„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Gottesbeweise

Der Gottesbeweis bezeichnet einen Versuch, die Existenz Gottes mit Hilfe der Vernunft zu beweisen. Dabei gibt es viele verschiedene Typen von Gottesbeweisen, darunter u.a. der axiologische, historische, kosmologische,  moralische, ontologische, pragmatische, psychologische, teleologische. Doch ist die rationale Verifikation Gottes grundsätzlich überhaupt möglich?

 

“Tell people there’s an invisible man in the sky who created the universe,

and the vast majority believe you. Tell them the paint is wet,

and they have to touch it to be sure.”

 - George Carlin

 

Jeder Gottesbeweis schließt zwangsläufig vom (subjektiven) Denken auf das (objektive) Sein und scheitert daher an seinem eigenen Anspruch. Eine gedachte Notwendigkeit macht keine reale Notwendigkeit. Allein schon um im praktischen Alltag zurechtzukommen, ist es notwendig Annahmen über das Sein aufzustellen. Inwiefern sich diese Annahmen mit dem Sein an sich decken, können wir aber nicht wissen.

Soweit ich das absehen kann, kennt unsere Weltbildwerdung neben dem rationalen noch zwei weitere Wegen. Viele mir bekannte Menschen meinen aus einem Bauchgefühl heraus, dass ein Gott existiert. Die Intuition mag real sein, Intuition ist jedoch kein Gottesbeweis. Sogenannte „Jesusfreaks“ beispielsweise meinen des Weiteren häufig, dass sie Gott und seine Liebe so intensiv und unmittelbar spüren, dass dieser unbezweifelbar existieren müsse. Das Gefühl mag real sein, Emotion ist jedoch kein Gottesbeweis.

 

# man kann vom Weltbild nicht auf die Welt schließen.

Manch einer der sogenannten „Gottesbeweise“ ist ein stärkeres Indiz für die Existenz Gottes, manch einer ein schwächeres und manche diesbezüglich vollkommen irrelevant. Aus der Natur heraus beweist aber kein Gedankengang, keine Intuition und keine Emotion wirklich die Existenz Gottes. Das oben ausgeführte Totschlagargument gegen vielleicht jeglichen Versuch Gott zu beweisen gilt aber auch umgekehrt. Jeder Versuch der Gotteswiderlegung scheitert ebenso an der prinzipiellen Beschränktheit unserer Erkenntnisfähigkeit. Die Nicht-Existenz Gottes ist nicht belegbar. Fühlen sich Atheisten meist sehr rational, sind Agnostiker doch weitaus vernünftiger. Doch selbst der Agnostizismus unterliegt dem Dogma, dass die Frage nach der Existenz Gottes prinzipiell nicht zu klären sei. Am vernünftigsten ist es diesbezüglich für Unsereins vermutlich sich einzugestehen, dass wir Nichts wissen. Wahrscheinlich nicht einmal das.

 

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Kommentare: 5
  • #5

    WissensWert (Donnerstag, 18 Mai 2017 15:09)

    Die Summe aller gültigen Gottesbeweise beträgt NULL. Ich kenne etwas über 300 Gottesbeweise, die meisten scheitern daran, dass sie genau die logischen Prinzipien verletzen, auf denen sie aufbauen.
    Es bleibt eine Handvoll übrig, die wenigstens logisch valide sind. Aber deren Prämissen sind so unglaubwürdig, dass sie nicht einmal von Gläubigen akzeptiert werden.
    Es gibt verschiedene Klassen von möglichen Göttern. Man kann sie grob klassifizieren nach:
    - Immanenz versus Transzendenz
    - Mit der physikalischen Welt wechselwirkend oder nicht
    - Logisch beweisbar oder weder beweisbar noch falsifizierbar
    Transzendenz ist außergewöhnlich schlecht definiert. Logisch in sich widersprüchlich sind alle Götter, die transzendent sind, aber mit der physischen Welt wechselwirken.
    Ebenso sind alle potenziellen Götter, die logisch nicht beweisbar sind, aber mit der physischen Welt wechselwirken (oder nur in ihr wirken), bereits in sich widersprüchlich. Es sei denn, diese wirken komplett willkürlich - dann sind sie nicht von Zufall unterscheidbar, verstoßen aber in jedem Fall gegen Basisprinzipien der Physik, wie den Energieerhaltungssätzen.
    Verstöße gegen die Energieerhaltungsprinzipien sind, selbst auf winzigster Ebene. messbar. Der Gott, der nicht messbar ist, aber auf die Welt einwirkt, wäre wissenschaftlich nachweisbar, oder logisch widersprüchlich.
    Götter, die logisch widersprüchlich sind, haben den besten Beweis gegen ihre Existenz, der menschenmöglich ist. Das kann man als vollwertigen Beweis der Nichtexistenz betrachten. Selbstverständlich kann man Nichtexistenz beweisen - wer sich mit Beweismethoden auseinandergesetzt hat, weiß das.
    Als gläubig kann man die Menschen bezeichnen, die auf einen recht simplen logischen Trick hereingefallen sind. Und den spielen sie gegen die Atheisten aus, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Der Trick besteht aus zwei Schritten, meist in der folgenden Reihenfolge:
    1. Man benutzt Eigenschaften der Welt (Existenz, Ordnung, Wunder, eigene Erfahrungen etc. pp.) als einen logischen Beweis für Gott. Konsequenz: Gott lässt sich logisch beweisen - und logisch widerlegen.
    2. Man definiert Gott oder verzichtet darauf so, dass es keinen logischen Beweis für seine Existenz geben kann. Konsequenz: ALLE im Schritt 1. gemachten logischen Beweise sind falsch!
    Den Gott aus Schritt 1. benutzt man als Beweis, dann immunisiert man sich gegen Widerlegung durch Schritt 2. Konsequenz: Eine gegen Kritik immunisierte Behauptung widerlegt Schritt 1. und ist einfach nur maximaler Unsinn (Bullshit).
    Es geht darum, ERST mit einem Beweis einen Glauben an Gott zu etablieren - meist, in dem man logische Tricks benutzt, denen die meisten Menschen nicht folgen können. Vor allem dann nicht, wenn es sich um Kinder handelt. Sobald der Glauben etabliert ist, wird im 2. Schritt der Rückweg versperrt - man kann ihn jetzt nicht mehr loswerden, selbst, wenn die logischen Fehler im Schritt 1. durchschaut.
    Man kann und muss also vom "Gottesbetrug" reden. Kinder werden auf betrügerische Weise zum Glauben an Gott gebracht, dann "brennt man die Brücken ab", so dass selbst intelligente Menschen keinen Ausweg mehr finden. Ihre Intelligenz ist jetzt nämlich nicht mehr gegen Gott nutzbar.
    Aber der Gott ist Schritt 1. ist ein gänzlich anderer als der aus Schritt 2. Wie beim Hütchenspiel hat man die Bedeutung der Begriffe verschoben, die Stellung der Logik, die Definition Gottes.
    Gläubige sind nicht dumm, sie sind nur so "programmiert", dass sie ihre Intelligenz nicht einsetzen können, den Bluff zu durchschauen.
    Und jetzt ein paar Beobachtungen:
    1. Kein Gläubiger glaubt an einen Gott, der weder beweisbar noch widerlegbar ist. In keiner Religion wird ein solcher Gott verehrt.
    2. Der nicht beweisbare und nicht widerlegbare Gott ist eine rhetorische Waffe gegen Gläubige wie Atheisten. Als Atheist sollte man sich hüten, auf diesen Trick hereinzufallen.
    3. Wenn die Logik eliminiert wurde, werden emotionale Bindungen aufgebaut. Diese sind immun gegen logische Angriffe.
    4. Keine zwei Gläubigen glauben an denselben Gott.
    5. Die meisten Gläubigen wissen nicht, woran sie glauben, und sie würden auch nicht mehr glauben, wenn sie es wüssten.
    6. Konfrontiert man Gläubige mit diesen Überlegungen, setzen emotionale Mechanismen zur Verteidigung ein - der Gläubige igelt sich ein und verteidigt seine Auffassung. Dabei spielen uralte, evolutionär erworbene Verteidigungsmechanismen eine Rolle.

  • #4

    Alexander Leibitz (Montag, 25 April 2016)

    "Der Gottesbeweis bezeichnet einen Versuch, die Existenz Gottes mit Hilfe der Vernunft zu beweisen."

    Das ist eine einigermaßen triviale Feststellung, denn der Astronom hat bereits die Existenz der Venus, des Mars und des Jupiters behauptet, aber ebenfalls noch nicht bewiesen, dass diese Gegenstände genau nur so heißen, wie bloß von ihm behauptet.

    Es fehlt also nicht nur ein Gottesbeweis, sondern auch ein Jupiterbeweis, einen Kaffeemaschinen-beweis und überhaupt aller mögliche Beweis. Oder anders gesagt. Der Naturwissenschaftler hat noch nicht auch nur irgendeine Aussage oder Definition bewiesen / verifiziert.

    Jede Nominaldefinition hat die Form eines assertorischen Satzes ("A steht für B" od. "A heist B" od. "A = B").

    So ist zum Beispiel auch die Behauptung, derzufolge die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten nicht etwa "Gott" oder "Allmacht", sondern Energie heißt (und ist und existiert), nichts wie nur behauptet und geglaubt, denn ich glaube vielmehr, dieselbe Fähigkeit heißt nicht Energie, sondern GOTT.

    Das Glauben oder Geloben und das Definieren diverser "Namen" / Nomen bezeichnet eigentlich nur ein und dieselbe Tätigkeit:

    "Ich gelobe, dass die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten GOTT heißt". Das unterscheidet sich von einer banalen Nominaldefinition in überhaupt gar nichts. Folglich ist auch noch nicht bewiesen oder etwa "gesehen" worden, dass Energie existiert, denn wie etwas heißt, kann man ja nicht sehen.

    Wenn so ein Beweis ganz unbedingt klappen soll, kann er also nur "etymologisch" angepackt werden, denn allein die Etymologie weist nach, welche Nominadefinitionen wahr oder widersprüchlich sind. Widersprüchliche Sätze sind falsche Sätze - siehe dazu auch den "Satz vom ausgeschlossenen Dritten". Aus der (stoischen) Etymologie geht auch hervor, dass nicht auch nur irgendein Nomen auf handgreifliche Gegenstände referiert.

    Wann immer jemand glaubt, dass der Name einen handgreilfichen Gegenstand bezeichnet, frönt er einem Aberglauben, und eben der ist in den Naturwissenschaften schon am allerweitesten verbreitet.

    Etymologisch ist schon längst nachgewiesen, dass der Ausdruck "Gott" nichts anderes, wie nur das "Gut" oder die "Güter" bezeichnet - verwandt mit (alat.) "cudo", (mlat.) "causa" und (nhd.) "Guss" oder "Kuss".

    Das GUT im Sinne von "Ware" (Gütern) wurde aber auch schon von den Physikern in eine Äquivalenz zur Energie gestellt. Insofern diskutiert man in Sachen "Gottesbeweis" nur ein terminologisches Missverständnis: "Energie" bezeichnet dasselbe, wie der Ausdruck "Allmächtiger" - die Personifizierung kann man ja weglassen, wenn sie einem nicht behagt, doch in aller Konsequenz sollte man dann auch den Menschen und / oder den Affen nicht personifizieren.

    Ein weiteres Missverständnis resultiert aus der Tatsache, dass das "Sein" und "Tun" von (agr.) "thein" kommt, im Griechischen jedoch durch den Ausdruck "Theos" substantiviert wird. Daraus folgt nämlich, dass der Gottesbeweis eigentlich ein "Seins~ oder Existenzbeweis" ist. Derselbe kann also überhaupt jede nominal angeführte Sache betreffen. Dass er fehlt, sagt lediglich, dass die Existenz nicht auch nur irgendeiner nominal erwähnten Sache erbracht worden ist.

  • #3

    Gebhard Greiter (Montag, 21 Dezember 2015 10:21)

    Ich finde deinen Artikel (in genau dieser Fassung) vor allem deswegen so gut, weil er von keinem eingeschränkten Gottesbild ausgeht.

    Es steht nämlich fest:
    <ul>
    <li>Wer argumentiert &mdash; wie etwa Augustinus &mdash;, dass Gott beweisbar sei, oder
    <li>wer argumentiert &mdash; wie alle Atheisten es tun &mdash;, dass Gottes Nichtexistenz offensichtlich sei,
    </ul>
    der setzt einen viel zu eingeschränkten Gottesbegriff voraus: Er spricht dann nämlich nur von Göttern, die nicht größer sein können als alles, was sich durch menschlichen Verstand erfassen lässt.

  • #2

    Seelenlachen (Sonntag, 20 Dezember 2015 21:12)

    Dieser Artikel gehört, wie gefühlt 60-70% der Artikel auf dieser Seite, dringend mal überarbeitet.

    Eine weitaus bessere Zusammenstellung als bei mir findet sich bei Dittmar: http://www.dittmar-online.net/gottglauben.html

    Deinen Link habe ich abgespeichert und werde ihn mir im Laufe der nächsten Woche zu Gemüte führen. Danke auch dafür!

    Johannes

  • #1

    Gebhard Greiter (Sonntag, 20 Dezember 2015 20:29)


    Die Frage nach der Existenz einer Sache kann frühestens dann entschieden werden, wenn man sich auf eine genaue, ganz bestimmte Definition jener Sache festgelegt hat.

    Bei der Sache Gott aber hapert es schon daran: Es gibt keine allgemein verbindliche Definition dessen, was wir unter "Gott" verstehen wollen.

    http://greiterweb.de/zfo/Gott-und-Gottesvorstellungen.htm

    Aber selbst wenn man sich auf eine der vielen denkbaren Definition festlegt, ist keineswegs sicher, dass menschliche Logik entscheiden kann, ob es einen Gott -- im Sinne jener spezifischen Definition -- gibt.

    Kurt Gödel nämlich konnte beweisen, dass es, gegeben irgend eine formale Logik, immer Aussagen geben wird, die mit Hilfe dieser Logik weder als WAHR noch als FALSCH erkennbar sind.


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