„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Das Dopingwunder von Bern?

"Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt. Tor, Tor, Tor, Tor!

[…] „Aus, aus, aus,-- aus !! -- Das Spiel ist aus! -- Deutschland ist Weltmeister …“

- Herbert Zimmermann (Reporter)

Wem schallt die sich überschlagende Stimme vom Fernsehreporter Herbert Zimmermann während den letzten Minuten des Fußball-Weltmeisterschaft Finales 1954 nicht auch noch im Ohr? Die ganze Nation war außer sich, dieser Sieg hatte so viel mehr als nur eine politische Dimension. Doch schon kurz nach dem ersten Weltmeistertitelgewinn der deutschen Fußballnationalmannschaft kamen skeptische Stimmen auf.

Der ungarische Kapitän Ferenc Puskás beschuldigte die deutsche Nationalmannschaft der unlauteren Einnahme von leistungssteigernden Mitteln vor dem Spiel. Die Nationalmannschaft sei gedopt gewesen. Der erste Stern, der noch heute die Brust unserer Nationalspieler ziert, habe man sich damals mit illegalen Aufputschmitteln erschlichen. Eine große Behauptung, eine Verschwörungstheorie. Alle formell Beteiligten um den Deutschen-Fußballbund stritten diese immer wieder auftauchende Beschuldigung über die nächsten Jahrzehnte hinweg gebetsmühlenartig ab und den Spielern wurde es gar untersagt sich öffentlich zu diesem Vorwurf zu äußern.

Mit der Gelbsuchterkrankung von nahezu der kompletten Nationalmannschaft wuchs die Skepsis jedoch. Hatten sich die „Helden von Bern“ doch Dopingmittel initiiert? Eine Untersuchung im Oktober desselben Jahres ergab, dass alle Spieler mehr oder weniger schwere Leberschäden, ein typisches Symptom bei Gelbsucht, davongetragen hatten. In den darauffolgenden Jahren starben sogar zwei der Nationalspieler, die damals auf dem Rasen standen - Richard Herrmann und Werner Liebrich. Die Art des Ablebens beider Personen kann auf die Gelbsucht zurückgeführt werden. Der DFB geriet damit selbstverständlich auch immer weiter in die Bredouille.

Öffentlich lies der DFB im November des Weltmeisterjahres in einem Gutachten verlauten, dass die Infektion auf das „enge Zusammenleben der Mannschaft“ zurückzuführen sei. Dies kann im Nachhinein als absichtliche oder unabsichtliche Fehldiagnose gewertet werden. Denn im Jahre 2004 äußerte sich der Platzwart des Stadions in Bern. Er meinte, er habe nach dem Spiel leere Ampullen und Spritzen in den Kabinen der deutschen Jungs gefunden. Diese Ampullen im Abflussgitter des Mannschaftsraums ließen eigentlich keinen ernstzunehmenden Zweifel mehr zu. Die Spieler hatten sich etwas gespritzt. Dies würde auch die Gruppeninfektion erklären, denn damals war es üblich sich die Spritze zu teilen. Einwegspritzen gab es schlichtweg noch nicht. Und so konfrontierte die Presse den Mannschaftsarzt Franz Loogen mit diesen mysteriösen Ampullen. Man gab dann schließlich zu, den Spielern vor dem Spiel etwas initiiert zu haben. Die DFB-Offiziellen schoben aber schnell hinterher, dass es sich dabei nur um eine herkömmliche Vitamin-C-Lösung gehandelt habe.

Vielleicht hoffte man in DFB-Kreisen damit auch die Nachbohrer endlich aus der Welt geschafft zu haben. Dann hätte man jedoch vergeblich gehofft. Denn vor nun erst 4 Jahren kam eine mittlerweile relativ bekannte Studie von Erik Egger zu einem anderen Schluss. Der Sporthistoriker meint: Die Indizien sprechen dafür, dass in ihren Spritzen kein Vitamin C war. Es könnte Pervitin gewesen sein.“ Pervitin war ein beliebtes, euphorisierendes, putschendes Stimulantia im Zweiten Weltkrieg. Heute kennt man es unter dem Namen Meth.

 

Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Weltmeisterzug_1954.JPG
Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Weltmeisterzug_1954.JPG

Nach meinen Recherchen hat sich der DFB bislang nicht zu dieser Studie geäußert. Fairerweise muss man aber auch dazu sagen, dass es zum Zeitpunkt des legendären WM-Spiels 1954 noch keine Anti-Doping-Bestimmungen gab. Nicht fair ist das Verschaffen eines solchen Vorteils aber allemal.

Auch diese jahrzehntelange Aufklärungsarbeit zeigt uns, dass man nicht jede Verschwörungstheorie von vornherein als Hirngespinst abtun sollte.

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