„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Spiritualität steht für eine gezielte Geistlichkeit. Eine nähere oder umfassendere Definition des Begriffs ist aufgrund seiner unterschiedlichen Verwendung in verschiedenen Kontexten schwierig. Im allerweitesten Sinne ist Spiritualität vermutlich deckungsgleich mit dem philosophischen Idealismus.

Spiritualität und Religion werden oft als Spielarten voneinander missinterpretiert. Unter einigen Gesichtspunkten mögen Spiritualität und Religion ja teils große Überschneidungen haben, wie etwa beim Hervorheben des Nicht-Materiellen, unter vielen sind sie jedoch auch klar antithetisch. Der Philosoph Thomas Metzinger hat dies im Laufe seines Vortrages „Spiritualität und intellektuelle Redlichkeit“ sehr schön aufgezeigt. Religion wird häufig mittels heiliger Schriften oder Priester verkündet, spirituelle Einsichten werden durch praktische Erfahrungen gewonnen. Religion einigt kollektivistisch Gemeinden und Gläubige, Spiritualität ist individualistisch. Religion wird verbal oder schriftlich kommuniziert, Spiritualität ist nicht-diskursiv und kann höchstens angedeutet werden. Religion ist klar gottbezogen, Spiritualität menschenbezogen. Religion appelliert zu Teilen an den Verstand, Spiritualität hingegen ist gewöhnlich streng antikognitiv aufgestellt. Religion ist organisiert, Spiritualität nicht. Religion redet von Wahrheit und Richtigkeit, Spiritualität will hingegen meist gerade das Propositionale überwinden.

Wahrscheinlich lässt sich Spiritualität gerade im Aufzeigen von alldem, was sie nicht ist, sehr gut charakterisieren. Denn wir neigen dazu Dinge allgemein, objektiv-kommunizierbar, vernünftig und mit einem logischen Wahrheitsgehalt definieren zu wollen. Spiritualität will aber eben all dies nicht sein. Zuweilen wird von ihren Vertretern behauptet, die Spiritualität überwinde damit wissenschaftliche Kriterien und Methoden. Andere meinen, mit der Spiritualität falle man hinter diese zurück.

 

An dieser Stelle schwenken wir von einer rein deskriptiven Beschreibung zu einer normativen Bewertung der Spiritualität hinüber. So wie ich mir die Spiritualität wünsche, kommt sie gar nicht in Konflikt mit der Wissenschaft. Wissenschaft möchte validierte Tatsachenbehauptungen aufstellen. Ich begreife Spiritualität als etwas, das dies gar nicht möchte und deshalb auch als Entität gar nicht in Konkurrenz zur Wissenschaft steht. Für mich ist Spiritualität eine hoch heterogene Möglichkeit der Erfahrung der Innen- und Außenwelt, die, lässt man sich auf sie ein, einem persönlich sehr weiterhelfen kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

2. Verweise

  • #Spiritualität #Frieden: FÜR MICH ist Spiritualität vor allen Dingen eine Suche nach (inneren) Frieden.

 

  • #unvollkommener Markt #Interessenskonflikte: Dann hat Spiritualität auch etwas Antikapitalistisches. Der Markt kann weder an vernünftigen, noch an zufriedenen Menschen interessiert sein. Ein innerer Unfrieden, eine Unzufriedenheit ist die Grundlage unseres Wachstums.

 

  • Beziehung I: Man ist von sich enttäuscht, weil man (oder auch andere) Erwartungen an sich setzt. Andere enttäuschen einen, weil man etwas von ihnen erwartet. Enttäuschungen kommen von Erwartungen. Sollte man deshalb aufhören irgendetwas vom Leben zu erwarten? Nein! Denn die Befriedigung einer erfüllten Erwartung und die Möglichkeit seiner Nichterfüllung geben dem Leben seinen Reiz. Aber vielleicht ist die Erkenntnis, Enttäuschung nur aus Erwartung für den ein oder anderen Ansporn gezielt und bedacht weniger von sich und der Welt zu erwarten. Übrigens: Etwas nicht felsenfest erwarten, heißt nicht es nicht doch auch zu versuchen.

 

  • Jetzt: Ein spiritueller Gedanke.

 

  • Mary: Man weiß nicht alles über die subjektive Erfahrung der Röte einer Rose, bevor man sie nicht selbst hatte. Analog zu diesem Argument des Unvollständigen Wissens mag manch Spiritueller sagen, man wird nie alles über die Spiritualität wissen können, wenn man sich nur theoretisch mit ihr auseinandersetzt. Kein sachliches Studium kann die Qualität einer spirituellen Erfahrung selbst vermitteln. Man sollte sich also erst auf sie einlassen, um sie kennen zu lernen und nur wenn man sie kennt bereit sein ein Urteil über sie zu fällen.

 

  • Tiermisshaltung: „Man is not the only animal that seeks freedom and space.“ Jamie Wilkinson

 

 

  • Wahrheit: Ein zentraler Begriff in fast jeder spirituellen Lehre.

 

Stand: 2014

Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Dienstag, 04 April 2017 18:41)

    Religionen wollen die weltliche Ordnung zementieren, während die Spiritualität ihr zu entkommen versucht. Oft genug wird von spirituellen Wanderen vor allem eins verlangt, nämlich die Glaubensüberzeugungen und Konventionen der herrschenden spirituelle Lehre in Frafe zu stellen. Im Zen-Buddhismus heißt es: "Triffst du Buddha unterwegs, so töte ihn!" das bedeutet: Wenn man untereegs auf dem spirituellen Pfad den Vorstellungen und festen Gesetzen des institutionalisierten Buddhismus begegnet, muss man wich auch von ihnen befreien.


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