Philosophie des Geistes

Die Philosophie des Geistes (auch: Bewusstseinsphilosophie; engl.: Philosophy of Mind) ist ein Teilgebiet der theoretischen Philosophie. Sie befasst sich v.a. mit mentalen Zuständen, d.h. mit:

a. Der Natur des Mentalen (ontologisch): Was ist Bewusstsein? Gibt es eine Seele? Was ist das Wesen von qualitativen oder intentionalen Zuständen?

b. Der Erkennbarkeit des Mentalen (epistemologisch): Können wir etwas über das Fremdpsychische wissen? Haben wir einen privilegierten Zugang zu unseren eigenen mentalen Zuständen? Verschafft uns dieser besonderes Wissen?

c. Dem Verhältnis von mentalen zu physikalischen Zuständen (Leib-Seele-Problem): Wie verhält sich der Geist eines Menschen zu seinem Körper? Lassen sich mentale Eigenschaften auf physikalische Eigenschaften reduzieren? Sind mentale Zustände auf physikalische Zustände kausal wirksam?

Es gibt zahllose Themen, die von diesen Fragen berührt werden. Offensichtliche Beispiele sind die Natur und Endgültigkeit des leiblichen Todes, die Möglichkeit von künstlichem Bewusstsein, tierisches Bewusstsein, die Freiheit des Willens, was eine Person und ihre Identität ausmacht und die Natur von Emotionen, Wahrnehmungen, Erinnerungen und dem Ich und Selbst.

Philosophiehistorisch war die Philosophie des Geistes lange Zeit ein Bestandteil der klassischen Metaphysik. Als die Existenz einer Seele aber zunehmend unplausibel erschien, verschwand auch die Philosophie des Geistes aus dem Zentrum des Interesses. Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts bekam das Thema im Zusammenhang mit der Erforschung des menschlichen Gehirns wieder neue Aktualität. Wegen dieser Schnittstelle zur naturwissenschaftlichen Forschung wird die Philosophie des Geistes heute meist auch als eigenständige Disziplin behandelt. Die zeitgenössische Diskussion entstand im angelsächsischen Sprachraum als '(Analytic) Philosophy of Mind'. Der englische Ausdruck 'mind' ist deutlich nüchterner als die deutschen Begriffe wie Seele oder Geist, die immer noch einen gewissen Ballast an metaphysischen Assoziationen mit sich schleppen. Es hat sich daher in der Diskussion eingebürgert, anstelle vom "Geist" lieber vom "Mentalen" zu reden. Auf diese Weise werden Assoziationen zu religiöse Ideen oder zum Deutschen Idealismus und dort insbesondere zu der Bewegung des Geistes durch die Geschichte, wie sie beispielsweise in Hegels Phänomenologie des Geistes einen besonderen Höhepunkt fand, vermieden.

Creative-Commons 3.0., © Christian R. Linder
Creative-Commons 3.0., © Christian R. Linder

Stand: 2018

Kommentare: 1
  • #1

    Wissenswert (Dienstag, 06 Februar 2018 15:20)

    https://www.youtube.com/watch?v=MdCoE_ayB5c&feature=youtu.be


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