„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Kommentare: 4
  • #4

    WissensWert (Donnerstag, 25 Mai 2017 04:33)

    Der vielleicht beliebteste Kunstgriff vieler moderner Theologen, um den religiösen Glauben gegen rationale Kritik zu immunisieren, lautet: >>Verzichte (zumindest in der Diskussion mit Skeptikern) auf Behauptungen bzw. Überzeugungen mit Wahrheitsanspruch. Konzentriere Dich nur auf die ethischen, sinnstiftenden, gemeinschaftbildenden, spirituellen oder Trost-gebenden Funktionen religiösen Glaubens. Lasse aber die Frage nach der Wahrheit gar nicht erst aufkommen.<<

    Zwei Zitate dazu (und verbunden damit der Hinweis auf zwei Bücher, die ich jedem Interessierten ans Herz legen möchte):

    Dagmar Fenner, Professorin für Philosophie in Basel, Mitherausgeberin von „Aufklärung und Kritik“, schreibt:
    „Gemäß dem Nonkognitivismus haben religiöse Aussagen keinen kognitiv fassbaren Gehalt und stellen keine Behauptungen mit einem Anspruch auf Wahrheit dar, sondern sind Sätze mit beispielsweise imperativisch-auffordernder, appellativ-evokativer, symbolisch-metaphorischer oder expressiver Funktion (vgl. Loichinger, 20f./Löffler, 123f.). Wegen der mit Behauptungen verbundenen Pflicht zur rationalen, diskursiv-argumentativen Begründung raten moderne liberale Theologen bisweilen dazu, das christliche Wirklichkeitsverständnis gar nicht zum Gegenstand von Behauptungen zu machen: Um nicht auf Nachfragen hin den Wahrheitsanspruch des Glaubens gegenüber jedermann einlösen zu müssen, soll man ihn nicht behaupten, sondern mit Ergriffenheit bezeugen (vgl. Fischer 2002, 25). Es kann aber kaum bestritten werden, dass religiöse Weltanschauungen einen kognitiven und sprachlich artikulierbaren Inhalt haben und neben metaphorischen und stark emotional beladenen Vorstellungen auch kognitive theoretische Annahmen z.B. über die transzendente Wirklichkeit oder den Weg zum Heil umfassen. Wenn Christen sich zur Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Geist bekennen, ist eine nonkognitivistische Umdeutung als bildhafter Ausdruck eines Lebensgefühls kaum sinnvoll. Vielmehr verbinden die Gläubigen mit solchen Glaubensaussagen durchaus den Anspruch, dass etwas der Fall ist und dass das Behauptete wahr ist (vgl. Löffler, 121).“
    - Dagmar Fenner: Religionsethik. Ein Grundriss, Stuttgart 2016, S. 23 f.
    ------------------------------------------
    Ansgar Beckermann, einer der führenden Vertreter der Analytischen Philosophie im deutschsprachigen Raum, schreibt:
    „Religiöser Glaube, so wird oft gesagt, habe mit Wissen oder mit Glauben im Sinne von Für-wahr-Halten nichts zu tun. (…) Bei religiösem Glauben gehe es gar nicht um Überzeugungen, sondern um eine besondere Einstellung zur Welt, um die Frage, wie wir unser Leben führen sollen, wie wir uns zu uns selbst und unseren Mitmenschen verhalten sollen. Mir scheint, dass sich an vielen Beispielen zeigen lässt, dass dies zumindest nicht die ganze Wahrheit ist. Überzeugungen bilden den Kern vieler Religionen; und wenn sich zeigen sollte, dass diese Überzeugungen falsch sind, würde allen auf diesen Überzeugungen beruhenden Einstellungen und Praxen die Basis entzogen.
    (…)
    Es ist daher sachlich unangemessen, wenn man versucht, Religion grundsätzlich gegen kognitive Kritik zu immunisieren, indem man behauptet, ‚[r]eligiöse Sätze träten zwar im Gewande indikativistischer Behauptungen […] auf, […] in Wahrheit [seien sie aber] Ausdrücke eines Lebensgefühls bzw. einer Grundeinstellung zur Wirklichkeit, oder Ausdrücke einer Hoffnung, Handlungsanweisungen, moralische Gebote, Bekenntnisse zu einem bestimmten Lebensstil, oder ähnliches‘ (Löffler 2006, 123). Wer glaubt, dass die Geister der Verstorbenen in die Welt der Lebenden eingreifen oder dass die Welt von einem allmächtigen Gott geschaffen wurde, der am Ende alles zum Guten führen wird, der drückt damit auf jeden Fall nicht nur ein Lebensgefühl aus; er hat vielmehr ganz bestimmte Überzeugungen und muss sich deshalb fragen lassen, was für diese Überzeugungen spricht, ob er in diesen Überzeugungen gerechtfertigt ist.“
    - Ansgar Beckermann: Glaube, Berlin/Boston 2013, S.9 f.

  • #3

    WissensWert (Sonntag, 19 Februar 2017 17:01)

    Ja, ich muss gestehen, ein wenig zerknirscht, es gibt eine Liste von Dingen am Glauben, die ich ganz toll finde. Nicht alles daran ist schlecht. Hier meine Top Ten der Dinge am Glauben, die ich große Klasse finde:
    1. Man kann den größten Unsinn reden, und niemand kann einem widersprechen. Man muss keine Ahnung haben, über was man redet, keiner kann mit der gleichen Überzeugung sagen: »Aber das stimmt doch nicht!«.
    2. Im Glauben sind alle gleich – ob abgebrochener Volksschüler oder Hochschulprofessor, alle glauben dasselbe, zumindest größtenteils.
    3. Man kann gemeinsam mit anderen jede Woche schöne Lieder singen, selbst wenn man eine Stimme wie ein altes, rostiges Taxi hat und keinen Ton trifft.
    4. Jede Woche gibt es eine leckere Oblate. Ein Atheist hat mir noch nie einen Keks angeboten, die können einem nur auf den Keks gehen.
    5. Man muss nicht viel lernen und nichts wissen, nur ein paar schöne Geschichten.
    6. Für die kleine Mühe, ein bisschen zu glauben, gibt es das ewige Leben. Was haben einem Atheisten vergleichsweise schon zu bieten? Nur ihre blöde Rationalität, die sie sich sonst wo hinstecken können.
    7. Man kann sich besser fühlen als andere, moralisch überlegen, ohne dass man dafür einen Grund benötigt.
    8. Man gehört einer überlegenen Truppe an und wird dadurch zu einem Gewinner, auch, wenn man ansonsten die größte Knalltüte ist, die auf Erden wandelt. Stolz auf etwas zu sein ohne eigene Leistung – das gibt es sonst nur noch beim Nationalismus, und wir wissen, wohin das führt.
    9. Man gehört, wenn man an Gott glaubt, zur Mehrheit. Das ist ein gutes Gefühl!
    10. Überhaupt fühlt sich Glauben einfach besser an. Rationalität ist schwierig und kompliziert, und man sollte sich das Leben nicht schwerer machen, als es ohnehin schon ist.

  • #2

    WissensWertI 0jmiooollolollo8o (Samstag, 04 Februar 2017 05:05)

    Hier eine unvollständige Liste von Dingen, die vor 500 Jahren unsichtbar waren, deren Existenz aber wissenschaftlich nachgewiesen wurden:

    1. Elektromagnetische Strahlung jenseits des sichtbaren Lichts.
    2. Bakterien und Viren.
    3. Atome, Moleküle und deren Bestandteile (Elektronen, Positronen, Neutronen bis hin zu Neutrinos und das Higgs-Teilchen u. v. a. m.).
    4. Gravitationswellen.
    5. Tiefseefische.
    6. Ultraschall und Infraschall.
    7. Starke und schwache Wechselwirkungskraft.
    8. Zellen und ihre Bestandteile wie z. B. DNA.
    9. Galaxien, Pulsare, Quasare, schwarze Löcher u. v. a. m.
    10. Planeten, die um andere Sonnen kreisen.

    Hier die vollständige Liste von Dingen, die vor 500 Jahren unsichtbar waren, deren Existenz aber von Religionen behauptet und nachgewiesen wurden:

    1.
    2.
    3.
    4.
    5.
    6.
    7.
    8.
    9.
    ...

  • #1

    WissensWert (Mittwoch, 11 Januar 2017 02:28)

    Was sind die übelsten Erfindungen der Religion? Wem fällt noch was ein?
    Meine Hitliste (ohne spezielle Reihenfolge):
    - Blutopfer und Genitalverstümmelung
    - Gotteslästerung und Häresie
    - auserwähltes Volk
    - Selbsthass und Selbstgeißelung
    - Hölle und Karma
    - Ewiges Leben und Paradies / Himmel
    - Patrilineare Aneignung der weiblichen Fruchtbarkeit
    - Dogma und wortwörtliche Auslegung von Mythen
    - Heilige Kriege


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