„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Regressargumente für den Skeptizismus

Regress bezeichnet in der traditionellen Logik den Rückgang, das Rückschreiten des Denkens vom Bedingten auf die Bedingung, von der Wirkung auf die Ursache und vom Besonderen zum Allgemeinen (siehe auch: Reduktion). In der Argumentationstheorie bzw. Logik und in der Mathematik wird ein Forschungsschwerpunkt auf den infiniten Regress gelegt.

Allgemein wird unterschieden ein:

  • #regressus in infinitum (regressus ad infinitum; infiniter Regress): das Rückschreiten in einer unendlichen Reihe.
  • #regressus in finitum: das Rückschreiten in einer endlichen Reihe.
  • #regressus in indefinitum: das Rückschreiten in einer Reihe, die an beliebiger Stelle abgebrochen werden kann.

1. Der Regress im Alltäglichen

Im Endeffekt ist ein Regress nicht mehr als ein abstrahiertes Prinzip, das jeder kennt, der einmal mit einem neugierigen Kind zu tun hatte, das nicht müde wurde "warum?" zu fragen. Und da die „Warum?“-Frage immer wieder auf jede Antwort gestellt werden kann, entsteht schnell ein rekursives Muster, zum Beispiel:

 

"Iss was vom Spinat"

"Warum?"

"Weil er gut für dich ist"

"Warum?"

"Weil er gesund ist."

"Warum?"

"Weil viele Vitamine und Mineralstoffe drin sind."

"Warum?"

 

Es ist unmöglich, jemals aus dieser Fragekette herauszukommen.

Das Problem des Regresses tritt auf, weil wir Menschen (a) Überzeugungen vertreten; (b)  der Meinung sind, dass wer Überzeugungen vertritt, in der Lage sein muss, diese gegen Fragen zu verteidigen und (c) Fragen verteidigen, indem wir wiederum eine oder eine Gruppe von Überzeugungen äußern. Also müssen wir Überzeugungen mit Überzeugungen begründen, was natürlich zu weiteren Fragen einlädt, die wieder durch Überzeugungen beantwortet werden und wieder hinterfragt werden können. Und schon haben wir ein Regressproblem.

Das infinite Regressproblem scheint unvermeidlich zu sein, weil die Alternativen zu ihm einer intellektuellen Kapitulation gleichkommen: (1) Die Begründung durch etwas, dass damit wiederum direkt oder begründet wurde oder werden soll (Zirkelschluss), ist einerseits absolut unzufriedenstellend. Ein Gericht sollte beispielsweise kein Zeuge als glaubwürdig ausstellen, nur weil der Zeuge sagt, er sei glaubwürdig. (2) Andererseits scheint es mindestens genauso hirnrissig, zu behaupten, man bräuchte an einer Stelle keine weiteren Begründungen mehr zu geben.

Übrig bleibt nur das ewigregressive Fragen, woraus sich ein Skeptizismus ableiten lässt: Wenn gerechtfertigte Überzeugungen bis in die letzte Konsequenz begründet werden müssen, wir aber nie Letztbegründungen haben können, dann können wir nie gerechtfertigte Überzeugungen haben.

2. Geschichte

Der römischantike Philosoph Sextus Empiricus grenzte im 2. Jahrhundert n.Chr. in seinem "Grundriss der pyrrhonischen Skepsis" das Regressproblem auf ein Zusammenspiel von fünf Tropen bzw. Strategien skeptischer Argumente ein. Zwei dieser Tropen, die materiellen Tropen, bestehen darin, jemanden, der von einer Sache überzeugt ist, zur Verteidigung dieser Sache herauszufordern: Das sind die Tropen der Relativität und des Widerstreits. Sobald der Überzeugungsträger beginnt, seine Überzeugung zu verteidigen, gibt es für ihn überhaupt nur drei Strategien, um seine Überzeugung zu verteidigen:

(1)  ein vertrackter Regress, den Sextus bereits als "ad infinitum" (ins Unendliche reichend) charakterisiert,

(2)  einen Zirkelschluss, den Sextus als "Reziprozität" bezeichnet.

 

(3)  eine dogmatische Annahme, die Sextus "Hypothese" nennt.

Diese drei Methoden nennt Sextus schließlich formale Tropen, und – in ihrer Gesamtheit "das Trilemma".

„Der 'Tropus aus dem Widerstreit' besagt, dass wir über den vorgelegten Gegenstand einen unentscheidbaren Zwiespalt sowohl im Leben als auch unter den Philosophen vorfinden, dessentwegen wir unfähig sind, etwas zu wählen oder abzulehnen, und daher in die Zurückhaltung münden. Mit dem 'Tropus des unendlichen Regresses' sagen wir, dass das zur Bestätigung des fraglichen Gegenstandes Angeführte wieder einer anderen Bestätigung bedürfe und dieser wiederum einer anderen und so ins Unendliche, sodass die Zurückhaltung folge, da wir nicht wissen, wo wir mit der Begründung beginnen sollen. Beim 'Tropus der Relativität' erscheint zwar der Gegenstand, wie oben schon gesagt, so oder so, bezogen auf die urteilenden Instanz und das Mitangeschaute, wie er aber seiner Natur nach beschaffen ist, darüber halten wir uns zurück. Um den Tropus auf der Voraussetzung handelt es sich, wenn die Dogmatiker, in den unendlichen Regress geraten, mit irgendetwas beginnen, das sie nicht begründen, sondern einfach und unbewiesen durch Zugeständnis anzunehmen fordern. Der 'Tropus der Diallele' schließlich entsteht, wenn dasjenige, das den fraglichen Gegenstand stützen soll, selbst der Bestätigung des anderen verwenden können, halten wir uns über beide zurück.“

 

- Sextus Empiricus: 'Grundriss der pyrrhonischen Skepsis', I, 164-168, S. 130 f.

3. Rechtfertigungen

Folgende Prinzipien fundieren das Regressproblem der Überzeugungen:

a. Prinzip inferenzieller Rechtfertigung

Das 'Prinzip inferenzieller Rechtfertigung' nun geht mit dem Sachverhalt einher, dass jemand von einer Sache überzeugt ist und sich ihr gegenüber verantwortungsvoll verhält. Wenn man an etwas glaubt, dann sollte man auch in der Lage sein zu erklären, warum man das tut, das heißt, man sollte einen Grund angeben können, der die Wahrheit der eigenen Überzeugung stützt. Darin gerade liegt die eigentliche Bedeutung der Aussage, für seine Überzeugungen verantwortlich zu sein und nur diese verantwortlich gemacht werden zu können. Diese Verantwortung potenziert sich von Schritt zu Schritt, da jeder Grund, den wir angeben können, wieder diese Prüfung bestehen muss. Diese 'Begründungskette' stellt daher einen wichtigen Teil dessen dar, was es bedeutet, ein rationales Wesen zu sein: Wir geben unentwegt rechtfertigende Geschichten für unsere Handlungen, unsere Aussagen und unsere Überzeugungen an. Ohne diese Geschichten wäre es schwierig, uns selbst als verantwortliche, verständige und vernunftbegabte Wesen zu begreifen.

b. Prinzip nichtzirkulärer Rechtfertigung

Das 'Prinzip nichtzirkulärer Rechtfertigung' leitet sich von dem eher informellen argumentativen Gedanken ab, dass Argumente, deren Schlussfolgerungen bereits in ihren Prämissen angelegt sind, fehlerhaft sind, da sie zwangsläufig Fragen nach ihrer Rechtfertigung aufwerfen. Jede Argumentation sollte demgegenüber eigentlich eine Art Fortschritt darstellen, bei dem wir an ein Ziel gelangen, unser Wissen vergrößern, Streitigkeiten beseitigen und Fragen beantworten. Wenn wir unsere Schlussfolgerungen bereits zu Beginn unserer Argumentation vorwegnehmen und unsere rechtfertigenden Geschichten in ebendiesem Lichte erzählen, haben wir bestenfalls schlüssig gehandelt, doch ist das bereits alles, was wir zugunsten unserer Argumentation sagen können.

c. Prinzip endlicher Rechtfertigung

Das 'Prinzip endlicher Rechtfertigung' besteht darin, dass eine unendliche Reihe von Gründen nicht durch endliche Wesen wie wir vervollständigt werden kann. Wir verfügen weder über unendlich viel Zeit noch über unendlich viele Gründe für unsere Überzeugungen, unser Bewusstsein ist allein auf die Dinge beschränkt, die wir erfahren, gedacht und gelernt haben. Die Forderung, dass Wissen mehr als das sein solle, ist daher absurd. Ferner scheint, dass - wie Sextus weiter oben bemerkt hat - selbst dann, wenn wir eine unendliche Begründungskette hätten, wir noch immer nicht sicher sagen könnten, wie man mit dem Abschreiten einer solchen Kette beginnen oder enden sollte.

Die Folgesätze ungerechtfertigter Rechtfertigungen und der nicht gerechtfertigten Ketten-Enden stehen in einem diametralen Gegensatz zum Prinzip inferenzieller Rechtfertigung und dem Folgesatz der rekursiven Rechtfertigung. Die Bedingung der inferenziellen Rechtfertigung besteht - in epistemologischer Fachsprache - darin, dass immer dann, wenn Subjekt S eine gerechtfertigte Überzeugung q dafür hat, dass p, S dann eine gerechtfertigte Überzeugung dafür hat, dass q p rechtfertigt. Der Folgesatz lautet, dass ohne die gerechtfertigte Überzeugung, dass q p rechtfertigt, S dann auch keine gerechtfertigte  Überzeugung dafür besitzt, dass p. Denn es kann keine ungerechtfertigten Rechtfertigungen geben.

4. Antiskeptische Erwiderungen

Nun besteht das Trilemma darin, dass es, sobald die Begründungskette einmal erweitert wird, nur noch drei Optionen gibt: Entweder enden sie (1) mit der einen oder anderen Überzeugung, beziehen sie sich (2) in einem Zirkel auf sich selbst oder schreiten sie (3) unendlich fort.

Insofern man annimmt, dass Begründungen immer in Form rekursiver Begründungsketten verlaufen müssen, sind dies die einzigen drei Möglichkeiten. Abgesehen davon, dass alle Prämissen des Arguments für sich genommen bejaht werden können, führen sie im Zusammenspiel zu einer unangenehmen Schlussfolgerung, nämlich, dass wir gar keine Rechtfertigungen für irgendeine unsere Überzeugungen haben können. Diese widrige Schlussfolgerung hat viele Philosophen dazu veranlasst, die Prämissen dieses Argumente kritischer unter die Lupe zu nehmen. Sofern wir wirklich Dinge wissen können, muss eine der Prämissen falsch sein. Angeregt durch das Problem des Regresses, möchte das Projekt des 'Anti-Skeptizismus' daher die Falschheit wenigstens einer dieser Prämissen nachweisen.

a. Erkenntnistheoretischer Fundamentalismus

Der 'erkenntnistheoretische Fundamentalismus' ist die wahrscheinlich älteste und beliebteste antiskeptische Strategie. Der erkenntnistheoretische Fundamentalist ist davon überzeugt, dass Prämisse 1 falsch ist, oder wenigstens, dass es bemerkenswerte Ausnahmen gibt: Demnach gibt es Überzeugungen, die für sich selbst bestehen und als Grundlage für weitere Überzeugungen dienen können. Man nennt diese Überzeugungen mit autonomen Rechtfertigungen Basis- oder Grundüberzeugungen (basic beliefs). Der erkenntnistheoretische Fundamentalist akzeptiert zwar weiterhin, dass Begründungen kettenförmige aufeinanderfolgen. Sofern diese Gründe zur Rechtfertigung dienen, enden diese Ketten für ihn mit Überzeugungen, die unabhängig von weiteren Gründen gerechtfertigt sind.

Nehmen Sie zur Veranschaulichung einmal folgende drei Überzeugungen als Beispiele: (1) Sie existieren, (2) Sie sehen diesen Aufsatz vor sich und (3) 2 + 2 = 4. Jede dieser Überzeugungen ist gerechtfertigt, weil sie sofort und unmittelbar einsehen werden, dass sie wahr sind. Dadurch, dass Sie (1) glauben, versehen Sie den Satz mit einem Grund, der ihn wahr werden lässt. Das heißt: Wenn Sie vom ihm überzeugt sind, kann der Satt nicht falsch sein. Demgegenüber sind es die visuellen Sinneseindrücke dieses Buches, die Sie veranlassen, (2) zu glauben, und Sie brauchen auch keine weiteren Gründe dafür. Aufgrund ihrer Vorstellungen von Addition, Gleichheit, von Zwei und Vier verstehen Sie unmittelbar, dass Sie keine weiteren Gründe brauchen, um von der Wahrheit von (3) überzeugt zu sein; dazu müssen sie allein den Satz verstehen. Grundüberzeugungen wie diese beenden den Regress.

b. Kohärenztheorie

'Kohärenztheoretikerakzeptieren das Prinzip inferenzieller Rechtfertigung und befürworten, dass allein gerechtfertigte Überzeugungen andere Überzeugungen rechtfertigen können. Jedoch lehnen Kohärenztheoretiker das Prinzip der Nichtzirkularität von Rechtfertigungen ab. Rechtfertigende "Erzählungen" kommen für sie immer als Bündel, da wir vernünftigerweise immer dann von Dingen überzeugt sind, wenn sie möglichst gut mit anderen Dingen übereinstimmen, an die wir glauben. Sobald solche Systeme von Überzeugungen einmal bestehen und funktionieren, stützen sich die darin vorhandenen Überzeugungen gegenseitig.

Zum Beispiel sind Sie davon überzeugt, dass es physikalische Kräfte gibt, wie zum Beispiel die Gravitation. Auch teilen Sie die Überzeugung, dass eine Bowlingkugel, die auf eine Porzellanmaus fällt, diese zerbrechen wird. Ferner sind Sie davon überzeugt, dass das letzte Mal, als Sie Ihren Schlüsselbund fallen ließen, dieser auch zu Boden fiel. Diese Überzeugungen hängen alle zusammen und funktionieren im Zusammenspiel mit anderen als ein System, mit dem Sie vergangenen Erfahrungen Sinn verleihen und Vorhersagen über die Zukunft treffen. Aus diesem System unabhängiger und sich wechselseitig stützender Überzeugungen entstehen Rechtfertigungen.

c. Kontextualismus

Wie erkenntnistheoretische Fundamentalisten sind auch 'Kontextualisten' davon überzeugt, dass das Prinzip inferenzieller Rechtfertigung Ausnahmen besitzt. Jedoch hängen diese Überzeugungen, die keine weiteten Gründe benötigen, davon ab, auf welche Arten von Fragen unsere Rechtfertigungen antworten wollen.

Wenn Sie beispielsweise zu entscheiden versuchen, ob Sie Ihren nächsten Urlaub in Wien verbringen wollen, wäre es sicherlich vernünftig zu bezweifeln, dass Ihre Jahrzehnte alten Informationen über Hotelpreise noch aktuell sind. Nicht bezweifeln werden Sie hingegen, dass man dort den Euro als Währung akzeptieren, oder dass man Sie dort in deutscher Sprache bedienen würde. Wenn Sie hingegen vorhaben sollten, stattdessen nach Monaco zu fahren, würden Sie vermutlich nicht nur bessere Informationen zu Hotelpreisen haben, sondern auch überprüfen wollen, ob Sie einen Intensivkurs in Französisch machen sollten und welche Währung Sie benötigen werden. Je nachdem, was gerade ansteht, das heißt, je nach Kontext, sind einige Fragen sinnvoll, während andere es nicht sind. Das hängt davon ab, welche Antworten in einem bestimmten Kontext vernünftigerweise vorausgesetzt werden können. In anderen Kontexten ist es hingegen wichtig, andere Fragen zu stellen, weil man deren Antworten nicht vernünftigerweise voraussetzen kann.

d. Infinitismus

Der 'Infinitismus' ist eine neuere Entwicklung auf dem Gebiet der Erkenntnistheorie. Obwohl sich viele Denker seit mehr als 2000 Jahren mit dem Problem des Regresses beschäftigt haben, versucht man erst seit etwa 10 Jahren, diese Perspektive im Detail auszuarbeiten. Ein Infinitist leugnet das Prinzip endlicher Rechtfertigung. Er ist der Überzeugung, dass nur eine unendliche Reihe von Gründen eine gerechtfertigte Überzeugung ergibt. Der grundlegende Gedanke dabei ist, dass eine Person, die wirklich etwas erkennt, alle "Warum"-Fragen beantworten können muss, bis keine mehr übrig ist. Und im Prinzip gibt es keinen Grund, weshalb solche Fragen jemals enden sollten. Gewiss ist das eine sehr schwierige Aufgabe und scheint auch ziemlich problematisch, da natürlich klar ist, dass wir solch lange Begründungsketten niemals werden liefern können. Allerdings sagen Infinitisten, dass man über diese Begründungsketten nicht unbedingt bereits vollständig verfügen, sondern nur 'prinzipiell' in der Lage sein muss, sie einem kritischen Fragesteller präsentieren zu können. Wer unaufhörlich Fragen stellt, mag lästig sein und Probleme verursachen; doch ist er auch sehr nützlich, weil er uns dazu bringt, die Tiefen unserer Gründe neu auszuloten. Eventuell bricht er mit bestimmten Regeln unserer Kontexte, weil er Dinge und Sachverhalte hinterfragt, die wir gewöhnlich nicht hinterfragen würden. Doch das gerade ist ein Weg, wie wir wirklich zu Erkenntnis gelangen können, da wir uns dadurch bestimmten Fragen stellen müssen, von denen wir anderenfalls gesagt hatten, dass wir ihre Antwort bloß vermuten, aber nicht kennen.

5. Anti-antiskeptische Entgegnungen

Der Erfolg des Unterfangens, den Skeptizismus mithilfe eines Regresses begründen zu wollen, hängt maßgeblich davon ab, ob diese vier antiseptischen Programme die Prämissen des Arguments berechtigterweise zurückweisen oder modifizieren können. Sofern die antiseptischen Programme richtig sind, müssen sie auch einige einfache kritische Fragen beantworten können.

·       Die Frage für den Erkenntnistheoretischen Fundamentalisten lautet, ob er, indem er von Basisüberzeugungen ausgeht, den Regress nicht letzten Endes fortführt. Das wird gelegentlich als das Problem des Metaregresses im erkenntnistheoretischen Fundamentalismus bezeichnet.

 

·       Die Frage des Meta-Regresses an den Kohärenztheoretiker lautet hier, ob das System sich wechselseitig stützender Überzeugungen überhaupt etwas mit Wahrheit zu tun hat. Denn auch abwegige Überzeugungen, zum Beispiel abstruse Verschwörungstheorien, sind kohärent und funktionieren ähnlich wie Überzeugungssysteme, obwohl sie vollkommen falsch sind. In epistemologischen Debatten wird dies als das Problem alternativer Systeme in der Kohärenztheorie bezeichnet.

 

·       Die Frage des Meta-Regressses an Kontextualisten lautet, ob kontextuell adäquate Annahmen allein schon als Rechtfertigungsgründe genügen. Sicherlich werden einige Kontexte durch die Tatsache definiert, dass Menschen in ihnen Rechtfertigungen vornehmen, aber das bedeutet noch lange nicht dass sie deswegen schon über Wissen oder Erkenntnis verfügen. Das bezeichnet man als das Problem der Glaubwürdigkeit im Kontextualismus.

 

·       Die Frage an den Infinitismus lautet, ob dieser nicht einfach eine andere Form des Skeptizismus sei, da doch scheint, als könne niemand wirklich über eine unendliche Reihe rechtfertigender Gründe verfügen. Konsequenterweise würde daher niemand irgendetwas wissen. Dies wird als das Problem des Krypto-Skeptizismus im Infinitismus bezeichnet.

 

Aus Ermangelung eines besseren Begriffes bliebe abschließend noch eine Position, die man Regress-Skeptizismus nennen könnte: Dieser ist dahingehend skeptisch, ob es überhaupt eine adäquate Antwort auf das Problem des Regresses gibt.

Stand: 2016

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