„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Atheismus

Atheismus ist eine weltanschauliche Position, die Gott ausschließt.

1. Definitionsprobleme

Es ist schon irgendwie paradox: Jetzt, wo ich den Atheismus definiert habe, möchte ich ihnen zeigen, warum es mir so schwer fällt „den“ Atheismus adäquat und einheitlich zu definieren.

1.1.  A-theismus

Wie die Vorsilbe A- (nicht, ohne) verdeutlicht, handelt es sich beim Atheismus um die Negierungsform des Theismus, des Gottesglaubens. So betrachtet ist ein A-theist ein Nicht-gottesgläubiger.

1.2. Die Frage

Damit fangen die Probleme einer einheitlichen Definition auch schon an: Was negiert der Atheist am Gottesglauben? Glauben Atheisten (1) nicht an die Existenz Gottes oder glauben sie (2) an die Nicht-Existenz Gottes? Ersteres, nicht an die Existenz Gottes glauben, ist eine Aussage darüber was jemand nicht glaubt, nämlich dass Gott existieren würde. Die zweite Auffassung, an die Nicht-Existenz Gottes glauben, drückt aus, was jemand glaubt, dass Gott nämlich nicht existieren würde.

Ein Eskimo, der noch nie etwas von einem Gott gehört hat, glaubt nicht an die Existenz Gottes* und wäre somit Atheist im Sinne von (1). Er glaubt aber auch nicht an die Nicht-Existenz Gottes*, weswegen er nach der Definition (2) kein Atheist wäre. Die Frage, die sich uns stellt, ist ein Eskimo, der noch nie etwas von Gott gehört hat, ein Atheist?
*
Beide Seinsaussagen (1) und (2) über den Eskimo, ergeben sich übrigens daraus, dass er per definitonem noch nie etwas von der Idee eines Gottes gehört hat, also kann er gegenüber ihm auch keine aktiv positive oder negative Glaubenshaltung haben.

1.3. Starker und Schwacher Atheismus

Die Antwort ist wesentlich simpler als die verquirlte Frage: Beides. Der Eskimo kann als Atheist oder als Nicht-Atheist gesehen werden, je nachdem welche Definition man anlegt.

1.    Dem schwachen Atheismus fehlt der Glaube an Gott, d.h. er ist nicht von der Existenz Gottes überzeugt. Er behauptet aber nicht, dass es keinen Gott gäbe. Schwacher Atheismus ist meist etwas unbewusst, bewusst tendiert er zum Agnostizismus.

2.    Der starke Atheismus ist überzeugt, dass es keinen Gott gibt. Militant ausgetragen wird ein starker Atheismus zum Antitheismus.

Also ist unser Eskimo ein schwacher, aber kein starker Atheist. Auch bei uns im Westen ist der schwache Atheismus viel weiter vertreten, als der nur schwer vertretbare starke Atheismus.

1.4. Gottesleugnung

Sowohl schwache, als auch starke Atheisten werden oft der Gottesleugnung bezichtigt. Leugnen heißt u.a. so viel wie bestreiten, demnach wäre ein Gottesleugner jemand, der Gott (genauer: seine Existenzbestreitet. Das trifft auf die starken Atheisten, jedoch nicht für die Mehrheit der Atheisten zu. Außerdem wird der Begriff leugnen umgangssprachlich auch so benutzt, dass man etwas Wahres desavouiere. Hier suggeriert der Vorwurf Gottesleugner, etwas das überhaupt nicht sicher ist, nämlich die Existenz Gottes sei sicher.

Nebenbei bemerkt sind auch Theisten im Allgemeinen, und Muslime, Christen und Juden im Speziellen Gottesleugner. Sie sind, was andere Götter angeht, meist starke Atheisten, bestreiten die Existenz expliziter Götter im Gegensatz zu den meisten Atheisten also tatsächlich. Der klassische Atheist glaubt bei tausenden von Göttern nur an einen weniger als der Theist, respektive, der Atheismus der Theisten macht nur bei einem Gott eine Ausnahme.

"Gott ist eine faustgrobe Antwort,

eine Undelicatesse gegen uns Denker."

                             - Friedrich Nietzsche, 'Ecce homo'

Verweise

  • Beweislast: Theisten (vor allem Theologen!) fordern Atheisten gerne dazu auf, sie mögen doch beweisen, dass es Gott nicht gibt, um nicht an ihn glauben zu können. Dann aber müsste, der Logik nach, ein Moslem beweisen, warum es Zeus, Jahwe, Odin und all die tausenden, anderen Götter nicht geben kann. Denn er glaubt, wie gesagt, nur an einen einzigen Gott. Das aber geht nicht, unpräzise Einzelaussagen wie „Gott X existiert“ können nie vollständig falsifiziert werden. Der schwache Atheismus hat auch nie behauptet, dies zu können, die Beweislast liegt beim Gottespostulierer.
  • Feuerbach
  • Glaubenskritik: Den Theisten gibt es genauso wenig wie den Atheisten. Wie ein Theismus im Einzelnen ausfällt, hängt stark davon ab in welchem Raum und zu welcher Zeit man nachsieht. Teutates beispielsweise war bei den Kelten der wichtigste Göttervater und an Gott glauben hieß damals an Teutates glauben. Heutzutage gibt es die Kelten nicht mehr und so auch keinen Teutatis, und kein Tempel und kein Gebet mehr für ihn: Götter sterben regelmäßig mit ihren Erfindern aus.

  • Humanismus: Atheisten grob als diejenigen einzuteilen, welche nichtgläubig sind, macht diese Personengruppe ausgesprochen heterogen in ihrer Beurteilung aller nicht metaphysischen Themen. Trotzdem fallen die sogenannten „Neuen Atheisten“ nicht unter das Raster des nichtgläubigen Atheisten. Denkern wie Richard Dawkins, Daniel Dennett, Christopher Hitchens, Michael Schmidt-Salomon oder Sam Harris ging es nie darum, den abstrakten Gegensatz zum Theismus herauszuarbeiten. Vielmehr war und ist es die Intention dieser Menschen, eine neue humanistische und zugleich naturalistische Sicht auf die Welt zu entwickeln, die als bessere Alternative zum idealistisch-theistischen Weltbild angeboten werden kann. Diese neue Sicht der Dinge steht zwar zu Teilen in einem deutlichen Kontrast zu den Positionen traditioneller Religionen, teilweise gibt es aber auch große Übereinstimmungen.
  • Kriege: Kennt ihr die Rede von den militanten Atheisten? Ich habe mich umgesehen und keinen einzigen militanten Atheisten getroffen, wohl aber militante Gläubige. Muslime im Islamischen Staat, die gegen Andersgläubige in den Krieg ziehen; Christen in Nigeria, die den biblischen Auftrag „du sollst keine Hexe am Leben lassen“ wieder tödlich ernst nehmen; Juden in Israel, die palästinensische Strände bombardieren und dabei Feste feiern; Hindus, die in Indien und Buddhisten, die in Burma Muslime abschlachten. Aber kein einziger Atheist kam mir unter die Augen, der aus dieser atheistischen Überzeugung heraus zu Vertreibung und Mord aufgerufen hat. (Schwache) Atheisten zweifeln und es waren noch nie die Zweifler, die die Welt in den Abgrund gerissen haben. Immer schon waren es diejenigen, die keinen Zweifel an ihrer eigenen Überzeugung kannten, sei es die eines theistischen Osama bin Ladens oder die eines atheistischen Stalins.
  • Logik: Manchmal wandelt sich augenscheinlich die Position eines Theisten, noch während man mit ihm spricht. Erst bemüht der Theist logische Folgerungen (bspw. kausaler Gottesbeweis: in einer kausal durchsetzen Welt  braucht es eine Erstursache), um seinen theistischen Standpunkt zu bestärken, doch sobald etwas logisch gegen diesen spricht, „kann oder darf man nicht mit der Logik an Gott herantreten“. Ich fasse zusammen: Es werden logische Rückschlüsse von der Welt auf Gott gemacht, was natürlich nur geht, wenn so ein logischer Rückschluss überhaupt möglich ist, und nur ein paar Sätze später heißt es dann, dass die Logik gar nicht geeignet ist, um sich Gottesfragen zu nähern. Aber nicht nur die Logik, auch die Naturwissenschaften werden so herangezogen, wie es einen gerade passt. Debattieren ist aber kein Wunschkonzert, entweder man stellt sich den Fragen der Vernunft und der der Logik, oder man verendet in seinen Glaubenssätzen in vollkommener Beliebigkeit.
  • Nihilismus: Gottlos heißt für viele auch ohne Moral. Dieser Schluss ist aber völlig verkehrt. Eine Haltung, bei der die Moral abgelehnt wird, bezeichnet man als Nihilismus oder Amoralismus. Ein Atheist, kann, muss aber nicht Nihilist oder Amoralist sein. Wie auch die meisten Theisten folgen auch die meisten Atheisten einer Moral, mit dem Unterschied, dass sich ein Atheist zur Begründung seiner Moral nicht auf Gott beruft, sondern selber nachdenken kann.
  • Ockhams Rasiermesser: Pragmatische Ansätze lassen Entitäten nur gelten, wenn sie einen erklärungstechnischen Mehrwert bieten. Es gibt entsprechende Systeme, die ohne die Annahme von Gott auskommen, demgemäß wird die Existenz Gottes von diesen Ansätzen zwar nicht bestritten, der Glaube an seine Existenz aber als überflüssig abgelehnt.
  • Philosophie: Die Vorstellung oder der Glaube an Gott ist oft eng verbunden mit grundlegenden philosophischen Fragen. Was ist der Mensch? Wer erschuf das Universum? Welchen Sinn hat das Leben? Obwohl der Atheismus selbst nicht als unanimer Korpus von Glaubenssätzen oder als Doktrin zu verstehen ist, eröffnet er die Möglichkeit, neue Antworten auf diese Fragen jenseits des Übernatürlichen und Bedurftsgelenktem zu finden. 
  • Philosophiegeschichte: Nichtgläubige gibt es wohl, seitdem es Menschen gibt. Es ist aber unklar, wer als Erster gezielte Gedanken zum Atheismus entwickelt hat. In den “Veden“, den ältesten Schriften des Hinduismus (zwischen 1.500 und 500 v. Chr.) finden sich die ersten bekannten Bezüge auf eine solche Haltung - in Form einer überzeugten Zurückweisung jeglicher Gottesvorstellungen. Bei uns im Westen gilt der antike, griechische Poet und Philosoph Diagoras von Moles (ca. 500 v. Chr.) als erster Atheist, eine Überzeugung, für die er schließlich aus Athen fliehen musste. Der ebenfalls griechische Philosoph Sokrates (469 bis 399 v. Chr.) hat sich wohl auf ewig ein Platz in den Philosophieannalen gesichert, indem er gar lieber sein Leben hingab, als aufzuhören die Götter zu kritisieren. Der Ausdruck „Atheist“ wurde allerdings auch allgemein für all die frühen Christen verwendet, die nicht an das heidnische Pantheon des römischen Reiches glaubten. Verbreitete und öffentliche Bekundungen, es gäbe keine Götter, bleiben jedoch bis in die Zeit der französischen Revolution (ab 1789) selten. Heute ist Atheismus in vielen Nationen üblich, obwohl der Anteil der Atheisten an der Gesamtbevölkerung oft schwierig zu bestimmen ist.
  • Theodizee: Aufgrund des Leidens und der Ungerechtigkeit auf der Welt kann es keinen (allgütigen und allmächtigen) Gott geben. In einer weniger radikalen Form könnte man formulieren: Wenn Gott existiert, kann er aufgrund des Übels auf der Erde nicht allmächtig und allgütig zugleich sein.

Wer oder was ist Gott?

Aber halt. Wenn wir Atheismus als Nichtglaube oder Glaube an die Nichtexistenz Gottes definieren wollen, müssen wir erst wissen, wer oder was Gott ist. Genau das weiß man aber nicht so genau. Man frage zehn Gläubige desselben Gottes nach ihrem Gott und bekommt mindestens ebenso viele verschiedene Antworten. Beziehen wir die Glaubenden anderer Kulturen und Epochen mit ein, wird der Unterschied noch dramatischer. Für manche Menschen steckt das Göttliche auch nur in der Unergründlichkeit des Seins oder in der Liebe. Der Begriff „Gott“ wird inflationär benutzt, er ist semantisch unterbestimmt. Ohne eine genauere Definition des Begriffes „Gott“ ist das Wort selbst, seine Verwendung und auch seine Negierung (der A-theismus) relativ substanzlos. Wie es unzählige Theismen, so muss es in Folge auch grundverschiedene Atheismen geben.

Denn kaum ein Atheist würde den metaphorischen Gott bestreiten, wie er für Einstein existierte (Richard Dawkins bezeichnet sich selbst als im Einstein’schen Sinne religiös!). Auch mit dem Gott Meister Eckharts, Brunos, Spinozas, des Deismus oder dem der negativen Theologie wird kaum ein Atheist seine Probleme haben. Es ist nicht der unvorstellbare Gott (der Mystiker) und auch nicht der Gott des kleinsten gemeinsamen Nenners aller Theisten, den Atheisten gemeinhin bezweifeln und bemängeln. Wir Glaubenskritiker kritisieren den Glauben an vorgestellte Götter, denen Eigenschaften zugeschrieben werden, die mit unseren Erfahrungen (Theodizee) oder Erkenntnissen (Evolutionsbiologie) kollidieren, oder die ethisch-problematische Konsequenzen nach sich ziehen (Homophobie).

Bildquelle: Atheist Bus Campaign

Stand: 2015

Kommentare: 11
  • #11

    WissensWert (Donnerstag, 22 Februar 2018 14:38)

    Bevor ich (unabsichtlich) zum Atheisten wurde, konnte ich mir auch nicht erklären, warum es Menschen gibt, die nicht an Gott glauben.

    Das verführt dazu, wild zu spekulieren. Es verrät aber mehr über die Motivation der Gläubigen, als ihnen lieb sein kann. So denken manche, es sei Denkfaulheit. Tatsache aber ist: Ich habe über Gott und seine Existenz vermutlich weit mehr nachgedacht, als der Durchschnitt aller Gläubigen. Ich weiß auch mehr als die absolute Mehrheit über die Für und Wider. Aber wenn man selbst nicht sehr über Gott nachdenkt, dann unterstellt man seine Verhaltensweise gerne als Motiv für Andere. In der Psychologie nennt man das "Projektion".

    Es liegt auch nicht an der mangelnden Erfahrung. Eine "Gotteserfahrung" haben, laut Gallup-Poll, nur ca. 20% der amerikanischen Kirchgänger (Quelle: Leedom, Tim C. The Book Your Church Doesn’t Want You to Read. San Diego, CA; Brooklyn, N.Y.: Truth Seeker ; Distributed by A & B Distributing, 2003). Ich gehöre zu den Atheisten mit einer Gotteserfahrung der ersten Art - was mich sogar lange daran gehindert hat, den Glauben zu verlassen.

    Wobei man zwischen einer unmittelbaren Gotteserfahrung und einer eher interpretativ-indirekten unterscheiden muss (meine gehört zur ersteren).

    Es liegt auch nicht daran, dass wir Atheisten irgendeine Form der Erkenntnis absolut setzen. Ich begegne äußerst selten Atheisten, die vertreten, dass die Wissenschaft eines Tages alles wissen wird. Es liegt auch nicht daran, dass wir nicht die Grenzen der Erkenntnis erkennen, sogar ganz und gar im Gegenteil. Sondern: Durch Erkennen der Grenzen wird jede Form von Dogmatismus absurd. Dogmatismus heißt, zu meinen, man habe die Wahrheit bereits, bevor man sie erkennen konnte. Die Dogmatik dient vor allem einem, der Wunschbefriedigung. Wir denken nicht, dass die Welt so ist, wie wir sie uns vorstellen - und das wird fehlinterpretiert als mangelnde Erkenntnis der Grenzen der Erkenntnis. Man kann die Grenzen der Erkenntnis nur durch Spekulation überschreiten, aber dann hört sie auf, eine Erkenntnis zu sein - und in der Geschichte der Menschheit waren die meisten Spekulationen falsch.

    Wenn man Spekulation und Erkenntnis miteinander vermischt, oder das nicht sauber trennt, dann führt das zum Glauben und der Ansicht, man habe irgendwie die Begrenztheit der eigenen Erkenntnis "überwunden". Das ist eine Illusion.

    Noch schlimmer ist, dass der Begriff "Gott" sorgfältig als eine Art Stopp-Signal konstruiert wurde: Hier bitte nicht weiterdenken! Gott wird der Erkenntnis entzogen, beispielsweise, indem man behauptet, er "jenseits der Logik" oder "jenseits der Vernunft". Es fällt nicht auf, dass diese Ansicht purer Unsinn ist. "Jenseits des Meeres" ist nicht einfach noch mehr Meer, sondern etwas anderes - Land, beispielsweise - das sich vom Meer unterscheidet. "Jenseits der Logik" gibt es, per Definition, nur eines: Unlogik - oder purer, reiner Unsinn.

    Gott ist eine Denkschablone zur Abwehr weiteren Nachdenkens: Man meint, mit Logik auf Gott gekommen zu sein. Sobald man dort ist, verwirft man die Logik und somit jede Möglichkeit, weiter darüber nachzudenken. Man bemerkt aber nicht, dass man ohne Logik nicht dorthin gekommen wäre. Verwirft man die Logik, dann war der Weg dahin falsch. Abgesehen davon sind die Logikfehler meist auch nur so gut versteckt, dass die meisten Menschen nicht bemerken, wie sehr sie in die Irre geführt worden sind. Aber sie nehmen sich selbst die Möglichkeit, das durchdenken zu können.

    Aber alles das projiziert man auf "die Atheisten", ohne zu bemerken, dass man sich selbst meint.

  • #10

    WissensWert (Sonntag, 03 Dezember 2017 17:57)

    Abt. Diskurswerfen:

    Theist: Warum glaubst Du nicht an Gott?

    Atheist: Es gibt keine Beweise für die Existenz Gottes. Von daher glaube ich nicht an Gott.

    Theist: Dann habe ich eine andere Frage. Würdest Du an die Existenz eines Fabrikanten glauben, auch wenn Du ihn nie zu Gesicht bekommen hast?

    Atheist: Natürlich, dumme Frage.

    Theist: Warum?

    Atheist: Na, weil ich die großartigen Produkte dieses Fabrikanten sehe. Das kann wohl kaum zufällig von alleine produziert worden sein. Das nennt sich logisches Denken.

    -----------------------------
    An dieser Stelle bricht der Dialog unglücklicherweise ab. Ich habe mir erlaubt, ihn fortzusetzen:
    -----------------------------

    Theist: Und das Universum muss, da es ebenfalls ein großartiges Produkt ist, ebenfalls einen Fabrikanten haben!

    Atheist: Nein, das folgt logisch nicht. Wenn ich einen Ziegelstein sehe, dann weiß ich, dass dieser in einer Fabrik hergestellt wurde. Er hat alle Merkmale eines fabrizierten Gegenstands: Er ist rechteckig, wurde gebrannt, und es existieren tausende davon, die alle in einer Fabrik produziert wurden. Ein Stein sieht aus wie der andere!

    Doch ein Kieselstein hat kein einziges dieser Merkmale. Kein Kieselstein sieht aus wie der andere. Daher schließe ich, dass zwar der Ziegelstein, nicht jedoch der Kieselstein, produziert wurde. Der Kieselstein ist annähernd rund, er besteht aus ganz anderen Stoffen. Seine Form ist auch kein Zufall, er wurde durch hin- und herspülen glatt geschliffen. Der Kieselstein ist natürlich, der Ziegelstein ist künstlich, deswegen unterscheiden sich beide sehr deutlich.

    Aber die Annahme lautet: Weil beide im Prinzip völlig gleich sind, müssen sie auch eine ähnliche Ursache haben. Aber sie sind sich nicht ähnlich, sie sind sich so unähnlich, dass ein kleines Kind den Unterschied sehen kann.

    Da sie sich nicht ähnlich sind, kann man auch nicht darauf schließen, dass sie die gleiche Ursache haben. Im Gegenteil, man muss davon ausgehen, dass die Ursachen für die Existenz der beiden Steine gänzlich verschieden sind.

    Du hast Dich täuschen lassen: Man hat Dir erzählt, dass die Ähnlichkeit beider Steine auf eine ähnliche Ursache schließen lässt, und Dein Irrtum besteht darin, nicht bemerkt zu haben, dass sich beide nicht vergleichen lassen - Du unterscheidest willkürlich und gegen Deine Erfahrung, dass "natürlich" und "künstlich" dasselbe sind. Wenn Du sagst, dass Du aus Deiner Erfahrung auf eine ähnliche Fabrikation schließt, dann liegt das daran, dass Dich jemand zu diesem Irrtum verführt hat, als Du zu klein warst, darüber nachzudenken.

    Du musst Dich fragen, wer das getan hat, und wer aus welchen Motiven ein Interesse daran hat, Dich zu täuschen. Ich sehe es Dir nach, dass Du versucht hast, mich auch zu täuschen, wenn Du mir versprichst, über Deine Täuschung und ihre Ursachen nachzudenken.

    Dein Glaube an Gott gibt denen, die Dich getäuscht haben, Macht über Dich. Das ist die simple Wahrheit. Wenn Du aus diesem Grund an Gott glaubst, glaubst Du einer Täuschung, einer Illusion. Bedenke, dass dieselben, die Dich getäuscht haben, auch immer uns Atheisten blutig verfolgt haben, weil wir ihre Täuschung durchschaut haben, und ihnen keine Macht über uns gaben. Und sie bekämpfen uns mit irreführenden Behauptungen über uns, weil sie befürchten, dass wir Dich anstiften könnten, darüber nachzudenken, und Dich, wenn Du für Dich selbst denkst, zu einem Menschen machen könnten, über den sie keine Macht mehr haben.

    Ich erwarte nicht, dass Du deswegen Atheist wirst: Aber ich möchte, dass Du wenigstens Dir selbst gegenüber ehrlich bist, und einsiehst, dass Du mit diesem falschen Grund keinen ehrlichen Atheisten wirst überzeugen können. Man hat auch uns belogen, und wenn wir nicht wenigstens uns selbst gegenüber ehrlich sind, gibt es keine Ehrlichkeit mehr auf dieser Welt. Frage Dich: Ist das die Welt, in der Du leben möchtest?

  • #9

    WissensWert (Dienstag, 13 Juni 2017 11:20)

    Philosophen sind sich in kaum einem Punkt über irgendetwas einig.

    In aktuellen Umfragen unter Philosophie-Absolventen findet sich ein relativ großer Konsens hier:

    1. External world: Es existiert eine externe Welt unabhängig von unserem Bewusstsein (81,6 %)
    2. Scientific realism: Die Wissenschaften sind ein geeignetes Werkzeug, diese externe Realität zu beschreiben (75,1 %)
    3. Atheismus ist (gegenüber Theismus) das bessere Modell der Realität (72,8%)

    Philosophische Expertise geht in weit überdurchschnittlichem Ausmaß mit Atheismus einher.

    https://philpapers.org/rec/BOUWDP
    https://philpapers.org/surveys/results.pl

  • #8

    WissensWert (Freitag, 10 Februar 2017 20:02)

    Wofür werben Atheisten?
    Für das Beachten ehrlicher Erkenntnisprinzipien, für intellektuelle Redlichkeit, logische Kohärenz und für eine Realitäts-Analyse, die versucht, sich von den zufällig zugelosten Variablen der eigenen Sozialisierung zu emanzipieren.

    "Atheistische Missionierung" ist:
    "Missionierung für die Anwendung ehrlicher Erkenntnisprinzipien und die Methode des ergebnisoffenen Hinterfragens".

    Was sagt das über die Integrität eines Diskussionsteilnehmers aus, wenn er solche Versuche zu verunglimpfen versucht?

  • #7

    WissensWert (Donnerstag, 26 Januar 2017 21:50)

    Jede Kritik am (schwachen) Atheismus zerschellt instatan, wenn man folgendes realisiert: Atheismus heißt einfach nur nicht an etwas glauben, für das es keinerlei Beweise gibt.

  • #6

    WissensWert (Samstag, 14 Januar 2017 23:40)

    Der Koran liefert ein hervorragendes Argument für den Atheismus. Genauer gesagt, das ganze Buch ist eine Bestätigung der Tatsache, dass es keinen Gott gibt.


    Der Koran liefert nur EIN EINZIGES Argument für Gott, das mit kleinen Variationen wiederholt wird. Nämlich, dass man an der Existenz der Welt um uns herum erkennen kann, dass es einen Gott gibt. Dasselbe Argument finden wir auch in der Bibel als einziges.


    Man mag damit philosophisch ungebildete Menschen beeindrucken können. Atheisten wissen schon seit den Zeiten vor dem Koran, dass dieses Argument Unsinn ist - ein Betrug, mit dem man Leute übers Ohr hauen kann. Wenn man als Gläubiger mit diesem Argument gegen einen Atheisten debattiert, wird man sich bis auf die Knochen blamieren. Denn der Atheist wird den benutzten Trick sofort durchschauen.


    Im Grunde basieren fast alle Argumente für Gott auf demselben Schema: Wir wissen nicht, wie das Universum / die Ordnung / das Leben / die Komplexität / das Bewusstsein / die Moral entstanden ist, also muss es ein übernatürlicher Gott gewesen sein. Alternative Erklärungen werden weder gesucht, noch durchdacht. Die simpelste Ansicht dazu ist: Wir wissen es nicht. Punkt. Was mehr soll man dazu sagen? Schon seit der Antike hingegen wissen wir, dass ein Argument aus Unwissenheit überhaupt kein Argument ist, auch, wenn es für einige Leute so aussehen mag. Bessere Argumente tarnen den Schwindel nur ein kleines bisschen besser, so dass er einem nicht gleich ins Auge springt.


    Jeder beliebige Gott kann so "bewiesen" werden: Der Gott der Juden, Christen, Muslime, das fliegende Spaghettimonster - in tausenden von Variationen. Aber wenn es das fliegende Spaghettimonster gibt, kann der Gott der Muslime, Allah, nicht existieren. Wir haben also EINEN Beweis, der einander widersprechende Götter "beweist".


    Warum wählt der Koran ausgerechnet ein Argument für Gott aus, mit dem man sich bei Atheisten nur blamieren kann? Entweder, Gott will, dass Ihr Euch auf ein Buch beruft, mit dem Ihr schon beim ersten halbgebildeten Atheisten scheitert. Allah ist nicht auf Eurer Seite, sonst hätte er Euch wenigstens EIN EINZIGES besseres Argument gegeben, und nicht eines, das auf nichts weiter als Betrug beruht. Oder aber, den Menschen, die das geschrieben haben, ist auch nichts Besseres eingefallen, weil es nichts Besseres gibt. Und da sie wussten, dass der Betrug nicht umfassend funktioniert, haben sie diese mit wüsten Drohungen garniert, um die Leute zum Glauben zu erpressen. Wenn das Argument nicht funktioniert, dann kann man ihre Angst dazu benutzen, ihnen Sand in die Augen zu streuen. Daher wird auf fast jeder Seite des Koran mit der Hölle gedroht, von der man auch nichts weiß. Es gibt keinen Zwang im Glauben? Wohl aber Erpressung mit der Angst vor dem Tod und dem, was hinterher kommen könnte. Glaube an Allah, oder brenne in der Hölle.


    Die Wahrheit benötigt weder schlechte Argumente noch Drohungen. Wenn also ein ganzes Buch nur ein einziges schlechtes Argument liefert und ansonsten nur aus Drohungen besteht, dann deswegen, weil es die Unwahrheit dazu benutzt, um Macht über Menschen zu gewinnen. Jeder Psychopath, der gerne Macht über andere Menschen haben will, kann und wird sich genau dieser Taktiken bedienen, denn bei einem Teil der Menschen funktioniert dies immer. Und die, bei denen es nicht klappt? Die werden dämonisiert und für minderwertig erklärt. Jede Psychosekte, jeder bescheuerte Kult, benutzt genau diesen einen Trick. Auch der Islam ist ein One-Trick-Pony (so nennt man das Pferd im Zirkus, das nur einen einzigen Trick vorführen kann).


    Wenn es einen Gott gäbe, er könnte das sicher besser. Dass es keinen gibt ist eine bessere Erklärung für die Existenz des Korans als jede andere. Daher beweist der Koran, dass Gott nicht existiert. Natürlich finden wir deswegen auch haufenweise Fehler im Koran, wie etwa die Behauptung, dass die Sonne aus einem schmutzigen Tümpel aufsteigt und ähnlichen Nonsense. Weil man sich darauf verlassen kann, dass einfach gestrickte Menschen hunderte von Ausreden erfinden werden, um diesen Unsinn "wegzuerklären".


    Also: Warum verleitet Euch der Koran dazu, sich mit angeblichen Beweisen für Gott zu blamieren? Warum lässt Euch Gott derartig im Stich und liefert keinen echten Beweis?"

  • #5

    WissensWert (Dienstag, 25 Oktober 2016 23:25)

    https://www.youtube.com/watch?v=uA9xWp8oe-4 /// Michael Schmidt-Salomon - ein sehr würdiger Vertreter der atheistischen Bewegung in Deutschland. Er kann die Fragen wohl so gut wie sonst keiner beantworten. Das Argument, das ich an dieser Stelle benutze: Es gibt drei monotheistische Religionen, die an denselben Gott glauben. Gleichzeitig glauben sie nicht an die vielen anderen Götter und Weltanschauungen der anderen Religionen. Niemand kommt auf die Idee ihnen vorzuwerfen ihr "Nichtglaube" an die anderen Götter sei eine Religion für sich.

  • #4

    WissensWert (Samstag, 02 Juli 2016 21:40)

    Abt. Diskurswerfen:
    Atheismus ist eine Antwort auf eine Frage, nämlich: "Glaubst Du an Gott?"
    Theist: Ja.
    Atheist: Nein.
    Der Theist hat meist den festen, subjektiven, unerschütterlichen Glauben an Gott. Aber zwischen "Ich bin mir sicher, dass Gott existiert" und "Ich bin mir sicher, dass Gott nicht existiert" gibt es ein breites Kontinuum, dass durch die Stärke der Zweifel gekennzeichnet ist. Irgendwo gibt es einen Punkt, an dem die Zweifel überwiegen, ab da beginnt der Atheismus.
    Glauben im religiösen Kontext bedeutet: Vorgeben, etwas zu wissen, was man nicht weiß. Oder sich sicher in einer Sache zu sein, über die man nichts weiß. Normalerweise bedeutet "Wissen", sich einer Sache (relativ) sicher zu sein, weil ein Übergewicht an Beweisen, Argumenten, Gründen und/oder Evidenzen (augenscheinliche Klarheit) für eine Sache spricht und erheblich weniger dagegen.
    Glauben (in den Glaubensreligionen) gibt also eine Sicherheit vor, ohne dass diese auf Beweisen etc. beruht.
    Wir können die Definition oben einsetzen:
    "Gibst Du vor, an Gott zu glauben, von dem Du nichts weißt?
    Theist: Ja.
    Atheist: Nein.
    Agnostizismus beantwortet die Frage: "Weißt Du, ob Gott existiert?", also die Frage nach der Erkennbarkeit Gottes (um zu wissen, ob etwas existiert, muss man es erkennen können):
    Theist: Ja (starker Theismus).
    Theist: Nein (schwacher Theismus, übrigens die Mehrheitsmeinung).
    Atheist: Ja, er existiert nicht (starker Atheismus).
    Atheist: Nein (schwacher Atheismus).
    Agnostiker: Nein, das kann niemand wissen (starker Agnostizismus).
    Agnostiker: Nein, ich weiß es nicht (schwacher Agnostizismus).
    Die meisten Atheisten sind "agnostische Atheisten": Ich weiß nicht, ob Gott existiert, ich glaube aber (deswegen) nicht an ihn.
    Die meisten Theisten sind "agnostische Theisten": Man kann nicht wissen, ob Gott existiert oder nicht, deswegen glaube ich an ihn.
    Ich weiß nicht = Ich habe kein Übergewicht an Beweisen und/oder Argumenten für die Sache
    Wenn der Agnostiker auf die Frage "Glaubst Du an Gott?" antwortet mit "Ich bin Agnostiker", dann ähnelt er jemandem, der auf die Frage "Bist Du Vegetarier" antwortet mit "Ich esse gerne Salat". Damit ist die Frage nicht beantwortet, man ist so schlau wie vorher.
    Um den Atheismus zu widerlegen, müsste man beweisen, dass Gott existiert. Dazu reicht es übrigens nicht aus, zu zeigen, dass unser Universum von "Etwas" erschaffen wurde. Denn das könnte auch eine technologisch weit überlegene Rasse von Aliens gewesen sein. Damit wäre nicht geklärt, warum es etwas gibt und nicht nichts, sondern die Frage danach wäre nur verschoben (Warum gibt es diese Aliens?). Aber Theisten machen das exakt so, denn dann die lautet die Frage: Wieso gibt es Gott, und nicht nichts? Unser Universum könnte eine Schöpfung sein, ohne dass Gott existiert!
    Ebenso reicht es nicht aus, zu zeigen, dass die Evolution gelenkt wurde (oder es sie nicht gab). Denn die Ursache für diese Lenkung, der Planer, könnte wiederum alles Mögliche sein. Daraus folgt nicht zwingend, dass es einen Gott gibt. Es folgt auch nicht, dass der/die Schöpfer des Universums identisch sind mit denen, die die Evolution lenken. Von "Unser Universums wurde erschaffen" zu "Gott existiert" gibt es einen riesengroßen Graben, dessen Überwindung nicht einmal in Ansätzen versucht wurde.
    Man könnte also einen Theisten zugestehen: "Unser Universum wurde erschaffen und es gab keine Evolution (bzw. diese wurde bewusst planend gelenkt)", ohne dass dies auch nur ansatzweise impliziert, ob es Gott gibt oder nicht. Es wird nur so getan, als ob das die Frage nach der Existenz klären wurde - man gibt vor, etwas zu wissen, was niemand weiß oder gar wissen kann.

  • #3

    WissensWert (Freitag, 24 Juni 2016 02:28)

    Empfehlung:
    http://www.patheos.com/blogs/barrierbreaker/why-strong-arguments-from-atheists-tend-to-increase-a-christians-faith/?utm_medium=social&utm_campaign=postplanner&utm_source=facebook.com

  • #2

    Seelenlachen (Donnerstag, 22 Oktober 2015 00:38)

    @ "GottesmannMCM":
    http://www.sapereaudepls.de/2015/10/21/atheismus-osterhase/

  • #1

    GottesmannMCM (Mittwoch, 21 Oktober 2015 22:18)

    Alle Argumente sind obsolet, ohne Gott gäbe es kein Atheismus.


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