„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Das Substitutionsprinzip

Das Substitutionsprinzip besagt:

(S) Wenn man in einem Satz S einen Ausdruck a durch einen bezugsgleichen
      Ausdruck b ersetzt, kann sich der Wahrheitswert von S nicht ändern.

Denn es gilt: a und b sind bezugsgleich, gdw. wenn a und b identisch sind.

Das Substitutionsprinzip liefert somit den folgenden Test für Bezugsgleichheit:

(TS) Wenn man in einem Satz S den Ausdruck a durch den Ausdruck b

        ersetzt und dabei ein Satz entsteht, der zumindest einen anderen                 Wahrheitswert haben kann als S, dann sind a und b nicht bezugsgleich.

Daraus folgt: Wenn S[a] einen anderen Wahrheitswert haben kann als S[b], dann sind a und b nicht bezugsgleich und damit nicht identisch.

Problem: Das Substitutionsprinzip gilt zwar im Allgemeinen, aber nicht immer.

Denn: "Benjamin Franklin" und "der Erfinder der Zwei-Stärken-Brille" beziehen sich auf dieselbe Person. Trotzdem kann S[a] wahr sein und S[b] falsch:

S[a] Franz glaubt, dass Benjamin Franklin den Blitzableiter erfunden hat.

S[b] Franz glaubt, dass der Erfinder der Zwei-Stärken-Brille den Blitzableiter

        erfunden hat.

Der Grund: Das Verb "glauben" erzeugt hier einen intensionalen Kontext.

Generell gilt:

Wenn in einem Satz S ein Vorkommnis des Ausdrucks a jederzeit salva veritate durch ein Vorkommnis eines bezugsgleichen Ausdrucks ersetzt werden kann, dann erzeugt S für dieses Vorkommnis von a einen extensionalen Kontext.

Wenn eine wahrheitserhaltende Ersetzung des Vorkommnis a in S nur dann garantiert ist, wenn man a durch einen sinngleichen Ausdruck ersetzt, dann erzeugt S für dieses Vorkommnis von a einen intensionalen Kontext.

(S) und (TS) gelten also nur in extensionalen Kontexten.

Wer diesen Umstand missachtet und aus der Tatsache, dass ein Ausdruck a in einem intensionalen Kontext nicht salva veritate durch einen bezugsgleichen Ausdruck b ersetzt werden kann, schließt, dass a und b nicht denselben Bezug haben, der begeht daher einen intensionalen Fehlschluss.

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