„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Philippa Foot über Humes-Prinzip

Die einfachste Möglichkeit in der Ethik eine kognitivistische Moral zu vertreten, wäre ihre Begründung durch eine empirische Tatsache. Die moralische Auffassung, dass Folter schlecht ist, könnte beispielsweise ganz einfach mit der Tatsache begründet werden, dass Folter Menschen Leiden hinzufügt.

Ein solcher Schluss von deskriptiven Tatsachen auf normative Urteile wurde aber schon von David Hume als Sein-Sollen-Fehlschluss kritisiert. Der Sein-Sollen-Fehlschluss wird begangen, wenn von deskriptiven Urteilen wie "Folter erzeugt Leid" direkt auf normative Urteile wie "Folter ist schlecht" geschlossen wird.

Dieser Auffassung steht der ethische Naturalismus entgegen. Der ethische Naturalismus behauptet, dass alle normativen Prädikate wie eine deskriptive (natürliche) Bedeutung besitzen. Typische Vertreter dieser Position sind die Epikureer und einige Utilitaristen, die der Auffassung sind, dass "gut" "bringt den höchsten Lustgewinn" bedeutet. Wenn der ethische Naturalismus wahr ist, dann gibt es keinen systematischen Unterschied zwischen deskriptiven und normativen Urteilen und Schlüsse zwischen diesen beiden wären doch gültig.

Wie lässt sich für den ethischen Naturalismus bzw. gegen den Sein-Sollen-Fehlschluss argumentieren? Ein bekanntes Argument wurde von Philippa Foots in "Moralische Argumentationen" (1974) formuliert. Foots Kerngedanke lässt sich an folgendem Beispiel illustrieren:

(p) Er schlägt die Türe laut zu.
(q) Er verhält sich rücksichtslos.

Foots ist der Auffassung, dass man nicht (p) behaupten und (q) verneinen kann, dass also (q) logisch aus (p) folgt. Wenn das stimmt, liegt Hume falsch, denn (p) ist eindeutig ein deskriptives Urteil und (q) ein normatives, wenn man annimmt, dass "rücksichtslos" wertend im Sinne von "falsch" zu verstehen ist.

Kritik

Türezuschlagen kann sehr wohl nicht-rücksichtslos sein, wenn es etwa die kulturellen Gepflogenheiten so erfordern. Es kann sogar rücksichtsvoll sein, falls man damit beispielsweise eine Person vor einer Gefahr warnen will. Es bleibt dabei: Aus einem Sein (p) folgt kein Sollen (q).

Wenn man Foots aber die Annahme zugesteht, dass Türezuschlagen per se rücksichtslos und rücksichtsloses Verhalten falsch ist, dann ist auch Türezuschlagen falsch und (p) bereits ein normatives Urteil. Dann richtet sich ihr Argument aber nicht mehr gegen Hume.

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