„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

John Smarts zweiter Einwand gegen die Identitätstheorie

John Smart war nicht nur einer der Begründer der Identitätstheorie, er brachte auch fünf Einwände gegen sie hervor und nahm sie so seinen Kritikern vorweg.

Der zweite Einwand lautet:

„Selbst wenn die [bisherigen] Einwände (¼) nicht zeigen, dass Empfindungen mehr sind als Gehirnprozesse, so zeigen sie doch, dass die Eigenschaften von Empfindungen über die Eigenschaften von Gehirnprozessen hinausgehen. D.h., auch wenn es möglich sein sollte, um die Annahme der Existenz von irreduzibel psychischen Prozessen herumzukommen, kommt man doch nicht darum herum, zuzugestehen, dass es irreduzibel psychische Eigenschaften gibt. Denn angenommen, wir identifizieren den Morgenstern mit dem Abendstern. Dann muss es einige Eigenschaften geben, die logisch implizieren, der Morgenstern zu sein, und einige, ganz andere Eigenschaften, die implizieren, der Abendstern zu sein. Ebenso muss es einige Eigenschaften geben (z.B. die, ein gelber Blitz zu sein), die sich logisch von jenen der physikalistischen Beschreibung unterscheiden.“

- J.J.C. Smart: Sensations and Brain Processes, S. 59

Der Identitätstheorie zufolge sind mentale und bestimmte physische Prädikate zwar bezugsgleich, d.h. jedes mentale Prädikat bezeichnet eine physische Eigenschaft. Dennoch sind mentale und physikalische Prädikate nie sinngleich.

Aber: Folgt daraus nicht, dass es nicht-physische Eigenschaften geben muss?

Frage: Worin besteht der Sinn eines Prädikats F? Eine mögliche Antwort: Der Sinn eines Prädikats F besteht aus einer Reihe von Merkmalen M1, ¼, Mn, für die gilt: F trifft auf einen Gegenstand x zu, gdw. x alle Merkmale M1, ¼, Mn besitzt.

Beispiele:

Das Prädikat ‚ist ein Schimmel‘ trifft auf x zu, gdw. x weiß und ein Pferd ist.

Das Prädikat ‚ist ein Junggeselle‘ trifft auf x zu, gdw. x ein erwachsener, unverheirateter und noch nie verheirateter Mann ist.

Das Prädikat ‚hat eine Schmerzempfindung’ trifft auf x zu, gdw. x die Merkmale M1, M2, M3... Mn hat.

Eine Konsequenz hieraus ist: Wenn das mentale Prädikat M und das physikalische Prädikat P sinnverschieden sind, dann muss es zwei verschiedene Mengen von Merkmalen M1, ¼, Mn und P1, ¼, Pm geben, für die gilt:

· M trifft auf x genau dann zu, wenn x alle Merkmale M1, ¼, Mn besitzt.
· P trifft auf x genau dann zu, wenn x alle Merkmale P1, ¼, Pm besitzt.

Dabei muss auch gelten: Die Merkmale M1, ¼, Mn können nicht alle physische Merkmale sein, da M sonst doch in physikalischer Sprache definierbar wäre. Folgt damit aber nicht, dass es nicht-physikalische Merkmale von Eigenschaften gibt?

Smart kontert diesen Einwand so aus: Die Merkmale, die für den Sinn mentaler Prädikate ausschlaggebend sind, sind weder physische noch nicht-physisch; sonden ontologisch neutral (‘topic-neutral’).

Beispiel: Der Sinn des Satzes ‚Ich sehe ein gelb-oranges Nachbild‘, wird nach Smart am besten so analysiert: In mir geht etwas vor, das genau so ist, wie das, was in mir vorgeht, wenn meine Augen geöffnet sind, ich wach bin und bei guter Beleuchtung eine Orange vor mir liegt, d.h. wenn ich realiter eine Orange sehe.

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