„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Sigmund Freud

Sigmund Freud (* 6.Mai 1856 - † 23. September 1939) war der Begründer der psychoanalytischen Theorie, einer der bedeutendsten Gedankenkonstrukte des 20. Jahrhunderts.

1. frühe Kindheit

Sigmund Freud wurde als Sohn des jüdischen Wohlhändlers Jacob Freud und dessen Ehefrau Amalia in der kleinen tschechischen Stadt Freiberg geboren. Mit der ersten Weltwirtschaftskrise 1857 musste sein Vater Insolvenz anmelden, woraufhin die Familie Freud aus Angst vor sozialer Verelendung zunächst nach Leipzig (1859) und kurze Zeit später nach Wien (1860) zog.

2. Schule & Studium

In Wien besuchte Freud das Leopoldstädter Communcal-Realgymnasium und bestand die Reifeprüfung mit Auszeichnung. Zwischen 1873 und 1881 studierte Freud Medizin an der städtischen Universität Wien. Etwa parallel zum Studium nahm Freud an einer Forschungstätigkeit am Physiologischen Institut teil.

3. Militär & Promotion

1880 trat Freud seinen Militärdienst an und im Jahr darauf promovierte er zum Dr.med. Als nächstes nahm Freud eine Stelle im Wiener Allgemeinen Krankenhaus wahr. Dort befasste er sich mit der Neurophysiologie und der Pharmakologie von Kokain. Seine Entdeckung und Erforschung zur schmerzstillenden Wirkung von Koks fanden in der Fachwelt große Beachtung.

4. Neuropathologie: Habilitation & Dozententätigkeit

1885 habilitierte Freud zum Professor für Neuropathologie, immer noch in Wien. Im Anschluss lehrte er an der Wiener Universität als Dozent und widmete sich der hirnanatomischen Forschung.

5. Salpêtrière & Heirat

In den Jahren von 1885 bis 1886 arbeitete Freud in der Pariser Nervenklinik Salpêtrière. Mit dem, an modernen Standards gemessen ersten Neurologen Charcot konnte er sich der Wirksamkeit der Hypnose bezeugen. Er sah, wie hysterische Frauen mit der Methode der Hypnose relativ erfolgreich behandelt wurden und zum ersten Mal in Kontakt mit psychischen Erkrankungen, ohne organischen Befund.

Vier Jahre nach seiner Verlobung heiratet Sigmund Freud die jüdische Hamburgerin Martha Bernays, mit der er insgesamt sechs Kinder zeugen wird. Auch wenn er de facto aktiver Atheist war, fühlte sich Freud zeitlebens dem Judentum zugehörig.

6. Praxis & Psychoanalyse

Freud hatte seine Inspirationen aus Salpêtrière mitgenommen und kehrte schließlich wieder nach Wien zurück. Wieder in der Stadt seiner Jugend angekommen eröffnete er seine eigene neurologische Praxis. Einher entwickelte Freud in anstrengender theoretischer und praktischer Forschungstätigkeit die Psychoanalyse. Darin hatte er unlängst die große Bedeutung des Unterbewussten und des Triebes für die menschliche Psyche erkannt. Über die nächsten Jahrzehnte hinweg arbeitet er zielstrebig jeden Feierabend an seiner Theorie weiter.

In einem Brief an Wilhelm Fließ postulierte Freud erstmals den Ödipus-Komplex: Infolge selbstanalytischer Betrachtungen bemerkte er seine Verliebtheit in seine Mutter und die Eifersucht gegenüber seinen Vater. Freud hielt das Phänomen der libidinösen Hingezogenheit zum gegengeschlechtlichen Elternteil und das gleichzeitige Rivalitätsverhältnis zum gleichgeschlechtlichen Elternteil für allgemeingültig.

Gegen Ende des Jahres 1899 erschien Freuds bekanntestes Werk, die Traumdeutung. Darin führte er die grundlegenden Begriffe der klassischen Schule der Psychoanalyse ein.

Zusammen mit Jung, zunächst auch Adler, (beides große Namen in der Psychologie) startete Freud die psychoanalytische Bewegung.

7. produktive 1920er

Seine Ernennung zum Professor erfuhr Freud im Jahre 1920. Das daraufhin folgende Jahrzehnt sollte den Höhepunkt seines Schaffens darstellen. Unter anderem entwickelte er in dieser Zeit das Strukturmodell von Es, Ich und Über-Ich.

In „Jenseits des Lustprinzips“ gab Freud seine alte Wunscherfüllungstheorie auf und gelangte zum Dualismus zwischen Tod und Eros. Im Jahre 1922 erkrankte Freud an Gaumenkrebs und musste sich vielen Operationen unterziehen, was ihn jedoch nicht von seiner Zielstrebigkeit abhielt.

1930 verlieh ihm die Stadt Frankfurt unter Protest antisemitischer Gruppierungen den Goethepreis.

8. Emigration & Tod

Am 10. Mai 1933 fallen Freuds Schriften der Bücherverbrennung im NS-Reich zum Opfer. Mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland sah sich Freud gezwungen nach Großbritannien, London zu emigrieren. Dort arbeitete er bis zu seinem Tod als Psychoanalytiker. Schwer gekennzeichnet durch den vorangeschrittenen Krebs begeht Freud unter Mithilfe seines Arztes Selbstmord.

Verweise

  • Falsifikationismus: Viele Leute sehen in Freud den Psychologen schlechthin. Das ist aber ein gewaltiger Irrtum. Freud rief eine sehr einflussreiche und zu seiner Zeit revolutionäre Theorie ins Leben, die jedoch viele mindestens gleichwertige Modelle dulden muss und auch nicht zuletzt auch viele Kritiker fand. Einer der populärsten Kritiker der freudschen Psychoanalyse war Karl R. Popper. Im Laufe der von ihm herausgearbeiteten Schule des Falsifikationismus fiel Popper auf, dass die Psychoanalyse geradezu jedes Verhalten erklären und somit durch keines widerlegt werden könne.

 

  • Glaubenskritik: Freud war militanter Atheist und streitbarer Glaubenskritiker.

 

  • Was ist der Mensch: Das Menschenbild Sigmund Freuds stand in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung. Seine Betonung des unkontrollierbaren Triebes und des Unterbewusstem verlieh dem Menschen entgegen dieser Tradition aber auch eine mechanistische Facette.

 

  • Relativitätstheorie: Sigmund Freud stand in Briefwechsel mit Albert Einstein. Der Vater der Psychoanalyse tauschte sich hier mit dem Vater der Relativitätstheorie über die wissenschaftlichen Möglichkeiten Kriege präventiv zu unterbinden aus und das Ganze wurde 1933 unter dem Titel „Warum Krieg“ veröffentlicht.

 

Stand: 2014

Kommentare: 0

Impressum | Datenschutz | Sitemap
Es darf kein Inhalt dieser Seite weiterverbreitet werden, sofern nicht mein Einverständnis dafür vorliegt.