„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Dadaismus

Dadaismus (kurz: Dada) ist eine internationale Kunst- und Literaturbewegung. Sie negiert und parodiert jedes künstlerische Ideal und proklamiert stattdessen absolute künstlerische Freiheit, sowie einen konsequenten Irrationalismus in der Kunst. Aus dieser Sicht kann Dadaismus als eine Revolte gegen die Kunst, ausgehend von einigen Künstlern selbst, verstanden werden.

Namensgebung

"Wie kann man alles Journalige, Aalige, alles Nette und Adrette, Birnierte, Vermoralisierte, Europäisierte, Enervierte, abtun? Indem man Dada sagt.

Dada ist die die Weltseele, Dada ist der Clou."
- Hugo Ball, Dada-Eröffnungsmanifest (1916)

Der Legende nach stach Hugo Ball im Kreise einiger Mitkünstler mit einem Federmesser wahllos in ein deutsch-französisches Wörterbuch und traf das Wort „Dada“. Dada kommt aus der französischen Kindersprache und bedeutet so viel wie „Steckenpferd“. Dass der Name Dadaismus (so) aus jenem Begriff abgeleitet wurde, symbolisiert eben seine anfangs erwähnten Werte bzw. Nichtwerte, wie Irrationalität und Parodie aller alten Werte.

Tief im Inneren nihilistisch

Tief in seinem Inneren ist der Dadaismus nihilistisch. Diese Strömung, die für ihre Anhänger eigentlich so viel mehr als nur eine Kunstrichtung ist, richtet sich nämlich nicht nur gegen traditionelle Kunstformen- und vorstellungen, sondern auch gegen Krieg, Materialismus, Nationalismus und Kolonialismus im Allgemeinen. Nach dem Ersten Weltkrieg machten die Dadaisten sowohl bürgerliche und koloniale Interessen, als auch die alten Kunstrichtungen für den Krieg verantwortlich, von den Soldaten selber hätte kaum einer den Krieg gewollt. Das Kunst- und Wertesystem war der eigentliche Feind. Infolge wandten sie sich dem alten Kunst- und Wertegefüge ab und kreierten eine entschieden irrationale Kunstströmung, u.a., um ihrer Empörung über all jene Dinge Ausdruck zu verleihen, die ihrer Ansicht nach zu diesem fatalen Krieg geführt hatten.

Werke wie Duchcamps „Fountain“, ein signiertes Urinal, sorgten für lebhafte Debatten darüber, ob Dadaismus überhaupt als Kunst zu begreifen sei.
Werke wie Duchcamps „Fountain“, ein signiertes Urinal, sorgten für lebhafte Debatten darüber, ob Dadaismus überhaupt als Kunst zu begreifen sei.

Stand: 2015

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