„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Kommentare: 8
  • #8

    WissensWert (Donnerstag, 05 April 2018 10:15)

    https://www.youtube.com/watch?v=HeUdLOqOcik

  • #7

    WissensWert (Dienstag, 03 April 2018 16:59)

    Kennt ihr das Phänomen, wenn

    - man sich ganz sicher ist, dass etwas Bestimmtes existiert, ohne dass man dafür Beweise hat?

    - wenn man auf dieser Grundannahme ganze Weltbilder, Wertgefüge und Lebensstile aufbaut, die zwar auf der Grundannahme basieren, aber längst ohne sie funktionieren? Wenn man nicht mehr fragt ob, sondern wie genau, so als wäre es eine Tatsache?

    - wenn die, die an die Grundannahme glauben, in einer sunk cost fallacy stecken und es sich daher nicht leisten können, die Meinung zu ändern?

    Manche nennen es Religion. Im evidenzbasierten Gewerbe hingegen heißt es pathologische Wissenschaft.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Pathologische_Wissenschaft

  • #6

    Michael (Mittwoch, 07 März 2018 19:38)

    Der Glaube ist das verderben der Menschheit.

  • #5

    WissensWert (Mittwoch, 27 Dezember 2017 12:03)

    Abt. Diskurswerfen:

    Es gibt verschiedene Theorien über die Entstehung und die Funktion von Religionen. Wenn wir mal nur die betrachten, die ein wissenschaftliches Fundament haben, dann handelt es sich bei Religion um ein Epiphänomen unserer geistigen Entwicklung.

    Hauptfehler ist es, nicht über den christlich-monotheistischen Tellerrand hinauszublicken. Religion ist eben nicht, wie es in Wörterbüchern steht, "die Verehrung eines höchsten Wesens". Der Monotheismus gehört zu den Spätzündern unter den Religionen, der in seinen Bereichen die Praxis und das Wissen um die ursprünglichen Religionen quasi flächendeckend ausgelöscht hat.

    Marx hat Recht, wenn er Religion allgemein als "Opium des Volkes" betrachtet - es handelt sich um eine Daseinsbewältigung, die aus dem Volk kommt. Lenin hat Recht, wenn er den Monotheismus betrachtet als "Religion für das Volk": Es handelt sich um eine Form der Religionsausübung, die dem Volk von den Herrschern aufgedrückt worden ist, um deren Dasein zu bewältigen - und zu regulieren.

    Die ursprünglichen Religionen - es gab sie immer in vielen verschiedenen Varianten - sind aus einer Okkupation der Rituale hervorgegangen. Es gibt keine Gesellschaft, keinen Stamm, keine Kultur, kein Individuum ohne Rituale. Die gemeinschaftliche Organisation von gemeinschaftsbildenden Ritualen ist der Ursprung aller Religion. Wenn man heute sagt, Religion gäbe es in jeder Gesellschaft - was falsch ist - übersieht man, dass man in erster Linie Rituale sieht, individuelle und gemeinsame, und das aus letzteren die Religion hervorging. Nicht jedes gemeinschaftliche Ritual ist religiös, aber jedes religiöse Ritual ist gemeinschaftlich.

    Jedes Ritual dient der Daseinsbewältigung. Mit der Zeit ist das als eine Art Herrschaftsinstrument entdeckt worden: Wenn man die Rituale steuern kann, kann man die Menschen steuern. Man muss sich nur einmal die pompösen Rituale des deutschen Faschismus ansehen, die samt und sonders der katholischen Kirche geklaut worden sind - man lernt von denen, die auf dem Gebiet erfolgreich sind. Dabei hat die katholische Kirche nichts erfunden, sondern alles übernommen. Und wurde damit zu einer mächtigen und reichen Institution.

    Man könnte sagen: Religion ist ein vom Volk entdecktes und entwickeltes Opium zur Daseinsbewältigung, wie alle Opiate funktioniert es als Nebeneffekt unserer Hirnfunktionen. Daraus wurde ein Gift zur Lähmung und Steuerung des Volkes, ebenso zur Bereicherung einiger weniger, dass dem Volk aufgezwungen wurde in der Form und Dosis, die den Herrschenden genehm war (die oft selbst Opfer waren).

    Es handelt sich weniger um ein Virus, weil kein Virus an Landes- oder Stammesgrenzen halt macht. Viren kennen keine kulturellen Grenzen. Monotheismus kennt eine deutliche Grenze: Sage mir, wer das Land Deiner Vorfahren erobert hat, und ich sage Dir, was für eine Religion Du hast. Nordafrika? Von Arabern erobert und unterworfen, also islamisch. Europa? Von römischen Christen erobert, also christlich, ebenso Süd- oder Nordamerika. China? Nicht erobert, also nicht christlich.

  • #4

    WissensWert (Donnerstag, 25 Mai 2017 04:33)

    Der vielleicht beliebteste Kunstgriff vieler moderner Theologen, um den religiösen Glauben gegen rationale Kritik zu immunisieren, lautet: >>Verzichte (zumindest in der Diskussion mit Skeptikern) auf Behauptungen bzw. Überzeugungen mit Wahrheitsanspruch. Konzentriere Dich nur auf die ethischen, sinnstiftenden, gemeinschaftbildenden, spirituellen oder Trost-gebenden Funktionen religiösen Glaubens. Lasse aber die Frage nach der Wahrheit gar nicht erst aufkommen.<<

    Zwei Zitate dazu (und verbunden damit der Hinweis auf zwei Bücher, die ich jedem Interessierten ans Herz legen möchte):

    Dagmar Fenner, Professorin für Philosophie in Basel, Mitherausgeberin von „Aufklärung und Kritik“, schreibt:
    „Gemäß dem Nonkognitivismus haben religiöse Aussagen keinen kognitiv fassbaren Gehalt und stellen keine Behauptungen mit einem Anspruch auf Wahrheit dar, sondern sind Sätze mit beispielsweise imperativisch-auffordernder, appellativ-evokativer, symbolisch-metaphorischer oder expressiver Funktion (vgl. Loichinger, 20f./Löffler, 123f.). Wegen der mit Behauptungen verbundenen Pflicht zur rationalen, diskursiv-argumentativen Begründung raten moderne liberale Theologen bisweilen dazu, das christliche Wirklichkeitsverständnis gar nicht zum Gegenstand von Behauptungen zu machen: Um nicht auf Nachfragen hin den Wahrheitsanspruch des Glaubens gegenüber jedermann einlösen zu müssen, soll man ihn nicht behaupten, sondern mit Ergriffenheit bezeugen (vgl. Fischer 2002, 25). Es kann aber kaum bestritten werden, dass religiöse Weltanschauungen einen kognitiven und sprachlich artikulierbaren Inhalt haben und neben metaphorischen und stark emotional beladenen Vorstellungen auch kognitive theoretische Annahmen z.B. über die transzendente Wirklichkeit oder den Weg zum Heil umfassen. Wenn Christen sich zur Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Geist bekennen, ist eine nonkognitivistische Umdeutung als bildhafter Ausdruck eines Lebensgefühls kaum sinnvoll. Vielmehr verbinden die Gläubigen mit solchen Glaubensaussagen durchaus den Anspruch, dass etwas der Fall ist und dass das Behauptete wahr ist (vgl. Löffler, 121).“
    - Dagmar Fenner: Religionsethik. Ein Grundriss, Stuttgart 2016, S. 23 f.
    ------------------------------------------
    Ansgar Beckermann, einer der führenden Vertreter der Analytischen Philosophie im deutschsprachigen Raum, schreibt:
    „Religiöser Glaube, so wird oft gesagt, habe mit Wissen oder mit Glauben im Sinne von Für-wahr-Halten nichts zu tun. (…) Bei religiösem Glauben gehe es gar nicht um Überzeugungen, sondern um eine besondere Einstellung zur Welt, um die Frage, wie wir unser Leben führen sollen, wie wir uns zu uns selbst und unseren Mitmenschen verhalten sollen. Mir scheint, dass sich an vielen Beispielen zeigen lässt, dass dies zumindest nicht die ganze Wahrheit ist. Überzeugungen bilden den Kern vieler Religionen; und wenn sich zeigen sollte, dass diese Überzeugungen falsch sind, würde allen auf diesen Überzeugungen beruhenden Einstellungen und Praxen die Basis entzogen.
    (…)
    Es ist daher sachlich unangemessen, wenn man versucht, Religion grundsätzlich gegen kognitive Kritik zu immunisieren, indem man behauptet, ‚[r]eligiöse Sätze träten zwar im Gewande indikativistischer Behauptungen […] auf, […] in Wahrheit [seien sie aber] Ausdrücke eines Lebensgefühls bzw. einer Grundeinstellung zur Wirklichkeit, oder Ausdrücke einer Hoffnung, Handlungsanweisungen, moralische Gebote, Bekenntnisse zu einem bestimmten Lebensstil, oder ähnliches‘ (Löffler 2006, 123). Wer glaubt, dass die Geister der Verstorbenen in die Welt der Lebenden eingreifen oder dass die Welt von einem allmächtigen Gott geschaffen wurde, der am Ende alles zum Guten führen wird, der drückt damit auf jeden Fall nicht nur ein Lebensgefühl aus; er hat vielmehr ganz bestimmte Überzeugungen und muss sich deshalb fragen lassen, was für diese Überzeugungen spricht, ob er in diesen Überzeugungen gerechtfertigt ist.“
    - Ansgar Beckermann: Glaube, Berlin/Boston 2013, S.9 f.

  • #3

    WissensWert (Sonntag, 19 Februar 2017 17:01)

    Ja, ich muss gestehen, ein wenig zerknirscht, es gibt eine Liste von Dingen am Glauben, die ich ganz toll finde. Nicht alles daran ist schlecht. Hier meine Top Ten der Dinge am Glauben, die ich große Klasse finde:
    1. Man kann den größten Unsinn reden, und niemand kann einem widersprechen. Man muss keine Ahnung haben, über was man redet, keiner kann mit der gleichen Überzeugung sagen: »Aber das stimmt doch nicht!«.
    2. Im Glauben sind alle gleich – ob abgebrochener Volksschüler oder Hochschulprofessor, alle glauben dasselbe, zumindest größtenteils.
    3. Man kann gemeinsam mit anderen jede Woche schöne Lieder singen, selbst wenn man eine Stimme wie ein altes, rostiges Taxi hat und keinen Ton trifft.
    4. Jede Woche gibt es eine leckere Oblate. Ein Atheist hat mir noch nie einen Keks angeboten, die können einem nur auf den Keks gehen.
    5. Man muss nicht viel lernen und nichts wissen, nur ein paar schöne Geschichten.
    6. Für die kleine Mühe, ein bisschen zu glauben, gibt es das ewige Leben. Was haben einem Atheisten vergleichsweise schon zu bieten? Nur ihre blöde Rationalität, die sie sich sonst wo hinstecken können.
    7. Man kann sich besser fühlen als andere, moralisch überlegen, ohne dass man dafür einen Grund benötigt.
    8. Man gehört einer überlegenen Truppe an und wird dadurch zu einem Gewinner, auch, wenn man ansonsten die größte Knalltüte ist, die auf Erden wandelt. Stolz auf etwas zu sein ohne eigene Leistung – das gibt es sonst nur noch beim Nationalismus, und wir wissen, wohin das führt.
    9. Man gehört, wenn man an Gott glaubt, zur Mehrheit. Das ist ein gutes Gefühl!
    10. Überhaupt fühlt sich Glauben einfach besser an. Rationalität ist schwierig und kompliziert, und man sollte sich das Leben nicht schwerer machen, als es ohnehin schon ist.

  • #2

    WissensWertI 0jmiooollolollo8o (Samstag, 04 Februar 2017 05:05)

    Hier eine unvollständige Liste von Dingen, die vor 500 Jahren unsichtbar waren, deren Existenz aber wissenschaftlich nachgewiesen wurden:

    1. Elektromagnetische Strahlung jenseits des sichtbaren Lichts.
    2. Bakterien und Viren.
    3. Atome, Moleküle und deren Bestandteile (Elektronen, Positronen, Neutronen bis hin zu Neutrinos und das Higgs-Teilchen u. v. a. m.).
    4. Gravitationswellen.
    5. Tiefseefische.
    6. Ultraschall und Infraschall.
    7. Starke und schwache Wechselwirkungskraft.
    8. Zellen und ihre Bestandteile wie z. B. DNA.
    9. Galaxien, Pulsare, Quasare, schwarze Löcher u. v. a. m.
    10. Planeten, die um andere Sonnen kreisen.

    Hier die vollständige Liste von Dingen, die vor 500 Jahren unsichtbar waren, deren Existenz aber von Religionen behauptet und nachgewiesen wurden:

    1.
    2.
    3.
    4.
    5.
    6.
    7.
    8.
    9.
    ...

  • #1

    WissensWert (Mittwoch, 11 Januar 2017 02:28)

    Was sind die übelsten Erfindungen der Religion? Wem fällt noch was ein?
    Meine Hitliste (ohne spezielle Reihenfolge):
    - Blutopfer und Genitalverstümmelung
    - Gotteslästerung und Häresie
    - auserwähltes Volk
    - Selbsthass und Selbstgeißelung
    - Hölle und Karma
    - Ewiges Leben und Paradies / Himmel
    - Patrilineare Aneignung der weiblichen Fruchtbarkeit
    - Dogma und wortwörtliche Auslegung von Mythen
    - Heilige Kriege


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