„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Dieser Aufsatz ist alt und gehört neu geschrieben. 

Man kann die Frage nach dem Tod nicht wie eine mathematische Aufgabe behandeln. Die Lösung einer mathematischen Aufgabe ist nicht existentiell relevant. Doch der Tod betrifft früher oder später jeden von uns. Eines Tages werde ich sterben, wirst du sterben. Daher drängt sich auch die Frage nach seiner Bedeutung auf. Und was auch immer tot sein bedeutet, es ist offensichtlich ein großer Einschnitt in das Dasein eines jeden. Daher lohnt es sich, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen.

Was also bedeutet der Tod für uns? Müssen wir Angst vor ihm haben oder sollten wir uns auf ihn freuen? Die Antworten auf diese Frage sind nicht wesensgleich, hängen jedoch stark von der ab, was uns nach dem Tod erwartet. Prinzipiell sehe ich da zwei Möglichkeiten: Entweder man existiert nach dem Tod fort, oder man hört mit dem Tod auf zu existieren.

Vielleicht war ich vor diesem Leben tot oder habe bereits existiert. Da ich mich weder an das Eine noch an das Andere entsinne und mir auch keine zwingend-rationalen Gründe für die eine oder für die andere Annahme bekannt sind, ist es für mich schlussendlich offen, ob es eine Fortexistenz nach dem Tod gibt. In vorletzter Instanz halte ich es jedoch für wahrscheinlicher, dass unser Dasein auf die irdische Existenz beschränkt ist.

Aufgrund meines skeptizistischen Standpunktes sind für mich beide Szenarien erheblich. Sehen wir uns also an, welche Bedeutung sie jeweils für uns hat.

1. Fortexistenz

Falls es nach dem (irdischen) Tod eine Fortexistenz geben sollte, sind erneut viele Szenarien denkbar. Eigentlich alle nur erdenkbaren. In seiner persönlichen Bedeutung muss jedes einzelne Szenario einzeln bewertet werden. Dabei können drei Kriterien hilfreich sein:

Das erste und wahrscheinlich offensichtlichste Kriterium ist die Art und Weise der Fortexistenz. Verbreitet sind die beiden Vorstellungen, man existiere non-physisch auf ewig weiter und man werde in einem anderen Körper wiedergeboren. A priori ist die Wahrscheinlichkeit als Gott oder Stein fort zu existieren wohl genauso hoch. Zweites Kriterium ist die Relevanz und Einschätzung des bisherigen Lebens angesichts der Fortexistenz. In vielen Weltanschauungen ist ein gebotskonformes Leben oder die Annahme eines Gottes richtungsgebend für die Art und Weise der Fortexistenz. Häufig trifft man die Vorstellung an, man müsse die Lehre einer heiligen Schrift glauben und nach ihr leben, dann komme man in einen paradiesischen Himmel. Ansonsten ist der irdische Tod endgültig oder man wird in einer sogenannten Hölle leiden. Genauso gut denkbar ist aber auch ein Gott, der kritisches Denken belohnt. Als drittes Kriterium sehe ich die subjektiv-persönliche Präferenz. Als krasses Beispiel soll hier ein sadomasochistischer Jugendlicher dienen, der eine Nicht-Existenz oder gar die Qualen der Hölle einem Ort mit Goldstädten und Posaunenchören vorzieht. Das dritte Kriterium ist als letztes, unter Bezugnahme auf die Kenntnisse aus den ersten beiden anzuwenden. Es ist dann noch Maßstab der endgültigen Wertung, da die Wertung jeder Fortexistenz schlussendlich subjektiv ist.

2. Ende der Existenz

# Niemand erlebt seinen eigenen Tod.

 

Falls aber der Tod das Ende einer Existenz darstellen sollte, so ist klar, was wir von ihm zu erwarten haben. Dann ist der Tod das Nichts, die Negation von allem, was unsere subjektive Existenz geprägt hat. Diese Vorstellung ist unter Atheisten stark verbreitet und einige dieser Menschen verbinden mit dem Tod etwas Negatives oder fürchten sich gar vor ihm. Emotional ist dies nachvollziehbar, da die Vorstellung vom unausweichlichen Ende des eigenen Bewusstseins und aller Wahrnehmung etwas Hilfloses hat. Es gibt aber keinen rationalen Grund in diesem Tod etwas Schlechtes oder gar Furchtbares zu sehen. Sich das klarzumachen hilft einem Atheisten auch seine emotionale Angst vor dem Tod zu überwinden.

Dieser Tod ist irrelevant für dich. Denn dir kann nur irgendwas, etwa für dich Relevantes, etwa Übles wiederfahren, wenn du existierst, um es wahrzunehmen. Aber dieser Tod ist gerade das Ende deiner Existenz. Epikur sagte bereits sinngemäß, wenn du bist, ist der Tod nicht und wenn der Tod ist, bist du nicht. Daher ist das tot sein vor und nach deinem Tod bedeutungslos für dich. Davor ist der Tod nicht da und danach bist du nicht da. Vor deiner Zeugung hast du vermutlich bereits nicht existiert. Da war dir nicht langweilig und du hast auch kein Trauma von der Zeit vor deiner Zeit. Denn da war rein gar nichts für dich, kein Zeitgefühl, kein Gedanke. Es war und wird die Negation deines gesamten subjektiven Erlebnisspektrums sein. Man fürchtet sich also wortwörtlich vor dem Nichts, weshalb die Furcht irrational ist. Ein stoisch – fatalistischer Umgang mit dem Tod zu pflegen, kann also durchaus als rational erachtet werden. Ob dies auch ratsam ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Hier habe ich meine Überlegungen zum Umgang mit dem Tod niedergeschrieben.

„[…] alle unsere gegenstandslosen Ängste, unsere eitlen Pläne,

unsere ungewissen Spekulationen werden verschwunden und verloren sein."

David Hume

Anders verhält es sich mit dem Sterben. Der Tod hat aber hat darum keinerlei Bedeutung für dich. Daher kann Suizid unter extremen Umständen zwar eine Lösung sein, ist aber grundsätzlich nie ein Gewinn. Denn im Nicht-Sein an sich steckt kein Verlust und kein Gewinn. Eine Lösung kann der Selbstmord für denjenigen sein, dessen Leben unerträglich und für den der Verlust des Lebens kein Verlust ist. Ein Gewinn aber stellt er selbst unter keinen Umständen da, da er nichts mit sich bringt. Keine Option ist er für denjenigen, der sein Leben im Ganzen liebt, denn der Tod würde das Ende seiner geliebten Existenz mit sich bringen.

Nichtsdestotrotz verursacht der Tod viel Schmerz bei trauernden Hinterbliebenen. Weil diese noch empfinden können und unter der Nicht-mehr-Existenz des Toten leiden. Das zeigt uns zweierlei: Erstens, dass Freud und Leid immer nur bei den Lebenden herrscht. Und zweitens, dass es auch rationaler wäre um die Trauernden zu trauern. Denn Sie und nicht etwa der Tote sind die Leidtragenden und somit die wahrhaft Bemitleidenswerten.

Wenn Sie das können und es Ihnen hilft, dann können sie auch ruhig an ein Leben nach dem Tod glauben. Sollten Sie sich täuschen, werden Sie das nie erfahren.

3. Verweise

 


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