„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Handlesen

Handlesen (auch Chirognomie, Chirologie) ist die Bezeichnung für eine esoterisch-astrologische Wahrsage-Technik, die die Charaktereigenschaften und das Schicksal eines Menschen anhand der Form der gesamten Hand, der Form und Länge der Finger, des Verlaufs und der Beschaffenheit der Beugelinien der Hand, des Aussehens, der Abmaße und der Beschaffenheit der Fingerballen und der Fingernägel deuten will. Das Handlesen ist ein Teil der Physiognomik.

Inhalt des Handlesens

Beim Handlesen geht es um die Deutung von Eigenschaften eines Menschen wie z.B. Ordnungsliebe, Durchsetzungskraft, Selbstbewusstsein, Interessen, soziale Fähigkeiten, Ehrgeiz, Stolz, aber auch „Lebenskraft“, Vitalität und Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten. So sollen anhand der Form und Farbe der Fingernägel Hinweise auf Erkrankungen und Vergiftungen ableitbar sein.[1]

 

In die Fingerform werden z.B. folgende Eigenschaften eines Menschen hineingedeutet:

 

·         lange Finger: intelligent

·         kurze Finger: weniger intelligent, voreilig, impulsiv

·         großgliedrige Finger: langsam denkend, gewissenhaft

·         spatelförmige Finger: tatkräftig

·         eingeschnürte Finger: rücksichtsvoll, aufmerksam

·         eckige Finger: vorsichtig, bedacht

·         schlanke Finger: Sinn für Ästhetik, introvertiert

·         konische Finger: förmlich, künstlerisch, impulsiv

·         dicke, kurze Finger: selbstsüchtig

·         krumme Finger: leicht reizbar und arglistig

·         schwammige Finger: genusssüchtig

·         knotige Gelenke: würdevoll, tiefer Denker

·         glatte Gelenke: impulsiv, schneller Denker

·         große Gelenke: rational und methodisch[2]

 

Besondere Bedeutung wird dem Verlauf der Beugefalten der Handinnenflächen beigemessen, der so genannten Handlinien, die in eine Lebenslinie, Kopflinie, Herzlinie, Schicksalslinie, Magenlinie, Sonnenlinie, Partnerschaftslinien, Neptunlinie und Uranuslinie unterschieden werden.

Geschichte

Das Handlesen reicht zurück bis in die frühen Hochkulturen Indiens, Ägyptens, Babyloniens und Assyriens und galt in der Antike als angesehene Geisteswissenschaft. Eine besondere Eignung der Hände zur Ableitung von Rückschlüssen auf Charaktereigenschaften oder zukünftige persönliche Ereignisse wurde daraus geschlossen, dass die Hände neben dem Gesicht den am individuellsten ausgeprägten Teil des Körpers darstellen.[3]

Heutige Bedeutung

Auch in der heutigen Zeit wird Handlesen von Astrologen und Heilpraktikern durchgeführt, obwohl diese Technik keinerlei Aussagekraft über das Schicksal eines Menschen besitzt.

 

Ähnlich wie bei Horoskopen sind die Aussagen von Handlesern bewusst vieldeutig formuliert und werden erst von den Klienten auf ihre spezielle Situation hin interpretiert. Die von Handlesern getätigten Aussagen sind so genannte Barnum-Statements, die vom Kunden stets als zutreffend empfunden werden sollen. Auch kommt es dabei zur Anwendung von Cold Reading-Methoden, bei denen der geübte Handleser aus bewussten oder unbewussten Äußerungen und Zeichen des Klienten Schlüsse zieht. Die Aussagen kommen dabei zu Persönlichkeitsbeschreibungen, die auf fast alle Menschen zutreffen können; etwa: "Sie sind ein sehr selbstkritischer Mensch". Natürlich können Handleser mit solchen Aussagen ihren Klienten Wahrheit vortäuschen. Ein Beweis dafür, dass man die Zukunft aus der Hand lesen kann, sind sie jedoch nicht.[4]

Gastbeitrag aus: Psiram

Stand: 2016

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