„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Die Regularitätstheorie der Kausalität

Die auf David Hume zurückgehende Regularitätstheorie besagt, dass Kausalität (nur) die regelmäßige Aufeinanderfolge raumzeitlich benachbarter Ereignisvorkommnisse ist.

Nach ihr stehen zwei Ereignisse E1 und E2 also in einer Kausalbeziehung, gdw.:

1.    E1 liegt zeitlich unmittelbar vor E2.

2.    E1 liegt räumlich unmittelbar neben E2.

3.    Immer wenn ein Vorkommnis vom Typ E1 auftritt, lässt sich ein Vorkommnis vom Typ E2 beobachten.

Hume reduziert Kausalität also auf regelmäßige-raumzeitliche Kovarianz. Denn er ist Empirist bzw. Sensualist. Und empirisch beobachtbar ist immer nur das miteinander, nicht das wegeneinander von Ereignissen. Nehmen wir bspw. die Ereignisse E1: "Es scheint die Sonne" und E2: "Es ist warm". Dann beobachten wir immer nur, dass E1 und E2, nie aber, dass E1 wegen E2.

Nehmen wir weiter an, dass am heutigen Tag gilt: E1 "Es scheint die Sonne" und E3 "Es ist Sonntag". Dann gehen wir davon aus, dass E1 und E2, aber nicht, dass E3 und E1 in einer Kausalbeziehung stehen. Denn E1 und E3 treten nur manchmal, E1 und E2 hingegen treten regelmäßig miteinander auf. Der Unterschied zwischen Kausalbeziehungen und zwei nur zufällig raumzeitlich benachbarten Ereignissen besteht also darin, dass sich erstere regelmäßig beobachtet lässt.

Trotzdem sind Ursache-Wirkungs-Beziehungen nach David Hume nicht-notwendig. Wenn ein Mensch regelmäßig beobachtet, dass die Sonne scheint und es warm ist, dann schließt er aus Gewohnheit, dass es immer warm ist, wenn die Sonne scheint. Das ist aber nicht-demonstrativ! Denn auch eine noch so hohe Anzahl n an beobachteten Tagen, an denen gilt: E1 E2, macht es nicht zwingend, dass immer gilt E1 E2. In der Tat könnte es bereits am Tag n+1 sein, dass die Sonne scheint und es nicht warm ist (Siehe auch: Induktionsproblem).

„Wenn aber viele gleichförmige Beispiele auftreten und demselben Gegenstand immer dasselbe Ereignis folgt, dann beginnen wir den Begriff von Ursache und Verknüpfung zu bilden. Wir empfinden nun ein neues Gefühl […]; und dieses Gefühl ist das Urbild jener Vorstellung [von notwendiger Verknüpfung], das wir suchen.

- David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand (1993), S. 95.

Aus der regelmäßigen, raumzeitlichen Kovarianz von Ereignissen folgt also nicht nur nicht, dass diese Ereignisse wegeneinander, sondern auch nicht, dass diese Ereignisse immer miteinander auftreten werden. Diese Haltung wird in der Wissenschaftsphilosophie auch als Humesche Metaphysik bezeichnet. Sie gilt selbstverständlich nicht nur für sonnige Tage, sondern insbesondere auch für Naturgesetze. Diese sind in der humeschen Metaphysik auch nichts weiter als ein gewohnheitsmäßig wahrgenommenes Aufeinandertreffen von Ereignissen.

An der Regularitätstheorie wurde aber auch viel Kritik geübt. Wir sprechen bspw. auch in Einzelfällen oft von Kausalität. Nehmen wir etwa an, dass E2 durch E1 verursacht wird, dass es aber noch ein räumlich naheliegendes Ereignis E4 gibt, das zeitlich vor E2 liegt und von E1 verursacht wird. E4 ist aber ein Epiphänomen, d.h. eine Begleiterscheinung, die selbst kein Ereignis bewirkt. In diesem Falle gilt:

1.    E4 liegt zeitlich unmittelbar vor E2.

2.    E4 liegt räumlich unmittelbar neben E2.

3.    Immer wenn ein Vorkommnis vom Typ E4 auftritt, lässt sich ein Vorkommnis vom Typ E2 beobachten.

Der Humeaner muss also behaupten, dass E4 und E2 in einer Kausalbeziehung stehen. Viele würden dem aber widersprechen, da E4 E2 nicht bewirkt.

Siehe auch

David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand

Michael Baumgartner: Regularity Theories Reassessed

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