„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Universalienfrage

Die Universalienfrage (auch: Universalienproblem, Universalienstreit oder Nominlismusstreit) behandelt die Frage, ob Allgemeinbegriffe für sich ontologisch existent oder nur menschliche Konstrukte sind. Allgemeinbegriffe fassen, wie es der Name bereits vermuten lässt, mehrere materielle oder immaterielle Dinge unter gemeinsamen Merkmalen zusammen. Mensch, Auto, Stuhl, oder Tier sind beispielsweise Allgemeinbegriffe. Diese Allgemeinbegriffe werden seit der mittelalterlichen Logik an als Universalien bezeichnet.

Diese Frage wurde verstärkt in der Scholastik diskutiert und ist auch heute noch nicht endgültig geklärt. Um diese lassen sich zwei Positionen unterscheiden. Die Realisten sagen ein Begriff wie „Lebewesen“ existiert als wirklich substantielle Entität (Realismus). Diese Position ist eng verwandt mit der platonischen Ideenlehre. Die Nominalisten hingegen meinen ein Begriff wie „Lebewesen“ ist nur ein abstraktes, gedankliches Konstrukt, dass etwa aus dem menschlichen Bemühen die Welt zu Systematisieren heraus entstand. Eine eigenständige Realität komme nur den Einzeldingen zu. Diese Position ist eng verwandt mit dem Konstruktivismus. Zwischen diesen beiden Auffassungen gibt es viele verschiedene Zwischenpositionen.

Bevor man sich den Für- und Widerpunkten der einzelnen Positionen anwendet und selbst eine annimmt, ist es zunächst einmal schwierig überhaupt das Problem hinter der Universalienfrage zu verstehen. Zur Verständnishilfe hier ein kurzes Beispiel. Die mittelalterliche, feudalistische Gesellschaftsordnung wurde von den meisten Menschen aller Geburtsstände noch stoisch hingenommen. Der aufkommende Nominalismus stellt jetzt das Individuelle über das Allgemeine, was bloß Bezeichnung sei. Er brachte somit ein neues, liberales Menschenbild mit sich. In diesem kann nun der Mensch sein eigenes Schicksal durchaus mitbestimmen.

Verweise

  • Universalienfrage, math: Ich bin mir ziemlich sicher, dass Allgemeinbegriffe wie „Stuhl“ oder „Menschheit“ keine Dinge an sich sind. Bei mathematischen Objekten bin ich mir aber unsicher.
Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Dienstag, 20 September 2016 23:43)

    Oder einem Gesetz, das die Naturwissenschaft “gefunden” (d.h. beschrieben) hat? Existieren Arten von Tieren? Ist die Evolutionstheorie Realität?

    Meine Prämissen sind die folgenden: Eine Welt, die jenseits von erkennenden Subjekten existiert und erkannt werden kann, aber niemals also solche, sondern nur vermittelt über Sinnesorgane oder technische Hilfsmittel, über sprachliche oder mathematische Beschreibung: Alle Erkenntnis* entstammt menschlichen Gehirnen und kann ohne solche (oder ähnliche) nicht weitergegeben oder verstanden werden, sie existiert per se (als Idee) weder materiell noch immateriell (auch nicht im Sinn einer Wechselwirkung) und ist in diesem Sinn schöpferisch, konstruiert und man sollte zwischen Konstrukt und (möglicher) Realität unterscheiden um Irrtümern oder voreiligen Schlüssen zu entgehen.


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