„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Monotheismus

Der Begriff Monotheismus (griechisch μόνος mónos „allein“ und θεός theós „Gott“) bezeichnet den Glauben an einen einzigen Gott. Damit wird dieser in der Religionswissenschaft vom Polytheismus unterschieden, der viele Götter kennt.

Es ist monotheistischer Selbstbetrug im großen Stil, wenn auf der einen Seite dauernd davon geredet wird, dass es "nur einen Gott gibt und alle an denselben glauben", man aber kaum einen zweiten Menschen finden wird, der tatsächlich an denselben Gott glaubt - und in anderen Monotheismen schon überhaupt nicht.

 

Ich habe sehr viel mit gläubigen Menschen diskutiert und ich bin noch nie zwei Menschen begegnet, die an denselben Gott glauben. Nicht einmal innerhalb derselben Konfession desselben Flügels derselben Gruppe!

 

Wenn man immer nur vage-nebulös über Gott redet, fällt einem das nicht auf. Andererseits wurden schon Kriege geführt und Menschen auf Scheiterhaufen verbrannt, weil sie nur eine leicht andere Vorstellung von Gott hatten. Gläubige kennen weder ihre eigene Geschichte noch wissen sie selbst, was sie über Gott denken.

 

Man kann - meine Erfahrung - Gläubige auch nicht einfach befragen, an was für einen Gott sie glauben. Denn die Antworten sind einstudiert und stimmen NICHT mit dem überein, woran sie WIRKLICH glauben. Das hat z. B. Pascal Boyer herausgefunden mit seiner "experimentellen Theologie".

 

 

Kurz: Gläubige wissen selbst nicht, woran sie eigentlich glauben. Daher fällt es ihnen nicht auf. Zudem kann sich Gott in einer Diskussion mit Gläubigen wie ein Chamäleon wandeln und ändern - an der Oberfläche. Gott ist ja immer exakt so, dass ihn die Kritik der Atheisten nicht treffen kann, dazu wechselt er seine Gestalt schneller, als ich tippen kann. Wenn ein Kind sich von seinem Schnupfen erholt, ist darin Gottes Segen erkennbar, verhungern aber tausende von Menschen, so sind Gottes Wege plötzlich nicht mehr ergründbar. Diese wechselhafte Gestalt wiederum hat nichts mit dem zu tun, was Gläubige wirklich denken. Das findet man aber nur durch indirekte Fragen heraus.

Somit lassen sich alle mir bekannten Monotheisten durch zwei widersprüchliche Denkweisen charakterisieren:

 

1. Es gibt nur einen Gott, es ist der, an den alle glauben.
2. Es gibt keine zwei Monotheisten, die an denselben Gott glauben.

 

Es gibt, selbst für einen Monotheisten, eine unendliche Menge an möglichen Gottesbildern. Da niemand wissen kann, welche der Vorstellungen, Ideen oder Konzepte von Gott richtig ist, kann auch niemand wissen, was Gott will. Da muss man sich eben willkürlich einen raussuchen und daran glauben.

 

Glauben ist somit beliebig und so eine Art Zauberformel für den Gläubigen: Damit kann man sich willkürlich etwas aussuchen, von dem man eine starke Überzeugung hat, so, als ob es sich um Wissen handeln würde. Wer beispielsweise sowieso schon homophobe Grundüberzeugungen hat, dem dient sein Glaube als rationaler Unterbau für seine Intoleranz und wer sich tolerant und offen fühlt, dem wird es genauso gehen.

 

Oder kurz, glauben bedeutet, vorzugeben, etwas zu wissen, was man nicht weiß.

 

Das Schöne an Gott ist, dass sich jeder die Version aussuchen kann, von der er meint, dass sie zu ihm passt. Das Hässliche daran ist, dass Glaube auch beliebig ist, denn er funktioniert ohne rechtfertigende Gründe, ansonsten wäre es auch kein Glauben, sondern Wissen. Monotheismus ist hierbei noch viel variantenreicher als Polytheismus - der Unterschied ist, die Polytheisten wissen um die Variationen, die Monotheisten haben das erfolgreich verdrängt.

Wie aber lässt sich etwas so abstruses wie der Monotheismus überhaupt begründen?

 

Monotheisten haben das Problem, dass sie ihre eigenen Voraussetzungen nicht kennen und sich nicht mit ihnen befassen können. Hier sind die fünf Voraussetzungen, die notwendig erfüllt sein MÜSSEN, damit die monotheistische Theologie (es gibt im Westen kaum eine andere) über erkenntnistheoretische Positionen sinnvoll diskutieren kann:


1. Logik - es gibt Regeln des Denkens, mit denen man Aussagen auf interne und externe Konsistenz prüfen kann.
2. Realismus - es existiert eine objektive Welt, deren Zustand von subjektiven Positionen unabhängig ist.
3. Leib-Seele-Dualismus (Substanzdualismus): Materie und Geist sind zwei völlig verschiedene Dinge, die unabhängig voneinander existieren können.
4. Primat des Geistes: Geist war vor der Materie da.
5. Supernaturalismus: Es existiert eine von der materiellen Welt verschiedene Sphäre, die einen Einfluss auf diese Welt hat (also Ursache materieller Prozesse sein kann).

 

Die Punkte 1. und 2. werden auch vom metaphysischen Naturalismus geteilt. Wenn sich ein Theologe also auf "subjektive Deutungen" beruft, um von da aus Wissenschaft zu kritisieren, schießt er sich beidhändig durch die Knie in die Füße. Großkalibrig.

 

Position 3. ist aus dem Naturalismus verschwunden, obwohl sie einmal dazugehört hat. Der Grund ist simpel: Alle Indizien über geistige Prozesse, die man kennt, sprechen dagegen. Zudem widerspricht dies einem Basisprinzip der Physik, den Energieerhaltungssätzen.

 

4. ist eine unbewiesene Spekulation, die an der Fragwürdigkeit von Position 3. scheitert, aber auch eigene Probleme hat.

 

Position 5. ist purer Obskurantismus, denn Supernaturalismus ist nicht einmal annähernd sinnvoll definiert. Wenn man es sinnvoll definiert, dann läuft es darauf hinaus: Supernaturalismus ist der Bereich, von dem wir wissen, dass wir nichts wissen, und der auf magisch-mysteriöse unter Verletzung der Energieerhaltungssätze einen Einfluss auf die materielle Welt nimmt. Aber damit hat man jede supernaturalistische Erklärung vernichtet - das wäre ein Widerspruch in sich (Erklärung durch Nichtwissen, etwa beim "Lückenbüßergott").

 

Ohne diese fünf Punkte - von denen drei fragwürdig oder gar sinnfrei sind - ist der Monotheismus nicht in der Lage, zu wissenschaftlichen Fragen auch nur einen Deut beizutragen. Vergleichsweise wäre dann Kaffeesatzleserei exakte Prognostik. Interessanterweise gäbe es mit den Punkten 1. und 2. eine gemeinsame Basis mit dem Naturalismus, aber die verlässt man, sobald einem die logischen Schlüsse nicht mehr gefallen.

 

Kurz: Die monotheistische Kritik an der Naturwissenschaft oder am Atheismus hat keine Basis, von der aus man argumentieren könnte.

 

 

Man mag es für arrogant halten, wenn Atheisten aus den genannten Gründen ihre Position für überlegen halten. Vielleicht ist es das auch. Nur ist es gerechtfertigt.

Der monotheistische Wahrheitsanspruch ist aber nicht nur nebulös und haltlos, er ist in der Regel auch intolerant. Jede Religion, die sich nicht nur als spirituelles Angebot, sondern als unfehlbare letzte Wahrheit versteht, impliziert die epistemische und moralische Entwertung aller anderen Glaubensrichtungen. Religionen schüren ein Ingroup-Outgroup-Denken und damit die Separation der Menschen.

Die Wissenschaft wohlbemerkt kennt keinen Wahrheitsanspruch. Und trotzdem standen ihr die Monotheisten historisch meist feindselig gegenüber. Warum ist das so? Religion ist eine Sozialkontrolltechnologie. Es geht darum, Menschen, die rationalen Argumenten nicht oder wenig zugeneigt sind (wofür die Gläubigen selbst das Beste Beispiel bieten) durch Drohungen, Belohnungen, sozialen Gruppendruck zu einem für die eigenen Vorstellungen genehmen moralischen Verhalten zu manipulieren. Zugleich immunisiert man seine eigenen moralischen Vorstellungen gegen Kritik, indem man sie als die Moral eines "höheren Wesens" ausgibt. Damit haben die eigenen Moralvorstellungen ein "höheres Gewicht" als "bloße menschliche Vorstellungen". Das "höhere Gewicht" existiert zwar bloß in der Einbildung, aber von der ist man überzeugt, in der Hoffnung, überzeugend zu wirken. Man kann andere leichter von etwas überzeugen, wenn man selbst fest daran glaubt.

 

Der Ursprung der göttlichen Moral - das kann man wissenschaftlich beweisen - sind die eigenen Moralvorstellungen. Gott ist immer derselben Meinung wie der jeweilige Gläubige. Prinzipiell. Ändert jemand seine Ansichten über ein moralisches Problem, ändert sich "automagisch" auch die Vorstellung Gottes. Siehe auch: http://www.patheos.com/blogs/epiphenom/2009/12/what-you-want-god-wants.html

 

Es geht also darum, sich in der jeweiligen moralischen Debatte einen unfairen Vorteil zu verschaffen, den man zur Manipulation Anderer nutzen kann. Von der Herrschaftsseite aus etabliert sich dazu eine Klerikerkaste, die den Herrschenden versprechen, dass sich das beherrschte Volk an moralische Grundregeln hält, weil diese durch Religion manipuliert werden können. Dafür erhalten die Kleriker einen Anteil an der politischen Macht - und finanzielle Mittel, beispielsweise über Steuerbefreiung.

 

Atheisten verweigern sich dieser Technik der Manipulation. Da sie nicht manipulierbar sind, erwecken sie Argwohn, man unterstellt ihnen, dass sie sich nicht religiös bedrohen/bestechen/manipulieren lassen, weil sie ihre eigene, abweichende Moral haben und dieser folgen wollen. Wenn jemand sich nicht sozial kontrollieren lässt, löst das unmittelbar Angst aus.

 

Die Ironie ist: Wenn jeder Jeden auf dieselbe Weise zu manipulieren sucht, sind diejenigen mit den besten rhetorischen Fähigkeiten im Vorteil. Viele der Bestrebungen heben sich auch gegenseitig auf. Es ist eine Art "Bonus für Demagogen".

 

Im Gegenzug zur Unterwerfung unter den besten Demagogen erhält man billigen Trost, der über existenzielle Ängste hinweghilft - was aber schlecht funktioniert, wenn man von Atheisten daran erinnert wird, dass dies mit Skepsis aufzufassen ist (siehe Beitrag von Jori).

 

Man kann Menschen auf verschiedene Weise dazu bringen, etwas zu tun:

 

1. Zwang - teuer und aufwändig.

2. Bezahlung - teuer.

3. Drohung - offenkundiger Zwang, kann leicht in Aufstand umschlagen.

4. Religiöse Manipulation - billig, und die Drohung geht scheinbar nicht von einem selbst aus, sondern einer "höheren Macht".

5. Rationale Argumentation - die aber bei vielen nicht funktioniert, da sie nicht rational sind.

 

 

Es spricht also alles für den vierten Punkt. Deswegen spielt die Religion im politischen Leben immer noch eine Rolle.

Und deswegen sind die meisten monotheistische Religionen auch überhaupt erst entstanden, als moralisch konstituierendes totalitäres Moment, das eine Meinung gegenüber anderen durchsetzte, indem es als unfehlbare göttliche Wahrheit des einzigen Gottes behauptet wurde.

 

Der Vorteil war, dass dadurch Kulturen konsolidiert und kontrolliert werden konnten (und damit an Kraft und Macht gegenüber anderen gewannen). Der Nachteil ist, dass dies eine immanente Intoleranz gegenüber Kritik und Widerspruch impliziert, die im mosaischen Gebot der Steinigung von Gotteslästerern gipfelte:

 

"Wer des Herrn Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Ob Fremdling oder Einheimischer, wer den Namen lästert, soll sterben." (Lev 24,6)

 

und auch bei Jesus Gewaltfantasien über die Höllenqual derer, die ihm nicht folgen wollen, nicht endet.

 

Monotheismus - ernst genommen - ist unauflöslich mit Konflikten zwischen Absolutheitsanspruch und Widerspruch, Unterdrückung von Meinungsfreiheit und Gewalt gegenüber Abweichlern verbunden.

 

 

Darf eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft Monotheismus über das Private hinaus dulden? Wäre eine Nichtduldung vielleicht auch wiederum totalitär? Kann politisches Handeln mit "Gott" und seinem angeblichen "Willen" begründet werden?

Stand: 2017

Kommentare: 5
  • #5

    WissensWert (Mittwoch, 24 Mai 2017 14:48)

    Mein Ansatz der Religionskritik lautet: Monotheistische Religionen sind soziale Kontrolltechnologien.

    Es geht einer klerikalen Minderheit darum, die Regeln des sozialen Lebens zu beeinflussen, ohne dafür legitimiert worden zu sein - man holt sich seine "Legitimation" von außen, nicht von den Leuten, die sie betrifft. Diese werden dazu manipuliert, diese Art der Pseudorechtfertigung zu akzeptieren.

    Die nichtklerikalen Mitglieder werden von klein auf indoktriniert und mit der Hoffnung infiziert, dass diese Art der Manipulation in ihrem Interesse ist, weil sie mit ihrer Duldung zu einem besseren und friedfertigerem sozialen Miteinander beitragen. Sie werden damit auch teilweise selbst zu Ausübenden dieser Sozialkontrolltechnologie - weil sie glauben, damit zu einer besseren Gesellschaft beizutragen.

    Selbstverständlich gibt es weder historische, noch logische, noch einer gegenwärtigen Empirie bestätigende Befunde. Wenn, deuten diese eher in die andere Richtung: Je instabiler eine Gesellschaft ist, je dysfunktionaler, desto religiöser sind ihre Mitglieder im Durchschnitt. Genau das ist ja der Antrieb der Religionen: Die Hoffnung, man könne es mit Religion besser machen als ohne. Basierend auf der Behauptung, die Gesellschaft sei dysfunktional, weil die Leute "nicht religiös genug" sind.

    Vergleichbar damit, dass man die Feststellung, dass Homöopathie nicht funktioniert, dadurch auszugleichen versucht, dass man die Dosis erhöht.

    Nun zum aktuellen Bezug - Manchester. Wenn man sagt, das habe nichts mit dem Islam zu tun, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Gerade eine politische Religion wie der Islam, deren Ausbreitung in erster Linie militärisch erfolgte, ist eine Kontrolltechnologie, die es gerade Soziopathen ermöglicht, sie für ihre Zwecke zu benutzen. Auch der liberalste Islam spielt den Dschihadisten in die Hände, wenn man keine Zweifel an der Grundlage duldet - nämlich, dass ein göttlicher Tyrann über eine vermittelnde Offenbarung über unser soziales Zusammenleben die alleinige Verfügungsgewalt hat. Oder anders gesagt, wer den Koran interpretiert, hat die Macht.

    Und diese Macht wird genutzt werden, so oder so.

  • #4

    WissensWert (Samstag, 13 Mai 2017 02:02)

    Ich bin starker Atheist in Bezug auf den Gott der Religionen. Das Argument dafür ist simpel:
    Im Monotheismus (nur um den geht es) gibt es keine logisch widerspruchsfreie Definition für "Gott". Das wäre aber die erste Voraussetzung, um seine Existenz als Annahme (Hypothese) akzeptieren zu können. Eine logisch widersprüchliche Definition kann nicht eine Existenzannahme begründen. Einen weiteren Beweis der Nichtexistenz braucht man nicht. Oder, wie ich als Psychologe sage: Die Beschreibungen des Begriffs Gott sind kognitiv leer.

    Daher bin ich in Bezug auf Gott Nonkognitivist: Es gibt keine sinnvolle Definition des Wortes Gott, daher kann auch niemand wissen, woran er eigentlich glaubt. Man glaubt an einen leeren Begriff.
    Ich muss keinen Beweis der Nichtexistenz von "verheirateten Junggesellen" führen, denn die Widersprüchlichkeit ist der beste Beweis, den man führen kann.

    Einen Beweis der Nichtexistenz Gottes zu fordern ist für Gläubige ein Schuss ins Knie. Denn dann dürfte man sich selbst nur als "Monotheist" bezeichnen dürfen, wenn man einen Beweis der Nichtexistenz aller anderen Götter geführt hat - inklusive aller Varianten der monotheistischen Definition für Gott.

    Selbstverständlich ist auch "Glauben als Erkenntnisform" abzulehnen. Glauben im religiösen Kontext bedeutet - sofern man nicht von wünschen, hoffen, vertrauen redet - nicht mehr als "vorgeben, etwas zu wissen, was man nicht weiß". Da die Gläubigen selbst Gott gerne so definieren, dass man ihn nicht beweisen kann, können sie auch nichts anderes tun, als vorzugeben, sie wüssten etwas, was sie nach eigenem Bekunden nicht wissen können. Aufgrund dieses Widerspruchs ist Glauben strikt abzulehnen, es handelt sich um einen sinnlosen Ersatz für Erkenntnis. Das alleine rechtfertigt einen agnostischen Atheismus bereits vollkommen.

    Ich habe noch einiges mehr an Gründen, aber der Text soll nicht so lang werden.

  • #3

    WissensWert (Sonntag, 30 April 2017 23:52)

    Effektiv sagt der Monotheist: Ich habe das Recht, von etwas sehr stark überzeugt zu sein, ohne dafür Beweise zu haben - aber Du, Atheist, darfst nicht einmal daran zweifeln, ohne starke Beweise für Deine Skepsis zu haben. Und damit Du solche nicht haben kannst, schiebe ich einen Gott vor, an den ich nicht glaube, und immunisiere mich so gegeAlleen Kritik. Keineswegs darfst Du so überzeugt sein wie ich, ohne Beweise.
    -
    Kurz: Das ist ein doppelter moralischer Standard - wie eigentlich jede religiöse Moral. Der Standpunkt der Monotheisten ist deswegen moralisch falsch, weil er eine Haltung kritisiert, die er selbst einnimmt, und die er mit intellektuell unredlichen Methoden verteidigt. Dies alles dient dazu, anderen Regeln aufzuzwingen, die man für sich selbst nicht akzeptiert. Damit versucht man, sich einen unfairen Vorteil in der Debatte zu verschaffen.
    -
    Das Problem löst sich aber sofort auf, wenn wir den religiösen Glauben definieren als: Eine starke Überzeugung von etwas zu haben, die sogar größer ist als beim Wissen, wobei man diese Überzeugung so formuliert, dass sie nicht widerlegbar ist. Oder kurz: Man gibt vor, etwas zu wissen, was man nicht weiß. Man behandelt etwas wie Wissen, obwohl man tatsächlich überhaupt nichts weiß. Das ist immer und überall intellektuell unredlich, und auch für Gott kann man keine Ausnahme machen.

  • #2

    WissensWert (Sonntag, 30 April 2017 23:50)

    Teil eines Postings zum Thema "Monotheismus":
    Der Kern des Monotheismus besagt: Die Natur muss jemand geschaffen haben - weil schließlich auch menschliche Dinge, die sich gravierend von den natürlichen Dingen unterscheiden, von Menschen geschaffen wurden. Und weil gleiche Dinge auf gleiche Ursachen schließen lassen.
    Wenn also ein Schiff tausende von Erbauern und Dutzende von Designern hat, eine Stadt noch mehr, deswegen muss das Universum tausende von Göttern haben ... ach nein ... äh, also, deswegen und daher und überhaupt, muss es EINEN Erschaffer von allem geben. Also kurz, weil das Künstliche vom Natürlichen sich gravierend unterscheidet, muss das Natürliche auch Künstlich sein, also einen Schöpfer haben.
    Aber was bedeutet "Natur"? Im engeren Sinne: Von Menschenhand unberührt. Im weiteren Sinne: Alles, was existiert, und Eigenschaften hat, und sich gemäß seiner Eigenschaften verhält.
    Wenn es den Gott des Monotheismus gibt, hat er Eigenschaften. Keine Eigenschaften zu haben definiert Nichtexistenz. Nur das Nichts hat kaum Eigenschaften (außer denen der Symmetrie).
    Da Gott Eigenschaften hat, und sich nach denen verhält, hat er eine "Natur". Diese hat er sich nicht selbst verliehen, denn dann müsste man fragen, woher er die Eigenschaft hat, sich Eigenschaften selbst zu verleihen, bis in alle Ewigkeit und weiter so.
    Was bedeutet: Gott ist entweder Teil der Natur (er hat Eigenschaften, die er sich nicht selbst verliehen hat, und nach denen er sich verhält), oder er existiert nicht. Da man aber genau das verneint - Gott gehört nicht zur Natur - hat man nun den Widerspruch, das Gott nicht zur Natur gehört, und gleichzeitig doch zur Natur. Und da dies nicht gleichzeitig geht, ist die einzige Lösung, dass es diesen Gott, den "Schöpfer der Natur" nicht nur nicht gibt, sondern nicht geben kann. "Schöpfer der Natur" ist selbstwidersprüchlich, daher maximal falsch.
    Anmerkung: Man rettet das nicht, wenn man Gott irgendeiner "Übernatur" zuzählt, weil dies nichts daran ändert, dass Gott sich seine Eigenschaften nicht selbst verliehen hat. Das ist das Primat der Natur: Was existiert, hat eine Natur (Eigenschaften). Wenn Gott existiert, hat er eine Natur. Wenn nicht, existiert er nicht.

  • #1

    WissensWert (Sonntag, 30 April 2017 23:49)


    Der Trick mit den zwei Göttern
    Die meisten Atheisten (und Gläubigen), die ich kenne, halten die Behauptung für wahr, dass man Gott weder widerlegen noch beweisen könne. Aber damit sind die meisten auf die Zwei-Götter-Lehre der Theisten hereingefallen.
    Im Monotheismus (!) ist stets von zwei gänzlich verschiedenen Göttern die Rede:
    1. Der rein transzendente Gott, der nicht in die Welt eingreift, und der tatsächlich weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Ich nenne diesen Gott den »Kopfgott«, weil er über die Vernunft verteidigt werden kann.
    2. Der immanente Gott, der permanent in diese Welt eingreift, und den man in den Religionen tatsächlich verehrt. Diesen bezeichne ich als »Bauchgott«, weil er das Gefühl anspricht.
    Man könnte auch zwischen rationalem und irrationalem Gott unterscheiden. Nicht in dem Sinne, dass der erstere rational bewiesen sei, sondern nur, dass er rational nicht zu widerlegen ist. Es gibt aber auch keine rationalen Gründe, an ihn zu glauben.
    Zum einen, weil »transzendent« ein völlig ungenügend definierter Begriff ist. Wenn man ihn genau betrachtet, dann stellt man fest, dass er ein Synonym für »(prinzipiell) unerkennbar, unerforschbar, nicht zu wissen, nicht beweisbar« ist, ähnlich wie »übernatürlich«. Es ist trivial, dass der »transzendente Gott« schon rein sprachlich der Gott ist, der nicht beweisbar ist. Er gehört zur Klasse der nicht beweisbaren Götter. Hinter diesem Gott verstecken sich die Gläubigen, sobald ein Atheist Kritik übt, weil sie diesen gegen jeden Einwand verteidigen können.
    Es gibt keine Religion, die einen solchen Gott verehrt.
    Ein Gott, der in die Welt eingreift, wäre durchaus beweisbar. Ein Gott, der das nicht tut, wäre es nicht. Aber der wäre irrelevant.


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