„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Chemische Evolution

Als chemische Evolution bezeichnet man den weitgehend unbekannten Mechanismus der Entstehung von Lebewesen aus organischen Stoffen. Sie ging im Hadaikum (bis vor etwa 4 Milliarden Jahren) der Evolution zellulärer Organismen voraus. Seither bildet sich Leben aus Leben (Biogenese).

 

Kennzeichen der chemischen Evolution ist die spontane Strukturbildung durch Autokatalyse, einschließlich der Entstehung der Homochiralität. Voraussetzung sind Fließgleichgewichte fernab des thermodynamischen Gleichgewichts. Als wahrscheinlicher Antrieb gelten thermische und chemische Gradienten heißer Quellen im Meeresboden.

 

Die Hypothese der chemischen Evolution löste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts endgültig die Hypothese der spontanen Entstehung von Mikroben in Nährmedien ab,[1] die Thomas Huxley Abiogenese genannt hatte (und ablehnte). Die neuen Wissenschaften der Zellbiologie und der Biochemie konnten zwar die Evolutionstheorie erhärten, erhellten aber auch die enorme Komplexität der Lebensvorgänge, sodass eine Beantwortung der Frage nach dem Beginn hoffnungslos schien und zunächst weitgehend ausgeblendet wurde.[2]

 

Inzwischen existieren zum Ablauf der chemischen Evolution verschiedene Hypothesen. Sie werden hauptsächlich durch Experimente gestützt, die auf Annahmen über die damalige chemische Zusammensetzung der Erdatmosphäre, der Hydrosphäre und der Lithosphäre sowie klimatische Bedingungen beruhen. Die Experimente reichen momentan nicht zur Formulierung einer Theorie aus, die erklären kann, wie das Leben entstand. So konnte zwar bereits die chemische Entstehung komplexer Moleküle beobachtet werden, die für biologische Abläufe notwendig sind, jedoch noch keine Bildung eines lebenden Systems.

 

Sicher zu sein scheint, dass sich nur eine Form von Leben, nämlich die auf Nukleinsäuren (RNA und DNA) beruhende, durchgesetzt hat (falls es je mehrere verschiedene gegeben haben sollte). Wesentliche Indizien für diese Theorie sind die Gleichheit der Bausteine der zwei wesentlichsten lebenstypischen
Makromoleküle in allen bekannten Lebensformen (die fünf Nukleotide als Bausteine der Nukleinsäuren und die 20 Aminosäuren als Bausteine der Proteine) und der universell gültige genetische Code
.

1. Übersicht

Hypothesen zur chemischen Evolution müssen verschiedene Aspekte erklären:

1.    Die abiogene Entstehung der Biomoleküle, das heißt ihre Entwicklung aus nichtlebenden beziehungsweise nichtorganischen Vorläufern (Kosmochemie).

2.    Die Entstehung sich selbst replizierender und variierender chemischer Informations-Systeme, das heißt die Entstehung der Zelle.

3.    Die Entstehung der gegenseitigen Abhängigkeit von Funktion (Enzyme) und Information (RNSDNS).

4.    Die Umweltbedingungen der Erde vor 4,5 bis 3,5 Milliarden Jahren (oder möglicherweise derzeit existierender vergleichbarer Himmelskörper wie Exoplaneten, Monde und Planemos).

Beiträge dazu kommen unter anderem von folgenden Wissenschaftlern:

·         Alexander Oparin: Koazervate (siehe unten)

 

·         Harold C. Urey und Stanley L. Miller 1953: Entstehung einfacher  Biomoleküle in einer simulierten Uratmosphäre (siehe unten)

·       Sidney W. FoxMikrosphären aus Protenoiden (siehe unten)

·       Thomas R. Cech (Universität von Colorado) und Sidney Altman (Yale-Universität New Haven Connecticut) 1981: autokatalytisches RNA-Splicing: „Ribozyme“ vereinigen Katalyse und Information in einem Molekül. Sie vermögen sich aus einer längeren RNA-Kette selbst herauszuschneiden und die verbleibenden Enden wieder zusammenzufügen.

·       Walter Gilbert (Harvard-Universität Cambridge) entwickelt 1986 die Idee der RNA-Welt (siehe unten)

·       Günter von Kiedrowski (Ruhr-Universität Bochum) veröffentlicht 1986 das erste selbstreplizierende System auf der Grundlage eines Hexanukleotids (DNA), wichtige Beiträge zum Verständnis der Wachstumsfunktionen selbstreplizierender Systeme.

·       Manfred Eigen (Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie Göttingen): Evolution von RNA-Protein-Ensembles. Hyperzyklus.

·       Julius Rebek jr. (MIT Cambridge) stellt ein künstliches Molekül her (Aminoadenosintriazidester), das sich in Chloroformlösung selbst repliziert. Allerdings sind die Kopien identisch mit der Vorlage, so dass eine Evolution für diese Moleküle nicht möglich ist.

·       John B. Corliss (Goddard Space Flight Center der NASA): Hydrothermale Schlote der Meere liefern Energie und Chemikalien, die eine von Meteoriten-Einschlägen weitgehend ungestörte chemische Evolution ermöglichen. Heute noch sind sie Lebensraum für die in vielen Merkmalen sehr urtümlichen Archaebakterien (Archaea).

·       Günter Wächtershäuser (München): Die ersten sich selbst replizierenden Strukturen mit Stoffwechsel seien auf der Oberfläche von Pyrit entstanden. Das Eisensulfid des Pyrits habe hierzu die notwendige Energie geliefert. Mit den wachsenden und wieder zerfallenden Pyritkristallen hätten diese Systeme wachsen und sich vermehren können und die verschiedenen Populationen seien unterschiedlichen Umweltbedingungen (Selektionsbedingungen) ausgesetzt gewesen.

.    G. Cairns-Smith (Universität Glasgow) und David C. Mauerzall (Rockefeller-Universität New York) sehen in Tonmineralien ein System, das zunächst selbst einer chemischen Evolution unterworfen ist, wodurch viele verschiedene, sich selbst replizierende Kristalle entstehen. Diese Kristalle ziehen auf Grund ihrer elektrischen Ladung organische Moleküle an und katalysieren die Synthese komplexer Biomoleküle, wobei der Informationsgehalt der Kristallstrukturen zunächst als Matrize dient. Diese organischen Gebilde werden immer komplexer, bis sie sich ohne Hilfe der Tonmineralien vermehren können.

 

·       Wolfgang WeigandMark Dörr et al. (Friedrich-Schiller-Universität Jena) zeigen 2003, dass Eisensulfid die Synthese von Ammoniak aus molekularem Stickstoff katalysieren kann.

Noch steht ein einheitliches Modell zur chemischen Evolution aus, möglicherweise weil grundlegende Prinzipien noch nicht entdeckt wurden.

2. Vorüberlegungen

2.1. Biomoleküle

Die präbiotische Entstehung der komplexen organischen Moleküle kann in drei Schritte unterteilt werden:

1.    Entstehung einfacher organischer Moleküle (Alkohole,Säuren, Heterozyklen wie Purine und Pyrimidine) aus anorganischen Stoffen.

2.    Entstehung der Grundbausteine (Einfachzucker, Aminosäuren, Pyrrole,
FettsäurenNukleotide) komplexer organischer Moleküle aus einfachen organischen Molekülen.

3.    Entstehung der komplexen organischen Moleküle aus den Grundbausteinen.

Die Elementaranalyse dieser Moleküle führt zu der Frage, welche anorganischen Verbindungen zu ihrer Entstehung notwendig waren.

Zusammensetzung der Biomoleküle
  C H O N S P
Kohlenhydrate X X X      
Lipide X X X X   X
Proteine X X X X X  
Nukleotide X X X X   X
Porphyrine X X X X    
mögliche anorganische Quelle der Elemente
  reduziert oxidiert
Kohlenstoff (C) Methan (CH4) Kohlenstoffdioxid (CO2), Kohlenstoffmonoxid (CO)
Wasserstoff (H) Wasserstoff (H2) Wasser (H2O)
Sauerstoff (O) Wasser (H2O) Sauerstoff (O2)
Stickstoff (N) Ammoniak (NH3) Nitrate (NO3)
Schwefel (S) Schwefelwasserstoff (H2S) Sulfate (SO42−)
Phosphor (P) Phosphin (PH3) Phosphate (PO43−)

Alle Hypothesen gehen davon aus, dass neben Wasser und Phosphat zunächst nur die reduzierten Formen der heute üblichen chemischen Verbindungen in ausreichender Menge zur Verfügung standen, da die Uratmosphäre kaum molekularen Sauerstoff enthielt.

 

Als Energiequelle werden UV-Strahlen und Blitze angenommen.[3] Nach einigen sehr beachtenswerten neueren Theorien käme die nötige Energie für die Entstehung von Bio-Molekülen alternativ dazu auch aus anaeroben Redoxprozessen zwischen reduzierten vulkanischen Gasen und sulfidischen Mineralien wie Pyrit (FeS2).

2.2. Die Rolle des Wassers für die Evolution des Lebens

Leben, wie wir es kennen (bzw. definieren), benötigt Wasser als universelles Lösungsmittel. Es hat Eigenschaften, die nach akzeptiertem naturwissenschaftlichem Verständnis die Entstehung von Leben ermöglichen (siehe auch anthropisches Prinzip). Möglicherweise kann Leben unabhängig von Wasser entstehen und existieren, viele Wissenschaftler nehmen aber an, dass die Anwesenheit von flüssigem Wasser (in einem bestimmten Gebiet oder auf einem bestimmten Planeten, wie dem Mars) unsere Art Leben nicht nur ermöglicht, sondern sein Entstehen sogar sehr wahrscheinlich macht.

 

 

Für die Entstehung des Lebens sind folgende Eigenschaften des Wassers relevant:

  • Wasser ist in einem Temperaturbereich flüssig, in dem organische Moleküle stabil sind.
  • Wasser ist als polares Medium für chemische Reaktionen besonders geeignet, da es eine homogene Durchmischung ermöglicht, Protonen für Katalysen zur Verfügung stellen kann und eine hohe Wärmekapazität hat und somit überschüssige Reaktionswärme aufnimmt.
  • Die Anomalie des Wassers verhindert, dass Gewässer vom Grund aus vereisen, und sorgt für einen Bereich gleichmäßiger Temperatur.
  • Wasser, in dem Stoffe gelöst sind, wie Meerwasser, bildet beim Ausfrieren Bereiche unterschiedlicher Stoffkonzentrationen, die von Eismembranen umgeben sind. Nach der umstrittenen Meereis-Hypothese des Physikers Hauke Trinks seien so nicht nur Biomoleküle, sondern auch das Leben entstanden.

 

H2O ist eine chemische Verbindung, die auf der Erde unter natürlichen Bedingungen in allen drei Aggregatzuständen vorkommt.
H2O ist eine chemische Verbindung, die auf der Erde unter natürlichen Bedingungen in allen drei Aggregatzuständen vorkommt.

2.3. Rolle der Erdatmosphäre

Die Erdatmosphäre war zur Zeit der Abiogenese kühl, siehe das sogenannte Paradoxon der schwachen jungen Sonne. Sie hatte reduzierenden Charakter, war also weitgehend frei von molekularem Sauerstoff und ohne Ozonschicht, siehe Entwicklung der Erdatmosphäre. Der dominierende Antrieb chemischer Reaktionen war die kaum gefilterte UV-Strahlung. Sie erzeugte energiereiche Moleküle, die vom Regen in die Gewässer gespült wurden, verhinderte aber gleichzeitig durch Photolyse die Ansammlung komplexerer Moleküle in der Atmosphäre, an der Bodenoberfläche und im durchmischten Bereich der Gewässer.

 

Die damals schnellere Erdrotation bedingte eine flachere planetare Grenzschicht und damit eine konzentriertere Dissipation in Form von Tornados.

3. Experimente und Hypothesen zur chemischen Evolution

3.1. Das Miller-Urey-Experiment

Miller-Urey-Experiment

Der Versuchsaufbau des Miller-Urey-Experiments
Der Versuchsaufbau des Miller-Urey-Experiments

Das Miller-Urey-Experiment basiert auf einer der bekanntesten Hypothesen zur Evolution. Sie wurde in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts vom russischen Forscher A. I. Oparin und dem britischen J. B. S. Haldane veröffentlicht. Die Theorie besagt, dass die Bedingungen der Erde schon damals bestimmte chemische Reaktionen begünstigten. Aus einfacheren Verbindungen der Atmosphäre und des Meeres sollen organische Verbindungen synthetisiert worden sein. Die nötige Energie wurde durch die sehr intensive UV-Strahlung geliefert, die durch Mangel von O2 und O3 ungehindert in die Atmosphäre eindringen konnte.

1953 wurde vom Chemiker Stanley Miller und von Harold C. Urey durch das Ursuppen-Experiment diese Hypothese überprüft. In dem Versuch zeigten sie, dass in einer – den angenommenen präbiotischen Bedingungen ähnlichen – Umgebung, mittels Zufuhr von Energie (Blitzen), aus anorganischen Verbindungen (Wasser, Ammoniak und Wasserstoff) sowie Methan komplexere organische Verbindungen wie Aminosäuren und niedere Carbon- undFettsäuren entstehen können. In späteren, meist komplizierter aufgebauten Ursuppenversuchen konnten sowohl alle wesentlichen Bausteine der Lebewesen [Aminosäuren, LipidePurine (Nucleotidbasen) und Zucker], als auch die komplizierten organischen Verbindungen Porphyrine und Isoprene erzeugt werden.

 

Obwohl damit die grundsätzliche Möglichkeit der natürlichen Bildung organischer Moleküle gezeigt war, wird die Bedeutung dieses Resultats für den tatsächlichen Ablauf der Entstehung irdischen Lebens heute vielfach kritisch gesehen. In dem Ursuppen-Experiment wurde damals davon ausgegangen, dass die irdische Atmosphäre chemischreduzierenden Charakter hatte, was dem damaligen Wissensstand entsprach. Heute wird dagegen oftmals von einer nur schwach reduzierenden oder gar neutralen Atmosphäre zu dieser Zeit ausgegangen, allerdings ist die Frage noch nicht abschließend geklärt und es werden auch lokale chemische Inhomogenitäten der atmosphärischen Verhältnisse diskutiert, etwa in der Umgebung von Vulkanen. Zwar konnte durch spätere Experimente gezeigt werden, dass auch unter solchen veränderten atmosphärischen Bedingungen organische Moleküle entstehen; sogar solche, die beim ursprünglichen Experiment nicht entstanden sind, wobei aber die Ausbeute stark vermindert ist. Deswegen wird oft argumentiert, dass andere Möglichkeiten der Herkunft organischer Moleküle zumindest eine zusätzliche Rolle gespielt haben müssen. Angeführt werden hierbei meist die Entstehung organischer Moleküle im Weltall und deren Transfer zur Erde durch Meteoriten oder auch die Entstehung in der Umgebung sogenannter Schwarzer Raucher.

 

Als ein weiteres Argument gegen den Ursprung der biologischen organischen Moleküle gemäß dem Ursuppenversuch wird oftmals angeführt, dass in diesem Versuch ein Racemat, das heißt ein Gemisch aus L-Aminosäuren und D-Aminosäuren, entstand. Alle in lebenden Organismen vorkommenden Aminosäuren sind jedoch rein L-konfiguriert (siehe Biologische Chiralität). Es müsste also einen natürlichen Prozess geben, der chirale Moleküle bestimmter Händigkeit bevorzugt selektiert. Von Astrobiologen wird darauf hingewiesen, dass dies einfacher im Weltall zu erklären sei, da photochemische Prozesse mit zirkular polarisierter Strahlung, wie sie beispielsweise durch Pulsare erzeugt wird, in der Lage sind, nur chirale Moleküle bestimmter Händigkeit zu zerstören. Tatsächlich wurden in Meteoriten chirale organische Moleküle gefunden, bei denen die Häufigkeit der L-Form um bis zu 9 % überwog.[4] Allerdings wurde 2001 gezeigt, dass auch selbstreplizierende Peptidsysteme in der Lage sind, effektiv homochirale Produkte aus einem ursprünglichen Racemat zu verstärken, was nach Ansicht dieser Forscher die Auffassung der irdischen Entstehung der Händigkeit biologischer Moleküle unterstützt.[5]

3.2. Weitere Reaktionen

Aus den beim Miller-Urey-Experiment auftretenden Zwischenprodukten Formaldehyd (CH2O) und Cyanwasserstoff (HCN) lassen sich unter den simulierten Bedingungen der Erde vor 4,5 Milliarden Jahren weitere Biomoleküle herstellen. So gelang Juan Oro 1961 die Synthese von Adenin:

Edukte

   

Produkte

2 CH2O

HCN

H2O

Serin

5 CH2O

   

Ribose

 

5 HCN

 

Adenin

Er demonstrierte auch die Bildung von Adenin und Guanin durch Wärme-polymerisation von Ammoniumcyanid in wässriger Lösung.[6] Aus Ribose, Adenin und Triphosphat entsteht das Adenosintriphosphat (ATP), welches in den Organismen als universeller Energieträger und als Baustein (als Monophosphat) der Ribonukleinsäuren (RNA) genutzt wird.

3.3. Mitwirkung von Mineralen und Gesteinen

·       In winzigen Hohlräumen der Gesteine sind die organischen Moleküle vor UV-Strahlung geschützt.

·       Kristalloberflächen können als Matrix für wachsende Makromoleküle dienen. Dabei können die Kristalloberflächen bestimmte Molekülformen bevorzugen.L- und D-Aminosäuren werden auf einem Calcit-Kristall an unterschiedlichen Stellen angelagert.

·       Aharon Katchalssky (Weizmann-Institut Israel) konnte in wässriger Lösung mit Hilfe des Tonminerals Montmorillonit Proteine mit einer Kettenlänge von mehr als 50 Aminosäuren in nahezu 100-prozentiger Ausbeute erzeugen.

·       Metallionen können als Katalysatoren oder als Elektronendonatoren fungieren oder in Biomoleküle eingebaut werden.

·       Tonminerale weisen oft eine elektrische Ladung auf und können so geladene organische Moleküle anziehen und festhalten.

3.4. Die Eisen-Schwefel-Welt (ESW) nach Wächtershäuser

Eine besonders intensive Form der Mitwirkung von Mineralen und Gesteinen bei der präbiotischen Synthese organischer Moleküle kann sich auf der Oberfläche von Eisensulfid-Mineralen abgespielt haben. Die Theorie von Miller-Urey weist nämlich schwerwiegende Begrenzungen auf, besonders in Hinblick auf das Fehlen einer Erklärung für die Polymerisation der gebildeten monomeren Bausteine der Biomoleküle.

 

Ein alternatives Szenario für die frühe Evolution des Lebens wurde daher seit Anfang der 1980er Jahre von dem Münchner Patentanwalt Günter Wächtershäuser entwickelt, der für seine alternative Theorie schnell die Unterstützung des Philosophen Karl Popper gewinnen konnte. Danach wäre das Leben auf der Erde an der Oberfläche von Eisen-Schwefel-Mineralen entstanden, also Sulfiden, die sich heute noch durch geologische Prozesse an Tiefsee-Vulkanen bilden, zur Frühzeit der Erde noch wesentlich häufiger aufgetreten und wohl auch auf vielen Exoplaneten und Planemos vorhanden sein müssen.

 

Der große Vorteil dieses Konzepts gegenüber allen anderen Theorien ist, dass damit erstmals die Möglichkeit besteht, die Bildung komplexer Bio-Moleküle an eine kontinuierlich verfügbare und verlässliche Energieversorgung zu koppeln. Die Energie kommt durch die Reduktion von Eisen in Eisen-Schwefel-Mineralen wie Pyrit (FeS2) mit elementarem Wasserstoff (H2) zustande (Reaktionsschema: FeS2 + H2  FeS + H2S) und liefert genug Energie, um eine präbiotische Ammoniaksynthese und auch um endergone Synthesereaktionen für monomere Bausteine von Biomolekülen und für deren Polymerisierung anzutreiben. Ähnlich wie Eisen-Ionen bilden auch andere Schwermetall-Ionen mit Schwefelwasserstoff unlösliche Sulfide (siehe Schwefelwasserstoffgruppe).

 

Zusätzlich bieten Pyrit und andere Eisen-Schwefel-Minerale positiv geladene Oberflächen, an denen sich die überwiegend negativ geladenen Biomoleküle (organische Säuren, Phosphatester, Thiolate) anlagern (oft durch
Komplexbildungsreaktionen), konzentrieren und miteinander reagieren können. Hierfür erforderliche Stoffe wie SchwefelwasserstoffKohlenmonoxid und Eisen-II-Salze gelangen aus der Lösung zudem direkt an die Oberfläche dieser „Eisen-Schwefel-Welt“ (ESW). Wächtershäuser zieht für seine Theorie die heute noch bestehenden Grundmechanismen des Stoffwechsels heran und leitet aus diesen ein in sich konsistentes Szenario der Synthese komplexer organischer Moleküle und Biomoleküle (organische Säuren, Aminosäuren, Zucker, Nucleinbasen, Lipide) aus einfachen anorganischen Vorläufer-Molekülen ab, die in vulkanischen Gasen zu finden sind (NH3, H2, CO, CO2, CH4, H2S).

 

Im Gegensatz zur Miller-Urey-Hypothese wird keine Kraft von außen in Form von Blitzen oder UV-Strahlung benötigt; zudem laufen die ersten einfachen chemischen Umsetzungen bei erhöhter Temperatur viel schneller ab, ohne dadurch (wie etwa enzym-katalysierte biochemische Reaktionen) behindert zu werden. Da bei Tiefseevulkanen Temperaturen bis 350 °C erreicht werden, kann man sich die Entstehung des Lebens bei diesen hohen Temperaturen gut vorstellen. Erst später, nach der Entstehung temperatursensitiver Katalysatoren
(Vitamine, Proteine), muss sich die weitere Evolution in kühleren Nischen vollzogen haben.

 

Das Wächtershäuser-Szenario passt deshalb auch gut zu den beobachteten Verhältnissen in schwarzen Rauchern der Tiefsee, weil in diesen Strukturen durch steile Temperaturgradienten von innen nach außen eine solche Einnischung leicht möglich erscheint. Auch sind die gegenwärtig lebenden Mikroorganismen, die als die ursprünglichsten angesehen werden, zugleich die thermophilsten mit einem (bisherigen) Temperaturmaximum für das Wachstum bei +113 °C. Außerdem haben Eisen-Schwefel-Zentren eine wichtige Funktion in vielen aktuellen Enzymen z. B. der Atmungskette. Dies könnte auf die ursprüngliche Beteiligung von Fe-S-Mineralen an der Evolution des Lebens hindeuten, zumal diese auch heute noch Stoffwechselprodukte anaerober Bakterien darstellen.

 

Die These der chemoautotrophen Entstehung des Lebens in schwarzen Rauchern wird insbesondere von den Forschern William Martin und Michael Russell vertreten.[7]

Anaerobe Bakterien, deren archaischer Stoffwechsel Eisen und Schwefel einbezieht, existieren noch heute – Stoffwechselprodukt: Eisensulfid.
Anaerobe Bakterien, deren archaischer Stoffwechsel Eisen und Schwefel einbezieht, existieren noch heute – Stoffwechselprodukt: Eisensulfid.

3.5. Die Bildung von Makromolekülen

Biomakromoleküle sind Proteine und Nukleinsäuren. Die Verlängerung der Molekülketten (Polymerisation) benötigt Energie und erfolgt unter Wasserabspaltung (Kondensationsreaktion). Umgekehrt liefert die Spaltung der Makromoleküle (Hydrolyse) Energie. Da das chemische Gleichgewicht so weit auf der Seite der Monomere liegt, dass diese Reaktionen thermodynamisch
irreversibel
 in Richtung der Polymer-Hydrolyse verlaufen, kann es keine Polymer-Synthese ohne ein zugeschaltetes Energie-lieferndes System geben. Auch durch theoretische Hilfskonstrukte, wie Abdampfen von Wasser, Zugabe von Salz (entzieht Wasser) oder Ausfällung der Produkte, ändert sich dieses Problem nur unwesentlich. Die Entstehung von Leben ist also sehr wahrscheinlich an die Kopplung an eine verlässliche Energiequelle gebunden, die für die Polymersynthese genutzt werden kann.

Als Energiequelle wird heute in der Biochemie vor allem ATP genutzt, dessen Bildung allerdings bereits die Anwesenheit von Enzymen voraussetzt. Unter den Bedingungen der Proto-Erde kann man sich andererseits auch die Energetisierung der Polymersynthese durch hydrolytische Spaltung von Polyphosphat vorstellen, das auch heute noch von einigen Enzymen anstelle von ATP genutzt wird. Allerdings ist es auch bei Polyphosphaten schwierig vorstellbar, dass diese in den notwendigen Mengen zur Verfügung standen, da sie zwar spontan gebildet werden können, wenn phosphathaltige Lösungen eingedampft werden, aber auch relativ schnell wieder spontan hydrolysieren, wenn sie wieder in Lösung kommen. Aus diesen Überlegungen heraus müsste man als Entstehungsort des Lebens eine seichte Meeresbucht fordern, die regelmäßig austrocknet und wieder überflutet wird. Dadurch würden aber auch alle wasserabhängigen Prozesse immer wieder unterbrochen und die Lebensentstehung zumindest stark verzögert. Schließlich kann man sich aber auch ein ganz anderes System vorstellen, in dem sowohl die Synthese der Bausteine als auch die energieabhängige Bildung von Polymeren als kontinuierlicher Prozess in ununterbrochener Kopplung an eine verlässliche Energiequelle stattfindet, nämlich anaerobe Redoxreaktionen mit Metallsulfiden. Diese werden durch vulkanische Tätigkeit auch heute noch in großen Mengen am Grund der Ozeane freigesetzt, wo sie unter anderem Strukturen wie die schwarzen Raucher ausbilden, die von diversen Mikroorganismen und höheren Tieren dicht bevölkert werden.

 

Das Gleichgewicht der Polymersynthese wird durch Erhöhung der Konzentration der Bausteine (Monomere) und durch Entwässerung der Produkte zugunsten der Bildung der Polymere verschoben. Voraussetzung dafür ist eine Kompartimentierung, das heißt die Abgrenzung von Reaktionsräumen voneinander, die nur noch in begrenztem Stoffaustausch zur Umwelt stehen. In der konventionellen Theorie wurde dies in flachen, kleinen Gewässern (Tümpeln) mit hoher Verdunstungsrate angesiedelt, was als Grundidee noch auf Charles Darwin zurückgeht. Allerdings werden auch heute noch in vulkanischen Gebieten der Tiefsee in den großen Strukturen schwarzer Raucher ausgefällte Metallsulfide in Form kleiner Kavernen beobachtet, die ebenfalls ein attraktives Szenario einer Umwelt darstellen, wo alle Reaktionen von der Monomersynthese über die Aufkonzentrierung und Polymerisation der Monomere mit einem „eingebauten“ Energiekonservierungssystem ablaufen können.

 

Weitere Lösungsansätze wurden in Betracht gezogen, haben aber alle schwerwiegende Limitationen und sind nicht gut mit den Bedingungen auf der frühen Erde in Einklang zu bringen. Meist wird dabei für einen oder mehrere Schritte Wasserausschluss gefordert, der im Chemielabor einfach zu erreichen ist, schwerer aber auf der Protoerde. Eines dieser Systeme ist die Polymerisation von Carbodiimiden (R–N=C=N–R) oder Dicyan (N≡C–C≡N) in wasserfreiem Medium. Hier wird die Kondensation der Bausteine mit der Reaktion von Carbodiimid gekoppelt, wobei die notwendige Energie entsteht:

Zwar bildet sich Dicyan unter UV-Einwirkung aus Cyanwasserstoff, in austrocknenden Tümpeln würde allerdings auch das leichtflüchtige Molekül verloren gehen.

 

Wird ein trockenes Gemisch von Aminosäuren einige Stunden auf 130 °C erhitzt, bilden sich proteinähnliche Makromoleküle. Sind Polyphosphate zugegen, genügen 60 °C. Diese Bedingungen können sich ergeben, wenn Wasser mit gelösten Aminosäuren in Kontakt mit heißer, vulkanischer Asche kommt.

 

Erhitzt man ein Nukleotidgemisch in Gegenwart von Polyphosphaten auf 55 °C, entstehen zwar Polynukleotide, allerdings findet die Verknüpfung eher über die 5’- und 2’-C-Atome der Ribose statt, da sie leichter erfolgt als die in allen Organismen vorhandene 5’-3’-Verknüpfung. Aus beiden Typen von Polynukleotiden bilden sich Doppelhelices (vergleiche Bau der DNA). Allerdings ist die 5’-3’-Doppelhelix stabiler als die 5’-2’-Helix.

 

Fehlt am 2’-C-Atom der Ribose die Hydroxygruppe, liegt die Desoxyribose vor. Jetzt können sich nur 5’-3’-Verknüpfungen bilden, wie sie für die DNA typisch sind.

3.6. Bildung präbiotischer Strukturen (Zellvorläufer)

Zellen erhalten ihre Funktion dadurch aufrecht, dass sie mehrere Reaktionsräume (Kompartimente) bilden, in denen die Stoffwechselvorgänge voneinander getrennt ablaufen und unerwünschte Reaktion vermieden werden können; gleichzeitig können so Konzentrationsgradienten aufgebaut werden. Es gibt mehrere Hypothesen, anhand derer hergeleitet wurde, dass sich solche Strukturen bereits vor dem Entstehen von Zellen herausbilden konnten.

3.6.1. Koazervate

Vor allem Alexander Iwanowitsch Oparin (1894–1980) beschäftigte sich mit der Möglichkeit des Stoffwechsels in Koazervaten (von lateinisch coacervatio: Aufhäufung). Er konnte zeigen, dass abgegrenzte Räume mit einem einfachen Stoffwechsel prinzipiell durch Selbstorganisation entstehen können, vorausgesetzt, dass Katalysatoren mit spezifischen Eigenschaften vorhanden sind. Da die verwendeten Substanzen dem Repertoire der heute lebenden Organismen entstammen, sind Oparins Koazervate nicht als Vorläufer von Zellen zu sehen, sondern als Analogie-Modelle für die Entstehung von Vorläufer-Zellen.

 

Gibt man zu kolloidalen Lösungen von Biomakromolekülen Salz hinzu, bilden sich kleine Tröpfchen mit einem Durchmesser zwischen 1 und 500 µm, die die Polymere in hoher Konzentration enthalten.

 

Oparin untersuchte Gemische aus Eiweißen (Histon und Albumin), Eiweißen und Kohlenhydraten (Histon und Gummi arabicum) und Eiweißen und Polynukleotiden (Histon oder Clupein und DNA oder RNA).

 

Enthalten Tröpfchen aus Histon und Gummi arabicum das Enzym Phosphorylase, so können diese Tröpfchen Glucose-1-phosphat aus der Umgebung aufnehmen, zu Stärke umwandeln und speichern. Das freigesetzte Phosphat diffundiert nach außen. Das Tröpfchen wird durch die Zunahme an Stärke größer, bis es in kleinere Tröpfchen zerfällt, die wieder Phosphorylase enthalten können, allerdings weniger als das Ausgangströpfchen. Damit verlangsamt sich auch der Stoffwechsel. Hier wird deutlich, dass zu einem Erhalt der Eigenschaften einer Zelle die Regeneration der Enzymausstattung nach erfolgter Teilung notwendig ist.

 

Wird auch das Stärke abbauende Enzym Amylase hinzugegeben, ergeben sich Koazervate mit einem zweistufigen Stoffwechsel:

1.    Aufnahme von Glucose-1-phosphat Aufbau von Stärke.

2.    Abgabe von Phosphat Spaltung der Stärke und Abgabe von Maltose.

3.6.2. Mikrosphären

Im Jahr 1970 konnte Sydney Fox nachweisen, dass sich aus den proteinartigen Produkten (Proteinoide), die beim Erwärmen trockener Aminosäuregemische entstehen (siehe oben), auch durch Selbstaggregation wachsende Tröpfchen ergeben können, sogenannte Mikrosphären. Sie grenzen sich von der Umgebung durch eine semipermeable Membran ab und nehmen weiteres proteinartiges Material aus der Umgebung auf. Dadurch wachsen sie weiter und zerteilen sich wieder in kleinere Tröpfchen. Des Weiteren fand Fox, dass diese Systeme enzymatische Eigenschaften haben, Glucose abbauen oder sich wie Esterasen oder Peroxidasen verhalten, ohne dass von außen Enzyme hinzugefügt worden wären.

3.6.3. Protozellen

Jack Szostak und Mitarbeiter am Massachusetts General Hospital, Boston, konnten in Modellversuchen zeigen, dass sogenannte Protozellen (das heißtVesikel bestehend aus einfachen FettsäurenFettalkoholen und Fettsäure-Glycerinester) folgende Eigenschaften (in Kombination) zeigen: Sie sind thermostabil zwischen 0 und 100 °C; sie können DNA- und RNA-Polymere im Innern einschließen; sie erlauben die Denaturierung (Trennung) der Polynukleotidstränge bei erhöhter Temperatur ohne Verlust der Einzelstränge aus der Protozelle; sie können unspezifisch (das heißt ohne Transmembran-Transportsysteme, z. B. Proteine) und sehr schnell geladene Moleküle wie Nukleotide aufnehmen.[8]

3.7. Die RNA-Welt

Die RNA-Welt-Hypothese, die auf die Ergebnisse aus dem Miller-Urey-Experiment zurückgeht und erstmals 1967 von Carl Woese formuliert wurde,[9] besagt, dass eine Welt mit Leben basierend auf Ribonukleinsäuren (RNA) als universeller Baustein zur Informationsspeicherung und zur Katalyse chemischer Reaktionen unseren heutigen Formen des Lebens vorausging. Sie ist ein Bindeglied zwischen fundamentaleren Hypothesen der chemischen Evolution und dem Aufkommen erster zellulärer Lebensformen, wie Ribozyten. Im Rahmen der RNA-Welt-Hypothese wird angenommen, dass freie oder zellgebundene RNA im Laufe der Evolution durch das chemisch stabilere Informationsspeichermedium DNA und durch die funktionell flexibleren Proteine abgelöst wurde. Als ein Hinweis auf die Existenz der RNA-Welt werden Ribosomen und die katalytisch aktive ribosomale RNA angesehen, die evolutionäre Überbleibsel dieser Zeit darstellen könnten.[10]

3.8. Anreicherung

Das Reaktionsgleichgewicht zwischen Monomeren und Dimeren (von RNA oder anderen organischen Molekülen) liegt bei den auch damals geringen Konzentrationen im freien Ozean auf der Seite der Monomere. Eine Autokatalyse und damit die Entstehung von Leben ist dort unmöglich. Ein Mechanismus zur Anreicherung ist notwendig. Vorgeschlagen wurde eine Kombination von thermischer Konvektion und Thermophorese in porösen Mineralen heißer Quellen.[11]

4. Alternativ betrachtete Möglichkeiten

4.1. Biomoleküle aus dem Weltall

Die Erde ist seit Anbeginn ihrer Existenz dem Bombardement von Kometen und Meteoriten ausgesetzt, insbesondere in der als Großes Bombardement (Late Heavy Bombardment) bezeichneten ersten Phase nach der Erdentstehung. In etlichen Meteoriten wurden einfache organische Moleküle nachgewiesen, unter anderem Aminosäuren und Vorläufer von Zuckermolekülen, und Mechanismen für ihre Entstehung unter Weltraumbedingungen wurden vorgeschlagen und simuliert.[12] Die Zufuhr aus dem All kann jedoch nur nennenswert zur Konzentration solcher Moleküle beigetragen haben, wenn deren Lebensdauer in der Biosphäre ungewöhnlich groß ist. Das ist nicht der Fall. Gerade Minerale in Meteoriten sind katalytisch aktiv und fördern damit nicht nur den Auf-, sondern auch den Abbau komplexer Moleküle auf der Zeitskala von Stunden.[13]

 

Beachtet man die Homochiralität irdischer Biomoleküle (L-Aminosäuren und D-Zucker), so wäre eventuell eine mögliche Erklärung, dass die Aminosäuren aus dem Weltall stammen, da bei einigen dieser meteoritischen Aminosäuren ein Überschuss des L-Typ um bis zu über 9 % nachgewiesen wurde.[4] Diese Verteilung ist allerdings auch durch anorganische Feststoff-Katalysatoren auf der Erde erklärbar.

4.2. Lebensformen aus dem Weltall

Die noch spekulativere Panspermie-Hypothese besagt, dass durch „Animpfen“ der Erde mit niederen, bakterienähnlichen Lebensformen aus dem Weltall die ersten Lebewesen auf die Erde kamen. Dies verschiebt aber die Entstehung von Leben nur an einen anderen Ort und ist keine Erklärung für die Entstehung des Lebens an sich.

Literatur

·       Iris Fry: The Emergence of Life on Earth: A Historical and Scientific Overview. Rutgers University Press, 2000, ISBN 0-8135-2740-6.

·       Leslie E. OrgelPrebiotic Chemistry and the Origin of the RNA World. In: Critical Reviews in Biochemistry and Molecular Biology. Band 39, 2004, S. 99–123,doi:10.1080/10409230490460765, (online).

·       Horst Rauchfuss: Chemische Evolution und der Ursprung des Lebens.. Springer-Verlag, 16 January 2006, ISBN 978-3-540-27666-1, S. 1–408.

·       Robert ShapiroEin einfacher Ursprung des Lebens. In: Spektrum der Wissenschaft, November 2007, S. 64–72. ISSN 0170-2971.

·       Uwe Meierhenrich: Amino Acids and the Asymmetry of Life. Springer, 2008, ISBN 978-3-540-76885-2.

·       Günter WächtershäuserDie Entstehung des Lebens in einer vulkanischen Eisen-Schwefel-Welt - Von chemischer Notwendigkeit zum genetischen Zufall.In: Oliver Betz, Heinz-Rüdiger Köhler (Hrsg): Die Evolution des Lebendigen. Attempto, 2008, ISBN 978-3-89308-399-2.

·       Muriel Gargaud et al.: Young Sun, Early Earth and the Origins of Life: Lessons for Astrobiology. Springer, 2012, ISBN 978-3-642-22551-2eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.

·       William F. Martin et al.: Energy at life's origin. In: Science. Band 344, 2014, S. 1092–1093, doi:10.1126/science.1251653.

·       Jef Akst: RNA World 2.0. The Scientist, 1. März 2014.

Weblinks

·       "Wie das Leben auf die Erde kam" – SWR2 Radio Akademie: Evolution: Fluss des Lebens (PDF; 67 kB)

·         Wie dünn war die Ursuppe? aus der Fernseh-Sendereihe alpha-Centauri (ca. 15 Minuten). Erstmals ausgestrahlt am 8. Okt. 2000.

·       Die chemische Evolution: Hat es sie gegeben und wenn ja, wie sah sie aus? Überblicksartikel mit allen gängigen Argumenten "pro" und "contra". pdf-Datei, ca. 640 kB.

·       Schritte zum Leben: Moderne Erkenntnisse über die Entstehung des Lebens.

·       Audiomitschnitt: Ein höllischer Beginn – Die Entstehung des Lebens in einer vulkanischen Eisen-Schwefel-Welt Von Günter Wächtershäuser. Öffentliche Ringvorlesung: Evolution – Zufall und Zwangsläufigkeit der Schöpfung. Universität Göttingen, Wintersemester 2007/08. MP3-Datei, ca. 38 MB.

Einzelnachweise

1.    D. Huizuga: Zur Abiogenesis-Frage. In: E.F.W. Pflüger (Hrsg): Archiv für die gesamte Physiologie des Menschen und der Tiere. Band 7, Cohen, Bonn, 1873, S. 549–574, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.

2.    Iris Frey im Interview mit Chris Impey (Hrsg): Talking about Life: Conversations on Astrobiology. Cambridge, 2010, ISBN 978-0-521-51492-7, S. 13–21,eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.

3.    Horst Rauchfuß: Chemische Evolution und der Ursprung des Lebens. Springer 2006, ISBN 978-3-540-27666-1eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.

4.    Cronin, JR. und Pizzarello, S.: Enantiomeric excesses in meteoritic amino acids. In: Science. Band 275, 1997, S. 951–955, PMID 9020072,doi:10.1126/science.275.5302.951.

5.    A. Saghatelian, Y. Yokobayashi u. a.: A chiroselective peptide replicator. In: Nature. Band 409, Nummer 6822, Februar 2001, ISSN 0028-0836, S. 797–801, doi:10.1038/35057238PMID 11236988PDF (freier Volltextzugriff)

6.    Abiogenese (Wissenschaft Online).

7.    W. Martin und M.J. Russell: On the origins of cells: a hypothesis for the evolutionary transitions from abiotic geochemistry to chemoautotrophic prokaryotes, and from prokaryotes to nucleared cells. In: Philos. Trans. R. Soc. London. Ser 358, 2003, S. 59–85, PMID 12594918PMC 1693102(freier Volltext).

8.    Sheref S. Mansy, Jack W. Szostak: Thermostability of model protocell membranes. In: PNAS. Band 105, 2008, S. 13351–13355,doi:10.1073/pnas.0805086105.

9.    Carl R. Woese: The Genetic Code: The Molecular Basis for Genetic Expression. Harper & Row, 1967, ISBN 978-0-06-047176-7.

10. Yarus M: Primordial genetics: phenotype of the ribocyte. In: Annu. Rev. Genet.. 36, 2002, S. 125–51. doi:10.1146/annurev.genet.36.031902.105056.PMID 12429689.

11. Eugene V. Koonin: An RNA-making reactor for the origin of life. In: PNAS. Band 104, 2007, 9105–9106, doi:10.1073/pnas.0702699104.

12. M.P. Bernstein, et al.: Racemic amino acids from the ultraviolet photolysis of interstellar ice analogues. Nature 416, 2002 und G. Munoz Caro, et al.:Amino acids from ultraviolet irradiation of interstellar ice analogues. Nature 416, 2002.

13. Saladino, R. et al.: Catalytic effects of Murchison Material: Prebiotic Synthesis and Degradation of RNA Precursors. In: Orig Life Evol Biosph. Band 41, 2011, S. 437–451, PMID 21484535PDF (freier Volltextzugriff, engl.).

Verweise

Stand: 2016

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Kommentare: 9
  • #9

    WissensWert (Montag, 10 Juli 2017 20:19)

    Die Wahrscheinlichkeit für eine spontane Entstehung des Lebens kann man nicht für die Evolution anführen - weil es sich um einen langwierigen Prozess handelt. Um eine Entwicklung. Wenn ich die Tatsache ausblende, dass es sich um einen Prozess handelt, dann reden wir von "spontaner Entstehung" - kein Prozess.

    Es gibt von Richard Dawkins eine Analogie:

    Angenommen, ich habe einen Tresor vor mir, der 100 Stellräder mit den Zahlen von 0-9 hat. Wie lange dauert es, den Tresor zu öffnen, wenn ich pro Sekunde ein Stellrad drehen kann und dann versuche, ob sich der Tresor öffnet?

    Erheblich länger als die Gesamtdauer des Universums. Das ist also praktisch unmöglich oder eben sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich, den Tresor "spontan" zu öffnen.

    Aber nehmen wir an, wann immer ich ein Stellrad in die richtige Stellung gedreht habe, geht der Tresor ein kleines Stück auf. Wie lange brauche ich dann? Vielleicht eine halbe Stunde.

    Das ist der Unterschied zwischen "spontan und alles auf einmal" und einem Prozess. Evolution ist ein Prozess, keine spontane Entstehung von etwas.

    Der zweite Fehler ist der: Man nimmt an, dass die Teile, aus der ein Bakterium besteht, wie bei einem Puzzle alle an einem bestimmten Platz sein müssen. Das ist falsch, wie die Zahl der verschiedenen Variationen eines Bakteriums beweist. Es gibt keine zwei Bakterien, in der sich alle Teile an derselben Stelle befinden - obwohl Bakterien durch Teilung entstehen.

    Enzyme sind meist sehr tolerant gegen Änderungen. Sie erfüllen ihre Funktion auch dann noch, wenn man eine größere Menge an Molekülen austauscht. Sie funktionieren dann nur mehr oder weniger gut. Es gibt im Organismus kaum Teile, die, wenn sie etwas weniger gut funktionieren, sofort zum Tod führen. Es ist kein Puzzle, an dem feste Teile nur an einem vorgegebenen Ort sein können.

    Organismen sind sehr tolerant gegen größere, zufällige Änderungen. Bei der Analogie mit dem Tresor: Es muss nicht jedes Stellrad auf einen exakten Wert eingestellt sein, sondern wenn die richtige Zahl beispielsweise "5" ist, würden 3, 4, 6, und 7 auch noch funktionieren. Dann, genügend Zeit vorausgesetzt, wenn jemand zufällig an allen Rädern dreht, würde sich der Tresor sehr viel schneller öffnen.

    Noch mehr, wenn man nicht nur einen Tresor hat, sondern Billionen, an denen gedreht wird - denn es reicht schon einer aus, der geöffnet wird.

    Dritter Fehler: Die heute lebenden Bakterien haben - bei sehr kurzer Generationenfolge - 3,5 Milliarden Jahre Zeit gehabt, sich zu entwickeln. Was wir heute sehen hat mit den Urformen des Lebens wenig zu tun, sondern ist das Ergebnis eines langen Prozesses.

    Man könnte auch fragen: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Herr Daimler vor 100 Jahren einen heutigen Daimler Benz in einer Stunde entwickelt? Das ist unmöglich. Das heutige Auto wurde nicht "spontan" entwickelt, sondern in einem langen Prozess von schrittweisen Verfeinerungen. Wenn ich aber davon ausgehe, dass ein Auto vor 100 Jahren schon so durchkonstruiert sein musste, wie unsere heutigen Autos - gäbe es keine Autos und wir müssten zu Fuß laufen.

  • #8

    WissensWert (Samstag, 15 April 2017 14:24)

    https://youtu.be/hegt-Me9ZYk

  • #7

    WissensWert (Mittwoch, 07 September 2016 23:04)

    https://www.youtube.com/watch?v=ky2ej8jsaAk&feature=youtu.be

  • #6

    WissensWert (Mittwoch, 07 September 2016 23:03)

    http://www.welt.de/wissenschaft/weltraum/article135221297/Wie-das-Leben-auf-der-Erde-begonnen-hat.html

  • #5

    WissensWert (Mittwoch, 07 September 2016 23:03)

    http://www.heise.de/tp/artikel/42/42723/1.html

  • #4

    WissensWert (Mittwoch, 07 September 2016 23:02)

    https://www.youtube.com/watch?v=u4LL_3zoEBQ&feature=youtu.be

  • #3

    WissensWert (Mittwoch, 07 September 2016 23:01)

    https://www.youtube.com/watch?v=GAQ_6mEi2fs

  • #2

    WissensWert (Mittwoch, 07 September 2016 22:57)

    http://abenteuer-universum.de/leben/koschem.html

  • #1

    WissensWert (Mittwoch, 07 September 2016 22:56)

    Spricht die Existenz der Welt und des Lebens für einen intelligenten Schöpfer?
    Die Wahrscheinlichkeit für eine Entstehung des Lebens ohne Schöpfer lässt sich zwar nicht genau darstellen, da einige Eckdaten fehlen - sie ist aber definitiv nicht so extrem unwahrscheinlich und unplausibel wie Theisten immer weismachen wollen.
    Im Grunde geht es wirklich nur darum, wie wahrscheinlich ein Kettenmolekül entstehen konnte, das die Fähigkeit besaß, sich selbst zu kopieren. Was an sich weder unmöglich noch unplausibel ist, da es eigentlich ein simpler molekularer Vorgang ist, vor allem in einem thermodynamisch offenen System mit Energiezufuhr (Sonnenlicht). Dazu kommt, dass selbst wenn das Leben im Universum mit hunderten Milliarden Galaxien mit je hunderten Milliarden Sternen nur einmal entstanden wäre, wir logischerweise auf diesem leben - was also das Experimentierfeld von einer "Ursuppe" auf viele Trilliarden "Ursuppen" erhöht.
    Was aber die Wahrscheinlichkeit der Entstehung des Lebens durch einen Schöpfer angeht, so haben wir da überhaupt keine Daten, da es keinerlei Indiz für einen Schöpfer gibt und sogar einige Grundfragen gegen einen intelligenten Schöpfer sprechen:
    a) Der Prozess der Evolution erfordert von seinem Grundprinzip her keine Lenkung (mutativer Drift + funktionale Selektion = Wegsterben des Dysfunktionalen und Übrigbleiben des Funktionalen).
    b) Es finden sich in der Natur viele flickschusterhafte "dumme" Konstruktionen, die absolut auf eine ungelenkte Evolution deuten und nicht auf einen "intelligenten" Schöpfer.
    c) Es entspricht nicht ethischen Prinzipien, dass ein intelligenter, allwissender und allmächtiger Schöpfer so viel unnötiges Leid durch wegsterbende Fehlmutationen und durch das Prinzip von Fressen und Gefressenwerden entstehen ließe.
    d) Psychologisch ist der Glaube an einen Schöpfer als emotionaler Wunsch erkennbar - was die Plausibilität verringert, da es sich um Wunschdenken handelt.
    e) Epistemologisch ist das Deuten der Natur als intelligent kreiert ein typischer Fehlschluss, hinter unverstandenen dynamisch-komplexen Prozessen einen intelligenten Akteur zu vermuten.
    f) In den Gott zugesprochenen Eigenschaften finden sich massiv logische Widersprüche, die nicht auflösbar sind
    g) Es gibt keinerlei Hinweise auf die Existenz eines Gottes, der sich offenbart hat, da alle angeblichen Offenbarungen aufgrund ihrer Fehlerhaftigkeit, Zeit- und Kulturrelativität und mythologischen Abstammung eindeutig menschlicher Herkunft sind.
    h) Selbst menschliche Verständnislücken bei der Entstehung von Universum und Leben bedeuten noch lange nicht die Existenz eines Gottes. Genauso wie das Deuten früher unverstandener Naturphänomene wie Blitz und Donner als göttliche Akteure ein Fehlschluss war, so kann auch der Schluss von heutigen Ungeklärtheiten auf eine Gottheit ein Fehlschluss sein.
    j) Selbst wenn sich Gründe für eine Existenz eines Gottes / intelligenten Schöpfers der Welt / des Lebens ergeben sollten, so ist damit noch lange nicht geklärt, wie die Gläubigen daraus schließen, dass dieser gerade ihrer Vorstellung ihres Gottes (jüdisch / christlich / islamisch) entspricht - und ob und was diese Gottheit überhaupt von uns will.


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