„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Daniel Goleman: Emotionale Intelligenz

Ich lese gerade die Zusammenfassung von "Emotionale Intelligenz" von Daniel Goleman. Zusammenfassungen sind ein probates Mittel für Menschen, die den Inhalt von mehr Büchern kennen wollen, als sie je lesen könnten.

Nach Coleman umfasst emotionale Intelligenz fünf Einzelkompetenzen:

1. emotionale Selbstwahrnehmung: Ein durchschnittlicher Erwachsener empfindet in seinem Leben zehntausende Male Wut, aber er hat sich kein einziges Mal darum gekümmert, wie Wut sich tatsächlich anfühlt. Immer, wenn er wütend ist, konzentriert er sich auf den Gegenstand der Wut -, auf das, was jemand gesagt oder getan hat-, statt auf die sinnliche Realität des Wütendseins.

Gefühle werden also meist nicht bewusst wahrgenommen. Bei der emotionalen Selbstwahrnehmung geht es jetzt darum, das eigene Gefühl, aber auch die Gedanken und Urteile über dieses Gefühl, bewusst und wertneutral wahrzunehmen.

Nur wer die Ursachen, Trigger und Verstärkungsmechanismen seiner eigenen Emotionen kennt, kann sie steuern, anstatt von ihnen gesteuert zu werden. Emotionale Selbstwahrnehmung ist damit der erste Schritt hin zu einer höheren emotionalen Intelligenz.

2. emotionale Selbstregulation: Ein durchschnittlicher Erwachsener kann zwar nicht beeinflussen, welche Emotionen ihn ereilen, er kann aber beeinflussen, wie lange und intensiv sie ausfallen. Immer, wenn er wütend ist, kann er die Dauer dieses Gefühls durch frühzeitiges Refraiming oder einfachen Aktivitäten wie Socializing oder Sport verkürzen. Wenn er die Ursachen und Trigger seiner Wut kennt, kann er diese meiden und sich bewusst Umstände schaffen, die positive Emotionen in ihm hervorrufen.

3. Motivation: Emotionale Intelligenz ist eine Meta-Fähigkeit, die bestimmt, wie effizient wir andere Fähigkeiten nutzen können. Die Fähigkeit, Enthusiasmus, Eifer und Ausdauer für eine Sache aufbringen zu können, bestimmt darüber, wie gut wir in dieser Sache sein werden.

Besonders wichtig ist dabei der selbstvergessene "Flow" sowie die Fähigkeiten, Impulse zu kontrollieren, auf Belohnungen zu warten und ein Vertrauen in die eigene Wirksamkeit und Fähigkeiten. Alle diese Emotionen und damit auch beruflicher und persönlicher Erfolg sind nach Goleman erlernbar.

4. Empathie: Umso klarer ein Mensch seine eigenen Emotionen sieht und empfindet, desto eher wird er in der Lage sein, die Emotionen anderer Menschen nachzuempfinden. Wer empathisch ist, weiß, was der Lehrer oder Chef hören will und bekommt deshalb eher die gute Note oder die Beförderung.

5. Soziale Intelligenz: Die soziale Intelligenz hängt maßgeblich von der emotionalen Intelligenz ab. Nur wer seine eigenen Emotionen kennt und kontrollieren kann, wird eine steile Karriere, stabile Freundschaften und glückliche Beziehungen führen können.

Voraussetzungen für diese Fähigkeit sind Selbstkontrolle und die Fähigkeit, in der richtigen Situation die richtigen Gefühle und Worte auf die richtige Art und Weise ausdrücken zu können. Gefühle spielen im sozialen Umgang deshalb eine so zentrale Rolle weil sie hochgradig ansteckend und anziehen sind. Wer das positive Mindset eines Gewinners hat, wird seine Mitmenschen positiv und erfolgreich sein und positive und erfolgreiche Menschen anziehen.

Besonders interessant sind auch Colemans Überlegungen zu partnerschaftlichen BeziehungenIn modernen Gesellschaften, in denen Ehen nicht durch äußeren Druck zusammengehalten werden, wird die emotionale Intelligenz der Partner zur Hauptdeterminante des Gelingens und der Stabilität des Zusammenlebens. Partnerschaften scheitern, wenn es an emotionaler Selbstwahrnehmung, Selbstkontrolle, Empathie oder sozialer Intelligenz mangelt.

Da Jungen und Mädchen unterschiedliche emotionale Sozialisationen erleben, zeigen sie später auch als Ehemänner und -frauen charakteristisch ungleiche Verhaltenstendenzen. Ein klassisches Szenario trennungsgefährdeter Partnerschaften bildet die Frau, die vom Mann mehr Kommunikation und Engagement fordert, und der Mann, der sich vor diesen Forderungen zurückzieht. Alarmzeichen sind Angriffe gegen die Person (anstatt Kritik am Verhalten), Verachtung, Hinhaltetaktiken und Mauern.

Der Königsweg zur Reduktion solcher Spannungen und Konflikte führt über das bewusste Gegensteuern drohender Gefühlsüberschwemmungen, über Empathie und Reframing. Menschen wollen vor allem angehört und verstanden werden, selbst wenn man ihre Perspektive nicht teilt. Die Wut, mit der ein Standpunkt vorgetragen wird, sollte nicht als persönlicher Angriff, sondern als Ausdruck davon gedeutet werden, wie wichtig dem anderen diese Sache ist.

zum vorherigen Blogeintrag                                        zum nächsten Blogeintrag 

 

 

Liste aller Blogbeiträge zum Thema "Rezensionen"

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Impressum | Datenschutz | Cookie-Richtlinie | Sitemap
Diese Website darf gerne zitiert werden, für die Weiterverwendung ganzer Texte bitte ich jedoch um kurze Rücksprache.