„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Den Gott Abrahams gibt es nicht

Die Auseinandersetzung mit den Gottesbeweisen zeigt, dass man die Existenz Gottes nicht beweisen kann. Darauf entgegnen nun einige Theisten, dass man Gottes Existenz aber auch nicht widerlegen könne. Aber stimmt das? Es gibt sehr wohl Schlüsse, die falsifizierend und zwingend sind:

Wenn A, dann B.

nicht-B

Also: nicht-A

Bei einem Moduls tollens wird ein allgemeines Gesetz der Form "A ist hinreichend für B" formuliert. D.h., immer wenn A der Fall ist, ist auch B der Fall. Deshalb können wir aus dem Umstand, dass nicht-B, schließen, dass nicht-A.

Der Gott Abrahams ist kein deistischer Gott, der nicht in das Weltgeschehen eingreift. Ganz im Gegenteil: Er entscheidet Kriege, rottet ganze Völker aus und ertränkt unschuldige Kinder. Aus der Annahme der Existenz Gottes lassen sich demnach empirisch nachweisbare Konsequenzen ableiten. Und wenn diese Konsequenzen ausbleiben, ist die Existenz Gottes sehr wohl widerlegt:

1. Theodizee: Wenn es den abrahamitischen Gott geben würde, der alles realisieren kann, was er will (Allmacht) und nur das Beste für uns will (Allgüte), dann müsste das Beste für uns realisiert sein. Das ist in dieser Welt, in der es Krankheiten gibt, aber nicht der Fall. Also existiert der Gott Abrahams nicht:

P1. Wenn der Gott Abrahams existiert, leben wir in der besten Welt.

P2. Wir leben nicht in der besten Welt.

Also: Der Gott Abrahams existiert nicht.

2. Offenbarungsargument: Wenn es den abrahamitischen Gott geben würde, der alles realisieren kann, was er möchte (Allmacht) und der sich allen (Suchenden) gleichermaßen offenbaren möchte, dann müsste sich dieser eine Gott allen (Suchenden) gleichermaßen offenbaren. Das ist aber nicht der Fall. Vielmehr finden Hindus Krishna, Brahmanisten Atman, etc. Also existiert der Gott Abrahams nicht:

P1. Wenn es einen allmächtigen Gott gäbe, der möchte, dass Jeder (Suchende) ihn kennt, würde ihn jeder (Suchende) kennen.

P2. Nicht Jeder (besser: niemand) kennt einen solchen allmächtigen Gott.

Also: Also gibt es keinen solchen allmächtigen Gott.

D.h: aus der abrahamitischen Gottesvorstellung lassen sich empirische Konsequenzen ableiten, die ausbleiben und wodurch die abrahamitische Gottesvorstellung falsifiziert wird. Mit anderen Worten: Die Welt sehe anders aus, wenn es den Gott Abrahams geben würde. Deshalb bin ich zwar schwacher Atheist gegenüber dem Gott der Deisten, aber starker Atheist gegenüber dem Gott Abrahams. Es gibt den abrahamitischen Gott genauso wenig deshalb, weil es Krankheiten und keine einheitliche Gottesvorstellung gibt, wie es einen Gott, der Donuts regnen lässt, offensichtlich deshalb nicht gibt, weil keine Donuts regnen. 

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