„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Hermetik

Die Hermetik ist eine religiöse Offenbarungs- und Geheimlehre, die in der Antike ihren Ursprung findet. Zurückzuführen ist der Name auf die sagenhafte Gestalt des Hermes Trismegistos, einer dem ägyptischen Hellenismus entstammenden, synkretischen Verschmelzung des griechischen Gottes Hermes und des ägyptischen Gottes Thot, der als Verfasser der hermetischen Schriften und als Urvater der Alchemie gilt.

Der abendländische Okkultismus und sogar das naturwissenschaftliche Weltbild bis ins 17. Jahrhundert stehen bzw. standen unter dem Einfluss der Hermetik. Sie steht synonym für die Alchemie und die Ganzheit an okkult-esoterischen Lehren.

Bis heute weiß man nicht, wie viele verlorengegangene, antike hermetische Schriften es gab. Manetho (ca. 3 Jahrhundert v. Chr.), ein Priester aus Sebennytos in Unterägypten, der wahrscheinlich unter den Pharaonen Ptolemaios I, Ptlomeaios II und Ptolemaios III lebte und Lamblichos von Chalkis (4. Jahrhundert) ein griechischer Philosoph, erwähnten bereits Hermes bzw. Thot als Verfasser von 35.625 Büchern. Clemens von Alexandria ein griechischer Theologe und Kirchenschriftsteller zählt in den Stromata 42 Bücher des Hermes auf, die für den ägyptischen Tempeldienst als unentbehrlich bezeichnet wurden. 

Im Wesentlichen sind folgende Texte überliefert:

  • Das Corpus Hermeticum, eine Sammlung von 18 hermetischen Traktaten
  • Der Asclepius-Dialog, der zusammen mit den Werken des Apuleius von Madauros überliefert, wurde, da man diesen für den Übersetzer der verlorengegangenen griechischen Vorlage hielt.
  • Die Tabula Smaragdina, die großen Einfluss auf die Alchemie hatte
  • Die „Exzerpte“ des Stobias, eines Gelehrten aus dem 5 Jahrhundert
  • Als Teil der Nag – Hammadi – Schriften überlieferte Texte
  • Von den Kirchenvätern Tertullian, Lactanitus, Clemens von Alexandria und Augustinus von Hippo überlieferte Zitate und Fragmente
  • Die „Hermetischen Definitionen“, die in einer armenischen Übersetzung des 6 Jahrhunderts überliefert sind. 

Außerdem befinden sich kleinere Fragmente hermetischer Schriften bei Papyrusfunden und werden in Archiven und Bibliotheken entdeckt. Die heute als „technische Hermetika“ bezeichneten Schriften enthalten medizinische, astrologische, alchemistische, aber auch chemische–metallurgische Themen. 

Hermes Trismegistos

Es wäre nicht verkehrt den Eingeweihten Hermes Trismegistos als den Urvater aller Philosophen zu bezeichnen. Sofern er auch tatsächlich gelebt hat, was bis heute strittig ist. Es könnte daher auch sein, dass die unter seinen Namen veröffentlichten Schriften einfach aus verschiedenen Weisheitslehren unter seinem Namen zusammen geführt wurden und es die Person Hermes Trismegistos nie gegeben hat. Zumindest den Überlieferungen nach war Trismegistos also „der dreimal Eingeweihte“: Priester, Philosoph und König.

Man sagt, er kannte die kosmischen Gesetze und wusste, was die Welt und das Universumim Innersten zusammen hält. Nichts existiert zufällig, sondern alles hat seinen bestimmten Platz und folgt den Gesetzen des Übergeordneten. Wer diese Gesetze kennt, kann auch verstehen, warum und wie etwas geschieht. Trismegistos Schriften hatten einen enormen Einfluss auf die theologischen, philosophischen Strömungen in Europa, Kleinasien und dem Vorderen Orient. Die Weitergabe war mit dem Ziel der Geheimhaltung verbunden und das Wort „hermetisch“ heißt bis heute: Geheim, abgeschlossen, nicht für jeden zugänglich. Man kennt es aus dem Satz: Es ist hermetisch abgeriegelt. Heute indes leben wir in einer Zeit, in der jeder die Möglichkeit hat, durch Recherche und Wille diese Prinzipien bzw. Gesetze kennenzulernen und im Einklang mit ihnen zu leben. Die Schriften wurden über Jahrtausende hinweg nur in einem kleinem Kreis aus Wissenden weitergegeben.

Die 7 hermetischen Gesetze

Ende des 19 Jahrhunderts erschien anonym eine Schrift mit dem Namen „Kybalion“, in der die sieben hermetischen Gesetze abstrakt zusammengefasst und erklärt wurden:

I.             Prinzip des Geistigen. Alles ist Geist, alles Vorhandene hat einen geistigen Ursprung. Das was wir denken, ist Wirklichkeit und schafft Wirklichkeit.

II.           Prinzip der Analogie, der Entsprechung bzw. der Resonanz. Wie oben, so unten. Wie innen, so außen.

III.          Prinzip der Schwingung bzw. des ewigen Wandels. Nichts ist in Ruhe und alles bewegt sich und alles ist in Schwingung. Alles ist in Bewegung, ob wir wollen oder nicht.

IV.          Prinzip der Polarität. Gleich und ungleich sind im Prinzip dasselbe und Gegensätze sind in ihrer Natur identisch. Wärme und Kälte sind Temperaturen, Liebe und Hass sind Gefühle, Dunkel und Hell sind Seinzustände des Lichts.

V.            Prinzip des Rhythmus. Alles steigt und fällt und wer einem gesunden Rhythmus folgt, kann das Auf und Ab in einen erträglichen und gesunden Kontext bringen.

VI.          Das Prinzip von Ursache und Wirkung. Zufall ist nur ein Name für ein unbekanntes Gesetz. Es gibt zwar viele Ebenen, jedoch entgeht nichts diesem Gesetz: Jede Ursache hat ihre Wirkung und jede Wirkung hat ihre Ursache.

VII.        Das Prinzip des Geschlechts. Alles hat männliche wie auch weibliche Prinzipien. 

Alle diese Gesetze bzw. Prinzipien stehen in einem Gesamtzusammenhang zueinander. Jedes Prinzip folgt auf das vorangegangene Gesetz und ist eine Spezifizierung dessen. Das erste Prinzip ist das entschiedenste: Alles habe einen geistigen Ursprung. Und was lebendig ist, besitze immaterielle Informationen, Energien, die in den Zellen eines jeden Körpers liegen. Allein kraft unserer Gedanken könnten wir diese Energien freisetzen, ein Gedanke, für den sich moderne Hermetiker oft auf die Placeboforschung berufen. Auch Heilung vollzieht sich demnach durch geistigen Fokus.

Warum aber heilt sich dann nicht jeder selbst? Hermetiker erklären sich das so: Heutzutage hat man nicht die Zeit oder Lust sich mit seinen wirkungs- und heilvollen Gedanken zu beschäftigen. Man lebt eher für andere und nicht für sich. Dennoch wäre es simpel, viele Probleme mithilfe unserer Gedanken bzw. mithilfe von Energien zu lösen. Kümmert man sich um sich selber und ist mit sich selber zufrieden, kann man diese Zufriedenheit mit anderen teilen.  

4. Abgrenzung von Dogmatismen

Vor allem moderne Hermetiker bestehen für gewöhnlich darauf, dass ihre Lehre auf die fortwährende Weiterentwicklung des Wissens bedacht ist. Damit wollen sie sich auch von dogmatischen Religionen und Ideologien absetzen. Niemand soll glauben, was ihm vorgeschrieben wird und es ist sogar eine wichtige Forderung innerhalb der Hermetik, sich mit Allem zu beschäftigen. Sein vermeintliches Wissen zu revidieren und Neues aufzubauen und vor allem an seiner Selbst zu Arbeiten. Frei von Dogmen zu sein und offen für alles. 

Ein Skeptiker würde zu Recht einwenden, dass auch die hermetischen Schriften und Prinzipien dogmatische Glaubenssätze darstellen und nach dieser freiheitlichen Auffassung abgelegt gehören. Wenn aber ihre grundlegenden Prämissen der Hermetik entzogen werden, was bleibt dann noch von ihr?

Verweise

  • Hermeneutik: Die Hermetik sollte auf keinen Fall mit der HermeNEUtik verwechselt werden. Die Hermeneutik ist eine Methode für die Interpretation und für das Verständnis von Texten.

Stand: 2015

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