„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Medienethik

Medienethik untersucht den Zusammenhang zwischen medialem Ausdruck und menschlichem Verhalten. Sie reflektiert über alternative Handlungskonzepte, anhand derer die Qualität und die Angemessenheit medialen Handelns bewertet werden können.[1]

1. Gegenstand

„Die Medienethik verfolgt die Aufgabe, Regeln für ein verantwortliches Handeln in der Produktion, Distribution und Rezeption von Medien zu formulieren und zu begründen, um ethisch gebotene Selbstverpflichtungen der am Medienprozess beteiligten Berufsgruppen, Branchen und Individuen zu bewerkstelligen und die Verantwortung des Publikums zu berücksichtigen“, der Rezipienten also.[2]

1.1. Ethik und Moral

Vom Begriff der Medienethik zu unterscheiden ist die „Moral“ der Medien, in der es darum geht, was als üblich, sittlich geboten und erwünscht gilt – bzw. was als unüblich, verwerflich und inakzeptabel. Als „moralisch“ bzw. „sittlich gut“ gelten Verhaltens- und Einstellungsnormen dann, wenn sie in einer Kultur, Gruppe oder Gesellschaft über längere Zeit hinweg offiziell und von der Mehrheit als verbindlich angesehen werden. So sind viele Selbstverpflichtungserklärungen, u. a. auch der Pressekodex des Deutschen Presserats und der sog. Ethikkodex für Multimedia-Journalisten[3] Ausdruck moralischer Grundsätze.

 

 

Der Begriff „Medienethik“ im engeren Sinne bezeichnet hingegen die (wissenschaftliche) Untersuchung der Moral – Ethik ist also die „Reflexionstheorie der Moral[4]Philosophische Ethik fragt, wie Moralprinzipien begründet werden, ob diese Begründungen stichhaltig sind und welche moralischen Überzeugungen gerechtfertigt werden können.

1.2. Begriffsdefinition „Medien“

Es hat die Etablierung der Medienethik nicht erleichtert, dass der Begriff „Medien“ manchmal sehr weit gefasst wird. Er kann dann alles umfassen, was Vermittlungsinstanz sein kann – „von Verkehrsmitteln als Medien der Mobilität über Geld und Macht als entsprachlichten Medien gesellschaftlichen Handelns, Telefon und Fax als sprach- bzw./und bildvermittelnden Medien personaler Kommunikation bis hin zu Zeitungen, Film und Fernsehen als ‚anonymen‘, unmittelbare personale Kontaktaufnahme nicht erfordernden Vermittlern“[5]. Ein derart weit gefasster Medienbegriff mag sich für medienwissenschaftliche Untersuchungen anbieten, der spezifische Gegenstand einer Medienethik wird dadurch eher verdeckt. „Diese hat es nicht mit allen Medien oder jeglicher Art von Kommunikation zu tun, sondern lediglich mit einer Teilmenge, nämlich denjenigen Kommunikationsakten, die durch Massenmedien vermittelt sind.“[6] Die in der Kommunikationswissenschaft am weitesten verbreitete Definition von Massenkommunikation stammt von Gerhard Maletzke (1963). Er unterschied zunächst verschiedene Arten von Kommunikation: direkte und indirekte, wechselseitige und einseitige sowie private und öffentliche Kommunikation. Massenkommunikation ist nach Maletzke eine Form öffentlicher, indirekter und einseitiger Kommunikation, die sich technischer Verbreitungsmittel bedient und sich an ein breites Publikum wendet.[7] Diese „technischen Verbreitungsmittel“ sind das, was bis in die jüngste Vergangenheit unter „Massenmedien“ verstanden worden ist: Tageszeitungen und ZeitschriftenHörfunkFernsehen und KinoSchallplatten/CDsVideos/DVDs und Bücher. Neuerdings tritt zu diesen die Kommunikation mit Hilfedigitaler Medien und über das Internet, die allerdings meist unter einem eigenen Begriff – „Informationsethik“, „Internetethik“ oder „digitale Ethik“ – behandelt wird, weil der Computer als ein „Hybridmedium“ angesehen wird.[8]

1.3. Medienethik – eine Bereichsethik

Wenn eine Bereichsethik als eigenständige Disziplin im Rahmen der „angewandten“ oder „anwendungsbezogenen“ Ethik gelten soll, müssen mindestens zwei Kriterien erfüllt sein, damit sie sich von allgemeiner Ethik unterscheidet: sie muss einen spezifischen Gegenstandsbereich mit eigenen Problemen und Fragestellungen definieren. Und sie muss zweitens in der Lage sein, besondere Normen zu entwickeln, die Lösungen für die speziellen Probleme ermöglichen. Eine angewandte Ethik ist erst dann legitimiert, wenn sie sich für Probleme zuständig fühlt, für die die allgemeine Ethik keine angemessenen ethischen Normen bereitstellen kann, so dass neue Werte und Normen entwickelt werden müssen, wozu sie beizutragen hat. Das erste Kriterium des eigenen Bereichs ist für die Medienethik die eingrenzende Definition des Begriffs „Medien“. Würde man nämlich auf einer Ebene bleiben, die von der anthropologischen

Sichtweise auf den Menschen als eines „animal symbolicum“ geprägt ist – der Mensch sei das Wesen, das durch Zeichen- und Mediengebrauch bestimmt sei –, so wäre jede Art von Kommunikation Gegenstand der Medienethik. Dann gäbe es keine eigenständige Medienethik, sondern nur eine allgemeine

KommunikationsethikDie Notwendigkeit von Bereichsethiken oder Anwendungsethiken (TechnikethikBio- und MedizinethikUmweltethik,
Wirtschaftsethikhat sich immer dann gezeigt, „wenn sich aufgrund wissenschaftlich-technischer Entwicklungen neue Handlungsmöglichkeiten und mit ihnen neue Bewertungsprobleme ergaben.“[9] Für die Medienethik war das jeweils der Fall bei der Entstehung von PresseRadio und Fernsehen, zuletzt und andauernd bei der Entwicklung der digitalen Medien.

1.4. Theorietyp

Umstritten ist, ob Medienethik vorrangig als deskriptive oder als normative Ethik betrachtet werden soll. Im ersten Falle fragt sie danach, was in der Medienpraxis als moralisch gerechtfertigt gilt. „Sie beschreibt das Verhalten des Menschen unter medialen Bedingungen. Sie gibt weniger Antworten auf die Frage, was wir angesichts neuer veränderter Bedingungen des Handelns tun sollen, als vielmehr darauf, was wir beim Handeln unter medial veränderten Vorzeichen zu beachten haben.“[10] Mit einem normativen Ansatz bewertet Medienethik dagegen die Medienpraxis selbst und fragt danach, welche Werte und Normen hier vernünftigerweise gelten sollten. „Ihre Aufgabe beschränkt sich nicht auf die Prüfung ihr vorgelegter Normen. Für den Fall, dass diese der Prüfung nicht standhalten, ist sie auch mit deren Verbesserung bzw. mit der Entwicklung besser geeigneter Kandidaten befasst.“[11]

2. Bezugspunkte der Medienethik

2.1. Tugendethiken

Tugendethiken der antiken Philosophie (insbesondere Platon und Aristoteles) verstehen unter ethisch richtigem Handeln ein gutes Leben gemäß bestimmter Tugenden, das zu Glück (eudaimonia) führt. In der Medienethik ist in diesem Zusammenhang der wertorientierte Journalismus Hermann Boventers zu nennen: „Einen Journalismus wünsche ich mir, der sich ständig fragt, was er für die Menschen und ihre Freiheit bedeutet“.[12] Aus Sicht des Reziepenten argumentiert Hermann Lübbe, der davon ausgeht, dass wir ohne die Kardinaltugend des Maßhaltens in der Flut des Informations- und Unterhaltungsangebots untergehen. Ein unmäßiger Medienkonsum wirke destruktiv, mache freiheitsunfähig.[13]

Dieser Aufsatz ist der Wikipedia entnommen.

Stand: 2016

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