„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Traumargument

Das Traumargument besagt, je nach Auslegung, dass wir nicht wissen können, ob 

1) metaphysische Auslegung: es eine Außenwelt gibt

2) erkenntnistheoretische Auslegung: wir eine reale Außenwelt erleben,

oder, ob wir die vermeintliche Außenwelt (1) bzw. die vermeintlichen Sinneserfahrungen von derselben (2) nur erträumen.

"Hattest du schon mal einen Traum, Neo, der dir vollkommen real schien?
Was wäre, wenn du aus diesem Traum nicht mehr aufwachst...
Woher würdest du wissen, was Traum ist und was Realität?"

Vorläufer des Traumarguments gab es schon in der Antike, etwa bei Cicero und Platon. In seinen modernen Grundzügen wurde das Traumargument zuerst von Descartes in seinen Meditationes angebracht (vgl. Descartes: Meditationes, 19 ff.). Er äußerte damit einen partiellen Skeptizismus bezüglich unseres empirischen Wissens über bzw. von der Außenwelt. Es beschäftigt die Philosophen bis heute.

„Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, dass das, was wir Wirklichkeit

getauft haben, eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traumes.“

Salvador Dali

1. Das Argument

Es existieren mehrere Versionen des Traumargumentes. Hier ist eine:

·         (P1) Wenn ich aufgrund meiner Sinneserfahrung Wissen über eine Außenwelt erlangen können möchte, muss ich zuvor und davon unabhängig ausschließen können, dass ich jetzt nicht träume. Daher, dass ich wirklich eine Außen- und keine erträumte Welt wahrnehme.

     Beispiel: Um wissen zu können, dass ich hier bin und diesen Text lese, darf es keine Möglichkeit sein, dass ich in meinem Bett liege und nur träume, dass ich diesen Text hier lese.

·         (P2) Ich kann nicht rational ausschließen, dass ich jetzt nicht träume.

     Beispiel: Ich weiß nicht, dass ich jetzt nicht in meinem Bett liege und nur träume, dass ich diesen Text lese.

·         (K) Ich kann kein Wissen über die Außenwelt aufgrund meiner Sinneserfahrung erlangen.

     Beispiel: Ich weiß nicht, dass ich jetzt diesen Text lese.

Descartes selbst formulierte das Argument, das seinen Außenweltskeptizismus plausibel macht, wie folgt:

„Trefflich für wahr! Bin ich denn nicht ein Mensch, der nachts zu schlafen pflegt und dann alles das, und oft noch viel Unglaublicheres im Traume erlebt, wie jene im Wachen?

Wie oft aber erst glaube ich nachts im Traume ganz Gewöhnliches zu erleben;

ich glaube hier zu sein, den Rock anzuhaben und am Ofen zu sitzen

– und dabei liege ich entkleidet im Bette!

Jetzt aber schaue ich sicherlich mit ganz wachen Augen auf dies Papier.

Dies Haupt, das ich bewege, ist nicht vom Schlafe befangen.

Mit Überlegung und Bewußtsein strecke ich diese Hand aus und habe Empfindungen dabei. So deutlich würde ich nichts im Schlafe erleben!

Ja, aber erinnere ich mich denn nicht, daß ich auch schon von ähnlichen Gedanken

in Träumen getäuscht worden bin? – Während ich aufmerksamer hierüber nachdenke, wird mir ganz klar, daß ich nie durch sichere Merkmale den Schlaf vom Wachen unterscheiden kann, und dies macht mich so stutzig, daß ich gerade dadurch fast in der Meinung bestärkt werde, daß ich schlafe.“

Descartes, erste Meditation

2. Kein unbezweifelbares Wissen von bzw. über die Außenwelt

2.1. Generalisierung des Arguments

Analog zu dem Beispiel mit dem Text versieht das Traumargument natürlich auch jedes weitere, augenscheinliche Wissen über die Außenwelt mit einem dicken Fragezeichen.

Um dies zu begreifen, gehen Sie im Folgenden davon aus, Sie erleben sich sitzend vor ihrem PC. Der gemeine Mensch würde jetzt, wenn er an Ihrer Stelle wäre, von sich behaupten, er wisse, dass er vor seinem PC sitzt. Nicht aber Sie, Sie sind gewitzter. Denn Sie kennen nun natürlich das Traumargument und haben bei so etwas immer im Hinterkopf, dass man ja auch ab und zu schläft und dabei etwas träumt. Beispielsweise, dass man vorm eigenen PC sitzt. Dann kommt einem i.d.R. auch alles real vor und man meint zu wissen, dass man vor seinem PC sitzt. Dieses Wissen ist in dem Fall dann aber nur eine Illusion, da man ja in Wirklichkeit schläft, träumt und nicht vor dem Computer sitzt. Das Träumen lässt sich aber meistens erst im Nachhinein vom Wachzustand unterscheiden, während des Traums selbst weiß man normalerweise nicht, dass man träumt. Deshalb kann man nie infallibles Wissen über die Außenwelt bekommen.

Möglicherweise ist mein ganzes bisheriges Leben ja nur ein Traum, aus dem ich noch nie aufgewacht bin? Und all die Personen, die ich dachte gerochen, geliebt und gespürt zu haben, die gibt es in Wirklichkeit gar nicht. Es kann mir niemand beweisen, dass dem nicht so ist; dass es nicht nur allein meinen Geist gibt, der sich das alles hier nur vorgestellt hat und es unabhängig von diesem eine Realität gibt. Genauso wenig kann mir und dir übrigens einer einen hinreichenden Grund für die gegenteilige Annahme bringen. Das Traumargument sagt uns also nicht, dass es keine Außenwelt gibt, es zeigt uns nur, dass wir nie hundertprozentig wissen können, ob es eine gibt oder nicht.

2.2. Zutreffende Träume

Aber halt. Machen wir langsam. Was ist zum Beispiel, wenn ich träume, dass ich gerade auf einer Hausparty eingeschlafen bin und auch wirklich auf einer Hausparty eingeschlafen bin? Sodann habe ich doch Wissen über die Außenwelt, obwohl ich träume? Nein. Die Fälle Sich in einer Traumwelt befinden und etwas von einer Außenwelt wissen schließen sich partout gegenseitig aus. Auch dann, wenn mein Traum wahr ist, d.h. auf die reale Außenwelt zutrifft, kann ich ihm kein empirisches Wissen entlocken. Warum ist das so? Wissen setzt mindestens sichere Gründe voraus. Sichere Gründe untermauern eine Annahme derart, dass es nicht leicht möglich ist, dass diese falsch ist. Dass ich aber etwas träume ist nun einmal kein sicherer Grund für die Annahme, dass das was ich träume, auch in der Außenwelt so geschieht. Ein Übereinanderfallen von Traum- und Außenweltaspekten ist für gewöhnlich rein zufälliger, d.h. nicht kausaler Natur.

Und selbst wenn ich träume, dass es regnet, weil es wirklich regnet, da ich es z.B. unterbewusst tropfen höre (kausaler Zusammenhang), kann dies nie ein wissensgenerierender Grund sein, da ich nie wissen kann, wann ein Element aus der Außenwelt stammt und wann nicht. Ich kann also nie wissen, dass ich nicht gerade träume und von meiner Sinneserfahrung kein Wissen über eine mögliche Außenwelt ableiten. Die Möglichkeit eines empirischen Wissens von bzw. über eine etwaige Außenwelt wird vom Traumargument kategorisch ausgeschlossen.

2.3. Schritt-für-Schritt

Prämisse 1

Die Prämisse (P1) unseres Traumargumentes, dass der momentane Erwerb von Wissen über die Außenwelt unvereinbar sei mit der Möglichkeit, dass ich gerade träume, lässt sich mit dem sog. Diskriminations-Prinzip unterfüttern.

  1. Wenn ich tatsächlich diesen Text lese, dann kann ich nicht zeitgleich in meinem Bett liegen und träumen, dass ich diesen Text lese.

Entweder ich mache etwas wirklich, oder ich träume nur, dass ich es mache. Das scheint so plausibel, dass wir es auch mit dem hohen Anspruch auf rationales Wissen ausformulieren dürfen:

2. Ich weiß, dass, wenn ich tatsächlich diesen Text lese, dann kann ich nicht 

   zeitgleich in meinem Bett liegen und träumen, dass ich diesen Text lese.

Wissen, das ist wie erwähnt ein erkenntnistheoretisch wertvolles Prädikat, das strenggenommen nur verliehen werden darf, wenn gezeigt werden kann, dass alle möglichen Umstände, die mit diesem Wissen unvereinbar sind, definitiv nicht der Fall sind. Wenn ich also, wie versucht wurde aufzuzeigen, prinzipiell nicht auszuschließen vermag, dass ich gerade träume, kann ich auch nicht von mir behaupten, zu wissen, ob und wenn ja wie uns von welcher Art eine Außenwelt existiert.

Fazit 1: In Anbetracht des Diskriminations-Prinzips scheint die erste Prämisse (P1) seine Gültigkeit noch einmal unterstreichen zu können.

Prämisse 2

Wie steht es um Prämisse 2, dass ich nicht wisse, ob ich in meinem Bett liege und bloß träume, dass ich diesen Text lese? Im Alltag meine ich ja schon, dass ich wirklich tue, was ich meine zu tun und es nicht bloß träume. Aber sicher kann ich mir da wirklich nicht sein. Denn, wie bereits gesagt, es gibt kein klares Kriterium, dass es uns ermöglicht, Traum von Realität zu unterscheiden. Also muss ganz allgemein gelten:

  1. Ob ich gegenwärtig träume oder wache, weiß ich jetzt nicht.

Wie kann ich mir so sicher sein, dass es kein praktisch-brauchbares Kriterium, alias erkennbares Merkmal, des Unterschieds zwischen Wachzustand und Traum gibt? Es ist eigentlich ganz einfach: Wann immer ich denke, ein solches praktisches Kriterium anzuwenden, könnte es gemäß des Traumarguments sein, dass ich bloß träume, dass ich das Kriterium anwende. Beispielsweise sagt man ja, man solle sich zwicken, um festzustellen, ob man wach ist oder schläft. Wenn man etwas spürt, so das Argument, sei man wach. Aber ich kann ja auch träumen, dass ich mich in den Arm zwicke. So verhält es sich mit jedem Kriterium – ich könnte ja auch bloß träumen, dass ich es anwende. Man kann im Traum ja auch subjektiv Schmerzen empfinden.

Fazit 2: Prämisse 2 kann sich einer kritischen Untersuchung behaupten.

Konklusion

Gesetzt den Fall Prämisse 1 und Prämisse 2 stimmen tatsächlich und uns ist in den letzten beiden Abschnitten nicht etwa ein Gedankenfehler unterlaufen. Geht dann die Konklusion (K) aus den beiden Prämissen (P1) und (P2) logisch hervor? Ja, geht sie. Denn Prämisse 1 besagt, dass wenn Prämisse 2 stimmt, wovon wir ausgehen; also davon dass, auch falls ich tatsächlich diesen Text lese, ich das nie wissen kann; wir dann auf empirischem Wege kein Wissen über die Außenwelt erlangen können. Also besagt sie, dass wir auf empirischem Wege kein Wissen über die Außenwelt erlangen können. Diese Aussage ist inhaltlich äquivalent zu unserer Konklusion. Nach unserer Analyse gilt also auch die radikal skeptizistische Konklusion (K):

  • Mittels Sinneserfahrung kann ich überhaupt kein Wissen über eine Außenwelt bekommen.

3. Verweise

  • Brian in the Tank:  Das Gedankenspiel Brian in the Tank funktioniert ganz ähnlich wie das Traumargument. Nur ruft es oft die falsche Suggestion hervor, es bedürfte mindestens eines materiellen Gehirns, um meine Wahrnehmungswelt hervorzubringen. In Wahrheit lässt sich aber auch ganz einfach noch das Gehirn wegdenken. Auch diesen Eiweisbollen kennen wir nur aus unserer Wahrnehmung, die verzerren und illusionieren kann.

  • Cogito ergo sum: Auch wenn man an allem sonst zweifle, so meint Descartes, nachdem er eben dies getan hat, so sei doch eines gewiss. Ich bin, weil ich denke. Stimmt das?

  • Erkenntnistheorie: Das Traumargument ist, sofern es nicht widerlegt wird, nicht nur ein erkenntnistheoretisches, sondern auch ein fundamentales Problem für die Erkenntnistheorie als solche. Denn wenn wir prinzipiell keine Erkenntnis über die Außenwelt erlangen können, sind mindestens alle Schulen des erkenntnistheoretischen Empirismus nutzlos. Das skeptische Traumargument kann also als Kritik am Empirismus, oder allgemein an dem Unterfangen eine Erkenntnistheorie betreiben zu wollen, verstanden werden. Die alles entscheidende Frage lautet also: Lässt sich das T. widerlegen. Wie wir gesehen haben nicht, da es kein taugliches Abgrenzungskriterium von der Traum,- zu einer realen Welt gibt. Oder lapidar ausgedrückt: Weil ich nicht aus meiner Haut raus kann. Wie will denn bitteschön ich „Ich“ beweisen, dass es etwas gibt, auch wenn ich es nicht wahrnehme.

  • Evolutionäre Erkenntnistheorie: Angenommen es gibt eine objektive Welt und wir leben in ihr. Dann sollte das Bild der Menschen von dieser Welt, so eine Auslegung der E.E., zumindest partielle Übereinstimmungen mit ihr haben, ansonsten könnten der Mensch nicht überleben.

  • Falsifikationismus: Der US-amerikanische Physiker John Wheeler hat einmal behauptet, dass es das Universum nur dann gäbe, wenn es wahrgenommen wird. Alles nicht Wahrgenommene dagegen befände sich in einem Zustand reiner Potentialität. Das erinnert an Schrödingers Katze und der unwiderlegbaren Auffassung, der Mond existiere nicht, wenn ihn niemand ansieht. Genau da liegt aber auch der Knackpunkt bei solchen Auffassungen, es gibt keinen logisch möglichen Fall, der sie widerlegen würde. Und wie wissenschaftlich wertvoll sind Hypothesen, die nicht falsifizierbar sein?

  • Kant: Schon Kant sah, dass uns die Außenwelt, er nennt es das „Ding an sich“, nur über unsere Wahrnehmung zugänglich ist. Die Wahrnehmung aber verzerre und lege manche Dinge, wie Raum, Zeit und Kausalität, in die Außenwelt hinein, die da gar nicht wirklich sind. Wie die Dinge tatsächlich, an sich, beschaffen sind bleibt unserer Wahrnehmung deshalb für immer verborgen. Das Ding an sich sei für den Menschen unerkenntlich. Daraus zog Kant die Forderung, wir sollten uns mit der Erscheinung der Dinge zufriedengeben. Kant meinte also, um das ganze einmal zusammen zufassen, dass es eine Welt an sich zwar gäbe, wir sie aber prinzipiell nicht erkennen könnten. So weit, so gut. Den entscheidenden Schritt, den Descartes mit seinem Traumargument, aber auch beispielsweise Fichte ging, machte Kant jedoch nicht: Das unbeweisbare Postulats einer Außenwelt, eines „Ding an sich“ auch noch zu bezweifeln. Wenn die menschliche Wahrnehmung schon Naturgesetzte, Raum und Zeit konstruiert, warum nicht dann auch den letzten Schritt gehen und sagen, es könnte auch die komplette Außenwelt sein, die der Mensch in seiner Vorstellung erschafft, dass es folglich so etwas wie das „Ding an sich“ gar nicht gäbe? In Anbetracht dieses Umstandes ist es nicht verwunderlich, dass die Philosophie Kants anfänglich mit der Berkeleys verwechselt wurde.

  • Konstruktivismus: Was ist der wesentliche Unterschied zwischen einem Konstruktivismus, wie ihn beispielsweise Kant vertrat und einem subjektivem Idealismus, wie ihn das Traumargument nahe legt? Zunächst einmal sind beides antirealistische Wahrnehmungstheorien, die bestreiten, dass wir externe Gegenstände selbst wahrnehmen oder auch nur wahrnehmen können. Beide appellieren sie an die subjektiv-empirisch prinzipielle Ununterscheidbarkeit von korrekter Wahrnehmung und Sinnestäuschung. Der Unterschied zwischen einem Konstruktivismus und einem subjektiven Idealismus liegt in der Art der Sinnestäuschung, mit der sie ihre Position argumentativ bekräftigen. Die wichtigsten Arten von Sinnestäuschungen sind Illusionen und Halluzinationen. Eine Illusion ist beispielsweise ein ins Wasser getauchte Stock, der uns nun fälschlicherweise gebogen erscheint, eine Fata Morgana, oder andere optische Täuschungen. Eine Illusion hingegen ist ein Traum oder eine rein mentale Vorstellung. Wenn ein Neurobiologe durch die artifizielle Reizung bestimmter Hirnareale gezielt subjektive Episoden des Scheins in uns hervorruft, ist das auch eine Illusion, da es kein reales Pendant zu dieser scheinbaren Wahrnehmung gibt. Bei einer Halluzination gibt es dieses. Beiden Schulen ist gemein, dass man durch „bloßen Nachsehen“ nie erkennen kann, ob man einer Täuschung aufsetzt oder die Dinge so erkennt, wie sie auch sind. Und beide werfen fundamentale Fragen der Erkenntnistheorie auf: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Tun wir unsere Realität vorfinden oder erfinden?

  • Mary: Das Argument des unvollständigen Wissens.

  • Naiver Realismus: Die Annahme, dass die Außenwelt exakt so sei, wie wir sie auch meinen wahrzunehmen, nennt sich naiver Realismus. Dass dem ganz sicher nicht so ist und deshalb auch eigentlich niemand mehr ernsthaft den naiven Realismus vertreten kann, zeigen einfachste optische Täuschungen, wie Sie sie im verlinkten Artikel finden.

  • Neurowissenschaften: Dass die äußere, aber auch die innere (Stichwort: Ich-Gefühl) Welt „in unserem Kopf entsteht“ lehren uns die modernen Neurowissenschaften.

  • Phänomenologie

  • Qualia: ist der subjektive Erlebnisgehalt mentaler Zustände. Die Röte einer Rose und der Duft eines Parfums sind Quale. Auch wenn die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten enorm viel über elektromagnetische Wellenlängen, den Sehsinn oder über Geruchsträger und Chemorezeptoren gelernt hat, so konnten sie bisher noch nicht die subjektive Qualität dieser Phänomene entschlüsseln. Auf diese Erklärungslücke verweist das bereits erwähnte Argument des unvollständigen Wissens. Das Traumargument merkt des Weiteren an, dass für mich alles was ich meine über die Welt zu wissen nichts weiter als Quale, die auch künstlich erzeugt werden können, sind. Meine komplette Welt ist nur eine Summe von Sinneseindrücken! Ob diese in einer dinglichen Welt ihren Ursprung haben oder von wo ganz anders her verursacht werden, werde ich wohl nie herausfinden. Jeder Versuch, dies durch Erfahrung zu belegen, kommt nicht um den Schluss von subjektiver Erfahrung auf objektive Welt herum. Dieser aber ist unzulässig. Eine große Frage ist schließlich dann, ob wir ein weiteres, verstandesmäßiges Bindeglied zwischen Innen- und Außenwelt aufbauen können oder nicht.

  • Realismus: Empirische Wissenschaften gründen auf einen realistischen Naturalismus. Etwas anderes bleibt ihnen auch nicht übrig, bedenkt man, dass sie die wahrgenommene Geltung ihrer Forschungsergebnisse wahrscheinlich aufrechterhalten wollen. Allein aber die Möglichkeit einer antirealistischen Welt legt jeder naturwissenschaftlichen Arbeit den Zweifel bei, dass man wohlmöglich nur seine eigenen Gedanken erforscht hat.

  • Sein-Sollen-Fehlschluss: Was auf jeden Fall subjektiv ist, sind Wertungen. Der S-S-F ist ein metaethisches Prinzip und besagt in etwa, dass Dinge nicht gut oder böse, richtig oder falsch sind. Unser Denken erst trägt diese Adjektive in die Gegenstände hinein. Zwei Dinge können wir daraus lernen. Erstens, dass wer die Dinge sehen möchte, wie sie objektiv wirklich sind, einmal einfach nur passiv wahrnehmen sollte, ohne sie in normative Schubladen zu stecken. Zweitens, dass andere Menschen mit anderen Maßstäben andere Dinge als gut oder schlecht wahrnehmen, als wir es tun. Hoffentlich hilft uns diese Einsicht zu verstehen, dass anderen Menschen anders sind, ohne es böse zu meinen oder böse zu sein. Sie bewegen sich einfach nur in anderen Wertesystemen, die man als weltoffener Mensch versuchen sollte zu verstehen. Und ich sage absichtlich verstehen, nicht akzeptieren. Denken Sie das nächste Mal an das hier, wenn Sie meinen „für das Gute“ zu stehen.

  • Spiritualität: Yoga Vasitha, eine der wichtigsten Vadanta-Texte des alten Indien weißt auf Aspekte einer letzten Wirklichkeit hin. Sie sei „das nicht Vorstellbare, in dem die Vorstellungskraft ihren Ursprung hat.“ Und: „das nicht Wahrnehmbare, aus dem alles Wahrnehmen entsteht.“ Ähnliche Lehren findet man in Spiritualität und Religion seit Jahrtausenden. Nun scheinen auch, sie die vorherigen Verweise dazu, Neurologie und Quantenphysik derartige Schlussfolgerungen nahe.

  • Überwindung: Mein Versuch einen eigenen spirituellen Blick auf die Dinge zu entwickeln: Lernen wir, dass unser Selbstkonzept in unserem Kopf entsteht und mit ihm Trauer, Schmerz, usw. ist es nicht mehr weit bis wir begreifen, dass es nur eine Kopfsache ist, diese Dinge zu überwinden. Die Veränderung beginnt im Kopf!

  • Universum: ein Begriff, mit dem wir eine Vielzahl unserer Sinneseindrücke, Beobachtungen und Messauswertungen zusammenfassen.

  • Wahrnehmung: Von manchen Philosophen wird das Traumargument auch als generelle Kritik der Sinneswahrnehmung interpretiert: Anders wie bei optischen Täuschungen zeigt es uns nämlich, dass man manch mögliche Täuschung der Sinneswahrnehmung nicht durch einfaches reflektieren ausschließen kann. Wir können keine sichere Erkenntnis aus unserer Wahrnehmung ziehen.

  • Zirkelschluss: Bei genauerem Hinsehen entlarvt sich das „sich-Zwicken-Kriterium“ als zirkulär. Es besagt: Wenn wir uns wirklich zwicken, sind wir auch wach. Man kann aber auch träumen, sich zu zwicken und dieses Träumen lässt sich nicht von einem echten Zwicken unterscheiden. Das Kriterium ist aus diesem Grund zirkulär, weil es davon ausgeht, dass wir wissen, ob wir uns realiter kneifen oder es nur träumen. Eigentlich steht aber gerade diese Frage noch im Raum und möchte geklärt werden. Bis heute.