„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Warp-Antrieb

Der Warp-Antrieb (engl. Warp-Drive, verzerrte Fahrt) ist eine hochspekulative Form des überlichtschnellen Raumreisens mittels lokal begrenzter Raumkrümmung.

Künstlerische Darstellung eines Raumschiffes beim Übergang in Warpgeschwindigkeit.
Künstlerische Darstellung eines Raumschiffes beim Übergang in Warpgeschwindigkeit.

Genauer gesagt ist ein Warp-Antrieb ein hypothetisches, wenn gewünscht überlichtschnelles Antriebssystem, das die Raumzeit um das Raumschiff herum “faltet“ (engl. to warp). Die Möglichkeit eines Warp-Antriebs soll sich aus den Einsteinschen Feldgleichungen ergeben, inwiefern ein Warp-Antriebskonzept jedoch tatsächlich mit der Allgemeinen Relativitätstheorie vereinbar ist, ist kontrovers. Und so auch, ob Warp-Antriebe in Wirklichkeit überhaupt funktionieren können.

1. Roddenberrys Konzept

1.1. Die Grundidee: Strecken und Stauchen

Populär wurde die Idee vom Warp-Antrieb durch den Star-Trek-Autor Gene Roddenberry. Dieser wollte damit den Geschwindigkeitsbegrenzungen der Relativitätsphysik entgehen und plausibel von schnellen, interstellaren Reisen schreiben können. Das Prinzip dahinter ist einfach: Ein funktionsfähiger Warp-Antrieb erzeugt einen Energie-Impuls-Tensor, welcher eine lokale Expansion des Raumgebiets hinter dem Raumschiff und auf gegenüberliegender Seite eine Raumkontraktion bewirkt. Auf diese Weise kann die Entfernung zwischen Raumschiff und Zielpunkt verringert werden, ohne dass sich das Raumschiff auch nur einen Zentimeter bewegt.

1.2. (Überlicht-/Keine) Geschwindigkeiten

Heute gilt der Warp-Antrieb weitgehend als ein Synonym für Überlichtgeschwindigkeits-Antriebe. Dabei ist er weder ein Antrieb, noch fliegt ein Raumschiff mit ihm mit Überlichtgeschwindigkeit. Genau genommen fliegt es gar nicht, seine Geschwindigkeit beträgt 0. Trotzdem gelangt man mittels eines Warp-Antriebs schneller ans Ziel als das Licht selbst.

Mit einer gewissen Vorsicht kann man das Ganze mit einem galaktischen Shushiförderband vergleichen. Ihre Masse (Gewicht) steigt gegen Unendlich an, wenn Sie sich der Lichtgeschwindigkeit von rund 300.000 km/ s nähern. Sie wollen aber unbedingt dieses Sushi dort drüben essen, das eintausend Lichtjahre von Ihnen entfernt auf dem Band liegt. Sie können sich nicht selbst auf dem Weg zum Sushi machen, da dies über eintausend Jahre dauern würde und sie in der Zwischenzeit am Hunger oder am Alter sterben würden. Was Sie aber können ist das Förderband in Bewegung versetzen, sodass die Bandlänger zwischen ihnen und ihrem Sushi weniger wird. So haben Sie sich ohne Eigenbewegung näher an Ihren Zielort bewegt.

Das Förderband entspricht der Raumkrümmung und Raumkrümmungen bzw. Förderbänder können sich im Gegensatz zu Ihnen mit Überlichtgeschwindigkeit ausbreiten!  Mit einem Warp-Antrieb steuert alles um Sie herum auf Sie zu bzw. liegt alles auf dem Distanzen veränderten Förderband, außer Sie selbst. Und das ist der ganze Trick bei der Sache. Sie sind in einer Warp-Blase und damit unbeeindruckt von den Raumkrümmungen! Die Warp-Blase lässt Sie sozusagen unbewegt, während die ganze Welt an Ihnen vorüberzieht. Bis Sie am Ziel Ihrer Reise sind, aus der Warp-Blase aussteigen und nach dem leckeren Sushi zu Ihrer Seite – oder nach den entferntesten Sternen greifen kann.

Man könnte die Warp-Blase auch (und wieder mit Vorsicht!) mit einer Wasserblase vergleichen, die auf einem Wellenkamm reitet. Unter ihr schiebt die Welle das Wasser / Raumzeitgefüge vor ihr zusammen und weitet es hinter sich aus, während sie auf ihr die Wasser-/Warp-Blase, isoliert vom Wellengang, gen Strand transportiert. Die Blase selbst bewegt sich nicht und dennoch kommt sie ihrem Ziel näher. Besser wäre der Vergleich natürlich, wenn das Ziel ihr näher käme, aber ein perfektes Analogon bei solch abstrakten Themen zu finden, ist schier unmöglich.

Dennoch hoffe ich, dass klar wurde, was einen Warp-Antrieb ausmacht. Geschickt umgeht er den relativistischen Beschränkungen, indem er Raum streckt und staucht und so Geschwindigkeiten schneller als Licht ermöglicht, ohne etwas schneller als Licht durch Raum und Zeit zu bewegen. Das Raumschiff mit Warp-Antrieb scheint dabei nur für einen Beobachter von außerhalb der Warp-Blase mit Überlichtgeschwindigkeiten zu fliegen, für seine Insassen wird das Licht gleichsam mitgenommen bzw. steht das Raumschiff still. Es wäre für sie also nicht richtig zu sagen, sie wären tatsächlich mit x-facher Lichtgeschwindigkeit geflogen, denn das suggeriert, sie wären mit dieser Geschwindigkeit durch den Raum geflogen. In Wahrheit hat sich das Raumfahrzeug kein bisschen im Raum bewegt – der Raum war es, der sich bewegt hat.

Dementsprechend spüren die unbewegten Insassen auch nichts von ihrer Reise. Die effektive Beschleunigung hängt ganz von der Raumexpansion bzw.-kontraktion ab und kann durchaus sehr hohe Werte annehmen. Aber egal wie hoch die Geschwindigkeit, die Raumfahrer werden von keiner Kraft in ihre Sitze gepresst werden, weil sie selbst nicht beschleunigen. Ähnlich einem Surfer, der auf einer Welle steht und von ihr durch die Galaxie gezogen wird.

Ist das nicht verlockend? Noch verlockender wird es, wenn Sie erfahren, dass das Warp-Raumschiff natürlich auch keiner Zeitdilatation unterliegt. Die Eigenzeit am Zielort wäre synchron mit der der Erde. Alle anderen (licht-)schnellen Reisearten unterliegen dem Manko der Zeitdilatation, auf der Erde vergeht viel mehr Zeit als auf dem Raumschiff (siehe: Großvaterparadoxon). Sie könnten zwar zu fernen Galaxien reisen, wenn Sie zurückkommen, würde aber keiner Ihrer Bekannten noch leben, dem Sie davon erzählen könnten. Nur der Warp-Antrieb ermöglicht den Traum von galaktischen Reisen in Gleichzeitigkeit zur Erde.

2. Bauplan

Roddenberry konnte in seiner Buchreihe theoretisieren, wie er wollte, Grenzen waren ihm nur durch die Naturgesetze auferlegt. Wenn wir uns dran machen und ein Raumschiff mit Warp-Antrieb wirklich bauen wollen, stoßen wir zusätzlich auf viele praktische Probleme. Diese Probleme, die sich bei der Planung, beim Bau und in der Inbetriebnahme eines Warp-Antriebes ergeben, sind so zahlreich und schwerwiegend, dass mein Fazit am Ende des Aufsatzes lauten wird: Praktisch sind Warp-Antriebe (nahezu) ein Ding der Unmöglichkeit.

Davor aber noch die gute Nachricht: Theoretisch bewegen sich Warp-Antriebe durchaus im Bereich des Möglichen, wie u.a. die Arbeiten von Miguel Alcubierre zeigen konnten. Im Rahmen der fundamentalen Naturgesetzlichkeiten lassen sich Szenarien denken, in denen man den Raum so krümmt, dass man sich schneller als das Licht von A und B bewegt. Aber eben nur unter sehr speziellen und unheimlich schwer herzustellenden Voraussetzungen.

Ein Warp-Feld nach Alcubierre.
Ein Warp-Feld nach Alcubierre.

Alcubierre zeigte ein solches Szenario auf, das dann nach ihm als Alcubierre´sche-Metrik, wahlweise auch Warp-Metrik benannt wurde. Eine Alcubierr´sche Metrik ist ein mathematisches Konstrukt, das den Raum um das Raumschiff herum so krümmt, dass indes der kleine Raumbereich, in dem das Raumschiff ruht, ungekrümmt bleibt. Dieser runde, ungekrümmte Bereich im Zentrum der Metrik, das ist die Warpblase. Eine Art stilles Auge inmitten des alles Andere wegfegenden Tornados.

Nun mag man sich fragen, wie der Raum an der Warp-Blasenoberfläche so stark und gleichzeitig lokal begrenzt gekrümmt werden soll? Die Antwort ist dieselbe wie bei der anderen Art des Raumreisens via Raumverzerrung, dem Wurmloch: Mithilfe negativer Energie. Und dieses Schlagwort bringt uns auch schon zum ersten Konglomerat von praktischen Problemen, mit denen uns der Bau eines Warp-Antriebs konfrontiert:

2.1. Negative Energie

Was genau Negative Energie ist, wissen wir nicht. Exotische Teilchen im engeren Sinne weisen negative Massen auf und über E=mc² so auch negative Energiedichten. Also bräuchten wir Materie mit negativer Masse, um einen Warp-Antrieb zu füttern. Beziehungsweise, man würde die exotische Materie dann senkrecht zur Bewegungsrichtung auf die Oberfläche der Warpblase installieren, um den Raum auf der einen Seite zu stauchen und auf der anderen zu auszudehnen. Dass dies mit exotischer Materie bzw. negativer Energiedichten prinzipiell möglich ist, hat Alcubierre 1994 mit seiner Warp-Metrik bewiesen.

Leider weiß niemand so genau, wie sich auch nur kleine Mengen an exotischer Materie herstellen lassen. Und wir brauchen viel, sehr viel von ihr.

2.1.1. Bedarfsmenge

Erste Hochrechnungen gingen davon aus, dass man für eine Warp-Blase mit 200m Durchmesser und einer im Mittel 10-fachen Lichtgeschwindigkeit (was nicht selten ist bei Star-Trek) etwa zehn Milliarden mal mehr exotische Materie benötigt, als normale Materie im sichtbaren Universum ist. Selbst wenn wir also Mittel und Wege finden würden, Exotische Materie in einem Umfang herzustellen, wie heute Plastik hergestellt wird, könnten wir damit noch keinen Warp-Antrieb konstituieren. Es bräuchte immer noch so unglaublich viel mehr an exotischen Teilchen.

Warum eigentlich sind solch gigantische Mengen an Energie erforderlich? Weil der Raum unheimlich steif ist und es daher viel Energie benötigt, um ihn zu krümmen. Schuld an der Steifigkeit des Raumes sind die Vakuumfluktuationen. Soll der Raum auch noch auf kurze Distanzen gekrümmt werden, steigen die dafür notwendigen Energiemengen, egal ob positiver oder negativer Art, ins Unermessliche.

Ein bisschen Licht brachte Broeck in das Dunkel, das die Warp-Ingenieure angesichts dieser Größen vor sich sahen. Quasi als Schutzschild schloss er eine weitere Blase um die bereits bestehende herum. Wir haben dieses Gebilde bereits als Broeck-Metrik kennengelernt. Broecks Rechnungen konnten zeigen, dass der Bedarf an exotischer Materie damit zwar nicht aufgehoben, zumindest aber auf einige Sonnenmassen reduziert werden konnte. "Das heißt nicht, dass mein Vorschlag realistisch ist, denn noch immer braucht es unvernünftig hohe Energiedichten", gibt der Physiker zu. Doch es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Gott sei Dank sind andere Physiker diesen Weg weitergegangen. Sergei Krasnikov konnte nachweisen, dass es bei gekrümmter Raumzeit (Alcubierre und Broeck gingen von einer ungekrümmten aus) nur noch 10 Kilogramm exotische Materie braucht, um so ein Warp-Blasen System zu erschaffen. Erst vor kurzem will er die notwendige Menge sogar auf einige Milligramm gesenkt haben. Die prinzipielle Notwendigkeit negativer Energiedichten bleibt allerdings in jedem bekannten Fall bestehen.

Manche andere Erschwernisse bleiben mitbestehen. Die „Blase in der Blase“ wäre nach wie vor etwa 200Meter weit, während die äußere, eigentliche Alcubierre-Warp-Blase nur 6*10^-15 Meter misst. Das klingt paradox, ist durch die vierdimensionale Geometrie aber tatsächlich machbar, denn nicht nur die zeitliche, auch die räumliche Ausdehnung ist relativ. Von innen betrachtet könnte die Alcubierre-Warp-Blase beispielsweise viel größer sein und noch expandieren, während sie von außen gesehen schrumpft und nur 6*10^-15 Meter groß ist. Das Problem ist offensichtlich und viel gravierender als bei Modellbau-Schiffen: Wie bekommt man ein normales Raumschiff in eine von außen zunächst solch kleine Blase hinein – und nachher wieder heraus?

2.1.2. Dauer eines Warp-Fluges

Obwohl wir noch nicht wissen, wieviel negative Energie bereitgestellt werden muss, können wir durch die Heisenbergsche Unschärferelation heute schon sagen, wie lang sie höchstens wirken können wird. Negative Energie aka unser Warp-Treibstoff kann immer nur in Zeitimpulsen zur Verfügung gestellt werden. Je mehr negative Energie man braucht, desto kürzer ist dabei der mögliche Impuls. Typischerweise liegt so eine berechnete Pulsdauer im Mikrosekundenbereich oder darunter, länger kann ein Warp-Antrieb folglich nicht am Stück laufen. Nach einem Puls negativer Energie muss ein größerer mit positiver Energie folgen. Umso größer die Zeit zwischen den Pulsen, desto größer muss der positive ausfallen.

Daraus ergibt sich die Eingrenzung eins Warp-Fluges auf maximal einige Mikrosekunden. Und die Notwendigkeit von mehr positiver Energie für längere positive Pulsstöße, als sowieso schon an negativer Energie für den eigentlichen Antrieb getankt werden muss.

2.1.3. Tanken

Noch problematischer ist eine Tatsache, auf die Sergei Krasnikov hinwies: Negative Energie existiert immer nur über einen extrem kurzen Zeitraum. Die Warp-Blase hingegen kann sich beliebig lange durch den Raum bewegen (natürlich immer nur sukzessiv in Pulsstößen). Also kann die negative Energie nicht einfach getankt werden, sondern muss bereits vor Reisestart entlang der Strecke angebracht sein. Man schafft zu diesem Zweck und im vornherein einen Warp-Schlauch vom Start bis zum Ziel, dessen Verlegung es aber erfordert erst einmal die ganze Strecke abzufliegen. Während sich die Warp-Blase aka Raumkrümmung beliebig schnell bewegen kann, muss eine solche „Schlauchverlegung“ durch den Raum in Unterlichtgeschwindigkeit vonstattengehen. Dabei war es anfangs der eigentliche Reiz des Warp-Antriebes, mit ihm in Überlichtgeschwindigkeit in fremde Galaxien vordringen zu können. Aber Pustekuchen, davor muss man erst mit Unterlichtgeschwindigkeit in die Galaxie fliegen und eine Art Warp-Schnellbahn bauen.

Diese Warp-Schnellbahnen sind vergleichbar mit den Tramlinien der SF-Autoren Larry Niven und Jerry Pournelle.

2.1.4. Tank

Das Hantieren mit positiver und negativer Energie auf einem Blasenrand von nur 10^-32 Metern könnte außerdem zu Verhältnissen ähnlich denen in Schwarzen Löchern führen. Dazu gleich mehr.

2.2. Lenken

Es wird auch nicht einfacher, wenn wir jetzt versuchen, das mit negativer Energie versorgte Raumschiff durch das All, vorbei an Planeten und Kometen und hin zum Zielpunkt zu manövrieren. Von innen heraus lässt sich die Bewegungsrichtung einer Warp-Blase nicht beeinflussen, das heißt, Captain Kirk kann seine Enterprise nicht selbst steuern, weil keine Information die überlichtschnelle Warp-Blase mit der Außenwelt kausal verbinden könnte. Jede Information braucht einen physischen Informationsträger und keiner trägt schneller als das Licht. Auch der Visionär in Sachen Warp-Antriebe Miguel Alcubierre hat das akzeptiert: "Das Raumschiff hat also keine Kontrolle über die Blase.“

Das bedeutet, jemand muss von außerhalb ran. Eine Gruppe unterlichtschneller Raumschiffe könnte bspw. die Strecke schon vorher abfliegen, überall kleine Warp-Feldgeneratoren anbringen und so eine überlichtschnelle Schnellstraße im All aufbauen. Alcubierre fantasiert mit: „Die Raumzeit-Krümmung muss daher von außerhalb erzeugt werden. Man kann sich aber durchaus eine Kette von Warp-Feldgeneratoren vorstellen, die längs des Weges zu einem anderen Stern aufgestellt sind und so synchronisiert wurden, dass sie sich jeweils einschalten, sobald ein Raumschiff den vorherigen Generator verlassen hat." Kapitän Kirk kann dann auch nur dorthin fliegen, wo die Generatoren vorher angebracht wurden bzw. wohin diese ihn nun mal bringen. Er selbst hat keine Gewalt über den intergalaktischen Kurs der Enterprise. Zumindest, wenn er darauf beharrt überlichtschnell fliegen zu wollen, für unterlichtschnelle Raumfahrten ergibt sich das Problem nämlich nicht. Bei denen darf Kapitän Kirk wieder selbst das Steuer in die Hand nehmen.

Überlichtschnelle Warp-Blasen sind aber prinzipiell nicht steuerbar. Wer also auf die Idee kommen sollte, auf eine natürlich vorbeischwebende Warp-Blase zu warten und da dann mit aufzuspringen, sei gewarnt: Keiner, der per Anhalter durch die Galaxies will, weiß, wohin es ihn verschlägt – und es sind keine Rückflugtickets buchbar. Kausal abgeschnitten zu sein bedeutet auch noch, nicht mit „Denen da draußen“ kommunizieren zu können. Man reist in totaler Isolation. Bei längeren Warp-Flügen sollte man das bedenken. Die Fahrt könnte recht langweilig werden. Obacht sollte man auch an den Blasenrändern geben, denn wer diese touchiert, stirbt. Es reicht eigentlich reicht auch bereits, wenn Kapitän Kirk den Rändern nur zu nahe kommt. An den Blasenrändern nimmt die Raumkrümmung zu und da Raumkrümmung und Gravitation identisch sind, werden dort Gezeitenkräfte entstehen, die die Enterprise in Stücke reißen werden.

2.3. Wie in einem Schwarzen Loch

Die enormen Gravitationskräfte an den Blasenrändern sind verständlich. Schließlich liegen auf jenen unfassbare Mengen an negativer Energie, zusammengepfercht auf gerade mal 10^-31 Meter Rand (ein Atomdurchmesser ist riesig dagegen!). Kein Wunder also sehen viele Physiker die Gefahr, dass Masse-Singularitäten wie in einem Schwarzen Loch auftreten könnten, die das Raumschiff auf nimmer wiedersehen verschlucken würdenUm wirklich Aussagen darüber treffen zu können, was daraufhin mit dem Raumschiff in der Singularität passiert, bräuchten wir eine vollständige Quantengravitationstheorie.

Wie am Rande eines Schwarzen Loches wäre man auch an den Blasenrändern einer Hawking-Strahlung ausgesetzt. In der Physical Review schreibt Stefano Finazzi diesbezüglich: „Die Warp-Reisenden wären in der ungemütlichen Situation, von einer thermischen Strahlung mit fast Planck-Temperatur überschüttet zu werden.“ Die Planck-Temperatur ist die höchste überhaupt nur mögliche Temperatur: 10^32 Grad Celcius. Rasch würde die Hawking-Strahlung die ganze Blase ausfüllen und alle Reisenden bei Quintillionen Graden garen lassen.

Eine weitere Eigenschaft, die der Warp-Antrieb mit dem Schwarzen Loch teilt und uns bereits bekannt ist, ist der Ereignishorizont. Der Ereignishorizont entsteht aus der Überlichtgeschwindigkeit und ist der Grund dafür, dass kein Funkspruch und auch sonst keine Information aus der Warp-Blase austreten kann. Ähnlich wie ein Schwarzes Loch eben und von innen sieht eine überlichtschnelle Warp-Blase (in Flugrichtung) auch noch tatsächlich wie ein Schwarzes Loch aus.

2.4. Strahlengefahr

Aber damit nicht genug. Die Hawking-Strahlung ist nicht die einzige Strahlung, die ein Warp-Antrieb erzeugen und uns umbringen könnte.

Brendan McMonigal wies in seiner Veröffentlichung aus dem Jahre 2012 auf das Problem der blauverschobenen, hochenergetische Wellenstrahlen hin. Wellenstrahlung kommt vom Sternenlicht, von der überall präsenten kosmischen Hintergrundstrahlungoder vom Raumschiff selbst und bündelt sich am Schiff. Dort werden die Wellenstrahlen aufgrund der enorm hohen Geschwindigkeiten zusammengepresst und ins Blaue verschoben. Während der Blauverschiebung der Wellenstrahlen werden die Wellenlängen der Photonen kürzer, sodass sich ihr Licht in den blauen Spektralbereich und somit auch in den Bereich der Röntgen- und Gammastrahlung verschiebt. Das alles macht die Wellenstrahlen so energiereich (etliche Berechnungen ergeben unendliche Energiewerte), dass sie in das Raumschiff eindringen und dessen komplette Crew rösten.

Dieses Strahlen-Problem bezog sich auf einen Warp-Antrieb in voller Fahrt. Beim Abbremsen, irgendwo will man ja mal anhalten und Leute ein-und aussteigen, ergibt sich ein zweites Strahlen-Problem.

Alle Partikel, die im Laufe des Fluges in die Warp-Blase eindringen konnten, werden beim Bremsen wieder vom Schiff weggeschleudert. Dabei entsteht ein wieder blauverschobener und wieder hochenergetischer Teilchenstrahl auf der Vorderseite des Raumschiffes. Noch bevor man am Zielort angekommen ist, wird dieser Strahl alle Menschen und überhaupt alles am Zielort desintegrieren (zerstören). Dabei gilt nach McMonigal: Je länger man unterwegs ist, desto größer wird die Energie, die am Ende freigesetzt wird.

Außerdem gilt: „Unglücklicherweise ist die Energiefreisetzung bereits nach kurzen Reisen so hoch, dass sich alles vor dem Raumschiff auflösen wird“. Deshalb könnten schon kleinere Ausflüge mit dem Warp-Antrieb, so sie denn jemals möglich sein sollten, aus ethischen Gründen und aus Rücksicht auf die Weltraum-Mitbewohner verboten werden. Bei längeren Flügen: „hat der Energieausbruch bei Ankunft am Ziel keine Obergrenze“, weiß McMonigal.

3. Selbstzerstörungs-Paradox

Doch das waren bisher alles nur praktische Probleme und nichts als Scherereien gegenüber dem, was jetzt kommt: Logische Inkonsistenzen. Ist eine Annahme logisch inkonsistent, so widerspricht sie sich selbst. Das heißt, sie kollidiert mit einer unserer grundlegenden Annahmen über die Welt: Dass etwas so oder anders ist, aber nie beides zugleich.

Wenn es überlichtschnelle Warp-Antriebe geben können sollte, könnte man mit ihnen selbstverständlich auch einfach im Kreis fliegen und so eine geschlossene zeitartige Weltlinieformen. Schön und gut. Eine solche Weltlinie beinhaltet aber auch die Möglichkeit in der Zeit zurückzureisen, was zu konstruierbaren, inkonsistenten Fällen wie dem des Großvaterparadoxons führt. Dinge können dann nicht nur so oder anders sein, sondern auch so und anders. Wirkungen könnten vor ihren Ursachen auftreten und das ganze Kausalitätsprinzip würde Kopf stehen.

Als Beispiel für logische Inkonsistenz ist das Selbstzerstörungs-Paradox zu nennen. Ein intergalaktischer Terrorist hat sich unter die Warp-Reisenden geschmuggelt und sendet per Knopfdruck ein Zerstörungssignal aus. Die Piloten wissen um die Relativitätstheorie und lenken das Raumschiff, noch bevor die Terroristen zu ihnen ins Cockpit kommen, in eine Kreisbahn und somit rückwärts durch der Zeit. In null Komma Nichts, genauer gesagt innerhalb eines negativen Zeitintervalls und so noch vor dem Knopfdruck kommt dessen Signal auf der Enterprise an und zerstört diese. Jetzt wurde die Enterprise aber zerstört, bevor der Knopfdruck dafür getätigt wurde und das Signal für all das ausgesendet werden konnte. Das kann auch nicht sein. Die Enterprise kann nicht zerstört werden, wenn keiner denn dafür notwendigen Knopf gedrückt hat. Wenn die Enterprise aber nicht vor dem Knopfdruck zerstört wird, kann der Knopf doch gedrückt und die Enterprise zerstört werden…

Die Geschichte ließe sich noch ewig weiterspinnen, innerhalb der zweiwertigen Logik und ohne aufwendige Zusatzannahmen lässt sie sich nicht auflösen. Zeitreisen in die Vergangenheit, respektive die Existenz eines überlichtschnellen Warp-Antriebs, führen zu logischen und somit unbehebbaren Inkonsistenzen. Viele meinen, dass solche logische Inkonsistenzen aufzeigen, dass die Annahmen, der sie entspringen nicht wahr und das Postulat, das sie aufwirft, nicht möglich sein kann. Nur was logisch möglich ist, sei auch real möglich.

4. Verweise

  • Antiteilchen: In den Star-Trek Filmen verfügt die Enterprise über Materie-Antimaterie-Reaktoren, um die gewaltigen Energiemengen für die Warp-Antriebe aber auch für Schutzschilde und Waffen erzeugen zu können. Tatsächlich liefert die Materie-Antimaterie-Annihilation gewaltige Energiemengen, viel gewaltiger noch als eine Kernfusionmit der gleichen Menge Materie. Ob die aber wirklich ausreichen, um ein Warp-Antrieb auf Überlichtgeschwindigkeiten zu bringen, ist nichtsdestotrotz zweifelhaft.

  • Komet: Eine Warp-Technologie ist nicht als Freiflugticket zu verstehen, das sollte nach diesem Aufsatz klar sein. Der Weltraum ist ja auch nicht leer und auch wenn man Planeten und Sonnen umfliegt, sollte die Kollisionsgefahr mit vorbeifligenden Kometen und kosmischem Staub bei einem Warp-Flug nicht unterschätzt werden. Auch die Leute von Star-Trek haben diese Gefahr erkannt und eine Deflektorschüssel zum Schutz vor Fremdkörpern in ihr Raumschiff eingebaut. Aber schützt er auch vor anderen Überlichtgeschwindigkeitfliegenden, die mit der Warp-Revolution öfters durchs All kreuzen würden und mit denen man, egal wie schnell man selbst fliegt, absolut keine Informationen austauschen können wird? Wer warnt uns vor kosmischen Warp-Unfällen?
  • Polsprung: Es gibt auch die Befürchtung, dass die Benutzung von Warpantrieben innerhalb eines Sonnensystemsden Raum so stark krümmt, dass die Planetenpole verrückt spielen. Unter anderem deshalb sollte man Warp-Antriebe, wenn überhaupt, nur außerhalb eines Sonnensystems anschmeißen.
  • Tachyon: Warp-Antriebe wird es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nie geben, so ehrlich sollten wir, diesen Aufsatz resümierend, sein. Doch noch während manch ein Science und Fiction Fan diese Wahrheit schweren Herzens verdauen muss, spekulieren die anderen schon über noch schnellere Antriebe. Warp-Antriebe erreichten in Star-Trek „nur“ Warp 9,6, was 1909-fache Lichtgeschwindigkeit entspricht (Warp 5 verordnet die galaktische Verkehrspolizei). Verglichen mit den fantastischen Tachyonen-Triebwerken, die nahezu unendlich schnell sein sollen, wären dies Schneckentempi.

Stand: 2015

Kommentare: 0

Impressum | Datenschutz | Sitemap
Diese Website darf gerne zitiert werden, für die Weiterverwendung ganzer Texte bitte ich jedoch um kurze Rücksprache.