„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365


Mary

Mary (auch: Marys Zimmer, knowledge argument, Wissensargument, Argument des unvollständigen Wissens) ist ein vom Philosophen Frank C. Jackson ersonnenes Gedankenexperiment. Es richtet sich gegen das physikalistische Weltbild, insbesondere in Bezug auf mentale Phänomene.

1. Das Argument

Ausgangspunkt ist Jacksons Gedankenexperiment. Im Folgenden sinngemäß wiedergegeben:

„Mary ist eine brillante Neurowissenschaftlerin. Zeit ihres Lebens hat sie sich auf die neurophysiologischen Grundlagen der menschlichen Farbwahrnehmung spezialisiert. Wir nehmen an, dass Mary als Idealwissenschaftlerin alle Informationen über die physikalischen Vorgänge kennt, die vonstattengehen, wenn wir beispielsweise reife Tomaten oder den Himmel sehen und als „rot“ oder „blau“ bezeichnen. Aus unempfindlichen Gründen befindet sich Mary jedoch seit ihrer Geburt in einem schwarz-weißen Raum und konnte sich ihr enormes Wissen über die Außenwelt auch nur mittels eines schwarzweißen Monitors aneignen. Zu Ende gedacht heißt das: Mary selbst hat noch nie Farben gesehen, sie weiß jedoch alles, was es naturwissenschaftlich über Farbwahrnehmung zu wissen gibt. Ändert sich nun was, wenn Mary zum ersten Mal Farben zu Gesicht bekommt - wenn ja, was?

Jackson vertritt die These, dass Mary mit ihrem ersten visuellen Farberlebnis neues Wissen über die Welt und speziell der menschlichen Farbwahrnehmung erlangt. Nach ihm könnte ein bestimmter Aspekt nämlich grundsätzlich nie physikalisch erfasst werden – die Qualia. Zuvor hat sie lediglich gewusst, was passiert, wenn jemand eine reife Tomate sieht. Jetzt weiß sie etwas Neues, nämlich, wie es ist eine reife Tomate zu sehen. Dieses Wissen ist phänomenales Wissen und sei nicht physikalisch.

Soviel zu Jacksons Position, die die Prämissen für sein Argument des unvollständigen Wissens beinhalten. Seine Konklusion besteht nun darin zu behaupten, dass Mary beim Ansehen einer roten Tomate eine neue, nicht-physikalische Tatsache lernt. Es gibt also nicht-physikalische Tatsachen, womit das physikalische Wissen unvollständig sei. So will Jackson den Physikalismus widerlegt haben.

Die Argumentationsstruktur in Kurzform:

1)    Mary kennt bereits alle physikalischen Tatsachen über Farberlebnisse, Tatsachen über Farberlebnisse (Wellenlängen des Lichts, Beschaffenheit der Retina usw.), bevor der Monitor Farben anzeigt bzw. sie den Raum verlässt.

2)    Indem Mary selbst Farberlebnisse hat, lernt sie neue nicht-physikalische Tatsachen kennen. Nämlich, wie es ist Farben zu sehen.

 

Aus (1) und (2) folgt:

3)    Es gibt nicht-physikalische Tatsachen. Das physikalische Wissen über die Welt ist unvollständig.

Physikalismus steht klarerweise stellvertretend für alle naturwissenschaftliche Disziplinen (z.B.: belangvoll, falls es emergente Phänomene geben sollte) und Farberlebnis beispielhaft für alle Qualia. Somit meint Jackson, dass alle mentale Phänomene phänomenaler Qualität (wie etwa auch das Schmecken von Süße) nicht gänzlich naturwissenschaftlich mess-, d.h. beschreibbar sind.

2. Verweise

Logisch scheint Jacksons Argument schlüssig zu sein. Deshalb zielen Kritiken an ihm auch hauptsächlich inhaltlich oder begrifflich auf die vorausgesetzten Prämissen ab. Falls die Prämissen nicht richtig sind, ist es logischerweise (zumindest damit) auch nicht die Konklusion. Hier einige Kritikpunkte an Jacksons Argument des unvollständigen Wissens:

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Stand: 2014

Kommentare: 4
  • #4

    WissensWert (Freitag, 10 Februar 2017 19:56)

    https://www.youtube.com/shared?ci=6JQTFHIFF9M

  • #3

    paul (Montag, 21 September 2015 05:31)

    schade, dass die kritikpunkte fehlen! ;)

  • #2

    sapereaudepls (Sonntag, 01 März 2015 12:06)

    Mit Emergenz kann man sich immer ganz schön aus allen großen (philosophischen) Problemen flüchten: "Raum, Bewusstsein, Leben usw.
    sind einfach emergente Phänomene und Basta."
    Verstehe mich nicht falsch, es kann gut sein, dass dies auch tatsächlich alles emergente Phänomene sind. Aber die Behauptung an sich hat noch keinerlei wissenschaftlichen Mehrwert. Dazu brauchen wir noch EINE THEORIE DER EMERGENZ, um letztendlich mehr über so ein Phänomen zu wissen.

    Apropos Wissen: Das Ganze wirft für mich auch die Frage auf, ob es sich bei der Kenntnis darüber, "wie etwas ist" (etwa eine Tomate zu sehen) wirklich um eine erkenntnistheoretisch / wissenschaftlich relevante Art von Wissen handelt, oder vielmehr nur aufgrund einer Mehrdeutigkeit des Begriffs "Wissen" irrtümlich mit Erkenntnis bzw. proportionalem Wissen in Verbindung gebracht wird.
    Sprich in Wahrheit gar kein proportionales "Wissen", wie es die Wissenschaft sucht, darstellt.
    ODER KURZ: WEISS MARY MIT DER FARBEMPFINDUBG TATSÄCHLICH MEHR?

  • #1

    Christian Schröter (Sonntag, 01 März 2015 12:01)

    Jackson vergisst das Phänomen der Emergenz …


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