„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Der Erfolg gibt ihr Recht

Die Quantentheorie widerspricht unserer Intuition, bisherigen Annahmen und gemeiner Erfahrung. Trotzdem hat sie sich gemeinhin etabliert wie kaum eine andere physikalische Theorie. Warum ist das so? Um dies zu begreifen, muss man zunächst einmal verstehen, was warum eine gute Theorie ausmacht. Zu den Kriterien einer guten Theorie zählen unter anderem Eindeutigkeit und Falsifizierbarkeit. Eine Theorie ist falsifizierbar, wenn sie praktisch überprüfbare Vorhersagen trifft. Sich dann bewahrheitende Prognosen erhöhen logischerweise die Qualität einer Theorie, da sich die Theorie mit diesen bewährt. Bewahrheiten kann sich eine physikalische Theorie jedoch nie. Denn man vermag nie auszuschließen, dass eine einst praktisch erfolgreiche Theorie nicht doch widerlegt oder durch eine bessere Theorie ersetzt wird. Es kann also ausschließlich immer mehr für eine Theorie als Arbeitshypothese sprechen. Über den Status einer Arbeitshypothese wird eine physikalische Theorie aber nie hinaus kommen. Was also treibt die Physiker an, so stark an die Quantentheorie zu glauben? Es ist schlichtweg eine verdammt gute Arbeitshypothese. Und eine Alternative zur Quantentheorie müsste schon verdammt viel leisten.

# Der Erfolg gibt der Quantentheorie schlussfolgernd nicht wirklich Recht.

Allein unterstützt er sie im Wettbewerb der Theorien.

Ein Drittel des Weltbruttosozialproduktes soll mit Technik u.Ä. verdient werden, die auf der Quantentheorie gründet. Unser gesamter Alltag ist infiltriert mit Technik, die aufgrund des mathematischen Formalismus der Quantenmechanik gebaut wurde. Digitalelektronik, Transistor, Uhr, Laser, Computer, Radio, Fernseher, Kamera, Stereoanlage und die Stromversorgung (sei es über Photovoltaik oder Atomkraft) funktionieren heutzutage dank den Hypothesen der Quantenphysik. Und das ist der Punkt: Die Gerätschaften funktionieren. Die Quantentheorie liefert theoretische Postulate, mit denen Technik entworfen wird. Die Fülle an praktisch einwandfrei arbeitender Quantentechnik spricht für die dahinterstehende Quantentheorie. Wäre diese nämlich grundsätzlich falsch, würde diese ganze Technologie auch höchstwahrscheinlich nicht funktionieren. Auch, dass die Theorie um die Quanten den vielen Widerlegungsversuchen vieler hochintelligenten Personen wie Albert Einstein standgehalten hat und standhält, ist ein Indiz für ihre Gültigkeit.

„Die Quantenmechanik ist die mit Abstand erfolgreichste

physikalische Theorie, die je aufgestellt worden ist.“

- Kurt Engesser

Die Quantentheorie ist also eine gute, weitgehend anerkannte Theorie aufgrund ihrer enorm präzisen, unzähligen Male bestätigten empirischen Vorhersagekraft. Mehr aber spricht auch nicht für diesen Gedankenkomplex. Die Quantentheorie scheint halt irgendwie zu stimmen. Man weiß grob, wie man vorgehen muss, um die richtigen Ergebnisse zu bekommen. Warum die Quantenwelt aber so ist, wie sie ist oder wie sie auch nur tatsächlich ist, weiß wohl keiner so genau (siehe auch die vielen verschiedenen Interpretationen der Quantenmechanik).

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