„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Dieser Text ist der erste, den ich für diese Website geschrieben und hier veröffentlicht habe. Heute sehe ich einiges anders und würde vieles nicht mehr so formulieren. Trotzdem steckt in diesem Aufsatz enorm viel an eigenen Gedanken und eigenem Herzblut, weshalb ich ihn oben lasse.

Hier werde ich meine Theorie zur Natur der Zwischenmenschlichkeit erläutern. Diese kann und wird auch schon aufgrund ihrer Prägnanz nicht vollständig seinDas heißt, dass viele Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen entweder gar nicht oder nicht ausdifferenziert dargelegt werden. Auch sind Fehler bei den ausgeführten Punkten natürlich möglich und sicher auch vorhanden. Generell habe ich diesen Aufsatz nicht mit dem Anspruch auf Vollständigkeit oder universeller Gültigkeit geschrieben. Vielmehr entspringen die ihm zugrunde liegenden Gedanken Erfahrungen aus meinem oder dem Privatleben meiner Mitmenschen. Was dabei wem zuzuordnen oder anonymisiert ist, wird nicht angemerkt, da das das Internet nichts angeht. Die Theorie als Ganzes umfasst dabei folglich einen Teil meines, mittlerweile 19-jährigen, direkten oder indirekten Erlebnisspektrums. Mehr nicht - und dies will sie auch nicht. Eher deutlich weniger. Denn es ist besonders ein Punkt, auf den ich mich konzentrieren möchte. Ein Punkt, den ich in seinen unterschiedlichen Facetten und Ebenen beleuchten möchte. Ein Punkt, der mir einerseits so essentiell vorkommt, und den ich andererseits so nicht niedergeschrieben kenne.

These

Einleitung

Der Mensch ist ein zutiefst bedürftiges Wesen. Dabei sind fast alle Menschen egoistisch. Ob der Mensch auch zum Altruismus fähig ist, weiß ich nicht. Gehen wir nun zunächst einmal davon aus, alle Menschen wären Egomane. Als Egoist ist das gesamte Handeln des Menschen auf Befriedigung dieser Bedürfnisse ausgerichtet. Das Bedürfnisempfinden und die positive Erfahrung bei einer Bedürfnisbefriedigung lassen den Menschen handeln und dies wiederum überleben. Folglich ist das willentliche Handeln des gemeinen Menschen intentional, auf das eigene Wohlergehen ausgerichtet.                                           

Beziehungen

Wenn über Beziehungen geschrieben wird, gilt es zunächst einmal den Begriff der Beziehung zu definieren. Beziehung ist ein Verhältnis, eine Relation mindestens zweier Entitäten untereinanderAls Verfasser dieses Textes stehe ich in einer Beziehung zu Dir, dem Leser. Ich stehe auch in einer Beziehung zu meiner Laptoptastatur, auf der ich gerade eben diesen Text hier schreibe. Allein durch meinen Stoffwechselkreislauf stehe ich in einer Beziehung mit meiner Umwelt. Die Welt ist aufgrund von Beziehungen mehr als die Summe ihrer Teile.

Warum Beziehungen eingegangen werden

Manche Beziehungen werden von Menschen willentlich eingegangen, andere unwillentlich. Als lebender Organismus habe ich mich nie für oder gegen ständigen Zellzerfall und Zellerneuerung entschieden. Ich kann mich jedoch willentlich für oder gegen eine Parteimitgliedschaft entscheiden. Es gibt aber auch „Zwischendinger“, wie wenn ich mir beispielsweise jeden morgen aus Gewohnheit und ohne groß darüber nachzudenken an die Nase fasse. Unwillentlich eingegangene Beziehungen werden aus Gründen eingegangen, auf die man keinen oder nur bedingt Einfluss hat. Doch warum geht der gemeine Mensch willentlich Beziehungen ein? Er verspricht sich dadurch eine Bedürfnisbefriedigung. So sieht sich ein Künstler ein Bild an, weil er sich davon die Befriedigung eines tiefen, ästhetischen Bedürfnisses verspricht. Oder er möchte sich über die Stümperhaftigkeit des Werkes aufregen und so mit diesem neugeschaffenen Problem seine eigene Langeweile kaschieren, vielleicht auch als etwas Besseres fühlen. Vielleicht sieht er sich das Bild auch zum Zeitvertreib an und findet dadurch Gefallen an der Handlung. Der Begriff der Bedürfnisbefriedigung ist hierbei also im weitesten Sinne zu verstehen. Für einen Masochisten sind Schmerzen etwas Bedürfnisbefriedigendes, ein verängstigtes Mädchen zahlt aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus Schutzgeld.

Warum zwischenmenschliche Beziehungen eingegangen werden

Erstens vermag sich der Mensch nicht alle Bedürfnisse selbst zu befriedigen. Schon allein, da soziale Kontakte und Bindung urmenschliche Bedürfnisse sind. Zweitens vermag sich der Mensch mithilfe seiner Mitmenschen viele seiner Bedürfnisse schneller, einfacher und besser zu befriedigen. Eigennutz durch Kooperation. Aus diesen beiden Gründen erfährt der Mensch in und durch zwischenmenschliche Beziehungen eine Befriedigung verschiedener Bedürfnisse. Eine zwischenmenschliche Beziehung schließt der gemeine Mensch also aus derselben pragmatischen Intention heraus wie alle anderen. Bei einer freiwillig eingegangenen Beziehung muss sich somit ein jeder gemeine Beziehungspartner eine potentielle Bedürfnisbefriedigung von der Beziehung erhoffen. Dann wird der Beziehungsschluss als Wert erachtet.

These

Aufbauend auf und aufgrund vorrangegangener Gedankengänge lässt sich folgende These formulieren:

Wie bereits dargelegt wurde, entspricht diese These auch der einseitigen Beziehung eines Menschen zu einem Gegenstand, Ereignis, Deutungsversuch o.ä. Die nun folgenden Passus, sowie die kompletten Ausführungen dieses Aufsatzes werden sich jedoch auf soziale Beziehungen beschränken. Wörter wie „Partner“ oder „Liebe“ können dabei meist sowohl im weiteren, als auch im engeren Sinne gelesen werden. Falls ein Wort nur im allgemeinen oder nur im konkreten Sinne zu lesen ist, werde ich das entweder anmerken oder es geht aus dem Kontext hervor.

Der zwischenmenschliche Erwartungsaustausch lässt sich in seiner Art (Beziehungstyp) und Weise (Ebene) differenzieren, wobei sich die charakteristische Art aus der Weise ergibt.

# Wir sind Kapitalisten im Umgang mit Liebe.

Ebenen

"Man kann nicht nicht kommunizieren." Paul Watzlawick

Erwartungen werden zwischen Menschen mittels Kommunikation ausgetauscht. Wir kommunizieren verbal und nonverbal, direkt und indirekt, bewusst und unbewusst usw. Dabei können u.a. Erwartungen kommuniziert werden. Die artverschiedenen, zwischenmenschlich gestellten Erwartungen lassen sich in verschiedene Ebenen typisieren:

Intellektuell, z.B.: Verständnis,

finanziell, z.B.: materieller Besitz, finanzielle Sicherheit, Unabhängigkeit,

psychisch, z.B.: Belastbarkeit, Einfühlungsvermögen,

physisch, z.B.: einfach Dasein, Schönheitsideal (gesunde Haut, große Geschlechtsmerkmale), stattliche Statur (Gefühl von Geborgenheit und Schutz),

sozial, z.B.: soziale Kompetenz, extrovertiert oder introvertiert, „coole Freunde“

gesundheitlich, z.B.: körperliche Unversehrtheit (kein Pflegefall, Potenz)

charakterlich, z.B.: bestimmte Rollen / Verhalten (nett, selbstbewusst)

geschäftlich, z.B.: Zuverlässigkeit, Produktivität,

humoristisch, z.B.: witzig,

moralisch, z.B.: Gewaltlosigkeit, Unempfindlichkeit, gewisses moralisches Bewusstsein  (Vegetarismus)

sexuell, z.B.: zärtlich, offen oder gar experimentierfreudig, passiv, kontrolliert, promiskuitiv, monogam, leidenschaftlich,

familiär, z.B.: Kinder oder keine Kinder, ertragbare bis nette Verwandte,

*emotional, z.B.: das (sinn-)erfüllende Gefühl, gebraucht, wichtig und wertvoll zu sein; Feingefühl,

usw. – Die Aufzählung versucht gar nicht erst, den hohen Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu können. Sie will schlichtweg Veranschaulichungscharakter haben.

*Dass ich die emotionale Ebene an unterster Stelle platziert habe, war ein bewusster Akt. Ihr kommt eine ganz besondere Rolle zu, der ich mich im Unterpunkt „wahre Liebe“ genauer widme.

Beziehungstypen

Zwischenmenschlich gestellte Erwartungen unterscheiden sich in der Dauer, in quantitativer, qualitativer Gewichtung usw. (Der Länge wegen möchte ich mich im Folgenden auf diese 3 Aspekte beschränken.)

 

Aus der Art aller in einer Beziehung gestellten Erwartungen („Was-Differenzierung“) und deren Modalität („Wie-Differenzierung“) ergibt sich der Beziehungstyp.

Einfaches Beispiel:

Zena erhofft sich von Albert für eine Nacht (Dauer) die Befriedigung eines rein (quantitativ) sexuellen Bedürfnisses (modal), könnte sich aber auch gut vorstellen, nun einfach alleine schlafen zu gehen, da sie morgen einen stressigen Tag vor sich hat (qualitativ). Albert geht es ähnlich. Nun kann man aus diesen Informationen über die Erwartungen der zwei an die Beziehung auf den beidseitig angestrebten Beziehungstyp schließen: unbedeutender One-Night-Stand. Jetzt kann sich im Laufe einer Beziehung Art und Weise der Erwartungen und somit der Beziehungstyp ändern. Wenn Zena und Albert in dieser Nacht für sich feststellen, dass sie dieses sexuelle Bedürfnis miteinander so gut wie nie zuvor zu befriedigen vermochten, kann sich infolge dessen der temporäre Aspekt beider Erwartungen ändern. Aus einem One-Night-Stand wird eine Affäre.

 

Natürlich sind noch ganz andere, animalischere Beispiele denkbar. Konträr zu diesem steht vielleicht die platonische Liebe.

Ich unterscheide zwischen 4 Kategorien von Beziehungen, die sich aus der Summe der Ebenen ergeben und die Summe der Beziehungstypen umfassen:

·         offensichtlich geschäftlich

·         subtiler Erwartungsaustausch

·         wahre Liebe

·         selbstlose Beziehung

*Wobei die meisten Beziehungen „Zwischendinger sind - Übergänge fließend.

Erste zusammenhangslose Gedanken

Falls Dir nun eine Person etwas geben kann, was dir sonst niemand geben kann, Du aber nicht ihr, entsteht eine einseitige Abhängigkeit. Es gibt einseitige und wechselseitige Erwartungaustäusche.

Nutztiere sterben nicht aus. Wir instrumentalisieren uns alle

Erwartungen beruhen meist auf Erfahrungen: Erfahrungen der eigenen Bedürftigkeit.

Häufig werden Bedürfnisse in einer Beziehung nicht oder nicht so deutlich, wie dies möglich wäre, kommuniziert - obschon man sich eine Zufriedenstellung seiner Bedürfnisse erhofft. Dies kann z.B. daran liegen, dass man zu stolz ist, sich selbst oder Anderen diese Bedürfnisse einzugestehenOder daran, dass man Angst vor Reaktionen hat.

Der Mensch hat auch sehr starke Erwartungen an sich selbst. Oft will er sich etwas beweisen und ist dann von sich selbst enttäuscht, wenn er an seinen eigenen Erwartungen scheitert.

Allein aufgrund seiner Erwartungen (an Etwas oder Jemanden) erfährt der Mensch überhaupt erst Enttäuschungen (gegenüber Etwas oder Jemandem).

Dies ist eine Feststellung. Kein Appell an eine stoische oder gar erwartungslose Lebenshaltung. Für mich sind Emotionen (der wichtigste) Bestandteil meines Daseins, der es erst lohnenswert macht! 

1. Ofensichtlich geschäftliche Beziehungen

Geschäftsbeziehungen, Kundenbeziehungen,  Handelsbeziehungen usw. sind zumeist sehr geschäftlich veranlagt.

Eine Beziehung kann insofern einen ein Stück weit geschäftlichen Charakter haben, als dass sie vor allem aus dem Grund von den Akteuren eingegangen und gehalten wird, dass jeder einzelne für sich genug von ihr profitiert.

Meist sind es Zwischenerwartungen auf materielle Aspekte (z.B.: finanziell, körperlich), innerhalb einer offensichtlich geschäftlichen Beziehung.

Der geschäftliche Charakter einer solchen Beziehung ist nur unschwer zu erkennen (offensichtlich).

Weitere zusammenhangslose Gedanken

# „bezahlte Pflegekraft“

Mit einem ordentlichen Schuss Polemik lässt sich sagen:

(Wir) Kinder sind die wichtigste Ressource der deutschen Wirtschaft, auch unser Abbau kostet. Deswegen haben wir ein Ausbildungs- und kein Bildungssystem. Deswegen wird unser natürliches Interesse zerstört und deswegen werden wir zu lustlosen Pflichterfüllern geformt.

Was man uns als Wunschkinder verkaufen möchte, sind Erwartungskinder.

Glücklich ist, wessen natürlichen Neigungen zu den an ihn gestellten Erwartungen passen. Wer aber vom ganzen Herzen Künstler ist, wessen künstlerischen Fähigkeiten aber nirgends verlangt oder honoriert werden, hat weniger Glück.

Wer selbst als Beziehungspartner beliebt, beziehungsweise begehrt ist, kann es sich erlauben, als dieser wählerisch zu sein. Weniger begehrte Menschen hingegen zeigen z.B. bereits den Menschen Sympathie, von denen sie sich akzeptiert und gemocht fühlen.

Viel Zwischenmenschliches basiert auf dem Gesetz von Angebot und Nachfrage.

Vielleicht deswegen sind Lateinamerikaner in Europa und Europäer in Lateinamerika beim weiblichen Geschlecht sooft nachgefragt.

Vielleicht zeigt sich, wie gewohnt der Mensch geschäftliche Beziehungen ist, bereits daran, dass es oft als Flirten missinterpretiert wird, wenn man einfach nur nett sein möchte. Dann kann die missinterpretierte Person nicht glauben, dass man einfach freundlich ist ohne sich etwas davon zu erhoffen. Oder an Sätzen wie: „Sie war auch nicht für mich da, als es mir schlecht ging. Also muss ich jetzt auch nicht ihr beiseite stehen. Also ist es legitim, nun hinter ihrem Rücken über sie zu lästern.“

Die Beziehung zwischen den fiktiven Charakteren Albert und Zena ist sehr geschäftlich. Es ist gut möglich, dass sie in einer Diskothek entstand. Ähnlich wie auf einem Handelsmarkt könnten sie auf der Tanzfläche in körperbetonten Outfits zur Schau getragen haben, was sie zu geben in der Lage sind - Ausschau haltend, was sie dafür bekommen könnten. Albert wollte sich nicht unter seinem Preis verkaufen und er sollte heute auch noch einen Treffer landen. Nach ein paar Drinks in später Nacht kam eines zum anderen. Sie hätte gerne etwas Warmes im Bauch und er möchte diesen Hunger gerne stillen.

2. Subtiler Erwartungsaustausch

Dieser Beziehungstyp lässt sich nicht so einfach einer bestimmten Beziehungsgruppe zuordnen. 

Auch ein subtiler Erwartungsaustausch ist von seinem Wesen her vorwiegend geschäftlich.

Im Vergleich zu einer offensichtlich geschäftlichen Beziehung springt einem der geschäftliche Charakter hier jedoch nicht so schnell ins Auge. Da die Entität der Charakter unscheinbarer, oft ideeller Natur sind und oft nicht so offensichtlich kommuniziert werden.

Weitere zusammenhangslose Gedanken

Jason: „Warum möchtest du nach allem noch um Ihn kämpfen?“

Carina: „Er konnte mich so zum Lachen bringen. Und in seinen Armen vermochte ich es unbeschwert zu heulen. Ohne ihn habe ich nicht mehr das Gefühl, vollständig zu sein. Weil ich ihn liebe.“

Eventuell ist es dem Leser schon aufgefallen. Carinas Aussagen sind sehr selbstbezogen. Liebt und vermisst sie ihn wirklich so, wie sie das meint? Es stellt sich nämlich die Frage, ob sie wirklich ihn vermisst, oder nur, was er ihr geben konnte? Wahre Liebe oder indirekte Selbstliebe?

Hätte Carina Stefan nie kennen gelernt, hätte sie ihn auch nie vermisst. Man kann Niemanden vermissen, den man nicht auch im Entferntesten kennt. Höchstens etwas. Vielleicht hat sie sich bereits vor der Beziehung gesehnt und nun sehnt sie sich wieder nach dem Gefühl, das sie sich jetzt nur von Stefan verspricht.

Oft ist die geschäftliche Beschaffenheit einer Beziehung so unscheinbar, dass die Partner sich dessen gar nicht bewusst sind.

Viele scheinbar selbstlose Beziehungen fußen auf einem Schuldgefühl. Wenn beispielsweise eine Hilfe aus dem Gefühl einer Bringschuld („du warst ja auch für mich da.“) resultiert, ist diese jedoch nicht selbstlos. Genauso wenig selbstlos, wie eine Beziehung, hinter der die Intention steckt sich oder anderen zu beweisen, dass sie oder man selbstlos wäre oder eine aus Mitleid („wie könnte ich sonst frohen Herzens / guten Gewissens weiterleben?“).

Drastisch zeigt sich der Zusammenbruch der Illusion einer solch scheinbar selbstlosen Partnerschaft, wenn ein Teenager sich von seinen Idolen von einst löst, anfängt (s)eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und die Eltern den neuen Mensch jenseits ihrer Werte- und Moralvorstellungen nicht mehr lieb haben wollen (oder gar können). Liebten sie je Ihn an sich, oder stets nur seine Attribute?

Bei Kritik ist es noch klar ersichtlich. Die kritisierte Person wurde oder wird den Erwartungen nicht gerecht. Aber selbst etwas eigentlich positiven wie ein Lob kann, in einer geschäftlichen Beziehung, den Erwartungsdruck erhöhen. Denn die gelobte Person möchte dann eventuell dem guten Bild, das die andere Person von ihr hat, gerecht werden. Sie bekam signalisiert, dass die Person etwas auf einen hält und möchte sie nicht enttäuschen. Vielleicht sich noch gemäß den gestellten Erwartungen weiterem Lob wegen verbessern.

Ängste

I. Verstellen

Ein Mensch steht in verschiedenen Beziehungen. Unter diesen werden unterschiedliche Erwartungen (z.B.: Wünsche, Vorstellungen usw.) an ihn gestellt.

Angesichts dieser unterschiedlichen Erwartungen verfällt der gemeine Mensch in seinen verschiedenen Beziehungen in inhomogene Rollen.

Beispiel: Albert ist Ehemann, Kind, Vater, bester Kumpel, Arbeitskollege, Saufkumpane, usw. In diesen Beziehungen werden grundverschiedene Erwartungen an ihn als Persönlichkeit gestellt. Bezüglich dieser verschiedene Rollen annimmt. Dies tut er teils aus freien Stücken, teils auch aus gegebenen Umständen und teils gänzlich unbewusst.   *Vielleicht will sich Albert vormachen, dass er am Ehekrach keine Schuld trägt. Auch und gerade vor uns selbst verfallen wir gerne in Rollen. Machen uns was vor..                                                    

Durch diese Rollen wird es immer schwerer dem modernen Menschen eine feste Identität zuzuschreiben.

Für allgemein verspürt der Mensch gewisse Sehnsüchte und daraus resultierend einen großen Drang, vielen dieser Rollen / Erwartungen gerecht zu werden. Hinsichtlich dieses Drangs fangen viele Persönlichkeiten an, sich zu verstellen.  Ein Stück weit gibt der Mensch sich damit selbst auf. Er biedert sich an. Er setzt sich ihm wesensferne Facetten auf (z.B.: Stereotypen bedienen) und verkauft diesen Abklatsch seiner wahren Persönlichkeit.

Hier nun ein Beispiel, das zuweilen tiefste menschliches Sehnsüchte und Ängste erregt. Anna springt auf alle Erwartungen ihres pubertären, „sozialen“ Umfeldes so an. Sie gibt ihren Körper her und verbiegt sich, um als „cool“ empfunden zu werden. Wird sie in dieser Rolle hoch gehandelt, fragt sie sich berechtigt ob es wirklich sie  selbst ist, die hier geliebt o.ä. wird. 

# Verstelle dich nicht, damit er oder sie dich liebt.

Du kannst dich nicht dein ganzes Leben lang verstellen.

Anna: „Ich habe Angst, dass alles nur eine Lüge ist … Ich weiß nicht, ob jemand wirklich mich lieb hat.“

Jason: „Gedankenspiel? Stelle dir vor du läufst eines regnerischen Dezembermorgens über die Straße Richtung Schule. Ein Auto übersieht die rote Ampel und nimmt dich mit. Ab sofort sitzt du im Rollstuhl, u.a. ist dein motorisches Nervensystem degeneriert. Würde Person X dich besuchen, wenn alles an einem Körper einfällt? Wenn du mit ihm keinen mehr drauf machen könntest? Würde er dir den Latz reichen, wenn  du hilflos anfängst zu sabbern? Dir geduldig zuhören, wenn du dir dein Leid von der Seele reden willst? Sich Zeit für dich nehmen, wenn du ihm nichts mehr von einst, bis auf dein bloßes Selbst zu geben vermagst? Die Fragen lassen sich nicht eindeutig, rational beantworten. Fühle in dich hinein, was denkst du? Falls Person X noch da wäre, stehen die Chancen gut, dass sie dich und nicht nur was du ihr davor vielleicht geben konntest liebt. Ansonsten war die Beziehung  zu Person X sehr oberflächlich.

Anna: „… “

# Sehnsucht. Sehnen. Sucht.

II. Brüchigkeit & Versagensängste

Anna befriedigt einige Bedürfnisse ihrer Partner. Somit ziehen diese einen Profit aus der Beziehung mit ihr. In dem Gedankenspiel vermag sie diese Bedürfnisse aufgrund eines Unfalls plötzlich nicht mehr zu befriedigen. Wenn Person X nun nichts mehr mit Anna zu tun haben möchte, war ihre Beziehung mit ihm wohl komplett geschäftlich.

Es zeigt sich die typentypische Brüchigkeit geschäftlicher Beziehungen.

Wenn sich die Erwartungen an sie verändern, ansteigen, nicht mehr gestellt werden, sie ihnen nicht mehr gerecht werden kann, usw.

Wenn der „Handel“ nicht mehr als lohnenswert angesehen wird.

Wenn die Freunde von einst eine Neue finden. Eine, die ihnen mehr gibt, weniger möchte. Wenn sie austauschbar ist. Etc.

# Eifersucht u.a. als Ausdruck der Angst ersetzbar zu sein.

Es kommen die für geschäftliche Beziehungen typischen Versagensängste

Die nicht immer so krass und klar ersichtlich sind, wie beim Beispiel mit Anna. Auch häufig relativ gute Lebenspartnerschaften kennen Versagensängste.

III. Nicht mehr?

»Deine Mutter liebst du, weil sie dich ernährt und verhindert dass du stirbst. Deinen Freund liebst du, weil er dir Arbeit verschafft und verhindert dass du stirbst. Und deine Dicke liebst du weil sie für dich kocht, mit dir vögelt und dir Kinder in die Welt setzt, die dich beschützen sollen, wenn du alt bist und Angst vor dem Sterben hast.[…]« Menschenfeind (Film).

  Ist es echt nicht mehr?

 

Ist „Ich liebe dich“ nur ein Geflecht aus Erwartungen und Versprechungen? 

Werden nur meine Attribute geliebt und vermisst? Nicht meine Person?

(Oft verwechseln wir das..)

Was oder wer bleibt, wenn ich nichts mehr geben kann,- aber brauche? Was bleibt für die Anderen von mir?

# Bin ich für meine Mitmenschen nur Mittel zum Zweck?

Nur die (austauschbare) Summe meiner (benötigten) Eigenschaften?

 

3. wahre Liebe

„Liebe braucht keinen Grund für die Bundesgemeinschaft,

denn Liebe ist der Grund für die Bundesgemeinschaft!“

 

- aus einer Predigt

Wahre Liebe findet sich in fast jedem Beziehungstyp vor. Seltener in Arbeitsbeziehungen und häufiger in ehelichen oder Mutter-Kind-Beziehungen.

Ich spreche von wahrer Liebe, wenn die Zuneigung der Person an sich gilt.

Wahre Liebe basiert auf emotionaler Ebene.

3.1. Wahrheitsbegriff

# > Homo Oeconomicus

Filme verkaufen uns oft ein Bild von einer „Traumfrau“ oder einem „Traummann“. Melanie war so gesehen keine von diesen Traumfrauen. Und doch wollte ich sie gar nicht anders, sondern einfach so wie sie war. Mi all ihren Ecken und Kanten. Mit all ihren Fehlern, genau so, wie sie ist. Sie war mein persönlicher Traumpartner. Hierin steckt, was ich mit wahrer Liebe und eine Person an sich lieben meine. Zuneigung, die personenbezogen und nicht eigenschaftsbezogen scheint. Es war nicht so, dass ich eine Vorstellung einer Traumfreundin hatte und Melanie einfach mit ihren Eigenschaften in das Erwartungsmuster reinpasste. Erst kam Melanie und dann formte ihr Wesen meine Vorstellung von einer Traumfreundin. Und weil es eben die Person und nicht ihre Eigenschaften waren, so schien mir, was ich an ihr liebte, konnte sie auch keine nach unserem großen Streit ersetzen. Und sei ein anderes Mädchen ihr auch noch so ähnlich oder objektiv betrachtet gar besser.

"The beginning of love is to let those we love be perfectly themselves, and not to twist them

to fit our own image. Otherwise we love only the reflection of ourselves we find in them."

 

- Thomas Merton

3.1.1. Wahrheitsgehalt

Ich weiß nicht, ob es rein wahre Liebe gibt oder überhaupt geben kann. Stelle ich mir vor, dass Melanie während des Unfalls auch ihre Erinnerungen verloren hätte, weiß ich nicht, ob ich sie noch so geliebt hätte. Mir wäre es vollkommen egal gewesen, wenn Sie dick, krank, schwierig oder sonst etwas wird. Sie als Person hat es mir angetan. Aber nach einem solchen Unfall würde ich vielleicht nicht mehr das Gefühl haben, dass sie da noch vor mir steht. Ich weiß es nicht. Was ich damit sagen möchte ist, dass ich nicht weiß, ob es so etwas wie den Wesenskern einer Person gibt (Substanzialismus) oder nicht (Aktualismus). Ich glaube nicht, dass es sowas gibt. Ich glaube, dass nichts mehr von einer Person bleibt, wenn man ihr alle Eigenschaften nimmt. Wenn es doch so etwas geben sollte, könnte es reine wahre Liebe geben. Ansonsten wäre die exakte Kopie der scheinbar wahrhaft geliebten Person ein Ersatz für diese.

Fest aber glaube ich daran, dass es zumindest „Halbwahrheiten“ in Beziehungen gibt. Umso näher eine Beziehung der emotionalen Ebene kommt, desto personenbezogener und höher der Wahrheitsgehalt. So kann zwischen einer Frau die ihren Mann verlassen hat, da ein anderer ein größeres Monatsgehalt hat und einer Frau die bei ihrem Mann bleibt, obwohl dieser alles verloren hat und obwohl er deswegen zurzeit schwierig ist, die Zuneigung der zweiten Frau sicher als wahrhaftiger gelten. Melanie hatte kleine Gewohnheiten, grundlegende Eigenschaften über die sie sich vielleicht gar nicht bewusst war und die ich an ihr liebte. Ihr Blick, als ob sie lachen und sich mir in die Arme werfen gleichzeitig wollte. Mir schien es wertvoller, dass sie es macht, als das sie es macht. Vielleicht, weil sie es mit ihrer unverkennbaren Eigenart, um die sie sich nicht bemühen musste, tat. Diese Eigenarten waren objektiv gesehen sicher nichts Besonderes, für mich aber waren sie, ja, die Welt. Eine solche Liebe zu einer personeneigenen Art ist sicher personenbezogener, wahrer als eine rein geschäftliche. 

3.2. die feinen Unterschiede

3.2.1. weniger ersetzbar

"Was glänzt ist für den Augenblick geboren, das echte bleibt der Nachwelt unverloren."

 

- Johann Wolfgang von Goethe

Die gemeine, willentliche Beziehung entsteht und steht durch einen ErwartungsaustauschMit seinem Sein und Handeln kann der Mensch Erwartungen erfüllen und somit Bedürfnisse des Beziehungspartners befriedigen. Logischerweise ist ein Mensch für seinen Beziehungspartner weniger ersetzbar, wenn er diese Bedürfnisse nur schwer oder gar nicht außerhalb der Beziehung befriedigen lassen kann. Und eher ersetzbar, wenn der Partner das, was er an dem Menschen hat, auch leicht anderswo findet. Aufgrund der Rarität seiner realen Bedürfnisbefriedigung innerhalb einer Beziehung ist eine Person in dieser mehr oder weniger ersetzbar. Beispielsweise erhoffen sich die „Freunde“ von Anna, billig Brüste abzugreifen und harte Partys zu feiern. Mädchen mit diesen Eigenschaften gibt es meist en masse, weswegen sie leicht zu ersetzen war. Wenn Anna jedoch auf dem Land oder nahe einer Männeruniversität lebt, verknappt dies diese ihre Eigenschaften und macht sie weniger ersetzbar. Melanie war für mich nur sehr schwer zu ersetzen, da es mir in diesem Fall ihre Eigenart angetan hatte und ich diese nirgends sonst fand. Wenn deine Liebe zu einer Person „persönlich wird“, wird sie dadurch zu mehr als nur die objektive Summe ihrer Eigenschaften.

# Geld, Witz, gutes Aussehen und Erfolg gibt es zuhauf.

 

Deine Person nur einmal.

3.2.2. sich selbst sein können

Wir haben bereits dargelegt, dass es mehr und weniger wahre Beziehungen gibt. Dass umso wahrer eine Beziehung ist, desto mehr genügt die Person an sich und desto weniger ersetzbar ist diese. Mit dem Wissen um eine wahre Beziehung muss man sich nicht mehr den fremden Erwartungen zurecht biegen. Man weiß, dass man hier, wie man ist, auch schwach und fehlerhaft sein darf, ohne damit die Liebe des Partners auf das Spiel zu setzen. Man hat weniger Angst, etwas falsch zu machen, die Beziehung ist weniger zerbrechlich, man kann sich selbst sein.

3.2.3. Halt

Durch das Wissen nicht irgendwelchen Erwartungen genügen zu müssen, um die Beziehung aufrecht zu erhalten, wächst die Sicherheit innerhalb der Beziehung. Das Gewissen mehr als nur eine Schönwetterfreundschaft eingegangen zu sein, können einem „unprofitable" Zeiten, wie bei dem angebrachten Beispiel mit dem Autounfall und anschließender Querschnittlähmung, geben. Nicht umsonst sagt man sich, dass sich wahre Liebe erst in schlechten Zeiten zeigt. Viele Menschen haben aber auch ein gesundes Bauchgefühl und gute Menschenkenntnis, um die Stabilität einer Beziehung, unabhängig von der eigenen Fähigkeit etwas bieten zu können, auch schon vorher einschätzen zu können.

# Wenn mein Sein für das glücklich sein des anderen reicht.

Wenn in meinem Dein und in deinem Mein Glück liegt.

Wenn ich nichts mehr sein muss, wer will ich sein?

Wenn ich einfach sein kann.

Wenn wir ehrlich sind, so sehnen sich doch die meisten von uns nach solch eine „komme-was-wolle-ich-werde-immer-hinter-dir-stehen-Freundschaft“. Und auch wenn es in manchen Beziehungen nie ohne Erwartungen gehen wird. Unser Markt würde zusammenbrechen, so tickt der Mensch nun mal. So kann und sollte doch jeder von uns einen wahrhaftigen Beziehungspartner haben und selbst einer sein. Eine Partnerschaft in der man sich sagt, es genügt wenn du es auch gut mit mir meinst. Selbst wenn es mal nach hinten losgeht. Dann werde ich auch ein Leben lang mein Bestes für dich geben.

 

Vielleicht die einzige Erwartung, die man innerhalb einer Beziehung wirklich stellen sollte: Liebe du mich, dann liebe ich dich auch.

Dies hebt die komplette Beziehung auf eine qualitativ neue Stufe. Beispielsweise kann man Kritik am Handeln des Anderen äußern, dieser kann dies dann konstruktiv und nicht mehr tadelnd oder persönlich aufnehmen. Ohne Angst zu haben kann man sich dann auch ohne zu beleidigen, konstruktiv kritisieren. Und auch wenn ein Streit mal ausartet, durch die gleichseitig-personenbezogene Liebe hat man etwas Stabilisierendes, Bleibendes. Es kann auch mal ein Spruch verziehen werden, der verletzt hat, weil man weiß, der Partner hat es neckend, witzig aber sicher nicht böse gemeint. Ängste und Schwächen werden ernstgenommen und sind kein Grund mehr die Beziehung zu beenden. Man kann dem Anderen eingestehen, sie oder ihn angelogen zu haben und man wird wissen, dass er oder sie einem nur schützen oder Ähnliches wollte. Ein Anreiz ist folglich nach wie vor da. Nur äußert er sich nicht mehr im „gerecht-werden-müssen“, sondern im „auch-der-andere-soll-glücklich-sein-und-will-verstanden-werden.“

3.2.4. und dann auch Begehren

Mit dem Wissen, dass die Beziehung nicht von der eigenen in ihr erbrachten Leistung abhängt, dass beide mit gutem Willen agieren und mehr nicht von einem verlangt wird, können nun auch Erwartungen gestellt werden, ohne, dass daraus Versagensängste resultieren. Ja, dann sollen viele Erwartungen auch gestellt und artikuliert werden. Beispielsweise wollen viele Frauen auch mit ihren weiblichen Reizen von den richtigen Männern bemerkt werden, ja das Gefühl bekommen begehrenswert zu sein. Da würde es die Beziehung ersticken, wenn der Mann ihr nun nicht signalisieren würde, dass sie auf ihn einen reizenden Körper hat. Wenn die Partner also Spaß an Sexualität haben, gibt es keinen Grund diesen nicht auch auszuleben. Neben der Nähe jenseits von Berührungen intensiviert sich auch die körperliche Ebene, wenn es nicht nur ein plumpes Ineinandergeklatsche zweier Körper ist, sondern sich die Personen wirklich lieben.

# Liebe und Glück – einige der wenigen Dinge,

die sich vermehren, wenn man sie teilt.

Man gesteht der Frau mit Komplimenten u.ä. auch eine gewisse Macht über einen selbst ein (im Umkehrschluss „entwaffnet“ man anhängliche Menschen, indem man ihnen zeigt, dass man nichts von ihnen braucht). Oder man sagt offen, dass man sich etwas Bestimmtes im Bett wünschen würde. Und der Partner macht es dann, vielleicht nicht weil er es direkt will, oder auch nur mag oder muss, sondern weil der andere es will. Selbst ansonsten heikle Gespräche wie: „Hey, wenn du mehr auf dein Äußeres achtest, würde mich das freuen. Vielleicht möchtest du trainieren?“ können geführt werden, da beide Seiten spüren, dass subtil immer ein: „Ich verstehe aber, wenn du keine Zeit oder Lust dazu hast. Und wisse, egal wofür du dich entscheidest, ich werde dich immer lieben“ mitschwingt. Das Beispiel Sexualität ist hierbei natürlich auch auf alle anderen Ebenen übertragbar.

 

Natürlich darf man auch mit Menschen schlafen usw., die man nicht liebt. Kein Problem. Aber für alle, die wahre Liebe suchen, gilt:

# Erst muss die Annahme kommen, dann…

3.3. Ernüchterung (alter Ego)

3.3.1. Wieviel bin ich?

# Gib mir Liebe, wer kann!

An dieser Stelle könnte der Aufsatz eigentlich enden. Der wahrhaft geliebte Partner ist mehr als seine objektiv fassbaren Eigenschaften. Aber ist er auch mehr als seine subjektiven Eigenschaften, also das objektive - plus den subjektiven Mehrwert? Nein, denn der Grund für die Stabilität der Beziehung ist allein eben jener subjektive Mehrwert. Wenn man sich innerhalb einer einst wahren Liebesbeziehung auseinandergelebt hat, man sich nicht mehr dieses Gefühl, was einem sonst niemand geben konnte, geben kann, dann kann man auch hier weggeworfen werden, wie ein altes Shirt aus dem man einmal einen persönlichen Nutzen gezogen hat und das man jetzt nicht mehr braucht. Bei sieben Milliarden Menschen wird es dann noch andere Menschen geben, in die sich dein Ex-Partner verliebt und die ihm somit auch das geben konnten, was du ihr oder ihm gabst. Man bleibt austauschbar. Es hat sich quasi also nur das Angebot verringert, weil er sich zum Zeitpunkt der Beziehung wahrscheinlich nur von dir diesen subjektiven Mehrwert erhofft, etwas für die andere Person muss man immer noch in der Beziehung darstellen. Und sei es auch nur das, „wie man eben ist“ beziehungsweise „das Gefühl wahrer Liebe.“

 

Letzten Endes ist es ein Verlangen nach einem „Was“, nicht nach einem „Wer.“

# deshalb bezeichne ich die emotionale als die

grundlegendste / subtilste aller Ebenen.

Aber nun mal eine Ebene.

Nichtsdestotrotz ist wahre Liebe wunderschön.

Und da es mehr ist, als dass ein außenstehender,

analytischer Verstand fassen könnte,

muss man es erleben, um es zu kennen.

Irrational, aber logisch;

nicht vernünftig, aber Gesetzen folgend.

3.3.2. auch Erwartungsaustausch

# Es ist etwas Psychisches, das monogame Menschen hervorbringt.

Auch eine noch so wahre Liebe ist also nicht bedingungslos, sondern vielmehr hochgradig berechnend und egoistisch. Das gegenteilige Gefühl, dass es doch was Selbstloses sei, kommt meist davon dass es einem doch gut tut, der geliebten Person Gutes zu tun. Und genau das ist der Knackpunkt. Beispielsweise deine Mutter sorgte vermutlich für dich, weil sie das mit Sinn erfüllte – oder zumindest weil sie dich liebt. Wenn es für deine Mutter Schmerzen, Langeweile und Ekel bedeuten würde, sich um dich zu kümmern, glaubst du, sie wäre immer noch für dich da? Oder wenn sie nicht die natürlich-emotionale Bindung zu dir hätte oder jemand anderes plötzlich lieber hätte? Ich kenne das von Melanie. Mich hat es einfach gefreut zu sehen, dass sie durch mich glücklich ist und wehgetan, wenn ich dachte ihr wehgetan zu haben. Aber nachdem ich ein Jahr weg war, war dieses Gefühl einfach nicht mehr da und ich hatte dann auch keine Lust mehr groß was mit ihr zu unternehmen. Ich hätte uns etwas vormachen können, aber für den fehlenden Willen, das erloschene Gefühl an sich konnte man mir keinen Vorwurf machen.

#In den Fängen der Liebe.

Ein gut-böses Wesen,

das man weder erzwingen,

noch verhindern kann.

Die Erwartung an etwas Emotionales ist nur eben recht subtil, da unscheinbar, indirekt. Man kann sich als Kind nun verändern, asozial und respektlos werden, und dies dann die Beziehung brechen. Dass zeigt uns auf, dass auch hier „ich liebe dich“ nicht mehr als ein Geflecht von Erwartungen („Gib auch du mir das Gefühl geliebt zu werden.“ Oder „Bleib so, wie du bist.“) und Versprechungen ist. Selbst wenn eine Beziehung wirklich vollkommen personenbezogen sein sollte, manifestiert sich die Liebe vielleicht nicht in einer bestimmten Eigenschaft an der Person, sondern einfach in der bloßen Existenz der Person („Bleib einfach da“) und diese wechselseitige Partizipation der Partner hält die Beziehung dann am Laufen. Und wenn der Aufwand den Ertrag schlussendlich unterm Strich übersteigt, zeigt sich vielleicht auch hier, dass das Ganze nicht über eine konzeptionell simple Kosten-Nutzen-Rechnung, über eine Zwecksgemeinschaft hinausgeht. Wenngleich auch wohlgemerkt so subtil, dass es die instrumentalisierente Person selbst nicht bemerkt und wirklich denkt selbstlos lieben zu können.

# Ich liebe dich mehr als mich selbst.

Ich will dich, weil ich mich so sehr liebe.

4. selbslose Beziehung

Nun kann man sich überlegen, unter welchen Bedingungen das Eingehen und Halten einer Beziehung als selbstlos gelten kann. Eine Beziehung ist dann selbstlos, wenn ein persönlicher Profit nicht der Grund für die Beziehung ist. Ein Akteur kann also sehr wohl Nutzen aus einer Beziehung ziehen und in dieser trotzdem eine selbstlose führen, wenn nicht dieser ihn dazu bewegt. Stattdessen kann die Beziehung aus einem selbstlosen Grund (etwa wirklich für den Anderen) oder grundlos geführt werden. Ob es tatsächlich selbstlose Beziehungen gibt, vermag ich nicht auszumachen. Falls es eine selbstlose Beziehung geben sollte, gründe eventuell nicht jede Beziehung auf einen Erwartungsaustausch. Das Ego wäre überwunden.

4.1. fünfte zusammenhangslose Gedanken

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Mann und verlieren ihre langjährige Partnerin. Nach wie vor lieben Sie diese Person sehr, doch sie ist mittlerweile glücklich mit jemand Drittem zusammen. Wenn Sie nun behaupten, Sie sind tottraurig, weil Sie ihre Ex nach wie vor lieben, ist das komisch. Eigentlich ist ihre einst Geliebte ja gerade glücklich, wenn es dir also wirklich um diese gehen sollte, solltest du dich für sie freuen. Doch eigentlich liebst du dich und du vermisst etwas, womit du dich wohl gefühlt hast und deshalb bist du traurig. Bei einer hundertprozentig wahren Liebe, sofern es das gibt, würdest du fühlen – nicht nur denken, es ist besser, sie ist nun glücklich bei jemand anderem als unglücklich bei dir. Bei einer selbstlosen Beziehung würdest du gar keinen emotionalen Nutzen aus deinem Handeln ziehen. Genauere Fallbestimmungen hängen wohl stark vom verwendeten Altruismusbegriff ab.

 

 

# "selbstlose Nächstenliebe" ist ein Paradoxon.

Aber ist das erstrebenswert? Eine selbstlose Beziehung heißt ja eigentlich, dass man sie gar nicht will, also auch nicht sonderlich glücklich mit ihr ist. Etwas Selbstloses zu machen heißt auch nicht zwingend, etwas Gutes zu tun. Also mag eine selbstlose Beziehung in manchen Fällen, etwa um anderen zu helfen, eine erstrebenswerte Beziehungsform sein. Doch als Ideal sollte eine selbstlose Beziehung nicht herhalten, im Gegenteil! Es ist doch gerade das Schöne an einer wahren Beziehung, glücklich zu sein und glücklich zu machen. Das Gefühl, so wie man ist Mittel zum bedürfnisbefriedigenden Zweck zu sein, sprich von einer geliebten Person für das was man ist zurückgeliebt zu werden und diese glücklich zu machen - ist doch eigentlich wunderschön.. Dieser utilitaristische Ansatz ist als grobe Richtschnur darüber hinaus ein tolles Lebensmotiv: glücklich sein und glücklich machen. Selbst bei Menschen, die man vielleicht ohne größeren Grund nicht so mag, kann man sich bis zu gewissen Grenzen Liebe antrainieren. Etwa, indem man versucht sich in den Anderen oder die Andere hineinzuversetzen, verstehen dass auch er oder sie nur ein Mensch ist der nach Glück strebt, genau wie man selbst.

 

Und die Unsicherheit, der Partner könnte Gefühle gegenüber anderen entwickeln oder auf anderem Wege von einem gehen; die Unwahrscheinlichkeit und Endlichkeit von alldem, gehört doch auch irgendwie dazu und gibt einer Beziehung - und dem Leben als solches doch erst seinen Reiz.

5. Verweise

  • Altruismus: Wenn der Mensch zum Altruismus fähig ist, ist er es auch zu einer selbstlosen Beziehung. Umso mehr Altruismus in einer Beziehung steckt, desto weniger trifft die anfangs aufgestellte These auf diese noch zu.
  • Überwindung: Du bist nicht du selbst. Und sobald es kein Selbst mehr gibt, das du verteidigen, schützen und nähren musst, ändert sich alles.
  • Verständnis: Ein Schritt hin zur wahren Liebe.
Kommentare: 5
  • #5

    WissensWert (Mittwoch, 08 November 2017 20:41)

    "Peace begins when expectation ends."
    - Sri Chinmoy

  • #4

    WissensWert (Mittwoch, 08 November 2017 18:15)

    But you loved her? Yes.
    And she loved you? Yes.
    Then why did it end? Because love and compatibility are not always the same thing.
    Sue M. Zhao

  • #3

    WissensWert (Sonntag, 03 Juli 2016 20:54)

    "Die Fähigkeit, alleine zu sein entspricht der Fähigkeit, zu lieben. Es mag paradox erscheinen, doch dass ist es nicht. Es ist eine grundlegende Wahrheit. Nur jene, die alleine sein können, können lieben, können teilen, können zum tiefsten Kern einer Person durchdringen, ohne sie zu besitzen, ohne abhängig von ihr oder süchtig nach ihr zu werden. Sie erlauben anderen die volle Freiheit, denn sie wissen, wenn sie verlassen werden, sind sie genauso glücklich wie vorher. Ihre Freude kann nicht genommen werden, weil sie nicht von anderen stammt."

    - Osho

  • #2

    WissensWert (Donnerstag, 05 Mai 2016 01:58)

    Ich denke, wir haben oft ein sehr idealisiertes Bild von Beziehungen und suggerieren, uns, dass man nur in der richtigen Beziehung sein muss, und dann wird alles gut. Das ist aber nicht so.

  • #1

    WissensWert (Sonntag, 03 April 2016 14:32)

    Wir reden von einer Investition, wenn wir etwas in einer Beziehung geben und dafür ein Mehr zurück erwarten.


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