass es für uns charakteristisch ist, spezielle psychische oder geistige Fähigkeiten zu haben, die unter Umständen darauf zurückzuführen sind, dass wir einen besonderen ontologischen Status in der Welt einnehmen. Philosophisch strittig ist aber, welche Fähigkeiten dies sind (Problem der Bedingungen der Personalität) und welchen ontologischen Status wir als Personen haben (Problem der personalen Identität).

Die beiden wichtigsten philosophischen Themen im Zusammenhang mit der Personalität, verstanden als metaphysischer Personalität, sind die der Bedingungen der Personalität und der personalen Identität.

2.1.1. Bedingungen der Personalität

Gegeben dass es für uns charakteristisch ist, besondere psychische, Intellektuelle Fähigkeiten zu haben, die uns dramatisch vom Rest der Welt unterscheiden, dann stellt sich immer noch die Frage, worin genau diese Fähigkeiten bestehen. Insbesondere dann, wenn man die verbreitete Überzeugung teilt, dass viele Tiere, wenn nicht sogar auch Pflanzen und Maschinen, ebenfalls bestimmte (‚primitive‘) kognitive Fähigkeiten haben, einfache Absichten, Meinungen, Wünsche, liegt es nahe, Personalität an einen komplexeren Intellekt zu koppeln. Typische Vorschläge laufen darauf hinaus, höherstufige, reflexive Einstellungen zu verlangen und/oder bestimmte Vorstellungsinhalte (zum Beispiel einen Begriff von Moral) und/oder sprachliche Fähigkeiten. Alle Vorschläge sind allerdings mit den Problemen konfrontiert, erstens nicht so anspruchsvoll sein zu dürfen, dass wir selbst Gefahr laufen, aus dem Kreis der Personen hinauszufallen, zweitens nicht allzu einseitig unsere intellektuelle Seite hoch zu schätzen (beispielsweise im Vergleich mit unserer moralischen Seite) und sich drittens der Frage zu stellen, inwiefern bestimmte, uns intellektuell nahestehende Tiere (Menschenaffen, Delphine …) oder in Zukunft vielleicht mögliche Maschinen ebenfalls zu den Personen gezählt werden sollten.

Diese letzten beiden Fragen, nach der metaphysischen Personalität von Tieren und Maschinen knüpfen jeweils an lange eigenständige Traditionen an. Dabei ging es bei den Tieren ursprünglich häufig um die Frage, ob sie eine Seele haben und wenn ja, wie sich diese zur Menschenseele verhält. Die Möglichkeit personaler Maschinen war hingegen eng an die Diskussion eines mechanistischen Verständnisses des menschlichen Geistes gekoppelt.

2.1.2. Personale Identität

Seit Locke wird in der Philosophie die Frage diskutiert, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, von einer Person, die zu einer anderen Zeit gelebt hat oder in Zukunft leben wird, sagen zu können, sie sei mit mir identisch. Eine andere, äquivalente Formulierung dieser Frage lautet: Welche Veränderungen kann eine Person durchmachen, ohne dadurch vernichtet zu werden? Dahinter stehen neben der grundsätzlichen theoretischen Neugierde zwei praktische Interessen, zum einen an den Grenzen individueller Verantwortlichkeit (wie bei Locke) und zum anderen an den Grenzen individueller Planbarkeit. Wir möchten wissen, wie unsere Biografie bislang verlaufen ist und welche denkbaren Lebenswege für uns weiterhin möglich sind. Angesichts unserer vergleichsweise homologen Biografien wird diese Debatte entweder im Rückgriff auf außergewöhnliche pathologische Lebensläufe geführt (zum Beispiel schwere Persönlichkeitsstörung oder chirurgische Eingriffe im Gehirn) oder noch häufiger mithilfe von fantastischen Gedankenexperimenten wie Gehirntransplantationen, Telepathie oder der „Auslagerung“ des Gehirns in einen Bottich mit Nährflüssigkeit (brain in a vat). Grundsätzlich lassen sich drei Positionen unterscheiden, worauf die Identität der Person beruht, sowie verschiedene Mischformen und Weiterentwicklung: erstens auf der körperlichen Identität, zweitens auf der psychischen Kontinuität und drittens auf der sozialen Anerkennung als dieselbe Person. Entsprechend unterschiedlich fallen die Einschätzungen aus, inwieweit eine Person eine bestimmte Behandlung überstehen kann und wo sie sich danach befindet.

2.2. Moralische Personalität

Gerade in der modernen Angewandten Ethik spielt der Personen-Begriff eine große Rolle als Bezeichnung für die besondere Schutzwürdigkeit, den besonderen moralischen Status, den wir gegenüber einem anderen auf der Welt haben. Moralische Person sind solche, die uns in dieser Hinsicht gleichen. Eine zentrale Frage lautet in diesem Zusammenhang, inwiefern sich unsere moralische Personalität aus unserer metaphysischen Personalität ergibt und ob folglich nur metaphysische Person moralische Person sein können. Gerade in Deutschland wird an dieser Stelle häufig ein Zusammenhang zwischen Personalität und Menschenwürde (Menschenwürde) hergestellt.

Es gibt eine Reihe von thematischen Kontexten, in denen in der angewandten Ethik besonders häufig die Frage nach der moralischen Personalität gestellt wird:

2.2.1. Kleine Kinder, stark geistig behinderte oder dauerhaft bewusstlose Menschen

Die Frage, ob diese Menschen moralische Person sind, wird in der Debatte häufig als eine Art Lackmustest verwendet, um einen bestimmten Vorschlag zu überprüfen, nicht selten, um ihn ad absurdum zu führen: Wer ihnen nicht zugesteht, moralische Person zu sein, der hat etwas grundfalsch gemacht. Die Gegenreaktion, diesen Menschengruppen tatsächlich moralische Personalität abzusprechen, wie sie beispielsweise von Peter Singer vertreten worden ist, hat zumindest in Deutschland auch über die Grenzen der Philosophie hinaus zu einer großen Skepsis und Misstrauen gegenüber dem Personenbegriff allgemein geführt (zum Beispiel bei Behindertenverbänden und in der Sozialpsychiatrie).

2.2.2. Embryonen und Föten

Sowohl in der Abtreibungsdebatte als auch in der Debatte um die Zulässigkeit von Embryonenforschung und Präimplantationsdiagnostik stellte sich immer wieder die Frage, von welchem Stadium einer Schwangerschaft an ein Embryo oder ein Fötus in moralischer Sicht denselben Status hat wie wir. Da es kaum zu bezweifeln ist, dass auch Embryonen und Föten Menschen sind, wurde nicht selten gefragt, ob sie darüber hinaus aber auch moralische Personen sind. Gerade im Kontext der Abtreibungsdebatte war dabei die Frage interessant, inwieweit die Geburt einschneidend genug ist, um zu erklären, dass ein Mensch dadurch zur moralischen Person wird.

2.2.3. Hirntote

In der Debatte, wann ein Mensch tot ist, wird gelegentlich zwischen dem biologischen Tod eines Menschen und seinem personalen Tod unterschieden. Der personale Tod, so wird argumentiert, markiert das Ende der moralischen Person und ist deshalb wichtig, wenn es darum geht, ob einem Menschen beispielsweise Organe für eine Transplantation entnommen werden dürfen.

2.2.4. Tiere

In der Tierethik wird die verbreitete Haltung, Menschen den Tieren moralisch vorzuziehen, häufig als speziesistisch kritisiert, als eine ungerechtfertigte ethische Vetternwirtschaft (s. Tierethik). Es komme nicht darauf an, ob ein Wesen ein Mensch sei oder nicht, sondern darauf, welche moralisch relevanten, schützenswerten Eigenschaften es hat, kurz: ob es eine moralische Person sei. Das aber könnten nicht nur Menschen sein, sondern auch die besonders intelligenten und uns auch in anderer Hinsicht ähnlichen Tiere, in erster Linie die großen Menschenaffen. Eine Reihe von prominenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat sich deshalb dafür stark gemacht, diese Affen als moralische Personen und damit auch als Träger von Menschenrechten anzuerkennen. Kritiker dieser Position nehmen dies nicht selten zum Anlass, den Personenbegriff insgesamt infrage zu stellen.

3. Materialien zu den Themen

3.1. Person allgemein

Michael Quante, Person, De Gruyter Verlag 2007

Dieter Sturma (Hg.), Person, Paderborn 2001

Martin Brasser (Hg.), Person, Reclam, Stuttgart 1999:

preiswerte Sammlung mit Ausschnitten aus historischen Texten.

3.2. Geschichte des Personenbegriffs:

Joachim Ritter et al. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie, Schwabe Verlag, Basel, 1971 bis 2007, Bd. 7, Stichwort „Person“:

Sehr ausführliche historische Darstellung, die kaum Wünsche offen lässt.

3.3. Bedingungen der Personalität:

Peter Bieri (Hg.), „Analytische Philosophie des Geistes“, Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 4. Aufl. 2007, Abschnitt „Der Begriff der Person“.

 

Enthält klassische Texte zu diesem Thema von Daniel Dennett und Harry Frankfurt.

 

Hans-Peter Schütt (Hg.), Die Vernunft der Tiere, Keip Verlag, Frankfurt/M. 1990. Empfehlenswerte Sammlung von klassischen Texten zum Thema Tiervernunft.

 

Dominik Perler, Markus Wild (Hg.), Der Geist der Tiere, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2005. Entsprechende Sammlung von modernen Texten.

 

Daniel Dennett, Douglas Hofstatter (Hg.), Einsicht ins Ich: Fantasien und Reflexionen über Selbst und Seele, DTV 1994.

 

Sammlung mit Texten zu ganz unterschiedlichen Aspekten des Themas Personalität, darunter einigen interessanten zur Personalität von Artefakten.

 

Das Thema intelligente Maschinen ist außerdem Gegenstand zahlloser literarischer Werke und Filme, beispielsweise:

E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann (1817). Ein Klassiker.

Isaac Asimov, Robotergeschichten

Stanislav Lem, Robotermärchen (1964). Märchen, in denen die Akteure Roboter statt Menschen sind. In Lems Werken finden sich viele weitere Anknüpfungspunkte für dieses Thema.

2001: Odyssee im Weltraum (1968).

Der Bordcomputer HAL ist vermutlich die berühmteste personale Maschine aller Zeiten (inklusive Neurose und Minderwertigkeitskomplex).

http://www.imdb.com/title/tt0062622

Terminator I bis IV (1984-2009).

T1: http://www.imdb.com/title/tt0088247

T2: http://www.imdb.com/title/tt0103064

T3: http://www.imdb.com/title/tt0181852

T4: http://www.imdb.com/title/tt0438488

I, Robot (2004). http://www.imdb.com/title/tt0343818

A.I. – Artificial Intelligence (2001) http://www.imdb.com/title/tt0212720

Vgl. auch: http://simpsonspedia.net/index.php?title=B.I.:_Bartifical_Intelligence

3.4. Personale Identität:

Michael Quante (Hg.), Personale Identität, UTB 1999.

Sammlung der wichtigsten modernen Texte zu diesem Thema.

Daniel Dennett, Wo bin ich? In: Dennett/Hofstadter s.o.

Ein Filmtipp:

The Prestige (2006) http://www.imdb.com/title/tt0482571

Gastbeitrag von: Ralf Stoecker

Stand: 2017

Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Donnerstag, 05 Oktober 2017 15:18)

    Person im philosophischen Sinn wird von manchen als das Wesen des Menschseins vor dem Hintergrund des abendländischen Denkhorizonts gesehen: Dem Menschen als Person wird eine gewisse Freiheit der Entscheidung und Verantwortlichkeit für sein Handeln zugeschrieben. Andere philosophische Strömungen sehen den Personenbegriff nicht beschränkt auf Menschen.

    In der klassischen Philosophie ist die Definition des Boethius der Ausgangspunkt des Verständnisses vom Menschen als Person: Persona est rationalis naturae individua substantia, d. h. Person ist die unteilbare („individuelle“) Substanz rationaler (vernünftiger) Natur. Danach liegt der Erscheinung des Menschen als denkendem Lebewesen ein sinnlich nicht wahrnehmbarer, d. h. metaphysischer Wesenskern zugrunde. Seine Definition wird jedoch in der Philosophie als unzureichend angesehen, weil sie den kategorialen Person-Begriff und seinen ontologischen Status nicht betrachte.[5]

    „Person“ in diesem Sinne wurde in der mittelalterlichen Philosophie dann öfter mit dem Begriff „unsterbliche Seele“ identifiziert. In der christlichen Religion beispielsweise steht der Begriff der Person sogar für eines der zentralen Wesensmerkmale Gottes.[6] In der Philosophie der Neuzeit (Aufklärung) wurde der Begriff Person als einer substanziellen Realität vielfältig kritisiert und seine metaphysische Dimension argumentativ bestritten. Seit dem 20. Jahrhundert ist nicht mehr von einer Substanz die Rede, sondern von Personalität im Sinne eines Existenzials.

    Immanuel Kant unterschied deutlich zwischen dem Begriff der Person als Vernunftwesen und der „unsterblichen Seele“ als reiner Vernunftbegriff. „Person ist dasjenige Subjekt, dessen Handlungen einer Zurechnung fähig sind.“ Eine Person folgt „keinen anderen Gesetzen als denen, die sie (entweder allen oder wenigstens zugleich mit anderen) sich selbst gibt.“[7]

    In modernen philosophischen Strömungen sind Personen die Subjekte der Ethik. Manche Ethiker, so Peter Singer, unterscheiden zwischen Mensch und Person. Diskursethisch lasse sich dies so begründen, dass nur der Mensch als Person gelten kann, der in der Lage ist, sich im Diskurs zu äußern. Kritiker wie Robert Spaemann stellen Singers Unterscheidung zwischen Mensch und Person in Frage, besonders wegen der Graduierungsunmöglichkeit zwischen ‚etwas‘ und ‚jemandem‘; ihnen gilt die biologische Zugehörigkeit zur Gattung Mensch als alleiniges Kriterium für Personalität. Auch Vertreter des Naturrechts argumentieren, dass dem Menschen – durch seinen Geist – von Anfang an und in allen Situationen (also etwa auch im Koma) das Personsein und damit seine besondere Würdezukomme.

    Romano Guardini definierte: »Person ist sich selbst besitzender Geist. Sich selbst besitzend in der Eigengehörigkeit des Bewußtseins und der Freiheit; in der Eigengehörigkeit des einmaligen Soseins«.

    In besonderem Maße hat die Philosophie des Personalismus den Begriff Person definiert, nämlich nicht als Bewusstsein des Individuums von sich selbst, sondern als „aktive Subjektivität“ des Einzelnen, durch die er sich selbst hervorbringt. Dieser Status wird prinzipiell jedem Menschen zugesprochen; da es ein ethisch-moralisches Prinzip ist, kann es nicht veräußert werden: Der Mensch ist an sich immer Person und soll es zugleich werden, indem er immer mehr von seiner Freiheit Gebrauch macht und sich selbst bestimmt. Die Unterscheidung zwischen Person als Wesensbegriff und Persönlichkeit als Individuation ist unbedingt zu beachten; die Person des Menschen steht in der Hierarchie der Werte über allen anderen Werten, sei es die Persönlichkeit, die soziale Rolle, die Gemeinschaft oder das biologische Individuum.

    Die Christliche Soziallehre sieht in der Personalität neben der Solidarität, Subsidiarität sowie dem Gemeinwohl und der Gerechtigkeit eines der Prinzipien für ein gelingendes menschliches Zusammenleben in Gesellschaft und Staat.


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