„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Glaube

Glaube ist das Annehmen von Überzeugungen aus irrationalen Gründen - ohne Evidenz – oder sogar gegen vorliegende Evidenz.

Glaube ist das logische Gegenstück von Wissen: Menschliches Wissen ist rational gerechtfertigte Vermutung. Wir nennen das Wissen, für das die rationale Rechtfertigung besser aussieht als für die konkurrierenden alternativen Möglichkeiten. Die Stärke des Wissens wächst mit der Güte der rationalen Rechtfertigung in Relation zu den Alternativen. Das logische, evidenzlose Gegenteil ist "Glauben ohne rationale Rechtfertigung".

Blind zu glaubende Tatsachenbehauptungen, also das Gegenteil von Wissen(sic!), bilden den Kern der abrahamitischen Religionen.[1] Das christliche Glaubensbekenntnis ist nicht etwa eine ethische Selbstverpflichtung zu Vergebung und Nächstenliebe, sondern eine Liste von etwa zwanzig unplausiblen Behauptungen über die Welt, die beweislos geglaubt werden sollen. Wer nicht beweislos an die Auferstehung Jesus glaubt, kommt in die Hölle. Im Islam wird dieser Dogmenkatalog unter dem Begriff „Aqida“ zusammengefasst. Darunter finden sich die „sechs Glaubensgrundsätze“ des Islams. Das islamische Glaubensbekenntnis, die Schahada, besteht aus drei Behauptungen über die Realität (Allah existiert, daneben keine weiteren Götter, Mohammed ist der Gesandte). Diese Dogmen sollen unkritisch und beweislos als wahr akzeptiert werden. Das Auftauchen gerechtfertigter Zweifel an diesen Behauptungen gilt als Charakterschwäche oder Loyalitätsmangel.[2]

Damit propagieren diese Religionen das Nicht-Nachdenken als eine Tugend. Glaube ist aber keine Tugend, ganz im Gegenteil:

Religiöser Glaube ist Selbstbetrug. Er beinhaltet eine starke Überzeugung, mindestens so stark wie bei echtem Wissen, bei fehlender rationaler Rechtfertigung. Man gibt vor, etwas zu wissen (hat eine entsprechende starke Überzeugung wie beim Wissen), was man nicht weiß. Glauben bedeutet sonach einfach, sich Dinge als wahr einzureden, deren Wahrheitswert man nicht kennen kann[3]. Dies – der Glaube an sich - erscheint mir unehrlich!

Fester Glaube ist gefährlich. Er kennt und braucht keine rationalen Gründe und ist deshalb für einen kritischen Diskurs nicht mehr erreichbar. Eine Person mit festem Glauben empfindet Gewissheit, obwohl Gewissheit nicht gerechtfertigt ist, d.h. sie hat Überzeugungen ohne rechtfertigende Gründe. Da sie keine Gründe für ihre Überzeugung braucht, kann man auch nicht mit ihr diskutieren. Glaube ist der Freibrief für die Epistemologie des Wunschdenkens, und die aktive Aufforderung, Hörensagen, emotionale Rendite und Selbstbetrug über das kritische Denken zu stellen. Hier entsteht überhaupt erst die kognitive Verwundbarkeit, die von radikalen Predigern ausgenutzt werden kann.

"Der Koran wurde vom Erzengel Gabriel diktiert. Der Mensch wird am jüngsten Tag auferstehen. Gott verlangt das Fasten." Dieser Katalog von übernatürlichen Tatsachenbehauptung und Anweisungen soll beweislos geglaubt werden.
Dieselbe Erkenntnismethode kann ebenso gut zu diesen Überzeugungen führen: "Andersgläubige kommen in die Hölle. Gott verlangt Dschihad gegen Ungläubige. Gefallene Märtyrer kommen ins Paradies." Qualitativ ist das nicht unterscheidbar. Wem es gelingt, das eine beweislos zu glauben, der kann ebenso gut das andere beweislos glauben.

Religiöse Erziehung zum Glauben ("Religionsunterricht") schafft das Werkzeug ab, mit dem sich Menschen gegen Fundamentalisierung verteidigen könnten. Die Gewissheit des Gläubigen ist durch irdische Argumente nicht mehr erreichbar - egal, ob er harmloses oder gefährliches glaubt.

Glaube ist schlecht. "Because when you can believe something without evidence, you can justify everything. […] and that´s why religion is evil, because it can make you do evil things, believing they´re good." Ohne Evidenz kann alles geglaubt werden. Wer glaubt hat dabei eine kleine Wahrscheinlichkeit, zufällig eine wahre Überzeugung zu haben. Höchstwahrscheinlich wird er aber etwas Unwahres für wahr halten, da zu jedem Thema viel mehr falsche als wahre Glaubensinhalte existieren. Die Wahrscheinlichkeit aufgrund von evidenzbasiertem Wissen zu wahren Überzeugungen zu gelangen ist ungemein viel höher. Wahre Überzeugungen sind (überlebens-)wichtig. Umso mehr wahre Überzeugungen ich besitze, desto besser kann ich die Welt einschätzen und schlussendlich auch mein Leben meistern. Aus diesem Grund gilt: Bei Sachfragen ist Rationalität IMMER besser als Irrationalität. Im Alltag haben wir diese Devise schon alle längst verinnerlicht: Wenn ich wissen möchte, ob mich meine Frau noch liebt, dann schaue ich ihr in die Augen und höre auf die Tonalität ihrer Stimme. Und wenn ich wissen möchte, ob das Essen noch gut ist, dann schaue ich es mir an und rieche dran. Das ist keine wissenschaftliche Evidenz, aber es ist Evidenz! Sie hilft mir zu wahren Überzeugungen zu gelangen und diese wiederum erlauben es mir, mein Leben effektiv meistern zu können. Evidenz und wahre Überzeugungen sind demzufolge immens wichtig.

 

Der Gläubige gibt das effektive Instrumentarium der Rationalität gegenüber dem bloßen Glauben auf - und das ausgerechnet bei grundlegendsten Welt-
anschauungs
fragen. Glaube ist zufällig, denn er funktioniert ohne Grund, und deshalb sind auch alle Einschätzungen und Handlungen, die aus ihm erwachsen, beliebig. Auf evidenzlose Prämissen können nur beliebige Konklusionen folgen. Natürlich kann der Gläubige auch zufällig zu den gleichen hilfreichen und wahren Überzeugungen wie der Rationalist gelangen, er kann mit derselben Beliebigkeit aber auch glauben, dass dieses Leben nur als Test zu begreifen und nicht etwa eine einmalige Chance ist, dass inbrünstiges Beten mehr als ein Arztbesuch hilft oder dass Gott ihm befohlen hat Ungläubige umzubringen. 

 

Da mehr unwahre und schlechte als wahre und gute Glaubenssätze existieren, wird der Gläubige aus wahrscheinlichkeitstheoretischen Gründen öfters zu unmoralischen als moralischen und öfters zu unwahren als zu wahren Glaubensinhalten kommen. Somit bremst Glaube den kognitiven Fortschritt und sorgt dafür, dass auch eigentlich gute Menschen meinen schlimme Dinge tun zu müssen.

 

Deshalb ist Glauben schlecht und Glaubenskritik notwendig.

Klasse Vortrag. Unbedingte Empfehlung.

Anmerkungen

[1] Religionen enthalten darüber hinaus ein breiteres Spektrum an Inhalten, z.B. kulturelle und identitätsstiftende Merkmale, Werturteile, ethische Regeln, Rituale, soziale Funktionen. Im Kern basieren sie jedoch auf einem Behauptungskatalog über die Realität. Würden diese irrationalen Behauptungen weggelassen, bliebe von den Religionen nichts übrig. Ohne die vernunftwidrige Behauptung, Jesus sei von den Toten auferstanden, ist das Christentum substanzlos. „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ (1. Korinther 15:14)

 

[2] In keinem anderen Diskursgebiet gelten derart bizarre Regeln. Nirgendwo sonst akzeptieren wir Wunschdenken, vorsätzliche Kritiklosigkeit, Dogmatik, Ausschalten legitimer Zweifel und blinde Autoritätshörigkeit als gültige Erkenntnisstrategien in Fragen über die Welt. Aus gutem Grund: Sie führen beinahe garantiert zu unwahren Überzeugungen, zu Selbstbetrug und Realitätsverkennung.
Ich kann keinen Grund erkennen, der Erkenntnisstrategie des „Glaubens“ irgendeine Form des Respekts entgegenzubringen. Im Gegenteil. Glaube erscheint mir intellektuell suspekt.
Ich empfinde unwillkürlich Respekt vor der gegenteiligen Herangehensweise: vor ehrlicher, ergebnisoffener Erkenntnissuche. Ich entwickle automatisch Achtung und Wertschätzung für seriöse Anstrengungen, die eigenen Überzeugungen mit der Realität in Übereinstimmung zu bringen. Ich meine, es zeugt von persönlicher Stärke, auch inopportune Schlussfolgerungen akzeptieren zu können, liebgewonnene Überzeugungen kritisch zu hinterfragen und unbeantwortbare Fragen offen zu lassen, statt sich mit falschen Gewissheiten zu trösten. Mein Vorschlag: Weniger Respekt für Glaube, und stattdessen größere Wertschätzung für ehrliche Methoden der Erkenntnisgewinnung.

 

[3] In Europa kann "Glauben" i.d.R. mit "Hoffen" oder "Wünschen" übersetzt werden. Glauben ist hierzulande deshalb auch nicht selten eine Wissensillusion für Menschen, die nicht mit der Realität klarkommen.

 

[4] Der Kampf gegen den Glauben als solchen ist die nachhaltigste Methode um religiösen Hass zu bekämpfen. Siehe dazu: Warum wir euch hassen.

Verweise

Bibel:

Glaubenskritik: Logik: Gläubige, die meinen, ihrem Glauben sei nicht mit Logik beizukommen, wenden selbst Logik auf ihren Glauben an und widersprechen sich somit selbst:

 

(P1) Wer Jesus als seinen Retter annimmt, wird erlöst.

(P2) Meine Grossvater hat Jesus als seinen Erlöser angenommen.

(K) Mein Grossvater wird nicht erlöst.

 

Die Gläubigen denken also sehr wohl, dass ihr Glaube gemäß der Logik gedacht werden kann. Nur halt nur da, wo es ihnen passt. Wo die Logik Fehler und Widersprüche in ihrem Glauben aufzeigen kann, ist sie plötzlich nicht mehr auf ihren Glauben anwendbar. Beliebige Rosinenpickerei.

Religion ist angeboren: Eine ernstzunehmende Überzeugung ist durch triftigen Gründe geprägt. Durch Gründe, die einem bspw. in etwa erklären, weshalb man an den eigenen "Gott" und nicht an Frau Holle, Thor oder das fliegende Spaghettimonster glaubt. Glaubensüberzeugungen sind keine intellektuell ernstzunehmenden Überzeugungen, weil es für sie keine guten Gründe gibt. Die meisten Theisten glauben an ihren Gott, weil halt ihre Eltern und ihr soziales Umfeld das auch schon taten. Sie wurden in ihren Gottesglauben „hineingeboren“. Zu Deutsch: Die Ideologie, nach der sie ihr Leben und Weltbild zu beträchtlichen Teilen ausrichten, haben die Theisten sich i.d.R. gar nicht selbst aus rationalen Gründen herausgesucht, sondern aufgrund zufälliger Umstände (Ort und Zeit der eigenen Geburt) übernommen. Wäre der texanische Christ zu einer anderen Zeit oder in einem anderen Ort geboren, würde er jetzt an Thor oder Allah glauben. Denn sein Glauben kennt einzig und allein lokale und temporäre, aber keine rationalen Gründe. Gegenteilig zu behaupten, man selbst glaube nicht aufgrund zufälliger Umstände, ist selbst widersprüchlich. Glaube ist immer zufällig, da jenseits von Gründen nur Beliebigkeit und aus Beliebigkeit nur Zufälliges folgt. Nicht zufällig wäre eine bestimmte Gottesannahme nur dann, wenn sie aus guten Gründen getroffen wird. Mir wäre kein einziger Grund dieser Art bekannt.

Stand: 2016

Kommentare: 31
  • #31

    WissensWert (Sonntag, 08 Oktober 2017 15:30)

    Karl Jaspers formulierte 1913 folgende drei Wahnkriterien
    subjektive Gewissheit

    Unkorrigierbarkeit durch Erfahrung und zwingende Schlüsse

    Unmöglichkeit des Inhalts

    Betrachte ich Religionen passen die Kriterien.

    Zu Punkt eins:
    Gott ist rein subjektiv, objektiv deutet nichts auf ihn hin.

    Zu Punkt zwei:
    Schöpfungsmythos wird noch dran festgehalten obwohl Evolution Tatsache ist. Die Evolutionstheorie beschreibt Evolution nicht das es gleich wieder Geheule gibt es sei nur eine Theorie.

    Die Eigenschaften bezüglich Gott sind vom Inhalt unmöglich! Allwissend und Allmächtig unmöglich.
    Religion = Wahn

  • #30

    WissensWert (Freitag, 08 September 2017 03:00)

    „Daß Glaube etwas ganz anderes sei als Aberglaube, ist unter allem Aberglauben der größte.“ (Karlheinz Deschner)

    Es gibt im Monotheismus kein Kriterium, um Glauben von Aberglauben zu unterscheiden, außer dem: Was vom Glauben der Kirche abweicht, wird als Aberglauben bezeichnet. Sehr bequem, aber vollkommen willkürlich.

    Die Heiden hatten für Aberglauben eine treffendere Definition: Übertriebene Frömmigkeit. Man war sich dessen bewusst, dass es einen fließenden Übergang gibt. Das Heidentum ist aber auch keine Glaubensreligion, das kam erst mit dem Monotheismus auf. Ja, es gibt auch im Heidentum Glauben, aber nicht für die Kernprinzipien.

    Aberglauben ist also ein "Zuviel an Glauben", nicht ein Mangel. Das möchte man den Gläubigen gerne weismachen. Bei Atheisten zieht das nicht.

    Definition religiöser Glauben: Vorgeben, etwas zu wissen, was man nicht weiß. Je mehr man vorgibt, etwas über Dinge zu wissen, über die man nichts weiß, desto stärker der Aberglauben. Das bildet ein Kontinuum. Wenn man etwas gegen das glaubt, was man weiß oder wissen könnte, oder was der Logik widerspricht, dann betritt man definitiv das Reich des Aberglaubens.

  • #29

    WissensWert (Donnerstag, 03 August 2017 15:36)

    Abt. Diskurswerfen:

    "Glauben" ist ein vieldeutiges Wort. Das ist ein Problem.

    Im Alltag, der Philosophie und der Wissenschaft ist es ein Synonym zu "vermuten", meist als Abschwächung gemeint: eine schwache Vermutung. Es kann aber auch vertrauen, wünschen, hoffen bedeuten. Klammern wir letztere Bedeutungen mal vorerst aus, sonst wird es arg kompliziert.

    Im religiösen Glauben geht es aber nicht um eine schwache Vermutung, eine Ahnung, ein Raten. Im Sinne von "Vertrauen" etc. wird es auch öfters benutzt, aber das beiseite:

    "Religiöser Glauben" bedeutet allgemeiner Vorstellung nach, eine Vermutung zu akzeptieren, für die man keine Beweise hat, kein Übergewicht an Argumenten. Es ist das logische Gegenstück zu Wissen. Wissen, nach philosophischer Definition, ist:

    Wissen = rational gerechtfertigter Glauben (gemeint: Vermutung).

    Das ist diejenige Vermutung, für die mehr Fakten, Argumente, Beweise, Gründe sprechen als für alternative Vermutungen. Es handelt sich also um eine rationale (vernünftige) Abwägung aus für- und widersprechenden Gründen, bei der man zu einem Schluss kommt, bei dem man eine der Vermutungen vorzieht.

    "Religiöser Glauben" ist also eine Annahme, für die es KEIN Übergewicht an Gründen, Argumenten, Beweisen etc. gibt. Im Widerspruch dazu geht dieser oft mit einer Sicherheit einher, die sich in den Gründen, Argumenten etc. nicht widerspiegelt.

    Also:

    Religiöser Glauben = eine starke, innere, subjektive Überzeugung, deren Stärke die des Wissens oft noch übertrifft, ohne sich (überwiegend) auf Beweise etc. zu stützen.

    Da normalerweise die Stärke einer Überzeugung mit dem Grad der Güte ihrer Begründung korrelieren sollte, und da Glaubensaussagen etwas über die äußere Welt aussagen, also als Behauptungen wie Aussagen über Wissen aussehen, lautet die korrekte Definitione so:

    Religiöser Glauben = vorgeben, etwas zu wissen, was man nicht weiß.

    Man kann sie (Ausnahme: vertrauen etc.) behandeln, wie eine Aussage über Wissen.

    Wenn ich also sage: "Ich glaube nicht an Gott" heißt dies, übersetzt:

    Ich habe keine starke, innere, subjektive Überzeugung, dass ein Gott existiert, ohne dass ich dafür ein Übergewicht an Gründen habe. Oder: Ich gebe nicht vor, zu wissen, dass Gott existiert, weil ich es nicht weiß.

    Atheisten lehnen diese Art von Glauben meist sehr generell ab. Sie spiegeln keine Sicherheit vor, für die es keine ausreichenden Gründe gibt, sich dessen sicher zu sein. Es gibt für sie keine "Glaubensgewissheit". Deswegen kann man Atheisten mit Argumenten, die bereits auf religiösen Überzeugungen basieren, nicht überzeugen. Wenn eine Glaubensaussage eine andere stützt, ist das bestenfalls zirkulär, meist sogar redundant.

    Atheismus ist keine exakte Spiegelposition zum Theismus. Theismus basiert sehr oft auf starken Überzeugungen ohne Beweise. Atheisten sind nicht vom Gegenteil ebenso stark überzeugt - die Mehrheit der Atheisten waren einmal Theisten, denen die starke Überzeugung abhanden gekommen ist, und durch starke Zweifel ersetzt wurden. Zweifel und Überzeugung schließen sich aber gegenseitig aus: Ich habe starke Zweifel, dass Gott existiert, und nur sehr, sehr schwache Zweifel, dass dies falsch sein könnte - aber ich habe keine Gewissheit und keine starke Überzeugung, weder für die eine noch die andere Position.

    Wenn eine Atheist sagt: "Ich glaube nicht ohne Beweise", so schließt er den religiösen Glauben schon aus. Es bedeutet: Die Stärke meiner Überzeugung hängt von der Qualität der Beweise, Argumente, Gründe etc. ab, es kann nicht unabhängig davon sein. Dasselbe, wenn er sagt: "Ich glaube nicht wegen der fehlenden Beweise".

    Wenn man es sorgfältig analysiert, bedeuten "ich glaube" für Gläubige und Atheisten verschiedene Dinge.

    Was Vertrauen angeht: Ich kann darauf vertrauen, dass die Brücke über den Fluss mein Gewicht trägt. Aber das setzt voraus, dass die Brücke existiert. Sprich: Vertrauen in Gott ist sinnlos, wenn man nicht weiß, dass er existiert. Glauben reicht nicht - denn sowohl die Existenz der Brücke wie auch ihr Vermögen, mein Gewicht zu tragen, ist von der Stärke meiner Überzeugung gänzlich unabhängig. Diese Unabhängigkeit - das ist es, was Gläubige oft nicht verstehen. Auch die Qualität eines Arguments hängt nicht von der Stärke meiner Überzeugung ab, sondern besteht aus gänzlich unabhängigen Faktoren. Deswegen kann ein Gläubiger ein Argument für gut halten, das ein Atheist für ausgesprochen schlecht hält - und umgekehrt.

  • #28

    WissensWert (Donnerstag, 29 Juni 2017 01:11)

    "Naivität und Leichtgläubigkeit gelten in sämtlichen Bereichen des menschlichen Lebens als unerwünschte Eigenschaften, außer in der Religion."
    - Christopher Hitchens

  • #27

    WissensWert (Sonntag, 04 Juni 2017 03:16)

    http://www.philolex.de/glauben.htm

  • #26

    WissensWert (Montag, 22 Mai 2017 03:59)

    Kein Gläubiger kann glaubhaft erklären, was der Unterschied sein soll, zwischen "Glauben" und "Aberglauben".

  • #25

    WissensWert (Samstag, 20 Mai 2017 19:06)

    Wie stark ist dein Glaube?
    Markus 16: 17 – 18. A true believer in Christ can drink poison

  • #24

    WissensWert (Freitag, 10 März 2017 14:46)

    Irrtum des religiösen Glaubens:
    "Meine eigene subjektive Erfahrung ermöglicht eine vollständigere Realitätsbeschreibung, als eine sorgfältige, systematische Untersuchung der Realität."

  • #23

    WissensWert (Freitag, 10 Februar 2017 00:31)

    https://plato.stanford.edu/entries/faith/

  • #22

    WissensWert (Mittwoch, 08 Februar 2017 00:49)

    Religiöser Glaube ist gefährlich, wenn er der eigenen Natur diametral widerspricht.

    Es gibt sogar den medizinischen Fachbegriff "ekklesiogene Neurosen" für psychische Störungen, die u.a. durch die sexualrepressive und schuldorientierte Ideologie der organisierten Kirchen ausgelöst werden.

    Niemand kann erahnen, welches Leid die drei größten Weltreligionen durch ihre sexual- und frauenfeindlichen Dogmen gegen die menschliche Natur verursacht haben.

  • #21

    WissensWert (Samstag, 28 Januar 2017 14:05)

    Wenn jemand anfängt, den Verstand zu verteufeln - also anhand seines Denkens denkt, dass Denken nicht das Mittel der Wahl zum Denken und höchst gefährlich und unvernünftig (haha) sei -, dann könnte es kaum eine treffendere Feststellung geben, als dass dieser jemand den Verstand verloren hat. Und das ist nicht ohne Grund keine positiv gemeinte Redewendung. Es sagt wahrlich alles über die Glaubwürdigkeit des Christentums aus, dass es den Verstand verurteilen und für ungültig erklären muss, um Raum für seine Ansichten zu schaffen.

  • #20

    WissensWert (Freitag, 13 Januar 2017 00:21)

    "Faith is a very clever concept. We inveted god from our imagination and we use faith to justify his absence from reality."
    C. J. Anderson

  • #19

    WissensWert (Donnerstag, 22 Dezember 2016 04:11)

    https://bibelkritik.blogspot.de/2016/02/22-glaube-ist-keine-tugend.html

  • #18

    WissensWert (Mittwoch, 21 Dezember 2016 04:19)

    faith is to the human what sand is to the ostrich.

  • #17

    WissensWert (Mittwoch, 21 Dezember 2016 01:46)

    Why don´t people believe that i am god? it´s really annoying. they suddenly want proof. i shouldn´t have to prove it. what happened to faith??

  • #16

    WissensWert (Dienstag, 13 Dezember 2016 11:07)

    "Faith" is the excuse people give when they son't have a good reason.
    - Matt Dilahunty

  • #15

    WissensWert (Dienstag, 15 November 2016 23:34)

    Bemerkenswert viele Gläubige sind übrigens der Ansicht, dass sich der Glauben zwar nicht auf die Vernunft stützt bzw. vollständig damit begründbar ist, aber auch nicht in einen Widerspruch zur Vernunft geraten darf oder kann (dies ist u. a. ein Dogma der katholischen Kirche [5]). Meist sind sie solange dieser Meinung, bis sie sich in genügend Widersprüche verwickelt haben. Dann wird auch diese Position aufgegeben.

    Die Vernunft mag nicht viel sein, aber sie ist alles, was wir haben. Auf sie auch noch zu verzichten (und ein teilweiser Verzicht und ein kompletter Verzicht sind letztlich dasselbe) gleicht einem Menschen, der in Seenot sein Rettungsboot zertrümmert, weil es seinen Ansprüchen nicht genügt.

  • #14

    WissensWert (Dienstag, 15 November 2016 23:32)

    Was ist denn, wenn mir mein Gefühl besagt, ich müsse alle anders Denkenden töten? Darf ich mich auch dann auf mein Gefühl berufen, wie die Gläubigen es tun? Wenn nein, warum nicht? Und, wenn nicht ich, wer darf das dann und aus welchen Gründen? Auch hier brauchen wir die Vernunft, wenn wir uns einigen möchten. Vernunft garantiert zwar keine Einigkeit, aber Unvernunft ist ein Garant für Streit.

    Der Grund, warum wir uns nicht auf Gefühle berufen können ist der: Gefühle sind Privatsache einer Person und nicht nachvollziehbar (Gefühle kann man auch vortäuschen!). Argumente sind zwischen den Menschen austauschbar und nachvollziehbar - man kann kein gutes Argument vortäuschen (jedenfalls nicht auf Dauer). Damit ist eine wesentliche Täuschungsmöglichkeit eliminiert, der Umgang wird ehrlicher, weil ich den anderen nicht dauernd verdächtigen kann, mich zu belügen. Argumente sind ehrlich, Gefühle können ehrlich sein oder auch nicht - hier gewinnt der bessere Schauspieler (im Zweifelsfall). In solchen Diskussionen ist der Ehrliche dann auch immer der Dumme.

    Hinzu kommt der Vorwurf der Beliebigkeit: Wann immer ich die Vernunft aussetze, weil sie gerade mal nicht zu dem von mir gewünschten Ergebnis führt, kann ich so jeden Unsinn rechtfertigen und verteidigen - es macht keine Mühe, sich Weltbilder auszudenken, die auf diese Art und Weise gut und leicht gegen jedes Argument zu verteidigen sind, die aber erkennbar unsinnig sind. Was ist mit den Weltbildern, deren Unsinn für uns nicht erkennbar ist? Werden die dadurch richtig? Wenn ich keine Möglichkeit habe, ein vernünftiges Weltbild von einem unvernünftigen zu unterscheiden (weil ich mit durch "Suspendierung der Vernunft" selbst den Boden unter den Füßen weggezogen habe, d. h. alle Kriterien vernichtet habe), dann sind beide identisch (verwechselbar, austauschbar, gleich), also sind alle diese Weltbilder auch gleich unsinnig und gleich unwahr. Das klingt hart, aber ich halte diesen Schluss für unvermeidlich.

  • #13

    WissensWert (Mittwoch, 09 November 2016 16:15)

    Noch ein Kommentar von mir:

    Religiöser Glauben: Vorgeben, mit starker Überzeugung, dass man wüsste, was man nicht weiß.

    Wissen: Das Gegenteil - nicht vorgeben, zu wissen, was man nicht weiß. Rational gerechtfertigte Vermutung, die besser ist als die konkurrierenden Alternativen.

    Intelligenz: Die Fähigkeit, seine Ansichten an neue Informationen anzupassen.

    Religiöser Glauben: Die Unfähigkeit, seine Ansichten an neue Informationen anzupassen, das Beharren auf dem, was man glaubt.

    Wissenschaft. Ein kollektives Unternehmen der klügsten Menschen, um eine einheitliche, objektive Perspektive aus empirischen Fakten zu gewinnen, die für alle nachvollziehbar und hinterfragbar ist

    Religiöser Glauben: Eine innere, rein subjektive, auf die eigene Perspektive beschränkte Weltsicht, bei noch der Dümmste glaubt, sie sei irgendwie auf einem ähnlichen Niveau wie die Wissenschaft, bloß weil er die empirischen Fakten ignoriert und eine Ansicht hat, die weder nachvollziehbar noch hinterfragbar sind.

  • #12

    WissensWert (Freitag, 07 Oktober 2016 15:25)

    https://m.kurier.at/politik/ausland/studie-is-rekruten-haben-hoeheren-bildungsstand-als-durchschnitt/224.551.038

    Bildung im Sinne von Wissenserwerb alleine genügt nicht. Zur Bildung gehören auch Fragen nach dem, was Vernunft eigentlich ist, wie man ideologische Voreingenommenheit vermeidet, wie man mit Denkfehlern umgeht. Das wird an den Schulen kaum vermittelt.

    Die Folgen: Impfgegner, Verschwörungstheoretiker, religiöse Fundamentalisten und andere Obskurantisten bedienen sich der Bildung, ohne dass ihnen Stolpersteine in den Weg gelegt werden.

    Fundamentalismus aller Art ist oft in sich logischer als die emotional weichgespülten Wohlfühl-Formen der Religion. Ihre Grundlagen sind hingegen gleich, deswegen bietet eine moderate Religion auch keinen Schutz gegen Fundamentalismus, im Gegenteil: Man kann mit Inkonsequenz im Denken nicht die relativ gesehen konsequenteren Formen bekämpfen. Man muss die Fundamente bekämpfen, das Übel an der Wurzel packen - und da sind liberale Religionsformen kein Mittel, sondern Teil des Problems. Sie liefern die Infrastruktur für die Radikalen, sowohl in ideologischer Hinsicht als auch in materieller Hinsicht. Die Moscheen, in denen Hetzprediger die Jugend manipulieren, werden von den friedlichen und liberalen Muslimen finanziert, die ihre Jugend darauf vorbereiten, später Opfer radikaler Strategien zu werden.

    Wenn Liberale versuchen, sich dieser Verantwortung zu entziehen, dann muss man das kritisieren: Ihr Denken ist die Basis des radikalen Dschihadismus - die Radikalen sind nur konsequenter, im Denken wie auch im Handeln. Es ist die liberale Version, die den Radikalismus überhaupt erst möglich macht, und mit denselben Denkfehlern kann man das Denken der Fundamentalisten nicht kritisieren.

    Nicht der Fundamentalismus ist das Problem, sondern das Fundament.

  • #11

    WissensWert (Dienstag, 04 Oktober 2016 02:00)

    https://bibelkritik.blogspot.de/2016/02/22-glaube-ist-keine-tugend.html

  • #10

    WissensWert (Montag, 26 September 2016 17:22)

    Abt. Diskurswerfen:

    Definieren wir mal zunächst Glauben. Gemeint ist sicher nicht das, was wir im Alltag, in der Philosophie oder der Wissenschaft darunter verstehen. Dort ist "glauben" schlicht ein Synonym zu "vermuten". Manchmal auch zu "wünschen, hoffen, vertrauen" - das Wort ist vieldeutig.

    Im religiösen Sinne heißt es, eine starke, innere, subjektive Überzeugung von etwas zu haben, ohne dafür ein Übergewicht an Gründen, Argumenten, Beweisen oder Evidenzen zu haben. Denn dann nennt man es "Wissen". In der Religion ist Glauben also das logische Gegenteil von "Wissen". Wissen beruht genau darauf, dass man die Option wählt, für die ein Übergewicht an Gründen, Argumenten, Beweisen etc. spricht. Das logische Gegenteil: Nicht diese Option zu wählen.

    Intelligenz ist definiert als die kognitive Fähigkeit, seine Überzeugung an die vorhanden Informationen anzupassen und ggf. zu ändern. Religiöser Glauben heißt, auch bei neuen Informationen bei seiner Überzeugung zu bleiben und widersprechende Informationen zu ignorieren oder "wegzuerklären". In der Psychologie bezeichnet man das als "Bestätigungsfehler" - man sucht nur nach Informationen und lässt nur die gelten, die für die eigene Ansicht sprechen. Das ist allzumenschliches Verhalten, die Wissenschaft besteht aus einer systematischen Absicherung gegen den Denkfehler. In dem Sinne ist "religiöser Glauben" auch das logische Gegenteil zu "Intelligenz" - seine Ansichten nicht anpassen, sondern dabei zu bleiben. Was nicht heißt, dass religiöse Menschen dumm sind, sie haben nur nicht gelernt, ihre vorhandene Intelligenz auf die Religion anzuwenden. Ich bezeichne das als "geistlich behindert", da man auf religiöse Immunisierungsstrategien hereingefallen ist, meist als Folge von Religionsunterricht. Dort wurden die Inhalte etabliert, bevor man die kognitiven Fähigkeiten und Werkzeuge hatte, dies zu hinterfragen.

    Da die Überzeugung so stark ist wie beim besten Wissen, dies gar überschreitet, ist die korrekte Definition von "Glauben" (solange es nicht um wünschen, hoffen, vertrauen, vermuten geht) diese:

    Religiös Glauben heißt, vorzugeben, etwas zu wissen, was man nicht weiß.

    Ein Ungläubiger ist jemand, der das nicht tut - der nicht vorgibt, etwas zu wissen, was er nicht weiß.

    Beispiel: Woher kommt das Universum?

    Korrekte Antwort: Wir wissen es nicht, niemand weiß es, auch der Gläubige nicht. Richtig wäre, sich entweder einer Ansicht zu enthalten ("Ich weiß es nicht"), oder aber entsprechende Modelle auf dem vorhandenen Wissen aufzubauen und diese eindeutig als "Spekulation" zu kennzeichnen. Gläubige behaupten, die Antwort zu kennen, die niemand kennen kann, weil die Daten so viele Möglichkeiten zulassen, dass man keine (rationale) Entscheidung treffen KANN.

    Damit ist die Diskussion hinreichend umschrieben: Es ist eine Debatte zwischen denen, die keine Gründe für ihren Glauben (im Sinne von "Vermuten") geben können und denjenigen, die wissen, dass sie es nicht wissen und auch sonst niemand. Zwar versuchen die religiös Gläubigen gerne, dem Anderen eine falsche Position unterzuschieben, indem sie so tun, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten ("Entweder, eine Supergeist mit fantastischen Fähigkeiten hat es geplant, oder es ist durch Zufall aus dem Nichts entstanden"). Es gibt aber ein Spektrum mit Millionen von Möglichkeiten, wenn das nicht vielleicht schon untertrieben ist, und keine Möglichkeit, mehr als Andeutungen aus den Daten herauszulesen. Die dann aber von den religiös Gläubigen ignoriert werden. Man akzeptiert, dass es einen Urknall gab, weil das die eigene Ansicht zu bestätigen scheint (Bestätigungsfehler), übersieht aber, dass der Beginn des Universums keinerlei logischen oder empirischen Zusammenhang zum "Beginn der Existenz der Materie" hat, den man eigentlich meint. Der Urknall KÖNNTE (man weiß es nicht) auch nur eine Episode der Existenz der Materie sein.

    Also: Gläubiger = jemand, der vorgibt, etwas zu wissen, was er nicht weiß und niemand sonst.

    Ungläubiger = jemand, der nicht vorgibt, etwas zu wissen, was er nicht weiß oder niemand weiß.

    Und die Diskussion wird meist deswegen so unerfreulich, weil die beiden Weltsichten unterschiedlicher kaum sein könnten.

  • #9

    WissensWert (Samstag, 24 September 2016 12:48)

    Wernher von Braun sagte:

    "Wissenschaft und christlicher Glaube liegen keineswegs im Widerstreit."

    Diese Aussage zeigt, dass er nicht auseichend über das Problem nachgedacht hat.

    Wissenschaft und Glaube sind völlig unvereinbare Erkenntnismethoden.

    Wissenschaft ist die Bereitschaft, seine Überzeugungen allein durch die Beweislage lenken zu lassen - und bei Auftauchen neuer, soliderer Evidenz zu ändern. Wissenschaft ist die Systematisierung ehrlicher Erkenntnis, die Bereitschaft, akzeptiertes Wissen jederzeit zu hinterfragen und ggf. zu korrigieren.

    Glaube ist die Weigerung, genau das zu tun.

    Glaube ist die Verweigerung evidenzbasierter Ansichten. Im Gegenteil. Überzeugung ohne Evidenz gilt als maximale Tugend. Was entgegnet Jesus, als Thomas ihn nach Evidenz für die Auferstehung fragt? „Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Joh.20,29

    Die Forderung nach Evidenz (Thomas zweifelt an der Auferstehung) wird sogar als "Schwäche" beurteilt. Eine anti-wissenschaftliche Erkenntnis-Methode.

  • #8

    WissensWert (Donnerstag, 22 September 2016 22:34)

    https://www.youtube.com/watch?v=_YujA_rl3c4&feature=youtu.be

  • #7

    WissensWert (Freitag, 16 September 2016 01:11)

    Kindern beizubringen, einen unsichtbares übernatürliches Wesen zum Lösen ihrer Probleme anzubeten, schafft unverantwortungsvolle Erwachsene.

  • #6

    WissensWert (Freitag, 16 September 2016 01:10)

    Ich habe die Christen noch nie verstanden:

    Sie bauen ihr Weltbild auf etwas auf, für das nichts und gegen das vieles spricht und denken, dass sie damit schon richtig liegen werden?

  • #5

    WissensWert (Freitag, 02 September 2016 19:57)

    "Mit Wissenschaft fliegt man zum Mond.
    Mit Religion fliegt man in Gebäude."
    Victor J. Stenger

  • #4

    WissensWert (Mittwoch, 31 August 2016 04:25)

    An etwas zu glauben, ohne dafür hinreichende Beweise zu haben, ist an sich nicht weiter schlimm. Ein Beispiel für eine solche Position ist der »metaphysische Realismus«, die Annahme, dass es eine Welt außerhalb meines Bewusstseins gibt, die unabhängig von mir existiert. Gegenposition: Solipsismus (die Welt ist eine Konstruktion meines Bewusstseins).

    Es ist nicht klar, wie ein Beweis aussehen sollte, dass eine unabhängige Realität existiert, ohne dass man voraussetzt, dass es eine unabhängige Realität gibt. Man kann aber die Indizien auswerten und daraus ein Argument formulieren, dass zumindest stärker ist als die gegensprechenden Argumente: Man kann mit dem Solipsismus sehr gut erklären, warum sich Ideen, die wir haben, in der Realität bestätigen lassen. Man kann aber nur sehr schlecht erklären, warum solche Ideen scheitern. Die Frage ist, woran diese Ideen scheitern, und warum so häufig? Grob geschätzt scheitern von 1.000 Ideen in der Praxis etwa 999. Es gibt eine interessante Parallele in der Evolution: Für jede heute existierende Spezies finden wir etwa 999 ausgestorbene. Woran scheitern diese Ideen? Das kann der Solipsismus nicht erklären, aber der metaphysische Realismus: Die Ideen scheitern an der Realität. Weil ihre »Evaluierung« eben unabhängig von unserem Bewusstsein erfolgt.

    In religiösen Debatten wird gerne eine »falsche Dichotomie« benutzt (Wahl zwischen zwei Extremen, wenn es mehr Möglichkeiten gibt):

    ENTWEDER, wir glauben auch etwas ganz ohne Beweise, ODER ABER wir lassen das nicht zu. Die letztere Position ist logisch unhaltbar, wie man anhand des metaphysischen Realismus zeigen kann. Daraus folgt aber nicht, dass die erste Alternative korrekt ist. Denn dort haben wir das Problem, dass man ohne alle Beweise und Argumente alles glauben kann und sein Gegenteil.
    Dann müsste man übrigens auch so schlau sein, zu sagen, dass »Glauben an Gott ohne Beweise« vollkommen gleichwertig ist zu »Glauben, dass es keinen Gott gibt, ohne Beweise«. Aber hier bedient man sich zusätzlich gerne des Tricks, für seine Position zu reklamieren, dass es »richtig« ist, ohne Beweise zu glauben, während man für dies für die Gegenposition zurückweist. Dies geschieht beispielsweise über die Beweislastumkehr, oder in dem man sagt, dass es unlogisch ist, nicht an Gott zu glauben, wenn man keine Beweise dafür hat. Wohlgemerkt, das gilt vor allem für den starken Atheismus, der behauptet, dass es keinen Gott gibt. Der schwache Atheismus nimmt keine so extreme Position ein und beweist alleine damit schon, dass es mehr gibt als diese Extreme. Deswegen versuchen Theisten es gerne, den Atheisten auf die starke Position festzulegen. Nur, alles, was sie für ihre Position an Argumenten vorbringen können, gilt in gleichem Maß auch für den starken Atheismus!

    Die Alternative ist: Wir wägen für alles die Argumente ab und entscheiden uns für das, für das ein leichtes (!) Übergewicht an Argumenten spricht. Bei Gott ist das einfach: Es gibt keine logisch gültigen Argumente für Gott, und keines, das noch nicht widerlegt wurde. Es gibt aber logisch gültige und nicht widerlegte Argumente gegen Gott, etwa das Theodizeeproblem.

    Ganz großes Problem ist vor allem der Glauben GEGEN Argumente und Tatsachen. Auch diesem stellt man ein Freibrief aus, wenn man sagt, man kann Beliebiges glauben, ohne dass man berücksichtigt, wofür mehr Argumente sprechen. Diese Tür öffnet auch der liberalste Theist für die religiösen Extremisten aller Art ganz weit. Argumentativ ist die liberale Theologie der Türöffner für jede Art von radikalem Extremismus. Je mehr ich Argumente allgemein abwerte und sie für irrelevant halte, umso größer wird das Einfallstor für Extremisten aller Art. Und die werden das nutzen, das ist sicher, weil es unter dem Menschen stets genügend Psychopathen gibt, die das zu nutzen verstehen.

    Deswegen erzeugt die liberale Theologie mit Notwendigkeit den Extremismus, und sie hat kein argumentatives Instrument, diesen zu bekämpfen. Weil sie das argumentative Instrumentarium ablehnt, um ihre Position durchzubringen. Man kann es kurz fassen: Wer den Glauben an Gott befürwortet, erzeugt automatisch religiösen Extremismus. Ausnehmen davon kann man nur die Position desjenigen, der sagt: Ich glaube an Gott, weil ein Übergewicht an Argumenten dafür spricht. Aber damit macht man sich »verwundbar« für Gegenargumente, und das wollen viele nicht – und sie wissen auch genau, warum.

  • #3

    WissensWert (Mittwoch, 31 August 2016 04:23)

    Die korrekte Definition von "Glauben" in einem religiösen Zusammenhang heißt: Vorgeben, etwas zu wissen, was man nicht weiß. Oder eine starke innere subjektive unerschütterliche Überzeugung zu haben, die so gut wie bei unserem besten Wissen ist, nur, dass man eben von etwas überzeugt ist, was man nicht weiß (und oft auch nicht wissen kann).

    Alle Verteidigungen der Religion laufen dann darauf hinaus, dass man sagt, etwas kann auch existieren oder wahr sein, ohne dass es sich um Wissen handelt. Wissen ist per Definition "eine rational begründete Vermutung, bei der die Begründung besser ist als für die konkurrierenden Alternativen". Man kann die Wahrheit religiöser Dinge nicht wissen, aber man kann so überzeugt sein, als ob es sich um Wissen handelt.

    Überzeugungen können stark sein, vollkommen unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt. Der Fehlschluss ist: Ich bin stark überzeugt, daher ist es wahr. Nun, man kann auch vom Gegenteil überzeugt sein, das macht auch das Gegenteil nicht wahr.

    Die atheistische Gegenposition zu "Ich bin davon überzeugt, dass es Gott gibt, obwohl ich keinerlei rational haltbaren Gründe angeben kann, die besser ist als für irgendeine der Alternativen" ist nicht: "Ich bin stark vom Gegenteil überzeugt". Sondern: Ich habe starke Zweifel an "Gott existiert", weil diese Position um nichts besser begründet ist als die gegenteilige Position (oder sogar schlechter), und man nicht wissen kann, wovon man behauptet, überzeugt zu sein.

    Oder, Position des (Mono-)Theisten: "Ich bin unerschütterlich fest subjektiv davon überzeugt, dass Gott existiert!"
    Atheist: Ich bin nicht überzeugt. Mir fehlt das Übergewicht an Gründen dafür. Meine Zweifel sind stärker als diese Überzeugung.
    Diese skeptische Haltung gewinnt, in Abwesenheit von Beweisen, immer. Es kann nicht anders sein, denn es gibt nur endlich viele Dinge, aber unendlich viele, von denen man annehmen könnte, dass sie existieren. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas existiert, was wir nicht wissen, endlich gegen unendlich, oder eins zu unendlich für die Nichtexistenz. Das ist die A-Priori-Wahrscheinlichkeit für die Existenz einer Sache ohne weiteren Argumente oder Gründe, sie für existent zu halten.
    Es gibt keine rationalen Argumente, um die Existenz von etwas zu etablieren, für das es keine rationalen Argumente gibt. Jeder Versuch, so etwas zu zeigen, endet mit einem Schuss ins Knie: Wenn man annehmen kann, dass Gott existiert, ohne Gründe, kann man das auch für beliebige andere Dinge. Das ist quasi ein "Freibrief", den man sich ausstellt, allen möglichen und unmöglichen Quatsch glauben zu können.
    Da alle Gottesbeweise falsch sind - die Summe aller validen logischen Argumente für Gott beträgt exakt NULL - gibt es daher nur die Möglichkeit für einen Theisten, in einer Diskussion rhetorisch zu punkten, oder Argumente "unter dem Radar der Kritik" den Zuhörern unterzujubeln. Auf redliche Weise lässt sich so eine Diskussion für den Theisten niemals gewinnen!

  • #2

    WissensWert (Mittwoch, 31 August 2016 04:22)

    http://www.sapereaudepls.de/2016/07/01/respekt-vor-religi%C3%B6sen-gef%C3%BChlen/

    Was ist „Glaube“? Religiöser Glaube bedeutet das Annehmen von Überzeugungen ohne rechtfertigende Gründe. Die Bibel buchstabiert es aus:„Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht.“ (Hebräer 11:1) Glaube ist die nichtgerechtfertigte Gewissheit, eine erwünschte Annahme sei wahr. Glaube ist der Verzicht auf Zweifel, obwohl Zweifel angemessen wären. Ist das eineintellektuell respektable Position?

    Blinder Glaube wird im Christentum als Tugend propagiert. Das Johannes-Evangelium erzählt die Geschichte des „zweifelnden Thomas“. Der auferstandene Jesus erscheint im Kreis seiner Jünger und segnet sie. Thomas ist abwesend und bezweifelt später die Auferstehungsberichte. Er wünscht sich Evidenz (umgangssprachlich: Beweise) für diese unglaubliche Behauptung. Jesus erscheint einige Tage später erneut, erfüllt Thomas‘ Wunsch und zeigt ihm seine Wundmale. Damit sind Thomas‘ Zweifel beseitigt. Jesus weist ihn für seine Skepsis zurecht: „Weil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du; selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Johannes 20:29)

    „Nicht sehen und doch glauben“ ist die Programmatik religiösen Glaubens: Behauptungen über die Realität sollen beweislos als wahr akzeptiert werden. Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit verschwinden.

    […]

    In keinem anderen Diskursgebiet gelten derart bizarre Regeln. Nirgendwo sonst akzeptieren wir Wunschdenken, vorsätzliche Kritiklosigkeit, Dogmatik, Ausschalten legitimer Zweifel und blinde Autoritätshörigkeit als gültige Erkenntnisstrategien in Fragen über die Welt. Aus gutem Grund: Sie führen beinahe garantiert zu unwahren Überzeugungen, zu Selbstbetrug und Realitätsverkennung.

    Ich kann keinen Grund erkennen, der Erkenntnisstrategie des „Glaubens“ irgendeine Form des Respekts (Definition s.o.) entgegenzubringen. Im Gegenteil. Glaube erscheint mir intellektuell suspekt.

    Ich empfinde unwillkürlich Respekt vor der gegenteiligen Herangehensweise: vor ehrlicher, ergebnisoffener Erkenntnissuche. Ich entwickle automatisch Achtung und Wertschätzung für seriöse Anstrengungen, die eigenen Überzeugungen mit der Realität in Übereinstimmung zu bringen. Ich meine, es zeugt von persönlicher Stärke, auch inopportune Schlussfolgerungen akzeptieren zu können, liebgewonnene Überzeugungen kritisch zu hinterfragen und unbeantwortbare Fragen offen zu lassen, statt sich mit falschen Gewissheiten zu trösten. Mein Vorschlag: Weniger Respekt für Glaube, und stattdessen größere Wertschätzung für ehrliche Methoden der Erkenntnisgewinnung.

  • #1

    WissensWert (Mittwoch, 31 August 2016 01:32)

    "i don't want to believe. I want to know." Carl Sagan


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