„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Willensfreiheitsdilemma

Es gibt nur zwei Möglichkeiten:

(1) Entweder meine Entscheidungen sind determiniert, d.h. sie stehen immer vollständig fest. Dies ist zB. der Fall, wenn der neuronale Determinismus wahr ist.

(2) Oder sie sind indeterminiert, d.h. sie sind zumindest manchmal nicht durch die Vorbedingungen bestimmt. Dies soll zB. bei Akteurskausalität der Fall sein.

Daraus ergibt sich nun folgendes Dilemma:

Wenn (1), dann kann ich unter identischen Umständen nicht unterschiedlich entscheiden.

Wenn (2), dann sind meine Entscheidungen auch nicht durch mich determiniert, sondern absolut zufällig

Beide überhaupt nur mögliche Konsequenzen scheinen - zumindest auf den ersten Blick - keine Willensfreiheit zuzulassen. (1) Wenn ich mich jetzt und in jedem künftigen Augenblick nur auf eine Weise entscheiden kann, bin ich nicht willensfrei (George E. Moore würde dem widersprechen). (2) Und wenn nicht meine Wünsche und Gründe, sondern reine Willkür meine Entscheidungen bestimmen, bin ich auch nicht willensfrei (dem würde kaum einer widersprechen).

Eine starke Willensfreiheit, die Alternativität unter identischen Umständen und Intelligibilität einschließt, kann es also aus prinzipiellen Gründen nicht geben.

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