„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Fracking

Folgender Text ist die schriftliche, etwas abgeänderte, Version meiner 10-minütigen Präsentation im Rahmen der mündlichen Abiturprüfung.

Fracking (eigentlich: Hydraulic Fracturing) ist das Aufbrechen tieferer Gesteinsschichten zur Erschließung der dort lagernden Gase und Flüssigkeiten. Die Methode findet auch in Bereichen  der Geothermie und Wassergewinnung Verwendung. Folgende Ausführungen werden verstärkt von der Erschließung unkonventioneller Erdöl- und gaslagerstätten durch die Frackmethode handeln. Diese Anwendungen heben sich durch ihre zusätzlichen, ökologischen Risiken von anderen ab.

1. die konventionelle Lagerstätte

Konventionelle Lagerstätten von Erdöl und Erdgas befinden sich für gewöhnlich einige hundert Meter tief unter der Erdoberfläche. Die für diese Tiefen typischen Sandsteinschichten, Kalkschichten u.Ä. sind für gewöhnlich relativ porös und permeabel (gut durchlässig). Daher diffundiert das Erdgas oder das Erdöl, bis es sich an einer Gesteinsschicht mit enorm geringer Permeabilität ansammelt (bei der Grafik ist dies die Barriereschicht in braungrau). Es bilden sich Öl-und Gasblasen. Bei Förderung dieser konventionellen Lagerstätten wird nun die Blase durch eine vertikale Bohrung angebohrt und schlussendlich gefördert.

2. Fracking

Die unkonventionellen Erdöl- und Erdgasvorkommen finden sich in bis zu mehreren Kilometer Tiefe wieder. Aufgrund der relativ geringen Permeabilität kann das  Erdgas und Erdöl nicht diffundieren und bleibt in Gesteinsporen (für gewöhnlich Ton, Tonstein, Kohle o.ä.) vereinzelt eingeschlossen. Wie bei der Erschließung konventioneller Lagerstätten erfolgt auch beim Fracking zunächst eine vertikale Bohrung in die Erdoberfläche, wenngleich logischerweise auch eine viel tiefere.

Danach wird der Bohrkopf gedreht und mehrere Horizontalbohrungen vorgenommen. Schlussendlich kommt es zum eigentlich Fracking. Dabei wird ein Frack-Fluid, bestehend aus Wasser, Chemikalien und Stützmittel, unter enormen Druck (einige hundert Bar) in die Bohrung gepresst. Durch den nun entstehenden Druck werden alte Gesteinsrisse vergrößert und neue Gesteinsrisse erzeugt. Ein Stützmittel (z.B.: Quarzsand) hält die Wegsamkeiten entgegen des enormen Druckes für die Förderphase offen. Es dient also der  Aufweitung und dauerhaften Stabilisierung. Der Rest des zuvor induzierten, hydraulischen Mediums wird wieder abgepumpt. Dieses zurückbleibende Gemisch nennt sich Flowback.

3. Pro-Argumente

Die Argumente für den Einsatz von Fracking kommen zumeist aus der Wirtschaft. Es sind viele, lassen sich aber fast alle unter zwei Oberpunkte zusammenfassen.

(1)   Chance: Um die Jahrtausendwende fingen die Vereinigten Staaten an, zu fracken. Zuvor noch ein Nettoimporteur von Erdgas, kam es zu einem Überangebot von Erdgas, sodass die U.S.A. anfing diese begehrte Ressource zu exportieren. Der entstandene Preiszerfall bedingt die niedrigen Energiepreise für Privatpersonen und Unternehmen. Zweites ist ein enormer Standortvorteil, vor allem für energieintensive Branchen.

(2)   Notwendigkeit: Die weltweite Nachfrage nach Erdöl- und Erdgas, verstärkt in den Entwicklungs- und Schwellenländern, wächst stark. Ohne Öl wären wir aufgeschmissen.

      Dieser steigenden Nachfrage steht ein sinkendes Angebot an konventionellen Erdöl und Erdgas konträr entgegen. So ist es unter Experten beispielsweise umstritten, ob der Peak Oil, das weltweite Fördermaximum an Erdöl, bereits erreicht wurde. Sicher ist man sich zumindest darin, dass es spätestens in den nächsten Jahrzehnten erreicht sein wird. Eine alternative zu den versiegenden, konventionellen, würden die unkonventionellen Lagerstätten bieten. 

4. Contra-Argumente

Beim Frackvorgang kann es zu mittelstarken Erdbeben (daher seismische Überwachung), radioaktiven Bohrabfällen und tiervertreibender Schallemissionen kommen. Die größte Gefahr beim Fracking ist jedoch die Kontamination des Ökosystems durch Emission human-und ökotoxilogischer Flüssigkeiten. Übersichtshalber werden auch diese gleich nachstehend in drei Arten unterschieden.

 

1.      Es kann zu Schadstoffeinträgen direkt an der Erdoberfläche kommen. Entweder beim Transport oder bei der Lagerung der toxischen Stoffe, oder bei einer unsachgemäßen Entsorgung des Flowbacks. Dieser lässt sich durch herkömmliche Kanalisationen nicht reinigen, eine relativ sichere Entsorgung kann daher in einer Disposalbohrung erfolgen.

     2.Aufgrund des großen Druckes kann es an

     der senkrechten Zementierung oder in der

     Vertikalen, im Zielhorizont zu ungeplanten

     geologischen Störungen kommen. Entlang

     eines so entstandenen Wirkungspfades

     können giftige Stoffe beispielsweise in den Grundleiter gelangen. 

3. Der dritte und letzte Fall den ich anbringen möchte ist der laterale  Aufstieg von Gasen (etwa Schiefergas oder bereits migriertes Tight Gas) und Fluiden. Im Gegensatz zu Fall 2 gibt es hier keinen bevorzugten Wirkungspfad.

5. persönliches Fazit

Ich persönlich bin strikt gegen den Einsatz der Frackmethode. Meine Begründung hierfür soll sich auf drei Punkte beschränken. Erstens gibt es keine Langzeitstudien über die Auswirkungen des Frackings. Auch ohne ungeplante Komplikationen können diese verhängnisvoll ausfallen. Die U.S.A. sind, wenn man denn so will, ein riesiges Versuchsfeld. Zweitens versiegen die unkonventionellen Lagerstätten sehr schnell. Nach dem ersten Jahr um etwa 70% und nach dem zweiten Jahr um etwa 90%, daher sind die unkonventionellen Lagerstätten auf Dauer gar nicht so lukrativ. Der Boom in den U.S.A. ist längst vorüber. Drittens, Deutschland und Europa im Allgemeinen sind relativ ungeeignet für das Fracking. Die Vorkommen von unkonventionellen Erdöl- oder gaslagerstätten sind zu gering und die Besiedlung zu dicht, sodass allen voran wir Europäer uns gegen diese neue Technik entscheiden sollten. Eine Technik, die nur auf den ersten, kalten Blick hin reizvoll ist. Seinen scheinbaren Reiz auf den zweiten, kritisch-ökologischen Blick nun jedoch wahrhaft verloren hat.

Den weltweiten Blick sollten wir, so zumindest meine Meinung, von den fossilen ab- und den umweltfreundlichen, endlosen Energiequellen zurichten.

Kommentare: 2
  • #2

    WissensWert (Samstag, 21 Mai 2016 20:03)

    https://www.youtube.com/watch?v=Uti2niW2BRA

  • #1

    Lennard (Dienstag, 24 Februar 2015 00:17)

    Hallo, ich meine gehört zu haben, dass Fracking Stationen mobil sind und oft umgesiedelt werden müssen und so wie Landstriche von den Baumaschinen für ein kleines Gebiet belastet werden. Das wär dann nochmal ein Punkt dagegen, sones denn stimmt.


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