„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Kommentare: 1
  • #1

    WissensWert (Samstag, 04 Februar 2017 21:44)

    Dank Sprache können Menschen (aber auch z.B. bestimmte Krähenvögel) nicht nur durch eigene Erfahrungen und Beobachtung der Erfahrung anderer lernen, sondern auch von nur erzählten Erfahrungen anderer, ihrer Eltern, ihrer Mitmenschen. Dank Schrift sogar den aufgezeichneten Erfahrungen Unbekannter, ja selbst seit Generationen Verstorbener.

    Aufzeichnungen können auch statt realen Ereignissen fiktive Geschichten darstellen, oft überzeichnet, um dem Leser etwas Moralisches zu verdeutlichen.

    Nun können nicht nur eigene Wahrnehmungen kognitiv verzerrt sein - durch Phänomene wie optische Täuschungen, aber auch vorschnelle Deutungen unseres Hirns (Vorurteil, schnelles "Denken" [Kahneman]) - sondern auch fiktive Ereignisse eine verzerrte Moral darstellen, oder gar verzerrt interpretiert verstanden werden.

    So können fiktive Werke - wie z.B. propagandistische Hetzliteratur, aber auch falsch verstandene Märchen wie die Bibel - zu falschen Feindbildern führen und damit unglaublich viel unnötiges Leid auslösen.


Impressum | Datenschutz | Sitemap
Es darf kein Inhalt dieser Seite weiterverbreitet werden, sofern nicht mein Einverständnis dafür vorliegt.