„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Politikwissenschaft

Politikwissenschaft (auch: Politische Wissenschaft, Politologie) ist jene wissenschaftliche Disziplin, deren zentraler Lehr- und Forschungsinhalt die Politik ist.

Wie eigentlich alle großen Fachbegriffe ist auch der von der Politikwissenschaft in seiner Bedeutung fachlich umstritten. Falls man sich jedoch auf die Politikwissenschaft als die Wissenschaft von der Politik und ihrem näheren Umfeld als kleinsten gemeinsamen Nenner unter zumindest vielen Definitionsvorschlägen einigen kann, so bietet es sich zur weiteren Annäherung an das Wesen der Politikwissenschaft an, sich dann mit dem der Politik und der Wissenschaft auseinanderzusetzen.

1. Wissenschaft

Was Wissenschaft ist und wiederum die Kontroverse um diesen Begriff habe ich im oben verlinktem Aufsatz versucht darzulegen. Kurz lässt sich Wissenschaft als den Erwerb und Besitz von Wissen durch methodische Forschung und Lehre charakterisieren.

2. Politik

Das UN-Hauptquartier, ein Inbegriff politischem Akts.

Die Politik, der erstrangige Gegenstandsbereich der Politikwissenschaft, ist, wie könnte es anders sein, nicht klar umrissen: Unter den und innerhalb der Sozialwissenschaften bekommt man auf die Frage nach der Substanz der „Politik“ sehr heterogene Antworten. Sucht man zwischen den einzelnen Begriffsverständnissen nun wieder einen gemeinsamen Nenner, gelangt man vielleicht auf etwas sehr allgemeines wie: Politik ist die Gesamtheit aller Institutionen, Ideologien und Handlungen, die ein Gemeinwesen (etwa einen Staat) und eine Gesellschaft betreffen.

Im Gegensatz zur interdisziplinären Einigkeit in der Uneinigkeit konnten sich die verschiedenen politikwissenschaftlichen Strömungen intradisziplinär weitgehend auf eine gemeinsame Schnittmenge verständigen, was die Vorstellung von Politik angeht. Demnach ist Politik durch: „die Gesamtheit aller Interaktionen definiert, die auf die autoritative [etwa kraft eines Staates] Verteilung von Werten abzielen.“

Ich persönlich meine, die Politik lässt sich schnell und relativ gut verstehen, wenn man ihre drei Dimensionen skizziert:

2.1. Dimensionstrias

In den späten siebziger Jahren hat sich das Modell der drei analytischen Dimensionen von Politik durchgesetzt, das auch heute noch die großen Interessensschwerpunkte des Faches adäquat systematisiert:

Polity

Die strukturell-formelle Dimension von Politik. Betrifft den Bedeutungsrahmen von politischen Organisationen Institutionen, also etwa das formelle Festhalten allgemein verbindlicher Regeln und Entscheidungen in Verfassungsgrundsätzen.

 

Politics

Die prozesshafte Dimension von Politik. Bezieht sich auf die Dimension oft interessenskonfliktbehafteter politischer Verfahren, beispielsweise den Vorgang einer gesellschaftlichen politischen Willensbildung.

 

Policy

Die inhaltliche Dimension von Politik. Bezeichnet das Ganze eines politischen Themenfeldes, zum Beispiel die Energiepolitik mitsamt ihrer Aufgaben, Gestaltungsmöglichkeiten usw.

Oft aber verzichtet man gerade im anglo-amerikanischen Sprachraum, aus dem dieses Schema aus drei Dimensionen ursprünglich stammt, auf diese doch schon recht enge Definition von Politik. Stattdessen stellen nordamerikanische und britische Lehrbücher die science of politics nicht selten lediglich in Schlüsselbegriffen vor: Autorität, Souveränität, Legitimität, ... Am geläufigsten ist aber nach wie vor die Dreiteilung des Politischen:

3. Verweise

  • Aristoteles: Einige Politiktheoretiker stellen das Gemeinwohl in den Mittelpunkt der Politik. Diese wurden meist durch die wirkungsträchtigen Philosophen Thomas von Aquin oder Aristoteles beeinflusst. Aus dem antiken Griechenland stammt auch die Idee einer Polis (Stadt, Burg), deren Aufgabe die Bestandswahrung eines überschaubaren Staates bzw. Stadtstaates ist.

 

  • Letztbegründung: Wir haben Begriffe durch weitere Begriffe definiert, die eigentlich wiederum einer Definition durch weitere Begriffen bedürfen, die eigentlich wiederum einer Definition durch weitere Begriffe bedürfen, usw.

 

  • Marxismus: Marxisten, insbesondere Neomarxisten, begreifen Politik zuallererst als Macht- und Herrschaftsverhältnisse, die sich auf Klassenstrukturen beziehen.

 

  • Philosophie: Die politische Philosophie hat die Politische Theorie maßgeblich mitbeeinflusst und ist heute ein fester Bestandteil von ihr.

 

Stand: 2014

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