„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Pantheismus

Der Ausdruck Pantheismus oder Pantheïsmus (von altgriechisch πν pān „alles“ sowie θεός theós „Gott“[1]) bezeichnet die philosophische und theologische Auffassung, wonach "Gott" bzw. "das Göttliche" eins mit der Natur bzw. dem Kosmos ist.

Der Begriff wurde von dem englischen Religionsphilosophen John Toland in seiner Schrift "Pantheisticon" geprägt. Dass Gott und Welt identisch seien, kann entweder bedeuten, dass (a) Gott „in“ allem ist (Panentheismus), oder dass (b) Gott „alles“ ist (Theopanismus). Grundzüge pantheistischen Denkens durchziehen die gesamte Geschichte der abendländischen Philosophie und finden sich in vielen Religionen, besonders in ihren mystischen Strömungen. Eine Verbreitung des Pantheismus-Begriffes fand vor allem durch die Rezeption der Philosophie Baruch Spinozas statt, der Gott und Natur gleichsetzte und in allen Erscheinungen der Welt Attribute einer unendlichen göttlichen Substanz sah. Während im 18. Jahrhundert um die Frage gestritten wurde, inwieweit Pantheismus auch eine Form des Atheismus sei (sog. Pantheismusstreit), machte das Zeitalter der Romantik pantheistische Elemente zur Grundlage seiner Naturphilosophie.

Theopanismus: Die Begriffe "Gott" und "Kosmos" bezeichnen dasselbe
Theopanismus: Die Begriffe "Gott" und "Kosmos" bezeichnen dasselbe
Panentheismus: Der Kosmos ist in Gott enthalten, wobei Gott jedoch umfassender gedacht wird und über das Universum hinausgeht
Panentheismus: Der Kosmos ist in Gott enthalten, wobei Gott jedoch umfassender gedacht wird und über das Universum hinausgeht

Nicht zu verwechseln ist der Pantheismus mit dem Animismus und dem Panpsychismus, die die Beseeltheit aller (oder bestimmter) Naturerscheinungen annehmen; mit dem Kosmotheismus, für den die Welt nur eine von mehreren Erscheinungsform göttlichen Seins darstellt, und auch nicht mit der Lehre der Allgegenwart eines (personalen und transzendenten) Gottes.

Der Pantheismus ist kein homogenes Glaubenssystem, das wie Religions-gemeinschaften oder Sekten klare Regeln und Glaubensvorschriften vorsieht. Das liegt auch daran, dass dem Pantheismus kein allgemeingültiges Glaubensbuch zu Grunde liegt, wie es bspw. bei den Christen und Muslimen mit der Bibel und dem Koran der Fall ist. Der Pantheismus ist meist eher eine individuelle Weltanschauung oder Intuition

Das Prinzip des Pantheismus lässt sich für viele seiner Anhänger am besten durch metaphorische Beispiele illustrieren. So etwa durch den Vergleich mit dem menschlichen Gehirn. Jedes Leben im gesamten Universum stelle eine Gehirnzelle dar, die zwar ein gewisses Eigenleben und eine sinnvolle Aufgabe hat, im Großen und Ganzen betrachtet aber nur ein winziger Teil des Ganzen ist. Alle einzelnen Entitäten im Universum (hier im Beispiel die einzelnen Gehirnzellen) sind ein Teil der allumfassenden Göttlichkeit (des Gehirns). Denkt man diese Metapher zu Ende, müsste Gott eigentlich als ein emergentes Phänomen gedacht werden, da das Organ Gehirn Eigenschaften besitzt, die auf der Ebene einzelner Neuronen noch nicht vorliegen (siehe auch: Emergenz).

1. Kritik

Versteht man den Pantheismus als den Glauben an einen Gott, der als "die Summe alles Seins" definiert sei, so kann man diesen Gott schwerlich widerlegen. Denn es wäre (egal ob man nun Solipsist oder Realist ist) unsinnig, die Existenz eines Wesens zu verneinen, das per definitionem allem entspricht, was ist. Nun kann man den Begriff "Gott" aber dann auch ohne jeden Verlust weglassen, denn er bezeichnet keine über den Begriff "Sein" hinausgehende Eigenschaften. So betrachtet ist der Theopanismus eine "Euphemie  für Atheismus" (Arthur Schopenhauer) oder Naturalismus. Nur der PanENtheismus, der in Gott mehr sieht als nur die Summe allen Seins, könnte in diesem Fall zu Recht als Theismus bezeichnet werden (siehe auch: Pantheismusstreit).

Stand: 2017

Kommentare: 4
  • #4

    WissensWert (Mittwoch, 07 Juni 2017 02:58)

    http://www.philolex.de/pantheis.htm

  • #3

    WissensWert (Mittwoch, 24 Mai 2017 04:45)

    Pandeismus (von altgriechisch πᾶν pān „alles“ sowie lat. deus, „Gott“) bezeichnet eine Auffassung von Gott, die den metaphysisch geprägten Pantheismus (Gott ist das Universum) und den Deismus (Gott schuf das Universum) kombiniert.

    Es ist der Glaube, „dass Gott das Universum geschaffen hat, jetzt eins mit ihm ist, und deshalb kein separates bewusstes Wesen.“ Deshalb muss er auch nicht verehrt werden, denn Gott ist gewordene Natur."

    https://de.wikipedia.org/wiki/Pandeismus

  • #2

    WissensWert (Mittwoch, 24 Mai 2017 04:13)

    Oft bezeichnet man diese bereits vollständig naturalistische Auffassung der Welt auch nach ihrem berühmtesten Vertreter als Einstein-Glaube, oder kosmische Spiritualität. Einen transzendenten Gott gibt es in dieser Weltsicht nicht, weder als Erlöser, oder einfache Schöpferfigur, noch als geisterhafte Unergründlichkeit. Auch alle anderen übernatürlichen Erfindungen fallen damit weg. Pantheismus ist eine vollständig atheistische und damit naturalistische Weltanschauung, innerhalb derer der Begriff „Gott“ hin und wieder als bloße Metapher für die Gesamtheit der Naturgesetze, das Universum oder die Welt beziehungsweise die belebte Natur gebraucht wird. Richard Dawkins beschreibt den Pantheismus daher auch als aufgepeppten Atheismus. Viele Naturwissenschaftler und Philosophen bemühen sich besonders intensiv um eine poetische und ästhetisch ausgeschmückte Artikulationsform wissenschaftlicher Erkenntnisse, die dadurch für die Allgemeinheit manchmal leichter verständlich werden und nennen sich nicht zuletzt im Zuge dessen Pantheist.

  • #1

    WissensWert (Mittwoch, 24 Mai 2017 00:17)

    Pantheismus: Der Pantheismus ist die bequeme Art "Gott" zu entpersonifizieren, im Grunde wie der Deismus, nur noch unpersönlicher was Gott betrifft. Gott = Universum, Allseits, Ganzheitlichkeit, Holismus, Natur, Kosmos, Chaos, Statik, Dynamik. Es ist weniger ein Glaube, es ist mehr schon eine reine Lebensphilosophie und ganzheitliche Betrachtungsweise der Dinge. Der Glaube verliert darin an Relevanz, man hat nur die Definition des Gottesbegriffs verändert, in einen innernatürlichen Rahmen, demnach ist im Pantheismus Gott keine übernatürliche Instanz, sondern das ganzheitliche, innernatürliche Grundwesen des Universums selbst, das der Kreativität und der stetigen Entwicklungen, Veränderungen und Transformationen von Energiezuständen. Gott ist im Pantheismus die Summe aller Teile, das Gesamtbild in der Summe seiner Details. Hier und da bin ich jedoch auch ein Nihilist und mache mir keine Illusionen, das vielleicht doch alles keine wirkliche Bedeutung hat, alles einer Willkür unterliegt und es keinen Sinn, so auch keine Ganzheitlichkeit gibt. Bin da ambivalent 3:) O:)
    -
    Im Judentum, Christentum und im Islam auch, dient Gott mehr als eine art Urvaterfigur, welche man zwar auch nicht wirklich personifizieren kann (außer im Christentum in Form von Jesus), aber diese Funktion der Vaterfigur durchaus inne hat, bewusst oder auch unbewusst. Dieser Glaube ist da recht spezifisch und dient allein der Strukturierung der Existenz der Gläubigen, so auch als Antwort auf alle Fragen, auch wenn dies kein Wissen ist, sondern letztendlich immer nur ein Glaube bleiben wird, so gibt dieser Glaube jenen Menschen ein Fundament im Leben.


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