„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Diese Aufsatzreihe soll eine Übersicht über die einzelnen Kritikansätze am herrschenden Geldsystem geben. Mir ist es dabei sehr um eine unparteiische Darlegung gelegen, weshalb sie hier meine persönliche Auffassungen und Präferenzen zu den einzelnen Themen nicht finden werden. Den Konjunktiv werde ich dabei nicht die ganze Zeit bemühen, hiermit habe ich mich von einer unmittelbaren Bindung zu den Kritikpunkten distanziert. Dass mir kein komplett objektiver Umriss gelingen wird, bitte ich zu entschuldigen. Selbst wenn mir dies möglich wäre, würden sich trotzdem viele Geldsystemkritiker ungerecht und falsch dargestellt sehen. Hinter jedem deskriptiven Satz kann eine subtil normative Überlegung gelesen werden. Das liegt in der Natur der Sache.

# Wer bin ich mir anzumaßen ein System zu verstehen,

 

dass vielleicht niemand mehr gänzlich durchblickt?

Die meisten Geldsystemkritiker lassen sich grob in zwei Schulen unterteilen. Die für gewöhnlich eher linksgesinnten Gesellianer sehen sich in der Tradition des Finanztheoretikers Silvio Gesell. Die liberalorientierten Hayekaner indes sehen in den Lehren der österreichischen Schule der Nationalökonomie, insbesondere der Friedrich August von Hayeks die gelungene Analyse der Funktion und Probleme des herrschenden Geldsystems. Ein Dialog zwischen diesen beiden Seiten scheitert meist bereits an verschiedenen Grundüberzeugungen. So sehen die Hayekaner im Staat einen zu unterbindenden Machtmonopolisten, die Gesellianer das Volk. Auch weitere klassisch linke und liberale Wertevorstellungen sind hier zu finden. In allzu reichen Unternehmensleiter sehen Gesellianer beispielsweise Ausbeuter des Allgemeinwohls, Hayekaner Begründer des Allgemeinwohls.

Doch haben die beiden Schulen bei genauerem Vergleich nicht nur verschiedene Ansichten. Hier nun die geäußerten Kritikpunkte an unserem und die Lösungskonzepte für unser Geldsystem. Den Buchstaben in den Klammern können sie entnehmen, welche Schulen den jeweiligen Kritikpunkt und Lösungskonzepte teilt, dabei steht (G) für Gesellianer und (H) für Hayekaner.

Kritikpunkte:

-       Historie (G;H)

-       Geldschöpfung (G;H)

-       Schuldgeld (G;H)

-       Zins (G)

 

-       Zinseszins (G)

Lösungskonzepte:

-       fließendes Geld (G)

-       soziales Bodenrecht (G)

 

-       freies Marktgeld (H)

1. Fragen?

"Die gemeinsten Meinungen und was jedermann für ausgemacht hält,

verdient oft am meisten untersucht zu werden."

 

- Georg Christoph Lichtenberg

Charakteristisch für beide Seiten ist die Meinung, dass die wichtigen Fragen bezüglich der Wirtschaft kaum gestellt werden und wir das tun sollten. Ansonsten könnte unser Weltwirtschaftssystem in nächster Zeit kollabieren. Ein Crashkurs im Cashkurs als Alternative zum direkten Crashkurs, quasi. Dabei sei es mitunter wichtig eine Wissenschaft zu begründen, die die Wirtschaft als organische Einheit betrachtet. Eine metamakroökonomische Betrachtungsweise, quasi. Die herkömmlichen Wirtschaftswissenschaften bauen auf Axiomen auf, die es ihnen nicht ermöglichen auf die wirklich relevanten Fragen zu stoßen. Innersystemisches Denken mag zwar gut gemeint sein, man bekämpfe aber bestenfalls Symptome und nie irgendwelche Ursachen. Ein Windmühlenkampf, quasi. Unser Geldsystem ist mit den Religionen zu vergleichen, die ebenso wenig hinterfragt werden. Und wenn jemand die Dinge hinterfragt wird er als Spinner und, oder Ketzer/Verschwörungstheoretiker abgestempelt. Früher eingesperrt, heute belächelt; früher Christentum, heute Kapitalismus, quasi. Man sollte sich der Blasphemie wagen und sich nicht einreden dass irgendwas alternativlos sei.

 „Das Dogma ist nichts anderes als ein ausdrückliches Verbot zu denken.“
Ludwig Feuerbach

Dabei müsse man nicht ausgemacht intelligent sein. Die angebrachten Fragen lerne man ja eh nicht in 10 Jahren Wirtschaftsstudium. Für das erste reicht es erstmal auf seinen Bauch zu hören. Sehen Sie sich die jüngsten Schlagzeilen aus den Zeitungen an. Der gesunde Menschenverstand wirft hier doch Fragen auf? Sie spüren doch, dass etwas nicht stimmt? Mit solchen Suggestivfragen lockt man den „Systemling“ aus der Reserve. Man bereitet ihn darauf vor  Fragen zu stellen, nicht ohne immer wieder zu beteuern niemanden zu glauben und dass man jedermanns Thesen und Dogmen überprüfen sollte.

Viele Fragen, auch die der Hayekaner, könnten so oder so ähnlich auch aus einem herkömmlichen, linken Milieu stammen: Haben wir jetzt eine Bankenkrise, eine Wirtschaftskrise, eine Staatsschuldenkrise, eine Finanzkrise, eine Währungskrise oder gar eine Systemkrise?

 

Wie kann es sein, dass sich der Staat Geld für teuren Zins von den Banken leiht, um die Banken zu retten? Wie kann es sein, dass es alternativlos ist ESM, Bankenrettung, Eurorettung zu finanzieren und Rentenangleichungen oder Steuersenkungen verhandelbar sind? Wie kann es sein, dass diejenigen die selbst kein Tisch und kein Auto her- oder bereitstellen, die Banken, dennoch die größten Autos fahren und an den exquisitesten Tischen speisen? Stellen sie vielleicht doch etwas Wertvolles her? Geld? Und was ist Geld? Welche Funktion hat Geld heute?

„Der größte Schritt ist der durch die Tür.“
Dänisches Sprichwort

Wozu braucht es stetiges Wachstum? Ist ein System, das auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen ewiges Wachstum braucht auf früher oder später nicht zum Scheitern verurteilt? Usw.

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