„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Tadryon, Luxon, Tachyon

Ein Tachyon ist ein hypothetisches, superluminares Teilchen. Derzeit sind Tachyonen rein hypothetische Teilchen, da ihre Existenz noch nicht nachgewiesen wurde. Der Begriff der Superluminarität ist ihr gemeinsames Charakteristikum und referiert auf die Eigenschaft der Tachyonen sich definitionsgemäß stets schneller als das Licht zu bewegen. Tachyonen sind überlichtschnelle Teilchen, alle anderen nicht. Das Pendant zum Tachyon ist das Tadryon, also die Summe aller Teilchen, die sich unterhalb der Lichtkonstante von ca. 299.792 km/s fortbewegen. Bis auf einige wenige Ausnahmen wie das Photon, Gluon und Graviton sind alle uns bekannten Teilchen Tadryonen. Diese besondere sich stets exakt mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegende Teilchen bezeichnet man als Luxonen.

Die Existenz von Tadryonen und Luxonen ist theoretisch möglich und hinreichend experimentell bestätigt worden. Hingegen konnte man die Existenz der überlichtschnellen Tachyonen bislang nicht praktisch verifizieren. Darüber hinaus wird sie sogar durch die spezielle Relativitätstheorie theoretisch untersagt. Denn nach dieser kann nichts schneller als das Licht sein und es folglich auch keine Tachyonen geben. Nichtsdestotrotz proklamiert die esoterische Szene vehement eine sogenannte „Tachyonen-Energie“ und weitere unwissenschaftliche Postulate. Faktisch gibt es  wirklich ein Anzeichen dafür, dass Tachyonen trotz Einsteins Überlegungen existieren könnten. Dieses liegt in den der speziellen Relativitätstheorie zugrunde liegenden Gleichungen und hat also nichts mit dem unbegründetem (bzw. oft kommerziell begründeten) Umhersinnen der Esoterik zu tun. Die Gleichungen der speziellen Relativitätstheorie beschreiben neben dem unseren auch noch ein ominöses „Spiegeluniversum“. In diesem müssten Tachyonen zwingend vorhanden sein.

Nur weil es Tachyonen geben könnte, folgt daraus natürlich nicht, dass es sie auch realiter gibt. Es spricht vielmehr einiges dagegen. Zum einen müsste man die Masse eines Tachyons durch eine imaginäre Zahl beschreiben. Auf dem Blatt kein Problem, aber die physikalische Entsprechung können wir uns nicht vorstellen. Dann müssten elektrisch geladene relativ überlichtschnelle Teilchen, also elektrisch geladene Tachyonen, eine Tscherenkow-Strahlung anregen. Diese müsste sich messen lassen, da wir jedoch keine Tscherenkow-Strahlung messen, kann man davon ausgehen, dass es nach derzeitigem Kenntnisstand keine Tachyonen gibt.

Tscherenkow-Effekt
Tscherenkow-Effekt

Rigoros ausschließen aus unserem Weltbild sollte man die Tachyonen jedoch auch nicht. Dafür ist unsere Kenntnis vom Universum noch zu aopulent. Und gravitative, schwache oder nicht wechselwirkende Tachyonen bleiben von der fehlenden Tscherenkow-Strahlung auch komplett unberührt. Gegen ihre Existenz spricht also Nichts. Grund genug sich einmal anzusehen, welche Eigenschaften Tachyonen haben müssten und welche philosophischen Konsequenzen sich daraus ergeben. Die zeitliche Reihenfolge auf einer Tachyon-Weltlinie wäre nicht absolut sondern relativ zu den verschiedenen Interpretationen der einzelnen Bezugssysteme. Es ist umstritten, ob man ein Tachyon überhaupt sehen kann. Falls wir Tachyonen tatsächlich optisch rezeptieren können sollten, so erst nachdem sie an uns vorbeigeflogen sind. Vergleichbar mit einem Überschallflugzeug, das seine eigene Geräuschkulisse überholt, passiert ein Tachyon seine eigene optische Abbildung. Deshalb könnte man es eventuell auch gleich doppelt sehen, wenn es bereits vorbeigeflogen ist. Die wohl kurioseste Implikation würde sich jedoch aus einer möglichen Wechselwirkung zwischen Tardryonen und Tachyonen ergeben. Dann nämlich könnte man Informationen von der Vergangenheit in die Zukunft und – der eigentliche Clou – von der Zukunft in die Vergangenheit oder Gegenwart übermitteln. Dies könnte zu Zeitparadoxa führen.

 

Verweise

  • Stringtheorie: In der Stringforschung existieren viele Lösungen, die Tachyonen erhalten und auch in ihr fragt man sich nach der realen Bedeutung mathematischer Kuriositäten.
  • Zeit für Photonen: Für Luxonen ist Zeit irrelevant.

Quellen

Stand: 2014

Kommentare: 0

Impressum | Datenschutz | Sitemap
Diese Website darf gerne zitiert werden, für die Weiterverwendung ganzer Texte bitte ich jedoch um kurze Rücksprache.