„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Traumdeutung

Traumdeutung oder Oneirologie (von griech. oneiros, „der Traum“) ist eine Form der Wahrsagerei, bei der aus den Inhalten von Träumen auf die Zukunft, die Wünsche oder die psychischen Eigenschaften einer Person geschlossen werden soll. Dabei werden nicht nur inhaltliche Abläufe eines Traumes, sondern auch Traumsymbole (z.B. Gegenstände) gedeutet, indem hinter den im Traum erlebten Bildern, Handlungen und Gefühlen jeweils eine bestimmte, meist wichtige symbolische Botschaft vermutet wird.

Geschichtliches

Die Interpretation von Träumen hatte in der Vergangenheit eine große Bedeutung. In der Antike wurde den Träumen eine göttliche oder dämonische Quelle zugeschrieben, die dem Menschen auf diesem Wege eine Botschaft übermittelt oder ihn in Versuchung geführt haben soll. Aus Träumen wurde die Zukunft vorhergesagt; sie flossen ebenfalls in Entscheidungen ein. Viele alte Kulturen waren auch davon überzeugt, dass es "Heilträume" gebe, also Träume, die direkte körperliche Heilwirkung haben. Dazu gab es in manchen antiken Tempelanlagen spezielle Heilschlafhallen, z.B. das Asklepius-Heiligtum in Epidaurus seit ca. dem 5. Jh. v.u.Z.[1]

 

Seit dem Zeitalter der Aufklärung wird der Charakter des Traums als Überbringer von Botschaften philosophisch bezweifelt. In der Neuzeit wurde die Traumdeutung durch Sigmund Freud wieder modern, weil dieser Träume in der Psychoanalyse als wichtige Quelle des Verstehens psychischer Krankheiten beim Menschen sah und dies auch von anderen Schulen der Psychoanalyse so gehandhabt wurde. Abgeleitet davon und abweichend von der Psychoanalyse wurden in der Esoterik verschiedene Traumsymbole zur Deutung verwendet.

Traumdeutung in der Esoterik

Die Esoterik hat die Idee der psychoanalytischen Traumdeutung, insbesondere von C.G. Jung, zwar aufgenommen, weicht aber in Symbolik und Deutung beträchtlich davon ab. Die Traumsymbole werden dabei pauschal einer bestimmten Eigenschaft oder Lebenssituation einer Person zugeordnet. Diese werden dann als Grundlage für eine spirituelle Lebensberatung verwendet. Träumt man z.B. von einem Baum, soll dies je nachdem, in welchem Zustand er ist, Folgendes aussagen (Auszug):[2]

·       Ein Wald voller weißer Bäume kann den Wunsch andeuten, eine neue, positive Lebensphase zu beginnen.

·       Ein Baum mit ausladenden Ästen steht für eine warmherzige und liebevolle Persönlichkeit, während ein kleiner, dichtblättriger Baum auf eine verklemmte Persönlichkeit schließen lässt.

·       Ein wohlgeformter Baum symbolisiert eine wohlgeordnete und ein großer, wirrer Baum eine chaotische Persönlichkeit.

·       Baum mit Blüten zeigt bessere Gesundheit, persönliches Glück oder neue Tatkraft und Energie an, manchmal auch stärkere sexuelle Bedürfnisse, die bisher vielleicht unterdrückt werden.

·       Baum mit Früchten verheißt Erfolge durch gute Arbeit, insbesondere wenn man sie selbst erntet.

·       Ein Baum, der verfaulte Früchte trägt, kann Sorge über die Zukunft anzeigen.

·       Kahle, abgestorbene oder verkohlte Bäume kündigen an, dass man die Früchte seiner Arbeit nicht ernten wird, sondern mit Misserfolgen und Sorgen rechnen muss. Manchmal kann dieses Symbol aber auch positiv als Warnung vor falschen Einstellungen, Haltungen, Überzeugungen und Idealen verstanden werden, die man ablegen sollte, weil sie im Leben einfach nicht mehr weiterhelfen.

·       Ein vermodernder oder toter Baum wird meist als ein Symbol des Missfallens oder der Angst gedeutet.

·       Ein Baum oder Schössling, der aus den Lenden eines Mannes sprießt, steht eindeutig für die sexuelle Energie, die das ganze Leben vorantreiben kann.

·       Schütteln des fruchtbehangenen Baumes verspricht ebenfalls zukünftiges Glück und Erfolge.

·       Träume, in denen Bäume gepflanzt werden, können bedeuten, dass ein Vorschlag, der jetzt wenig vielversprechend aussehen mag, im Laufe der Zeit zu Erfolg führen könnte.

·       Ein Traum, in dem man einen Baum fällt, deutet auf Erinnerungen oder Ängste vor Verlust hin. Der Verlust mag eine Person im Leben oder eine Sache, die einem lieb war, betreffen.

·       hohe Bäume: zeigen Macht und besondere Ehren an;

·       ein junger Baum: kündigt eine Geburt an;

·       mit grünen Blättern: ein gutes Omen und steht für Zufriedenheit;

 

·       immergrüner Baum: symbolisiert Langlebigkeit oder Unsterblichkeit;

Die Aussagen über den Symbolgehalt sind so vage, dass jeder Mensch etwas findet, das auf ihn zutrifft. Somit ist es auch nicht möglich, diese Deutungen zu falsifizieren, also als unzutreffend zu bezeichnen. Zudem werden diese Symbole von verschiedenen Traumdeutern unterschiedlich interpretiert. Traumdeutung mag ein belustigender Zeitvertreib sein, zu mehr taugt sie indes nicht. Die nervlichen Prozesse während des Schlafes sind zu komplex, als dass sie auf eine einzige Bedeutung eines Symbols reduziert werden können. Mögliche Treffer der Deutungen von Träumen lassen sich mit Cold Reading sowie dem Barnum-Effekt erklären und beruhen nicht auf einer geheimen, unbewussten Botschaft der Psyche einer Person.

Träume fließen auch in die Homöopathische Arzneimittelprüfung ein, indem ein homöopathisches Mittel unter das Kopfkissen gelegt wird und die Trauminhalte der Nacht als Symptome gedeutet werden, denen dann dieses Mittel zugeordnet wird.

Traumdeutung in der Psychoanalyse

Freuds Theorie zufolge enthalte jeder Traum eine höchst intime „Botschaft“ über die von den Erfahrungen der Kindheit maßgeblich bedingte Situation des Träumenden. In der Tiefenpsychologie steht daher die systematische „Entschlüsselung“ der Träume im Dienste der Selbsterkenntnis, die darüber hinaus eine existentielle Bedeutung für die psychische Diagnostik, die Voraussetzung einer psychoanalytischen Therapie, hat.

 

Aus den Ergebnissen seiner Methode der Traumdeutung leitete Freud ab, dass es psychische Inhalte gebe, die aktiv daran gehindert werden, das Bewusstsein zu erreichen. Den dafür maßgeblichen Verdrängungsmechanismus bezeichnete er in Anlehnung an eine Maßnahme der Machtpolitik als „Zensur“, die vom "Über-Ich" ausgehen soll. Der Schlaf setze diese kognitive Hemmung herab und ermögliche den ins Unbewusste verdrängten Inhalten, sich zu Träumen zu gestalten und in dieser Form das Bewusstsein zu erreichen. Der Vorgang der Traumgestaltung wird als „Primärprozess“ bezeichnet und findet Freud zufolge im so genannten Vorbewussten statt.

 

Da die tiefsten Trauminhalte dem "Es" entstammen sollen, kommen in Träumen auch dessen triebhafte Bedürfnisse, die vom "Über-Ich" besonders rigide unterdrückt werden, normalerweise sexuelle Inhalte. Da aber während des Schlafes immer noch ein Rest der Zensur fortbestehe, manifestierten sich diese (sexuellen) Triebe anhand verschlüsselter Symbole: längliche Gegenstände (Regenschirme, Eisenbahnen...) stellen demnach Penissymbole dar, während Höhlen, Schiffe, Dosen, Schachteln, Kästen, Schränke, Öfen usw. angeblich Erscheinungen der Vagina sein sollen. Da jeder Gegenstand eine mehr runde oder längliche Form aufweist, scheidet er damit praktisch die ganze Erscheinungswelt in Penis- und Vagina-Symbole. Da Freud zu einer Zeit lebte, in der über Sexualität nicht offen gesprochen wurde, müssten sich in der heutigen Zeit auch die Trauminhalte entsprechend zu weniger Zensur hin, also offensichtlicheren, direkten Symbolen hin geändert haben. Dies kann jedoch nicht beobachtet werden. Die Freudsche Traumdeutung ist wissenschaftlich nicht erwiesen.

b. Carl Gustav Jung

Carl Gustav Jung, ein ehemaliger Schüler Freuds, verstand den Traum als unmittelbar deutlich werdende Darstellung der inneren Wirklichkeit des Träumenden. Das bedeutet, es bedürfe keiner freien Assoziationen, um den Traum verstehen zu können. Eine Untersuchung nach den Methoden Freuds eigne sich daher kaum zur Ergründung des Unbewussten. Jung prägte auch den Begriff des kollektiven Unbewussten, aus dem Menschen kulturunabhängig gleiche Grundassoziationen gewännen (z.B. Animus und Anima als Archetypen des Verstandes und des Lebens). Auch bei Jung finden sich genitale Symbole als Archetypen. Jung stellte die von ihm als archetypisch angenommenen Symbole zu einem Katalog zusammen und ordnete ihnen eine tendenziell feste Bedeutung zu. Traumdeutung nach Jung bedeutet daher, dass der Analytiker diesen Katalog zur Auslegung des Traumes hinzuzieht, um die Bedeutung jedes Symbols nachzuschlagen und miteinander zu kombinieren. Diese Sichtweise entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.[3]

Literatur

·         Sigmund Freud: Die Traumdeutung

Gastbeitrag aus: Psiram

Stand: 2016

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