„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Grundlos

Ein religiöses Gedankengebäude liefert einem Antworten auf verschiedenste Fragen. Genauso wie philosophische, naturwissenschaftliche, esoterische oder andere religiöse Gedankengebäude Antworten parat halten. Ob die jeweiligen Antworten richtig oder die Fragestellungen überhaupt sinnvoll sind, ist eine andere Frage. Jedenfalls vertreten Gläubige ihr jeweiliges Gedankengebäude meist sehr überzeugt und entschlossen. Doch woher rührt diese Entschlossenheit? Um diese Frage zu klären müssen wir uns zunächst einmal fragen woher der Glaube an sich kommt. Frägt man religiöse Menschen also wie man zu Gott findet erhält man für gewöhnlich 2 Typen von Antworten. Der erste Typus ist die persönliche Erfahrung. Diesem habe ich mich hier gewidmet. Der zweite ist das studieren einer allgemeinen Lehre und festhalten an deren Normen und Sitten. Hier möchte ich einsetzen.

# Das am wenigsten begründete wird am meisten geglaubt.

Der objektive Zugang zu den drei abrahamistisch-monotheistischen Weltreligionen stellt jeweils eine heilige Schrift dar. Sonst nichts. Wenn es also einen rational nachvollziehbaren Grund für die Entschlossenheit von Juden, Christen und Muslimen als solche geben sollte, müsste dieser im Wahrheitsgehalt der Schrift liegen. Und die Gläubigen sind fest davon überzeugt, dass ihre Schrift die Wahrheit erzählt. Frägt man nach warum sie sich dessen so sicher sind bekommt man zu Antwort, weil Gott persönlich, direkt oder indirekt, Urheber der Schrift sei. Und jetzt wird es interessant. Diese Argumentation mündet nämlich in einen infiniten Regress. Frägt man nämlich woher man wisse, dass es diesen Gott gebe und dies seine Schrift für uns sei heißt es, weil es in der Schrift steht. Und damit hat sich der Gläubige Diskutant in einen Zirkelschluss manövriert. Die jeweilige heilige Schrift soll beweisen, dass der von ihr beschriebene Gott existiert. Glaubwürdig soll der Inhalt der Schrift sein, weil sie das Wort Gottes enthalten soll. Weil Gott sagt – weil Schrift sagt – weil Gott sagt - weil Schrift sagt usw. Die Bringschuld bezüglich des Beweises einer Prämisse wird hin-und hergeschoben, aber nie erbracht. 

1.     Die „Heilige Schrift“ ist unfehlbar.

2.     Sie ist unfehlbar, weil sie das Wort Gottes, ist.

3.     Sie ist das Wort Gottes, weil dies uns die Bibel erzählt.

4.     Deshalb können wir der Schrift vertrauen.

1.     Weil die „Heilige Schrift“ unfehlbar ist.

2.     Denn sie ist das Wort Gottes.

3.    To be continued..

Wenn ich dem aber gleichtue, ein Buch über das Wirken Zeus heranziehe und dieses als Beweis für die Existenz Zeus heranziehe weil Zeus darin sagt er existiere etc. hält man mich bestenfalls für durchgeknallt. Dabei ist es dieselbe Argumentation wie die des Gläubigen vorher.

# Für viele Gläubige ist die Glaubwürdigkeit der Bibel

im wahrsten Sinne des Wortes schlichtweg gottgegeben.

warum?

Man frägt sich nun, warum die Gläubigen aufgrund bzw. trotz dieser grundlosen Argumentation so entschlossen sein können. Ein Grund hierfür liegt sicher im Schein. Aufgrund der Inszenierung und all den anderen Mitanhängern der eigenen Religion kann man gefühlsmäßig kaum glauben, dass dieser beschriebene Gott nur ein neuer Zeus sein könnte. Aber das ist auch kein Argument. Im antiken Griechenland haben auch viele Menschen an Zeus geglaubt und einen mystifizierten Kult um ihn erschaffen. Heutzutage sieht das niemand mehr als Grund für die Existenz Zeus an. Die Zugehörigkeit zu einer Religion ist wenig rational begründet sondern basiert mehr auf Zufall und äußeren Umständen. In dieser Hinsicht, aber auch in der aus der Zugehörigkeit resultierenden Solidarität innerhalb der Gemeinschaft und damit leider eng verbundenen Ablehnung gegenüber anderen Gemeinschaften und sich daraus ergebenden Konfliktsituationen  ist die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft vergleichbar mit der Zugehörigkeit zu einem Fußballklub.

# Fußball – das neue Opium für´s Volk ;-)

Wenn nun also der Anhänger einer Religion behauptet er sei im Besitz der unumstößlich, einzigen Wahrheit frägt komischerweise weder er sich  selbst noch andere ihn die sich doch aufdrängende Frage: „Warum? Falls sie daraufhin eine Antwort erhalten, wie in etwa „Weil der einzig wahre Gott, Allah, uns durch Mohammed die Wahrheit offenbart hat“, dann bleibe dabei: „Warum? Warum sollte der Koran die Wahrheit enthalten - und nicht etwa die Bibel?“ Höchstwahrscheinlich wirst du keine triftig begründete Antwort erhalten. Keine Antwort, die so überzeugend wäre, als dass sie für einen Außenstehenden so manche Überzeugung erklären würde. Und damit sind wir beim eigentlichen Wesen fast aller Religionen angelangt. Wo das Fragen aufhört, da fängt der Dogmatismus an.

Dogmatismus

Dogmatismus bezeichnet die unkritische Haltung gegenüber einer Ideologie o.ä. Er ist das Gegenteil vom Skeptizismus. Meiner Ansicht nach ist Dogmatismus ein meist psychisches Phänomen. Ein Subjekt meint im Besitz einer unumstößlichen Wahrheit zu sein. Aus diesem Dogma heraus resultiert dann dogmatisches Verhalten.

„Glaube denen, die die Wahrheit suchen und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“                   André Gide

Verweise

 

Kommentare: 2
  • #2

    WissensWert (Samstag, 06 August 2016 22:59)

    Ich meine, hier liegt ein Grundproblem in der Weltanschauung der Gläubigen: die Möglichkeit des eigenen Irrtums wird überhaupt nicht in Betracht gezogen.

    Religiöser Glaube erzieht zur Verabsolutierung der eigenen irrationalen Privatmeinung.

  • #1

    Seelenlachen (Donnerstag, 17 März 2016 00:41)

    https://manglaubtesnicht.wordpress.com/2013/03/30/schriftbeweise-oder-in-der-bibel-steht-dass-die-bibel-recht-hat-daher-hat-die-bibel-recht/


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