„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Zombie

Zombies sind fiktive Geschöpfe der Philosophie, die zwar behaviorale und funktionale Doppelgänger des Menschen sind, jedoch aber über kein phänomenales Bewusstsein verfügen. Sie dienen der Gestaltung von Gedankenspielen und Bewusstseinstheorien.

Man stelle sich so ein Geschöpf im Menschenkörper vor. Er spricht wie wir, handelt wie wir, funktioniert wie wir und wenn er sich die Hand an einer heißen Herdplatte verbrennt, schreit er auf wie wir. Dabei laufen auch dieselben neuronalen Prozesse in ihm ab, wie auch in unseren Köpfen und frage man ihn, ob er Schmerzen habe, bejaht er die Frage wie selbstverständlich. Nur, dass er nicht wirklich Schmerzen hat.

Genaugenommen hat er überhaupt keine qualitativen Bewusstseinszustände, keine Gefühle, keine Wahrnehmung, keine Vorstellungen, keine Gedanken, Nichts. Sein Auftreten ist nach außen hin genau dasselbe wie unseres, aber im Innern steckt kein erlebendes Subjekt. Das wäre ein Zombie. Sein gesamtes Wesen ist rein physikalisch-funktional bestimmt.

Auch die Zombies der Philosophen sind irgendwie Untote bzw. Unbewusste. Nur sehen sie nicht so schrecklich aus, wie die in Horrorfilmen.
Auch die Zombies der Philosophen sind irgendwie Untote bzw. Unbewusste. Nur sehen sie nicht so schrecklich aus, wie die in Horrorfilmen.

1. Eine Welt voller Zombies

Kennen Sie das Sumpfgeschöpf von Donald Davidson? Davidson war Philosoph und hatte Ende des letzten Jahrhunderts ein interessantes Experiment vorgeschlagen. Vereinfacht geht es so: Davidson selbst geht durch einen Sumpf und wird dort unglücklicherweise von einem Blitz erschlagen. Zum selben Zeitpunkt arrangiert ein zweiter Blitz die Atome im Sumpf so, dass eine exakte Kopie von Davidson entsteht. Anschließend würde das Sumpfgeschöpf als Davidson aus dem Sumpf kommen und durch die Welt ziehen. Seine Freunde würden das Sumpfgeschöpf für Davidson halten, weil es spricht, geht und handelt wie er. Es wäre aber nicht er, es wäre nicht einmal ein Mensch.

Ein abgefahrener Gedanke. Aber in abgewandelter Form hatte ihn fast jeder von uns schon einmal: Nimmt mein Gegenüber die Farbe Blau eigentlich genauso wahr, wie ich es tue? Schmeckt ihm der Pudding genauso wie mir? Sofern die andere Person nicht farbenblind ist, wird sie Ihnen beteuern, auch Blau zu sehen und Süße zu schmecken. Aber woher wissen Sie, dass sie dieselben Farb- und Geschmacksempfinden hat, wie Sie? Gar nicht. Eventuell sieht sie das, was sie als Blau sehen so, wie sie eigentlich Rot sehen. Ja, Sie wissen nicht einmal, ob ihr Gegenüber überhaupt ein Bewusstsein hat – oder ein Zombie ist.

Solche Überlegungen werden in der Philosophie unter dem Begriff vertauschte Qualia subsumiert. Der philosophische Zombie geht dabei den letzten entscheidenden Schritt, wenn er den Mitmenschen die gesamte Qualia als solche Solche abspricht. Ein philosophischer Zombie würde kein Rot sehen können. Aber er kann die elektromagnetischen Wellen einer bestimmten Länge registrieren und der Eigenschaft der Welt zuordnen, für die wir uns intersubjektiv geeinigt haben, dass wir sie Rot sehen nennen. Was Rot sehen aber wirklich bedeutet, weiß er nicht. Er kann nur einen visuellen Reiz registrieren und passend reagieren. Wie ein verdammt lebensechter Roboter.

Treiben wir das Ganze noch weiter auf die Spitze: Sie wissen nicht nur nicht, ob eine andere Person gleich empfindet wie Sie. Sie wissen nicht nur nicht, ob eine andere Person überhaupt empfindet. Nein. Sie wissen überhaupt nicht, ob sich außer Ihnen überhaupt irgendjemand irgendetwas bewusst ist.

Eine Welt, in der Sie die einzige bewusste Person und alle anderen Sumpfungeheuer bzw. Zombies sind, ist leicht vorstellbar. Sie kann in unserer Vorstellung sogar exakt identisch zu unserer aussehen. Mit dem feinen Unterschied, dass außer Ihnen niemand mehr über ein Bewusstsein verfügt. Woher wollen Sie wissen, dass Sie nicht längst in einer solchen Zombie-Welt leben?

Aber nicht so schnell, vielleicht gibt es doch noch Rettung für unsere Mitmenschen: Eine Welt voller Zombies ist zweifelsfrei denkbar, aber ist sie auch real möglich?

2. Könnte es Zombies geben...

… Und wenn es Zombies geben könnte, welche Konsequenzen hätte das für unser Weltbild?

Die Betonung liegt dabei auf könnte, den Konjunktiv. Ob es tatsächlich Zombies gibt interessiert die Philosophien nicht so sehr. Für sie ist eher entscheidend, ob es denn rein theoretisch Zombies geben könnte. Diese Frage hat etwas mit Qualia zu tun und der Frage, ob die Naturwissenschaften unsere Welt erschöpfend erklären können. Die Spekulationen um Zombies helfen den Philosophen, diese entscheidenden Fragen leicht verständlich auf den Punkt zu bringen.

Entscheidend ist etwa die Frage, ob man von der Beobachtung (Verhalten, neurologische Untersuchungen usw.) einer Person, auf ihr Bewusstsein schließen kann? Oder zieht Bewusstsein keine merklichen Verhaltens- oder Funktionsunterschiede nach sich? Können bewusste und unbewusste Systeme also behavioral und funktional völlig identisch sein, oder zeigt sich Bewusstsein auch nach außen hin? Und wenn auch die besten Naturwissenschaftler nicht sagen können, ob ein Gehirn bewusst oder unbewusst ist, ist dann ihr Erklärungsmodell falsch? Oder eventuell nur ein Teil der ganzen Wahrheit?

Diese Fragen werden auch wir nicht beantworten können, ihnen uns aber nach und nach nun trotzdem stellen.

3. Das schwache Argument

Es gibt verschiedene Formen des sog. Zombie-Arguments. Die schwache Version des Zombie-Argumentes geht in etwa so:

·         (P1) Lissi und Lotte verhalten sich in allen Situationen gleich.

·         (P2) Lissi erlebt phänomenale Qualitäten, Lotte nicht.

·         (K) Das phänomenale Erlebnis des Menschen ist zumindest nicht gänzlich durch sein Verhaltensspektrum determiniert.

In seiner schwachen Form greift das Zombie-Argument zwar schon den philosophischen Behaviorismus, noch nicht aber den Physikalismus an.

Der Behaviorismus geht davon aus, dass sich alle Aspekte des Seelenlebens auch auf die Verhaltensdispositionen eines Menschen niederschlagen. Falls die oben angenommenen Prämissen und die sich daraus ergebende Konklusion richtig sein sollten, stimmt das nicht. Dann hat der Behaviorismus nicht Recht, da der Verlust des gesamten Seelenlebens ohne eine Verhaltensänderung einhergehen könnte.

Der Physikalismus hingegen bleibt auch dann noch unangetastet, wenn das schwache Zombie-Argument zutreffen sollte. Es muss nur davon ausgegangen werden, dass dieselben Verhaltensweisen von Lissi und Lotte physikalisch unterschiedlich realisiert sind. Ihrem Verhalten merkt man es vielleicht nicht an, aber ihre physischen Zustände sind unterschiedlich und würden, beispielsweise von einem Neurologen, auch unterschiedlich beschrieben werden. Die unterschiedlichen physischen Zustände können dann auch locker erklären, warum Lissi eine phänomenale Erfahrung hat, Lotte nicht, und sich beide trotzdem gleich verhalten können.

4. Das starke Argument

Es gibt aber auch noch eine starke Form des Zombie-Arguments:

·       (P1) Lissi und Lotte verhalten sich in allen Situation gleich. Darüber hinaus sind sie auch noch bezüglich ihrer physischen Phänomene identisch. Lissi und Lotte sind also behaviorale und physische Doppelgänger.

·       (P2) Lissi erlebt phänomenale Qualitäten, Lotte nicht.

·       (K) Das phänomenale Erlebnis des Menschen ist zumindest nicht gänzlich durch sein Verhaltensspektrum und seine physische Beschaffenheit determiniert.

4.1. Chalmers lässt Zombies gegen den Physikalismus anfechten

Mit dieser verschärften Formulierung stellt das Zombie-Argument sehr wohl ein Problem für den Physikalismus dar. Zu den Vertretern des starken Argumentes zählt der australische Philosoph David Chalmers.

Chalmers glaubt, dass Zombies nicht nur vorstellbar, sondern auch möglich sind. Vielleicht sogar in unserer Welt. Aus diesem Grund gäbe es eine unüberwindbare Erklärungslücke zwischen der physikalischen und phänomenalen Perspektive auf die Welt. Dies ist der erkenntnistheoretische Teil von Chalmers Argumentation.

Weiter argumentiert er, dass wenn die Annahmen des starken Argumentes richtig sind, es in unserer eigenen Welt offensichtlich bewusste Erfahrungen gibt, in der Zombie-Welt dagegen nicht. Physikalisch aber sind beide kongruent. Also gibt es mit dem Bewusstsein nicht-physikalische Tatsachen in der Welt. Demnach seien im Gegenzug die physikalistischen bzw. funktionalistischen Bewusstseinstheorien, nach denen Bewusstsein eine physische Tatsache in der Welt ist, unzutreffend. Dies ist der metaphysische Teil von Chalmers Gedanken, er postuliert das Scheitern des Physikalismus.

Verkürzt lässt er sich so zusammenfassen: Wenn sich die physikalische Tatsachenbeschreibung unserer Welt analog zur physikalischen Tatsachenbeschreibung einer bewusstlosen Welt ausdrücken lässt, so impliziert eine physikalische Tatsachenbeschreibung noch nicht das Bewusstsein. Folglich ist eine physikalische Tatsachenbeschreibung der Welt falsch, oder unvollständig.

Aber welcher Ansatz soll dann die Welt beschreiben, wenn nicht der physikalistische? Nach Chalmers ist der Physikalismus nicht falsch, sondern einfach nur unvollständig. Er muss durch eine geistige Theorie ersetzt werden. Sein Argument läuft also offensichtlich auf einen Dualismus hinaus. Ähnliches überlegte sich übrigens schon der Naturwissenschaftler und Philosoph René Descartes: Geist könne ohne den Körper vorgestellt werden bzw. existieren, also ist der Geist nicht nur ein Teil des Körpers.

5. Verweise

  • #Kritik: Die Gegner der Zombie-Argumente halten derlei Spekulationen für absurd. Zu ihnen zählen Patricia Churchland und Daniel Dennett. Für sie ist die bloße Vorstellung eines Wesens, das gehen, sprechen, spielen, essen usw. kann – aber dennoch nicht bewusst ist – lächerlich. Und sie gehen sogar noch einen Schritt weiter und werfen Chalmers und den Zombie-Freunden Unredlichkeit vor. Nach ihrer Definition dürften sich Zombies ja nicht im Geringsten von normalen Menschen unterscheiden, aber wenn man sie zu individuellen Erlebnissen frage, so könnten sie diese ganz persönliche Frage nicht beantworten. Insofern würde sich ein Zombie sehr wohl von bewussten Menschen unterscheiden und das ganze Problem löse sich, bei genauerem Hinsehen, in Luft auf.

  • Cogito, ergo sum: Wenn ich aber nicht einmal wissen kann, ob die Menschen um mich herum bewusst sind, was kann ich dann überhaupt wissen. „Ich denke, also bin ich“, behauptete der Philosoph Descartes, den wir bereits ein paar Abschnitte zuvor kennengelernt haben. Auf diesem Wissen um die eigene Existenz aufbauend könne man auf alle weiteren Tatsachen schließen. Die Bewusstheit anderer Menschen ließe sich zwar nicht logisch beweisen, jedoch empirisch vermuten. Da ich aus eigener Anschauung die anderen Menschen kenne und diese über ähnliche Eigenschaften wie ich verfügen, sei es plausibel, auch ihnen Bewusstsein zuzuschreiben. Außerdem birgt die Alternative zu der Bewusstseins-Annahme, der sog. Solipsismus, seine ganz eigenen Probleme.

  • Evolutionäre Erkenntnistheorie: Ich sehe aber noch eine ganz andere Möglichkeit, die philosophischen Zombies zu interpretieren. Als Ausdruck der Frage, warum wir nicht alle unbewusst sind bzw. als Zombies durch die Welt mäandern? Irgendeinen selektiven Vorteil muss das Bewusstsein offensichtlich bringen, weil bewusste Vorgänge bekanntlich ja mit einem erhöhten, physiologischen Ressourcenverbrauch einhergehen und die Evolution den ressourcensparenden Weg vorgezogen hätte, wenn Bewusstsein pragmatisch überflüssig wäre und nur einen ästhetisch-subjektiven Vorteil hätte. Und wenn Bewusstsein aus logisch-biologischen Gründen einen selektiven Vorteil mit sich bringen muss, können bewusste Wesen auch nicht identisch zu unbewussten sein. Aber welcher Vorteil soll das sein? Bewusstsein repräsentiert das augenblickliche Wissen der Person über seine ganz eigene Realität. Die Person selbst und die Umwelt sind Teile dieser Realität. Im Fokus der bewussten Aufmerksamkeit einer Person stehen stets diejenigen Dinge, die einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen und nicht unbewusst erledigt werden können. Wenn unser Magen leer ist, werden wir uns dessen bewusst und essen. Und wenn ein Pfeil auf uns zufliegt, fokussiert sich alles in uns auf diesen einen Sachverhalt und wir versuchen aus der Flugrichtung des Pfeiles zu springen. Womöglich bringt diese Fähigkeit zur aufmerksamen Bewusstheit ein Vorteil mit sich, ich bezweifle das aber.

  • Falsifikationismus: Falls Chalmers & Co Recht behalten sollten, ist die nützliche Hypothese Zombie ein ernstzunehmendes Problem für die empirischen Wissenschaften. Warum also beschäftigen sie sich nicht auch mit den Zombies? Warum scheint diese Frage nur den Philosophen vorenthalten zu sein? Weil Zombies keine empirisch-falsifizierbaren Ableitungen zulassen und somit für die empirischen Wissenschaften aus methodischen Gründen nicht greifbar sind. Als empirische These könnte das Zombie-Argument so lauten: Es gibt mindestens einen philosophischen Zombie. Um das empirisch zu beweisen, müsste man das Gegenteil widerlegen, sprich, dass es keinen einzigen philosophischen Zombie gibt als falsch bezichtigen können. Dies ist aber unmöglich. Nicht nur, weil sich Zombies nach Chalmers & Co sowieso nicht von normalen Menschen unterscheiden würden und man nicht in einen anderen hineinschauen kann. Sondern auch, weil All-Aussagen wie diese prinzipiell nur falsifiziert, nie aber verifiziert werden können. Man kann nie und nimmer alle verstorbenen, lebenden und zukünftig geborenen Menschen, alle Ecken und Winkel des Universums untersuchen, was für den Beweis, dass es nicht mindestens einen philosophischen Zombie gibt, aber von Nöten wäre.

  • Leib-Seele-Problem: Zombies vorstellen ist leicht, aber kann es sie auch tatsächlich geben? Diese vermeintlich einfache Frage führt uns mitten in das Dickicht bewusstseinsphilosophischer Problemstellungen und damit in das Herz des Leib-Seele-Problems.
  • Seele: Zombies sind das Gegenteil von Seelen. Zombies sind Körper ohne Geist, und Seelen Geist ohne Körper. Die philosophisch entscheidende Frage lautet: Ist eines von beiden, oder vielleicht sogar beides, real möglich? 

  • Solipsismus: Vielleicht sitzen Sie heute Abend mit ihrer Liebsten auf einen Zombiefilm zusammen und sie sieht ihn gar nicht. Vielleicht ist Ihre Freundin ein Zombie? Sie werden das nie herausfinden, egal wie Sie sie befragen oder welche medizinischen Gerätschaften Sie an sie anschließen. Die Vorstellung philosophischer Zombies ist tausendmal gruseliger als Filmzombies.

  • Übermensch: Noch vor einhundert Jahren schienen Spekulationen über Zombies und Sumpfgeschöpfe nur von theoretischem Belang zu sein. Heute diskutiert man transhumanistische Wege, mit denen wir vielleicht exakt solche Zombies erschaffen könnten. Beispielsweise könnten wir sukzessiv alle Nervenzellen eines Menschen durch siliziumbasierte Mikrochips ersetzen, die funktionell die exakt gleiche Wirkungsweise wie die ursprünglichen Nervenzellen haben. Wäre einem solchen Siliziumgehirn noch ein Bewusstsein inhärent, oder wäre es bereits das eines Zombies?

Stand: 2015

Kommentare: 4
  • #4

    WissensWert (Donnerstag, 23 Februar 2017 23:42)

    https://plato.stanford.edu/entries/zombies/

  • #3

    WissensWert (Mittwoch, 08 Februar 2017 00:28)

    Cogito ergo sum - Ich denke, also bin ich... (René Descartes, 1641)

    In der Philosophie gibt es das Gedankenspiel des philosophischen Zombies:

    Ein Mensch, der aussieht und handelt wie ein Mensch - also lebt, kommuniziert, interagiert und äußerlich wie innerlich qualitativ nicht von einem anderen Menschen zu unterscheiden ist, der auch behauptet ein Bewusstsein zu haben, aber innerlich dies gar nicht hat, sondern wie eine biologisch-neurologische Maschine dies nur "vorgibt".

    https://de.wikipedia.org/wiki/Zombie#Motiv_des_Zombies_in_der_Philosophie

    Dieses Gedankenspiel argumentiert gegen die Behauptung der Neurowissenschaften, das Phänomen "Bewusstsein" komplett erklären zu können.

    Wenn unser Dasein rein materiell ist, wenn wir quasi biologische Maschinen sind, die in Wirklichkeit keinen Willen haben, Schmerz nur neurologische Vorgänge der sensorisch-reaktiven Existenzsicherung und Bewusstsein nur ein Phänomen kognitiv-reaktiver Handlungsabläufe zu diesem Zweck der Selbsterhaltung und Selbstreproduktion sind, WOZU "erleben" wir das überhaupt? Welchen evolutionären Vorteil hat ein handlungsunfähiger "Zuschauer"? Wer schaut zu und wo sitzt der Zuschauer? (Und wie viel Chips, Cola und Popcorn hat er dort ;) ) Bzw. auf Basis welches physikalischen Phänomens (Feld, Energie, Materie, Strahlung, Raumzeitkontinuum, Dimension) entsteht dieses "Abfallprodukt" (oder diese Emergenz) der Verarbeitungsleistung des neuronalen Netzes "Gehirn"?

    Dies zählt zu den ungelösten Fragen der Wissenschaftsphilosophie und des deterministischen Materialismus, dem die Quantentheorie den ersten größeren noch nicht wirklich interpretierten Dämpfer gegeben hat.

    https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_unsolved_problems_in_philosophy

    https://en.wikipedia.org/wiki/Hard_problem_of_consciousness

  • #2

    WissensWert (Samstag, 04 Februar 2017 03:05)

    Marcus Müller schreibt:

    Warum "erleben" biologische Organismen ihr Dasein und sind nicht einfach "philosophische Zombies"?

    Mit der Frage, wie erklärt man jemanden ohne vorherige Erfahrung den Geruch einer Rose oder einem Blinden die Erfahrung "rot", haben sich schon viele Philosophen und Neurowissenschaftler unter der Bezeichnung "Qualia-Problem" befasst. ("Qualia" als Plural von "Quale")

    Dahinter steht die Frage, warum neuronale Zustände ein subjektives "Erleben" hervorrufen, warum Menschen und Tiere nicht einfach "philosophische Zombies" sind, biomechanische Maschinen, die einfach funktionieren. Die verschiedenen metaphysischen und philosophischen Positionen leugnen die Qualia entweder als Scheinproblem oder setzen die Qualia gleich mit der Repräsentation von Zuständen. Die Dualisten wiederum sehen darin ein Beleg dafür, dass es eine vom Körper getrennte "Seele" gäbe und es deswegen keine materialistische Reduktion der Qualia geben könne.

    Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio hat meiner Ansicht nach die Entstehung des sich selbst erlebenden und über sein Dasein wissende "Selbst" relativ nachvollziehbar erklärt. Das Proto-Selbst ist nichts weiter als die unbewusst funktionierende somatisch-kybernetische Feststellung und Regulation des Zustandes eines Organismus. Schon das Bakterium hat Regelungsprozesse in sich, in der sensorische Wahrnehmungen zu in Richtung selbsterhaltender Homöostase regulierenden Reaktionen führen.

    Durch zunehmend komplexere neuronale Verwertung von sensorischen Informationen von inneren und äußeren Zuständen entstand das kognitiv arbeitende Kern-Bewusstsein, das als wertender Bezug des Organismus zu wahrgenommenen Zuständen und Objekten neurochemisch basierte Emotionen hervorbrachte.

    Erst durch die Fähigkeit durch Qualia "trainierbarer" mehrschichtiger neuronaler Netze, sich an frühere Zustände zu "erinnern" und aufgrund derer neue Bewertungen zu ermöglichen, entstand das sich an seine Existenz "erinnernde" autobiographische Selbst, das sich seiner Existenz bewusst wurde - was durch die Entstehung einer intersubjektiven Kommunikation von "gewerteten" Zuständen durch Symbolik (Sprache) schließlich auch die Kommunikation mit sich selbst eröffnete. Nur weil wir viele sind und miteinander über Zustände, Objekte und Subjekte kommunizieren, sind wir fähig, mit unserem Selbst zu kommunizieren.

    Oder anders ausgedrückt: Das "Ich" gäbe es nicht ohne das "Du" und "Wir". In der afrikanischen Ubuntu-Philosophie heisst das: "Ich bin, weil wir sind."

  • #1

    WissensWert (Mittwoch, 06 Juli 2016 23:39)

    Warum "erleben" biologische Organismen ihr Dasein und sind nicht einfach "philosophische Zombies"?
    Mit der Frage, wie erklärt man jemanden ohne vorherige Erfahrung den Geruch einer Rose oder einem Blinden die Erfahrung "rot", haben sich schon viele Philosophen und Neurowissenschaftler unter der Bezeichnung "Qualia-Problem" befasst. ("Qualia" als Plural von "Quale")
    Dahinter steht die Frage, warum neuronale Zustände ein subjektives "Erleben" hervorrufen, warum Menschen und Tiere nicht einfach "philosophische Zombies" sind, biomechanische Maschinen, die einfach funktionieren. Die verschiedenen metaphysischen und philosophischen Positionen leugnen die Qualia entweder als Scheinproblem oder setzen die Qualia gleich mit der Repräsentation von Zuständen. Die Dualisten wiederum sehen darin ein Beleg dafür, dass es eine vom Körper getrennte "Seele" gäbe und es deswegen keine materialistische Reduktion der Qualia geben könne.
    Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio hat meiner Ansicht nach die Entstehung des sich selbst erlebenden und über sein Dasein wissende "Selbst" relativ nachvollziehbar erklärt. Das Proto-Selbst ist nichts weiter als die unbewusst funktionierende somatisch-kybernetische Feststellung und Regulation des Zustandes eines Organismus. Schon das Bakterium hat Regelungsprozesse in sich, in der sensorische Wahrnehmungen zu in Richtung selbsterhaltender Homöostase regulierenden Reaktionen führen.
    Durch zunehmend komplexere neuronale Verwertung von sensorischen Informationen von inneren und äußeren Zuständen entstand das kognitiv arbeitende Kern-Bewusstsein, das als wertender Bezug des Organismus zu wahrgenommenen Zuständen und Objekten neurochemisch basierte Emotionen hervorbrachte.
    Erst durch die Fähigkeit durch Qualia "trainierbarer" mehrschichtiger neuronaler Netze, sich an frühere Zustände zu "erinnern" und aufgrund derer neue Bewertungen zu ermöglichen, entstand das sich an seine Existenz "erinnernde" autobiographische Selbst, das sich seiner Existenz bewusst wurde - was durch die Entstehung einer intersubjektiven Kommunikation von "gewerteten" Zuständen durch Symbolik (Sprache) schließlich auch die Kommunikation mit sich selbst eröffnete. Nur weil wir viele sind und miteinander über Zustände, Objekte und Subjekte kommunizieren, sind wir fähig, mit unserem Selbst zu kommunizieren.
    Oder anders ausgedrückt: Das "Ich" gäbe es nicht ohne das "Du" und "Wir". In der afrikanischen Ubuntu-Philosophie heisst das: "Ich bin, weil wir sind."


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