„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Transhumanismus

Der Transhumanismus bejaht den Gebrauch von Enhancement-Technologien zur Verbesserung der emotionalen, physiologischen, intellektuellen und moralischen Fähigkeiten des Menschen sowie zur Verlängerung seiner health span, um so die subjektiv empfundene Lebensqualität zu steigern (Utilitarismus[1]) und letztendlich gezielt die Entstehung des Posthumanen herbeizuführen.

Vertreter des Transhumanismus finden sich vor allem im angelsächsischen[2], vermehrt aber auch im deutschsprachigen Raum[3] wieder. Es handelt sich dabei um eine lose und heterogene gesellschaftliche Strömung, die meistens jedoch ein naturalistisches, humanistisches, relationales, immanentes, evolutionäres und anti-speziesistisches, sowie durch ein Technik- und Fortschrittsoptimismus geprägtes Weltbild eint.[4] Die Vorwürfe einer generellen weltanschaulichen Nähe zum Sozialdarwinismus oder Evolutionismus sind hingegen ungerechtfertigt.

Der Transhumanismus ist aber nicht nur eine reine Ideologie oder Wunschvorstellung, Transhumanismen besitzen auch ganz konkrete Vorstellungen davon, wie sie ihre Ziele erreichen wollen:

1. Genetisches Enhancement: Änderung bzw. "Verbesserung" des Genoms (Erbgutes) eines Menschen vermutlich durch Biotechnologien. Beispielsweise könnte man bei Tieren, die immun gegen AIDS sind, die entsprechenden Gene isolieren, synthetisieren und in den ungeborenen Menschen einpflanzen. Ein  anderes Beispiel die Herbeiführung theoretischer Unsterblichkeit durch die künstliche Zufuhr des Enzyms Telomerase zum Stoppen des natürlichen Alterungsprozesses. Neben direkten genetischen Veränderungen spielen auch Selektionmaßnahmen wie die Implantation befruchteter Eizellen nach IVF (künstliche Befruchtung) und PID (Präimplantationsdiagnostik) eine immer größere Rolle. Im deutschsprachigen Raum war das Thema Eugenik aufgrund der NS-Zeit lange Zeit Tabu, den größten Aufschwung erfuhr es durch Sloterdijks umstrittene Elmauer Rede "Regeln für den Menschenpark" und die indirekte Antwort Habermas "Die Zukunft der menschlichen Natur: Auf dem Weg zu einer liberalen Eugenik?". Es ist diese besagte liberale Eugenik, und nicht etwa die staatliche Eugenik der NS-Zeit, die vom Transhumanismus befürwortet wird; wobei zwischen autonomer liberaler Eugenik (die betroffene trifft die Entscheidung selbst) und heteronomer liberaler Eugenik (ein Elternteil oder Entscheidungsberechtigter fällt die Entscheidung) unterschieden wird.

2. Pharmakologisches Enhancement: Steigerung der geistigen (intellektuellen, moralischen, kreativen, wohlbefindlichen oder propriozeptiven) Leistungsfähigkeit des Menschen durch psychoaktive Substanzen wie Medikamente, Dopingmittel oder Drogen. Standardbeispiele sind Donezepil, Psychostimulanzien (Ritalin) oder Modafinil. In der Neuroethik wird intensiv diskutiert, ob zukünftige Neuroenhancer den Konsumenten einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffen und indirekt auch andere Menschen nötigen könnten, diese Präparate ebenfalls einzunehmen, um nicht abgehängt zu werden (Gattaca-Argument). Um derartige Fragen stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken, haben sieben Forscher ein Memorandum zum Neuro-Enhancement veröffentlicht. In diesem Memorandum befürworten die Autoren eine vorurteilslose und offene Diskussion. Auch diejenigen, die Neuro-Enhancement befürworten, behaupten nicht, dass sich aktuell auf dem Markt befindliche Präparate zu diesem Zweck eignen, sondern gehen davon aus, dass in Zukunft wirksame Präparate des Enhancement zur Verfügung stehen könnten, die uns beispielsweise dauerhaft intelligenter oder glücklicher machen. Dementsprechend  sind die Kontroversen um Human Enhancement auch weniger auf existierende Enhancement-Technologien gerichtet als auf hypothetische Möglichkeiten der Zukunft.[5]

3. Cyborg-Enhancement: Etablierung von Mensch-Maschine-Schnittstellen; auf die Kopplung menschlicher Organismen an digitale als auch an mechanische Entitäten könnte eines Tages eine vollständige Entkopplung des Menschen von seinem biologischen Körper folgen, etwa durch den Upload des Bewusstseins auf ein externes Medium ähnlich dem Internet. Ein solcher Upload würde der Spezies Mensch komplett neue Formen von Kommunikation, vernetzter und optimierter Intelligenz und die Entstehung eines Superorganismus ermöglichen. Schon heute sind binnenkörperliche Technologieimplantate, die Mensch und Maschine verschmelzen lassen, medizinischer Alltag: Herzschrittmacher, künstliche Gliedmaßen, komplexe Prothesen oder Implantaten in Auge und Ohr (Cochlea- bzw. Retina-Implantate). „Ungefähr 10 Prozent der aktuellen Bevölkerung der USA sind vermutlich im technischen Sinn "Cyborgs"“, schreibt N. Katherine Hayles im Cyborg Handbook.[6][7] Solche Entwicklungen werfen zentrale philosophische Fragen nach den Merkmalen des Bewusstseins, des Personenseins oder der Menschenwürde auf.

4. Morphologisches Enhancement: Formverändernde oder erschaffende Eingriffe auf Organe oder Gewebeteile des Menschen aus funktionellen oder ästhetischen Gründen. Die hierfür relevante moderne plastische Chirurgie entstand während des ersten Weltkrieges zur Behandlung dysfunktionaler oder schmerzender Körperteile, mittlerweile macht diese Industrie ihren größten Umsatz jedoch mit der Optimierung gesunder Menschen (siehe auch: Heilen und Verbessern). Schönheitschirurgische Eingriffe wie Fettabsaugen, Nasenkorrekturen, Hautstraffungen und Brustvergrößerungen sind Jedem ein Begriff. Der kulturelle Wandel hat es jedoch mit sich gebracht, dass inzwischen auch Körperteile genauer betrachtet werden, deren ästhetische Dimension früher nicht zur Disposition stand: Analbleaching zur Hautaufhellung im Analbereich, Veränderung der Form und Größe der Schamlippen nach pornographischen Vorbildern und die sozialethisch weitaus problematischere Technik der Hymen-Rekonstruktion sind vielleicht nur Vorboten viel tiefgreifenderer morphologischer Veränderungen am Menschen. Vielleicht werden wir uns in Zukunft einmal mittels Stammzellentechniken einen dritten Arm an den Körper wachsen lassen?

1. Begriffs- und Ideengeschichte

Transhumanisten sehen die Wurzeln ihrer Technikphilosophie im Renaissance-Humanismus und dem Zeitalter der Aufklärung angelegt.[8] Es wird von Transhumanisten intensiv diskutiert, ob und inwiefern Friedrich Nietzsche mit seiner Lehre vom Übermenschen und Charles Darwin mit der Evolutionstheorie als Ahnherrn des Transhumanismus angesehen werden können und sollen.[9][10]

Der explizite Gebrauch des Begriffs "Transhumanismus" wurde zunächst vom Biologen und ersten Generealdirektor der UNESCO Julian Huxley in seinem Buch "New Bottles for New Wine" aus dem Jahr 1957 auf entscheidende Weise geprägt. Der Autor war der Bruder von Aldous Huxley, dem Verfasser des Werkes "Brave New World" (1932), und Enkel von Darwins Bulldog Thomas Henry Huxley. Der Roman "Brave New World" stellt eine direkte Reaktion auf die von Julian Huxley propagierten Konzeptionen dar, die er bereits vertrat, bevor er den Begriff Transhumanismus prägte.

Der Begriff kam anschließend in Abraham Maslows Toward a Psychology of Being (Psychologie des Seins, 1968) und Robert Ettingers Man into Superman(1972) vor. Entscheidend für das zeitgenössische Verständnis ist das 1989 veröffentlichte Buch "Are you a Transhuman?" von FM-2030, der ursprünglich F.M. Esfandiary hieß, sich jedoch in FM-2030 umbenannte, um die Bedeutung und die Willkürlichkeit der Namensgebung zu verdeutlichen und seinen Wunsch Nachdruck zu verleihen, im Jahr 2030 seinen 100. Geburtstag feiern zu können. Er verstarb jedoch im Jahr 2000 an den Folgen eines Pankreastumors.

„Transhumane sind die erste Manifestation einer neuen Art von evolutionären Wesen. Sie ähneln darin den ersten Hominiden, die vor vielen Millionen Jahren die Bäume verließen und begannen sich umzuschauen. Transhumane haben nicht notwendigerweise das Ziel, die Evolution höherer Lebensformen zu beschleunigen. Viele von ihnen sind sich ihrer Rolle als Übergangsform der Evolution gar nicht bewusst.“
- FM-2030 in: Are You Transhuman?

Auch Max Mores Artikel "Transhumanism: A Futurist Philosophy", der ursprünglich im Jahr 1990 veröffentlicht wurde, formte auf entscheidende Weise das heutige Verständnis des Begriffs. Max More wurde als Max O´ Conolly geboren und änderte seinen Nachnamen in More, um sich stets an die Bedeutung des Konzepts der Selbstüberwindung zu erinnern - Menschen wollen aus seiner Sicht stets mehr erreichen und sich ständig Selbstüberwinden, deshalb More, englisch für "mehr". FM-2030 und Max More haben nicht nur gemein, Begründer des zeitgenössischen Konzepts des Transhumanismus zu sein und den eigenen Namen der eigenen Weltsicht angepasst zu haben, beide waren außerdem mit der transhumanistischen Künstlerin Natasha Vita-More liiert. Max More ist noch immer mit ihr verheiratet.

„Transhumanismus ist eine Kategorie von Anschauungen, die uns in Richtung eines posthumanen Zustands führen. Transhumanismus teilt viele Aspekte mit dem Humanismus, einschließlich eines Respekts vor Vernunft und Wissenschaft, einer Verpflichtung zum Fortschritt und der Anerkennung des Wertes des menschlichen (oder transhumanen) Bestehens in diesem Leben. […] Transhumanismus unterscheidet sich vom Humanismus im Erkennen und Antizipieren der radikalen Änderungen in Natur und Möglichkeiten unseres Lebens durch verschiedenste wissenschaftliche und technologische Disziplinen […].“
- Max More: Transhumanism - Towards a Futurist Philosophy.

Die Etablierung der "World Transhumanist Association" durch Nick Bostrom und David Pearce im Jahr 1998, sowie der politische Diskurs zwischen Transhumanisten, der als Reaktion auf das 2004 von James Hughes verfasste Buch "Citizen Cyborg" stattfand, waren weitere wichtige Schritte in der Geschichte des Transhumanismus. Hier werden auch verschiedene transhumanistische Strömungen deutlich, die sich im Laufe der Zeit ausdifferenziert haben und sicherlich weiterhin ausdifferenzieren werden. Hughes vertritt bspw. einen sozial-demokratische Transhumanismus, die sich gegen Mores extropische Variante richtet. Der Extropianismus[11] sieht sich bemüht die weitere Evolution des Menschen proaktiv zu beschleunigen und bejaht eher politphilosophisch libertäre Haltungen. Neben dem demokratischen und extropischen Transhumanismus ist noch der Singularitarianismus zu erwähnen, der an die autonome Erschafffung einer Superintelligenz nach der technologischen Singularität glaubt und diese in sicherer Form herbeiführen möchte. Diese Phase wird als Transzendenz der menschlichen Spezies gesehen.

Mit Ausblick auf die Zukunft könnte sich die Volksrepublik China als der ertragreichste Nährboden für transhumanistisches Gedankengut erweisen. Obwohl sich die chinesische Politik und Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten deutlich liberalisiert hat, verfügt das Land weder über eine Demokratie noch über eine wirklich freie Marktwirtschaft, was freilich nicht verhindert hat, dass China zum wirtschaftlichen Giganten des 21. Jahrhunderts aufgestiegen ist. Die lange Zeit so natürlich erscheinende Ehe zwischen Liberalismus und wirtschaftlichem Aufschwung erfährt in China ein beeindruckendes Gegenbeispiel. Doch dieser ökonomische Riese wirft einen sehr kleinen ideologischen Schatten. Niemand, so scheint es, weiß wirklich, woran die Chinesen heute glauben - noch nicht einmal die Chinesen selbst. Theoretisch ist China immer noch kommunistisch, aber in der Praxis ist es weit davon entfernt. Einige chinesische Denker und Spitzenpolitiker liebäugeln mit einer Rückkehr zum Konfuzianismus, aber das ist kaum mehr als Tagträumerei. Dieses ideologische Vakuum macht China zur zukünftig vielversprechendsten Brutstätte für transhumanistische Ideen, die gegenwärtig hauptsächlich noch aus dem Westen (etwa dem Silicon Valley) kommen.

2. Wertungen des Transhumanismus

Der technologische Fortschritt gilt als unaufhaltsam. Die Augen zu schließen und auf den Stopp der technischen Weiterentwicklungen zu hoffen, stellt daher keine realistische Alternative dar. Die transhumanistische Grundhaltung ist es deshalb, diesen Fortschritt zu antizipieren und gezielt nach eigenen Zielen zu gestalten. Auf diese Weise sollen die Grenzen des Menschseins permanent erweitert und die Wahrscheinlichkeit auf ein individuell gelungenes Leben erhöht werden. Transhumanisten gehen davon aus, dass der Mensch durch evolutionäre Anpassung entstanden ist und er auch aussterben könnte, wenn ihm die beständige Neuanpassung an die sich immer schneller ändernde Umweltbedingungen nicht gelingt. Aus diesem Grund könnte die Ablehnung von insbesondere intellektuellem und moralischen Enhancement gar den unfreiwilligen Untergang der Menschheit bedeuten.

Kritiker sehen das ganz anders -, für den Politikwissenschaftler Francis Fukuyama ist der Transhumanismus "eine der gefährlichsten Ideen".[12] Es wird außerdem heiß diskutiert, inwiefern die fortschrittsoptimistischen Zukunftsprognosen des Transhumanismus über die technologische Entwicklung überhaupt realistisch oder moralisch wünschenswert sind und welche ethischen und anthropologischen Konsequenzen sich gegebenenfalls daraus ergäben, wird kontrovers diskutiert. Der Soziologe Max Dublin zählt in seinem Buch "Futurehype: Die Tyrannei der Prophezeiung" etliche fehlgeschlagene Vorhersagen des vergangenen technologischen Fortschritts auf und postuliert, dass moderne futuristische Vorhersagen ähnlich ungenau ausfallen werden. Er tritt auch gegen das, was er als Fanatismus und Nihilismus in der Befürwortung transhumanistischer Zwecke sieht, ein und behauptet, dass historische Ähnlichkeiten zu religiösen und marxistischen Ideologien bestünden.

Einige Bioethiker argumentieren meinen hingegen, dass sogar eine moralische Pflicht zu bestimmten Formen der Verbesserung bestünde. So wird z.B. die  Pflicht bejaht, nach der künstlichen Befruchtung und der anschließenden Präimplantationsdiagnostik das Kind mit der besten Chance auf das beste und glücklichste Leben zu implantieren. Diese Einschätzung bejahen gegenwärtig nicht nur Transhumanisten, auch der bioliberale Ethikprofessor am St. Cross College Julian Savulescu teilt diese (durchaus paternalistische) Einschätzung.

3. Anmerkungen

[1] Nick Bostrom verweist mehrmals auf psychologische Studien, die auf eine Korrelation zwischen einem gesünderen Leben und mehr Fähigkeiten mit  einem ebenso glücklicheren Leben hindeuten, um den Standpunkt des Transhumanismus zu untermauern. Eine typisch utilitaristische Argumentation. Vgl. Nick Bostrom: Why I Want tob e a Posthuman When I Grow Up, p. 116.

[2] Frank Schulze, Helmut Fink: Transhumanismus – Perspektiven, Chancen, Risiken.

[3] Siehe z.B. den Philosophen Stefan Lorenz Sorgner, dessen Arbeiten die Hauptquellen für diesen Aufsatz waren.

[4] Das Kernmerkmal des Transhumanismus ist die Bejahung des Gebrauchs von modernen Technologien zur Begünstigung der Entstehung des Posthumanen. Eine solche Haltung ist natürlich grundsätzlich auch mit einem christlichen oder hegelianischen Weltbild zu vereinbaren. Der typische transhumanistische Naturalismus ist auch nicht notwendig ein naiver Naturalismus, mit dem die Möglichkeit der Erkenntnis von Wahrheit als Korrespondenz zur Wirklichkeit einhergeht. Vielmehr ergibt sich für den Transhumanisten Sorgner (siehe [3]) für einen ernsthaft durchdachten Naturalismus die Notwendigkeit der Bejahung einer Variante des Perspektivismus als plausibelste Methodologie. Es handelt sich somit um einen interpretiven Naturalismus, gemäß dem eine naturalistische Weltsicht die plausibelste Deutung der Welt repräsentiert. Mit diesem Zugang geht die Ablehnung von streng-realistischen Ontologien einher und ist eine methodologische Schwächung verbunden. Auch dieser methodologische Aspekt, der in der Tradition des Denkens von Sextus Empiricus, Nietzsche und Vattimo steht, ist ein Grund dafür, warum es sich bei seiner Variante um einen schwachen Transhumanismus handelt. Der Zweifel der Möglichkeit der Erlangung der Wahrheit in Korrespondenz zur Wirklichkeit bedeutet jedoch nicht, dass pragmatische Wahrheitskonzepte nicht mehr bejaht werden können. Vgl.:

- Stefan Lorenz Sorgner: Metaphysics without Truth,

- Stefan Lorenz Sorgner: Menschenwürde nach Nietzsche.

[5] Petra Schaper-Rinkel: Politiken des Human Enhancement. Transhumanistische Versprechen und die Analyse von technowissenschaftlichen Zukünften.

[6] N. Katherine Hayles: The Life Cycle of Cyborgs: Writing the Posthuman.

[7] Im Gebiet der Sportethik wird der Cyborg ebenfalls erörtert, was insbesondere an den besonderen Leistungen des Läufers Oscar Pistorius liegt, dessen Beine unterhalb des Knies amputiert wurden und der mit Prothesen läuft – teils schneller als die besten Sprinter. Ist das fair?

[8] Nick Bostrom: A history of transhumanist thought.

[9] Stefan Lorenz Sorgner: Nietzsche, the Overhuman, and Transhumanism.

[10] Russel Blackford: Editorial: Nietzsche and European Posthumanisms.

[11] Extropie als Gegenbegriff zu Entropie („measure of a system's intelligence, information content, available energy, longevity, vitality, diversity, complexity, and capacity for growth“ (More 1993: 1)).

[12] Francis Fukuyama: The world's most dangerous ideas: transhumanism.

Verweise

Stand: 2017

Kommentare: 9
  • #9

    WissensWert (Samstag, 30 September 2017 03:28)

    Der Biologieprofessor und erste Generaldirektor der UNESCO Julian Sorell Huxley gilt als Vordenker und Entwickler des evolutionären Humanismus. Der moderne Humanismus des 21. Jahrhunderts basiert nur noch in Minderheitsanteilen auf dem der Antike oder Renaissance. Insbesondere die entsprechenden deutschen Vereine, Stiftungen und Organisationen nehmen darauf ihren Hauptbezug. Wie im Leitbild der Partei kenntlich ist, gilt das ebenso für Die Humanisten.

    Innerhalb der Vereinigten Staaten existiert zwar der Begriff des “Secular Humanism” ebenfalls, genießt aber nicht einmal im Ansatz die gesellschaftliche Relevanz wie in Europa. Dort ist es üblich viele Eigenschaften des Humanismus unter einfachem “Atheism” zusammenzufassen (obwohl das philosophisch absolut nicht korrekt ist). Angesichts eines Anteils von nur 15% Naturalisten an der Gesamtbevölkerung ist das dennoch rational und konsequent, da eine weitere definitorische Zergliederung die Gesamtposition schwächen würde.

    Doch Huxley entwickelte Zeit seines Amtes noch eine weitere naturalistische Philosophie ungefähr 10 – 15 Jahre nach dem modernen Humanismus. Dies ist der Transhumanismus. In Zentraleuropa stieß der Humanismus im Laufe der Zeit auf verstärkte Resonanz. Seine Positionen und Forderungen genießen heute innerhalb der deutschen Bevölkerung und manch anderen westeuropäischen Ländern eine Mehrheit. Der Transhumanismus blieb hier jedoch eine Randerscheinung. In den USA verlief die Entwicklung allerdings genau umgekehrt. Mittlerweile erfreut sich diese Techno-Philosophie insbesondere unter den “gottlosen” 15% einer wachsenden Beliebtheit, allerdings kommen auch gemäßigt religiöse Kulturchristen überraschend gut mit dieser progressiven Philosophie klar, obwohl sie ihrer Weltanschauung stark zuwiderläuft. Für die Verbesserung der eigenen Lebensumstände scheinen viele moderat religiöse Menschen bereit zu sein über die ihnen vorgegebenen Dogmen hinwegzusehen.

    Auch und grade innerhalb der Kreise der intellektuellen und wirtschaftlichen Elite des Landes nehmen die Anerkennung und die aktive Verbreitung des Transhumanismus stark zu. Eine Vielzahl technologischer Vordenker und Experten wie Peter Thiel, Ray Kurzweil, Peter Diamandis, Max More, Eric Drexler oder Marvin Minsky zählen zu seinen Unterstützern. Nun nehmen sie Kurs auf die Politik ihres Landes. Aus diesen Kreisen führender Ingenieure, Wissenschaftler und Philosophen stammt auch Zoltan Istvan, Vorsitzender der neuen Transhumanistischen Partei und Präsidentschaftskandidat für 2016.

    Wichtig ist zu beachten, dass es bei genauem Hinsehen keine Inkompatibilitäten zwischen den beiden Weltanschauungen gibt. Das wäre auch sehr verwunderlich, da sie beide in ihrer Urkonzeption aus der Feder des gleichen Wissenschaftlers stammen. Der Hauptunterschied zwischen dem Humanismus und dem Transhumanismus liegt allein in ihrem Umgang und ihrer Bewertung von Wissen. Transhumanisten betrachten den technologischen Aspekt der Wissenschaft als wichtigsten Gesichtspunkt, wodurch sich ihre Technologieaffinität und der massive, meist enthusiastische Fortschrittsdrang speisen. Dahingegen spielt für Humanisten die erkenntnistheoretische und fallibilistische Funktion der Wissenschaften eine tendenziell größere Rolle. Das führt beispielsweise dazu, dass Humanisten der Entschärfung und Entmachtung des weit verbreiteten Supernaturalismus mehr Aufmerksamkeit im hier und jetzt schenken und den Themen der Philosophie und Erkenntnistheorie viel Energie widmen, während Transhumanisten (durchaus nicht ungerechtfertigt) davon ausgehen, dass sich dieses Problem durch den zivilisatorischen Fortschritt bei Zeiten ohnehin von selbst erledigt, quasi als Nebenprodukt ihrer forcierten Bemühungen für eine bessere Welt durch technischen Fortschritt. Wer von beiden Richtungen dabei die bessere Strategie verfolgt, wird die Zunahme der Säkularisierung und Technisierung in Nordamerika und Europa demographisch unter Beweis stellen. Da unsere beiden Kontinente in soziologischer Hinsicht ohnehin weiter zusammenwachsen, wäre es am sinnvollsten durch eine enge Zusammenarbeit in naher Zukunft das Beste beider Welten zu vereinen, um einen optimalen gesellschaftlichen Naturalismus zu schaffen. Dies war einst auch Huxleys großer Plan.

  • #8

    WissensWert (Samstag, 30 September 2017 03:27)

    Der Biologieprofessor und erste Generaldirektor der UNESCO Julian Sorell Huxley gilt als Vordenker und Entwickler des evolutionären Humanismus. Der moderne Humanismus des 21. Jahrhunderts basiert nur noch in Minderheitsanteilen auf dem der Antike oder Renaissance. Insbesondere die entsprechenden deutschen Vereine, Stiftungen und Organisationen nehmen darauf ihren Hauptbezug. Wie im Leitbild der Partei kenntlich ist, gilt das ebenso für Die Humanisten.
    Innerhalb der Vereinigten Staaten existiert zwar der Begriff des “Secular Humanism” ebenfalls, genießt aber nicht einmal im Ansatz die gesellschaftliche Relevanz wie in Europa. Dort ist es üblich viele Eigenschaften des Humanismus unter einfachem “Atheism” zusammenzufassen (obwohl das philosophisch absolut nicht korrekt ist). Angesichts eines Anteils von nur 15% Naturalisten an der Gesamtbevölkerung ist das dennoch rational und konsequent, da eine weitere definitorische Zergliederung die Gesamtposition schwächen würde.
    Doch Huxley entwickelte Zeit seines Amtes noch eine weitere naturalistische Philosophie ungefähr 10 – 15 Jahre nach dem modernen Humanismus. Dies ist der Transhumanismus. In Zentraleuropa stieß der Humanismus im Laufe der Zeit auf verstärkte Resonanz. Seine Positionen und Forderungen genießen heute innerhalb der deutschen Bevölkerung und manch anderen westeuropäischen Ländern eine Mehrheit. Der Transhumanismus blieb hier jedoch eine Randerscheinung. In den USA verlief die Entwicklung allerdings genau umgekehrt. Mittlerweile erfreut sich diese Techno-Philosophie insbesondere unter den “gottlosen” 15% einer wachsenden Beliebtheit, allerdings kommen auch gemäßigt religiöse Kulturchristen überraschend gut mit dieser progressiven Philosophie klar, obwohl sie ihrer Weltanschauung stark zuwiderläuft. Für die Verbesserung der eigenen Lebensumstände scheinen viele moderat religiöse Menschen bereit zu sein über die ihnen vorgegebenen Dogmen hinwegzusehen.
    Auch und grade innerhalb der Kreise der intellektuellen und wirtschaftlichen Elite des Landes nehmen die Anerkennung und die aktive Verbreitung des Transhumanismus stark zu. Eine Vielzahl technologischer Vordenker und Experten wie Peter Thiel, Ray Kurzweil, Peter Diamandis, Max More, Eric Drexler oder Marvin Minsky zählen zu seinen Unterstützern. Nun nehmen sie Kurs auf die Politik ihres Landes. Aus diesen Kreisen führender Ingenieure, Wissenschaftler und Philosophen stammt auch Zoltan Istvan, Vorsitzender der neuen Transhumanistischen Partei und Präsidentschaftskandidat für 2016.
    Wichtig ist zu beachten, dass es bei genauem Hinsehen keine Inkompatibilitäten zwischen den beiden Weltanschauungen gibt. Das wäre auch sehr verwunderlich, da sie beide in ihrer Urkonzeption aus der Feder des gleichen Wissenschaftlers stammen. Der Hauptunterschied zwischen dem Humanismus und dem Transhumanismus liegt allein in ihrem Umgang und ihrer Bewertung von Wissen. Transhumanisten betrachten den technologischen Aspekt der Wissenschaft als wichtigsten Gesichtspunkt, wodurch sich ihre Technologieaffinität und der massive, meist enthusiastische Fortschrittsdrang speisen. Dahingegen spielt für Humanisten die erkenntnistheoretische und fallibilistische Funktion der Wissenschaften eine tendenziell größere Rolle. Das führt beispielsweise dazu, dass Humanisten der Entschärfung und Entmachtung des weit verbreiteten Supernaturalismus mehr Aufmerksamkeit im hier und jetzt schenken und den Themen der Philosophie und Erkenntnistheorie viel Energie widmen, während Transhumanisten (durchaus nicht ungerechtfertigt) davon ausgehen, dass sich dieses Problem durch den zivilisatorischen Fortschritt bei Zeiten ohnehin von selbst erledigt, quasi als Nebenprodukt ihrer forcierten Bemühungen für eine bessere Welt durch technischen Fortschritt. Wer von beiden Richtungen dabei die bessere Strategie verfolgt, wird die Zunahme der Säkularisierung und Technisierung in Nordamerika und Europa demographisch unter Beweis stellen. Da unsere beiden Kontinente in soziologischer Hinsicht ohnehin weiter zusammenwachsen, wäre es am sinnvollsten durch eine enge Zusammenarbeit in naher Zukunft das Beste beider Welten zu vereinen, um einen optimalen gesellschaftlichen Naturalismus zu schaffen. Dies war einst auch Huxleys großer Plan.

  • #7

    WissensWert (Samstag, 30 September 2017 00:13)

    https://www.youtube.com/watch?v=UUz8HhHWYCY
    https://www.youtube.com/watch?v=hAGpoQ8lipU

  • #6

    WissensWert (Freitag, 29 September 2017 23:50)

    https://www.freitag.de/autoren/janrebuschat/das-ende-des-menschseins?utm_content=buffer08769&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer

  • #5

    WissensWert (Freitag, 29 September 2017 23:43)

    Hoimar von Ditfurth sprach von »subhumanen Weltbildern«. Je nach Entwicklungshöhe von Gehirn, Nervensystem und Sinnesorganen hätten die Tiere einen unterschiedlich großen Einblick in die Welt. Wir Menschen als das in dieser Hinsicht höchstentwickelte Lebewesen auf diesem Planeten hätten zwar einen unvergleichlich größeren Einblick in die Welt als die Tiere, aber auch unser Einblick sei beschränkt. Woher fragt er, sollten wir im Anbetracht einer über Milliarden Jahre ablaufenden Evolution des Lebens, einer seit zig Millionen Jahren ablaufenden Evolution von Gehirnen, die Sicherheit hernehmen, ausgerechnet zu unseren Lebzeiten und verkörpert durch uns habe das Erkenntnisvermögen seinen höchstmöglichen Stand erreicht? Woher sollten wir die Gewissheit nehmen, wir hätten uns alle qualitativen Seinsschichten erschlossen, so dass es in Zukunft nur noch quantitativen Wissenszuwachs geben kann? Er schreibt: Wir sind, um es einmal so zu formulieren, eigentlich nur die Neandertaler von morgen. Man könnte noch weitergehen und sagen: Wir sind eventuell nur die Affen von morgen. Nicht in dem Sinne, dass unsere Nachfahren einst so sein werden wie heute die Affen, sondern in dem Sinne, dass unsere Nachfahren einst so weit über uns stehen werden, wie wir heute über den Affen stehen. Wenn die bisherige Evolution des Lebens nicht nur zur Entstehung immer neuer Arten, sondern auch zur Entstehung immer höherer Arten geführt hat, warum sollte dies in der Zukunft nicht auch so sein? Wieso sollte der Mensch und das menschliche Erkenntnisvermögen das Höchste sein, was die Evolution hervorbringen kann? Wie plausibel ist es vor dem Hintergrund der Evolutionstheorie, den Menschen als »Krone der Evolution« anzusehen? Im Christentum ist der Mensch die »Krone der Schöpfung«. Aber aus biologischer Sicht, aus Sicht der Evolutionstheorie sind wir nicht die »Krone der Evolution«. Da es in der Vergangenheit eine Evolution des Lebens und damit auch eine Entwicklung zu immer höheren Arten gegeben hat, ist es durchaus plausibel, anzunehmen, dass es auch in Zukunft eine Evolution des Lebens und eine Entwicklung zu immer höheren Formen geben wird. Ob es tatsächlich so kommt, das werden wir allerdings nie erfahren, da ein Menschenleben dafür zu kurz ist.

  • #4

    WissensWert (Freitag, 29 September 2017 23:41)

    https://www.youtube.com/watch?v=W-PWxCjhVgw

  • #3

    WissensWert (Freitag, 29 September 2017 23:36)

    http://www.spektrum.de/alias/braincast/braincast-342-transhumanismus/1379537

  • #2

    WissensWert (Freitag, 29 September 2017 23:35)

    http://m.theeuropean.de/stefan-lorenz-sorgner/10947-ein-nietzscheanischer-transhumanismus

  • #1

    WissensWert (Freitag, 29 September 2017 23:34)

    https://www.youtube.com/watch?v=pUB4vPPpoqM&feature=youtu.be


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