„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

1. topologische Modell

Zunächst wollte Freud drei Schauplätze finden, auf denen sich das gesamte, psychische Geschehen abspielt. So entwickelte er das topologische Modell, das psychische Inhalte nach dem Bewusstheitsgrad unterscheidet:

Bewusstsein: Ist das passive, subjektive Erlebnis einer Person an sich. Zum Bewusstsein zählen u.a. Sinneswahrnehmungen und Gedanken.

Vorbewusstsein: Ist das gegenwärtig nicht bewusste, aber durch aktive Aufmerksamkeit grundsätzlich bewusstseinsfähige. Zum Vorbewussten zählen u.a. Erinnerungen und Sprachkenntnisse.

Unterbewusstsein: Ist das generell nicht Bewusstseinsfähige. Durch freier Assoziation, Traumdeutungen und weiteren Äußerungen sind jedoch Rückschlüsse auf das Unbewusstsein möglich. Zum Unterbewusstsein gehört Verdrängtes.

2. Struktur-Modell

Später ging es Freud um die Instanzen, den Verursachern psychischer Prozesse. Aus dieser Intention heraus entstand sein Struktur-Modell. Dieses nun unterscheidet die menschliche Psyche in:

Das Es (Lustprinzip): Der unbewusste Teil der Psyche, der sich aufgrund von natürlichen Umständen (etwa Geschlechtszugehörigkeit) in Affekten (z.B.: Vertrauen), Bedürfnissen (z.B.: Geltungsbedürfnis) und Trieben (z.B.: Hunger) zeigt. Das Es agiert überwiegend hedonistisch (d.h. nach dem Lustprinzip) und bestimmt gemeinhin das menschliche Handeln.

Zunächst ist das Es allein Bestandteil der menschlichen Psyche. Aus den ursprünglichen Trieben heraus leitete Freud seine Triebtheorie ab.

Das Ich (Realitätsprinzip): Die Summe aus Selbstbewusstsein, Wahrnehmungen, Gedanken, Erinnerungen, aber auch bewussten Willensmotiven. Das Ich steht und vermittelt zwischen Es, Über-Ich und Außenwelt. Das Ich ist Träger der Libido.

Während den ersten Lebensmonaten entwickelt der Mensch ein Gefühl für das Ich und für das Nicht-Ich. Neben dem anfänglich bloßen Trieb entwickelt so der Säugling ein Selbstgefühl, eine Selbstvorstellung und ein Gespür für die Grenzen der eigenen Möglichkeiten. Das bloße Es erfährt durch das realitätsgebundene Ich eine Art selbstkritische, vernünftige Sozialisierung.

Das Über-Ich: Die moralische Instanz, die sich auf Ideale, Rollen, Weltbilder und vor allem die elterliche (oder sonst wie als autoritär empfundenen) Erziehung zurückführen lässt.

Das Über-Ich entsteht mit der Auflösung des Ödipus-Komplexes und wie auch das Ich aus dem Es heraus. Daher sieht Freud in Moral und Gewissen nur Ausdrücke der die Psyche beherrschenden Gefühlswelt. Im Laufe der fortschreitenden, menschlichen Entwicklung tadelt, kontrolliert und rügt das Über-Ich das eigene Verhalten. Dies sorgt für Verdrängen der Vorstellungen, Wünsche und Sehnsüchte des Es.

Eine „psychisch korrekte“ Handlung, wäre schlussfolgernd diejenigen Handlung, in der dem Ich eine Übereinstimmung zwischen den Trieben des Es, den Ansprüchen des Über-Ich und den Gegebenheiten der Außenwelt gelingt.

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