„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die Züchtung des Menschen

Zucht ist die kontrollierte Vermehrung von Lebewesen mit dem Ziel der genetischen Umformung. Es gibt sehr viele verschiedene Züchtungsmethoden. Bei allen geht es darum, gewünschte Eigenschaften zu verstärken bzw. beizubehalten oder ungewünschte Eigenschaften zu unterdrücken. In der Regel sind Züchtungen wirtschaftlich motiviert, etwa bei der Züchtung kernloser Trauben, fleischreicher Schweine oder dackelbeiniger Hunde, die sich so besser verkaufen lassen.

Lassen sich auch Menschen züchten? Klar, wir sind biologisch gesehen ja nichts anderes als eine Tierart und Tiere lassen sich züchten. Die Menschenzucht fällt, ganz grob gesagt, in den Bereich der Eugenik. Eugenik kommt aus dem griechischen eugenes, was übersetzt so viel wie „von edler Abstammung“, oder „edel geboren“ heißt. Unter Eugenik versteht man die Lehre der gezielten Verbesserung des biologischen Erbgutes des Menschen durch Zucht.

Man unterscheidet zwischen negativer und positiver Eugenik. Negative Eugenik versucht das Aufkommen der als negativ eingestufter Erbanlagen (z.B. Erbkrankheiten) zu vermindern oder ganz zu verhindern. Die positive Eugenik möchte das Aufkommen der als positiv bewerteter Erbanlagen (z.B. Intelligenz) vergrößern. Immer mit dabei ist natürlich das große, ethische Bedenken, dass man Menschen nicht sagen soll, wie sie sich fortzupflanzen haben.

1. Negative Eugenik

Die negative Eugenik lässt gewissermaßen eine natürliche Selektion. Im Tierreich herrscht dieses knallharte Gesetz von selbst: Wenn ein Tier zu schwach, schlecht angepasst oder der Fressfeind eines stärkeren Tieres ist, stirbt es aus. Dies kann passieren, indem das Tier direkt stirbt, oder indem es keinen Sexualpartner findet, um seine Gene weiterzugeben. Aber bei uns Menschen ist das oft anders. Unsere Sozial- und Rentensysteme, unsere Fürsorge und unser Mitleid bringen uns dazu den Schwachen auf künstlichem Wege doch ein Leben zu ermöglichen. Dabei schalten wir die Gesetze der Natur aus und nehmen damit in Kauf, dass auch deren schlechtes Erbgut weitergegeben wird. Erbkrankheiten und Behinderungen werden vererbt und die stärkeren Gene haben keinen natürlichen Vorteil mehr.

So könnte die Argumentation eines Befürworters der negativen Eugenik - ich werde sie von nun an einfachheitshalber Eugeniker nennen - in etwa aussehen. Und bis hierhin hat er auch noch, rein deskriptiv, recht. Nun behaupten viele Eugeniker dazu aber oft noch, dass wir demzufolge mit jeder Generation immer schwächer würden und uns damit irgendwann selbst ausrotten. Dieser Gedankengang, dieses Kalkül hat schon Abermillionen Menschen das Leben gekostet und ist in seiner Drastik auch deskriptiv nicht richtig.

Kein Tier kommt unseren Leistungen und Fähigkeiten auch nur annähernd nahe und was uns von ihnen unterscheidet, ist nicht etwa unsere Physis. Ganz im Gegenteil, es gibt zig stärkere, schnellere, ausdauerndere und flinkere Tiere, als wir es sind. Rein körperlich wären wir nie in der Lage gewesen, auch nur die Steinzeit zu überdauern. Denn wir sind von Kopf bis Fuß Mängelwesen und wären ohne unsere Intelligenz – die uns beispielsweise dazu gebracht hat, uns ein Fell über die nackte Haut zu ziehen und so nicht zu erfrieren –schon längst ausgestorben. Aber wir sind eben keine normalen Tiere.

Tiere sterben in einem feindlichen Lebensraum aus, wenn sie sich nicht evolutionär rechtzeitig anpassen oder fliehen. Wir aber können uns ganz schnell und ohne selektive Mechanismen an die verschiedensten, natürlichen Lebensräume anpassen. Und wir können uns ganz neue Lebensräume, warme Häuser in Kanada und Raketen im Weltraum, bauen. Unsere Intelligenz lässt uns nach den Sternen greifen, während die stärksten Tiere noch nicht einmal eine abstrakte Vorstellung von Sternen haben. Dank seiner Intelligenz wird der Mensch immer unabhängiger von seinen körperlichen Schwächen. Darum braucht er keine negative Eugenik, um unsere Art aufrechtzuerhalten.

Auch wenn wir die negative Eugenik nicht zum Arterhalt brauchen, so kann sie unseren Genpool doch trotzdem noch verbessern, mag nun der Eugeniker einwenden. Wieder hat er rein formal Recht. Aber aus dem Umstand, dass eine negative Eugenik unseren Genpool verbessern kann folgt noch lange nicht, dass wir sie auch Wirklichkeit werden lassen sollten. Neben der Intelligenz verfügen wir nämlich noch über eine weitere, erstaunliche, kognitive Fähigkeit: Empathie. Kraft der Empathie können wir uns in andere hineinfühlen und mit ihnen mitleiden. Sie verleiht uns die Macht, die kalten Gesetze der Natur zu überwinden und alten und gebrechlichen Menschen zu helfen, trotz des genetischen Nachteils, der damit einhergehen kann. Sie lässt uns menschlich werden.

Bis man jedoch zu dieser praktischen und theoretischen Einsicht kam, mussten viele Menschen ihr Leben lassen: Im frühen neunzehnten Jahrhundert begann man Darwins Theorien über die Tierwelt, so wie oben dargelegt, auch auf den Menschen und die Gesellschaft zu übertragen. Man unterschied von nun an zwischen minderwertigen und höherwertigen (nachher: arischen) Erbgut. Das bestärkte und zementierte die herrschenden Sozialstrukturen, in denen der Stärkere, Schönere oder Erfolgreichere sowieso schon besser gestellt war.

Auf diese Weise rechtfertigte die führende und gebildete Oberschicht ihre eigene Dominanz anhand des sog. Sozialdarwinismus. Ja, man ging sogar noch weiter und fing schon vor dem Nationalsozialismus an, Programme der negativen Eugenik zu betreiben, ohne Aufschrei und naturwissenschaftlich begründet. Gute Gene sollten expandieren, schlechte aussortiert werden. Um „die Rasse zu stärken“, hieß es. Das ging sogar soweit, dass kranke und behinderte Kinder noch am Tag der Geburt getötet, Erbkranke sterilisiert und gesunde Menschen gezielt zur Fortpflanzung angeregt wurden.

Wollen wir wirklich Kinder umbringen, weil sie Behindert sind? Oder unter Gewalt von der Vermehrung abhalten?
Wollen wir wirklich Kinder umbringen, weil sie Behindert sind? Oder unter Gewalt von der Vermehrung abhalten?

Bei meiner Geburt sagte man meiner Mutter, dass es ein Wunder sei, dass ich überhaupt lebend zur Welt gekommen bin. Durch berufliche Einsätze, auf die sie angewiesen war, sah sich meine Mutter einem ständigen Passivrauchen ausgesetzt. Ob man mir ein langes Leben prognostizieren könne, wisse man im Krankenhaus nicht. Ich wäre vielleicht gleich nach meiner Geburt getötet wurden, wäre ich nur ein paar Jahrzehnte früher geboren. Denn auch die Zeugungs- und Geburtenverhinderung war damals Gang und Gäbe. Zwecks der aktiven Beeinflussung der menschlichen Evolution, legitimiert durch die Rassentheorie bzw. den Sozialdarwinismus. Man muss sich das Mal vor Augen führen, was das im Einzelfall bedeuten kann.

Die Gedanken waren also schon fest in den Köpfen der Menschen, vor allem der gebildeteren Leute, verankert und auf ihrem Nährboden wuchs eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte heran – der Holocaust. Neben Behinderten, Roma und anderen wurden infolge dieses schrecklichen Ereignisses etwa sechs Millionen Juden umgebracht. Rassenhygiene hieß das und es wurde auch unter Bezugnahme auf Darwins Theorien gerechtfertigt.

Wir haben schon einmal unsere Menschlichkeit aufgegeben, um „bessere Menschen“ zu werden. Lasst uns dieses Paradox nicht wiederholen.

2. positive Eugenik

Die positive Eugenik kreiert gewissermaßen eine künstliche Selektion. Naturell kommt so etwas nicht vor, aber schon in der Steinzeit griff der Mensch gezielt in die Evolution der Arten ein und züchtete beispielsweise ertragreichere Milchkühe. Was bedeutet positive Eugenik für die Menschenwelt? Wenn kleine Kinder nach der Vorsorgeuntersuchung in Gruppen eingeteilt werden würden und die gesündeste Gruppe gleich nach der Geschlechtsreife gezwungen wird, sich untereinander fortzupflanzen, das ist positive Eugenik.

Von selbst fällt die Liebe nicht immer zwischen die genetisch Gesegnenden, daher werden die selektiven Mechanismen hier künstlich herbeigeführt. Klappt das? Ja, binnen weniger Generationen wären die Nachfahren der oberen Gruppen im Durchschnitt spürbar gesünder. Ist diese Form der Eugenik moralisch vertretbar? Nein, nicht in dieser vorgetragenen Form. Denn auch hier greift eine menschlich initiierte Gewalt wieder aktiv in das Selbstbestimmungsrecht des Individuums ein. Und die gewaltsame Unterordnung des Individuums unter kollektivistische Ziele ist Diktatur.

Aber wenn sich nun eine Gruppe von Leuten – die allesamt ein besonders hervorstechendes, positives Merkmal teilen – von selbst dazu entscheiden würde, sich nur noch untereinander fortzupflanzen? Wenn Leuten von sich aus so ein Programm fahren? Dann lässt sich das vielleicht noch moralisch verwerflich finden und man kann sich Sorgen um eine genetische Zweiklassen Gesellschaft machen, aber niemand kann ihnen das verbieten. Weil man damit wieder in das Selbstbestimmungsrecht des Individuums eingreifen müsste. Jeder soll selbst entscheiden können, mit wem er Kinder zeugt.

Werden wir einmal gegenständlicher. Wie sich eine Gruppe gesunder Menschen selbst hochzüchten kann, dürfte jedem klar sein: Sie ernähren sich ausgewogen, treiben viel Sport und haben über mehrere Generationen hinweg nur noch miteinander Sex. Die Gruppe müsste dann natürlich groß genug sein, sodass keine Inzucht herrscht. Alles in allem aber kein Problem, solch ein Zuchtprogramm. Wie sieht es bei nicht-physischen Eigenschaften aus, etwa mit kognitiven oder emotionalen? Könnten wir auch witzige, intelligente, sentimentale oder fleißige Menschen züchten? Das sind sehr viele Fragen auf einmal. Schauen wir uns erst einmal an, wie es sich mit der Intelligenz verhält: Lässt sich eine intelligente Elite von morgen herbeizüchten?

Zuallererst müssen wir uns die Frage stellen, ob Intelligenz überhaupt erblich ist. Wenn Intelligenz nämlich nicht vererbt werden kann, ist unser ganzes Gedankenspiel zwecklos. Wir haben jedoch Glück und Intelligenz ist, zumindest zum Teil, erblich. Man ist sich noch nicht komplett einig darüber, wie groß dieser Teil ist, aber uns soll als ungefährer Richtwert einmal die 50%-Marke dienen. Die andere Hälfte machen günstige Umwelteinflüsse aus.

Damit ein genetisch hochbegabter Mensch sein Potential überhaupt erst entfalten kann, müssen also auch die Rahmenbedingungen stimmen. Konkret können sich die guten Umweltbedingungen in einer guten Schulbildung, gezielten Förderungen oder einem intellektuell herausfordernden Beruf manifestieren. Das Genie eines Einsteins, der sein ganzes Leben lang auf einem Reisfeld in Indien schuften muss, fällt nicht auf. Erst dann, wenn Gene und Umgebung harmonieren, zeigt sich das Genie. Genie-Eltern haben also nicht zwangsläufig auch Genie-Kinder.

Wieviel von seinem Genie kann man seinem Kind mit auf dem Weg geben? Unglücklicherweise lässt sich das gar nicht so genau sagen:

Lasst uns ein wenig spekulieren: Die intelligentesten zwei Prozent der Deutschen (nationaler IQ > 130) tun sich zusammen und beschließen, nur noch untereinander zu heiraten. Diese Gruppe würde, bei achtzig Millionen Deutschen insgesamt, 1,6 Millionen Menschen umfassen. Das engt den Genpool schon recht stark ein und kann im schlimmsten Fall auf Dauer schon das Auftreten von Erbkrankheiten häufen. Rund die Hälfte des Intelligenzunterschiedes dieser Gruppe gegenüber dem Rest der Bevölkerung würde ja, ganz grob, auf Erbanlagen zurückgehen. Folglich hätte die nächste Generation „nur“ noch einen Mittel-IQ von 110 bis 120. Aber man könnte ja von den 1,6 Millionen Menschen nun wieder nur die zwei intelligentesten Prozent auswählen. Könnte man, aber sollte man bedenken, dass das den Genpool noch einmal drastisch einengt. Nur noch 32.000 Menschen halten die Gruppe der Intelligenzbestien jetzt noch zusammen. Spätestens jetzt würden Erbkrankheiten um sich greifen, aber ignorieren wir das alles Mal für den Augenblick und konzentrieren uns auf das, was uns eigentlich interessiert: Würde die Intelligenz weiter ansteigen?

Vermutlich schon, jedoch nicht beliebig. Stellen wir uns der Einfachheit halber, vor, die genetische Seite der Intelligenz gäbe es in zwei Varianten: Die Träger von G1 sind was Intelligenz angeht überdurchschnittlich gesegnet, und G2 bringt geringere Geistesgaben mit sich. In diesem Fall würde die Auslese von Trägern der G1-Varianz zwar tatsächlich für einen Anstieg der mittleren Intelligenz sorgen, aber gleichzeitig die Varianz, also die Abweichung vom Durchschnitt, verringern. Weniger Träger von G2 hätte man herbeigezüchtet, was aber nicht gleich mehr Genies bedeutet. Der eigentliche Effekt würde auch erst nach vielen Generationen spürbar werden.

Das Ganze geht natürlich aber auch umgekehrt. Wegen der übermäßigen Vermehrung sonderlich dummer Zeitgenossen, so behauptet der umstrittene Genetiker Richard Lynn, sei in den nächsten 40 Jahren ein weltweites Absinken um 1,4 IQ-Punkte zu erwarten. Es darf bezweifelt werden, dass wir einen durchschnittlichen Abfall um 1,4 IQ-Punkten überhaupt bemerken würden und eine gezielte Zucht von Intelligenten würde sicher nicht ergiebiger ausfallen. Zumindest nicht auf so kurze Zeit.

Gibt es vielleicht tatsächlich eine Population von Leuten, in der sich seit vielen Generationen die Intelligenten stärker fortgepflanzt haben, als die weniger intelligenten? Ja, die gibt es. Die enorm hohe Intelligenz der aschkenasischen Juden ist wissenschaftlich nachgewiesen. Aschkenasisch heißt hier nichts anderes als „europäisch“ und gemeint sind hier die Juden, die im Mittelalter in Nord- und Osteuropa angesiedelt haben. Wenn wir uns diese Gemeinschaft nur genauer ansehen, werden wir sehen, ob und wie sich eine Selektion nach Intelligenz ganz real als erfolgsversprechend herausgestellt hat.

Der Anthropologe Georg Conchrane von der Universität Utah untersuchte genau dies. Er sorgte für Aufsehen, indem er dann behauptete, dass die Umwelt, sprich ständige Verfolgung und soziale Abschottung, den Juden im Mittelalter eine genetische Selektion zugunsten höherer Intelligenz gebracht habe. Zugespitzt formuliert gleiche die Intelligenz ihre gesellschaftlichen Nachteile gewissermaßen aus. Tatsächlich begleiten Juden seit jeher höhere Berufe, als Durchschnitteuropäer. 1907 waren ca. ein Prozent der deutschen Bevölkerung Juden, sie stellten aber fünfzehn Prozent der Anwälte, sechs Prozent der Ärzte und siebzehn Prozent der Medizinprofessoren.

Zwischen 1901 und 1965 waren satte siebenundzwanzig Prozent der amerikanischen Nobelpreisträger Juden, dabei machten Juden nur drei Prozent der Wohnbevölkerung aus. Eine bestimmte Gruppe von Juden scheint also echt überdurchschnittlich intelligent zu sein. Ob der Schein trügt oder nicht, werden wir später noch sehen. Andererseits kommen in dieser Bevölkerungsgruppe diverse Erberkrankungen aber auch wieder häufiger vor. Hier setzt Chonchranes Theorie ein: Die schweren Erbkrankheiten müssten den aschkenasischen Juden einen Vorteil geboten haben, weil die Krankheiten sonst relativ schnell wieder aus dem Erbgut verschwunden wären.

Demzufolge müssten heterozygote Träger dieser Erbkrankheit einen entscheidenden Vorteil gehabt haben, der die Nachteile aufwiegt. Conchrane bleibt uns den Nachweis, dass die Erbkrankheiten der aschkenasischen Juden letzten Endes wirklich zu einer Steigerung der Intelligenz führen, aber schuldig. Natürlich geriet seine Arbeit auch schnell in Kritik. Rassismus und Antisemitismus im Speziellen wurde ihm vorgeworfen und unwissenschaftliches Arbeiten, da seine Ergebnisse denen des renommierten Genetikers Neil Risch von der University of California widersprachen. Dieser hatte dieselben Erbkrankheiten untersucht und war, anders als Conchrane, zu dem Schluss gekommen, die Daten zeigen, dass hier ein zufälliger Gendrift bzw. ein zufallsbedingter Gründereffekt vorliegt.

Was bitteschön ist der Gründereffekt? Vom Gründereffekt spricht man, wenn sich Gene zufallsbedingt (also nicht aufgrund von natürlicher Selektion) ausbreiten, nachdem eine sehr kleine Gruppe vom Genpool der Restbevölkerung abgeschnitten wurde. Wieder ein Gedankenexperiment: In einem anschaulichen bayrischen Dorf wohnen 1.000 Menschen. Eines Tages beschließen zwanzig davon, wegzuziehen und in einem unbewohnten und schwer erreichbaren Tal ein neues Dorf zu gründen. Unter den Auswanderern gibt es ungewöhnlich viele Menschen mit blonder Haarfarbe, was in ihrem Heimatdorf echt selten war. Einige Generationen später wird man, sofern alles glatt ging, im Tal eine überwiegend hellhaarige Bevölkerung antreffen. Das liegt dann daran, dass in der Genzusammensetzung derer, die beschlossen haben auszuziehen und irgendwo eine neue Sippschaft zu gründen, zufällig besonders viel Blonde waren.

Dass es bei den europäischen Juden immer wieder zu solchen Gründereffekten kam, ist sicher. Etwa, wenn eine Gruppe von Juden in eine andere Stadt zog, die gerade erst den Zuzug von Juden gestattet hatte, oder unter den wenigen Überlebenden nach einer der vielen Pogrome. Conchrane glaubte aber, dass der Gründereffekt keine nennenswerte Rolle spielte. Seine Argumentation und Prämissen zeugen von antisemitischen Vorurteilen, Pauschalurteilen und unzureichender Recherche. Sieht man ein wenig genauer hin, lässt sich nicht einmal mehr sicher sagen, ob aschkenasische Juden wirklich von Geburt an, und daher genetisch bedingt, schlauer als andere sind. Es ist nämlich problematisch, IQ-Werte einfach so zu vergleichen, weswegen man hier nichts Fundiertes sagen kann. Vielleicht fordert und fördert ihre Kultur auch einfach eine höhere Bildung, als andere?

Was bleibt also? Nicht viel. Ok, es ist gut möglich, dass durch künstliche Selektion unter besonders Intelligenten deren Intelligenz weiter vorangetrieben wird. Indes geht bei so einem Unterfangen jedoch auch viel Ungewissheit, ein großes Bündel Probleme und zumindest auf mittelfristige Sicht nur magere Erfolgsaussichten einher.

Bildquelle: Kind mit Autismus

Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Dienstag, 24 Mai 2016 18:11)

    https://youtu.be/VSy8KVXRgKM


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