„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Hochzeit

Viele Paare haben auf ihrer eigenen Hochzeit keinen Spaß. Denn alles, was Liebe ausmacht, ist an diesem Tag außer Kraft gesetzt: Intimität, Individualität und Ungezwungenheit. Ihre Vermählung ist eigentlich nur dafür da, andere zum Zeugen eines Gefühls oder einer Willenserklärung zu machen. Theoretisch könnten sie auch in einer Lebenspartnerschaft leben oder nur im kleinen Bekanntenkreis feiern. Irgendwann hat der Mensch aber erkannt, dass er seine Entscheidungen konstanter durchzieht, wenn sie dem Zugriff anderer und dem öffentlichen Erwartungsdruck ausgesetzt sind. Und gerade bei Institutionen, auf denen eine funktionierende Gesellschaft aufbaut, ist das so. Der Mensch ist schwach, fragil und fehlbar - aber für eine gute Gemeinschaft brauchen wir Stärke, Stabilität und Berechenbarkeit. Also haben wir uns Rituale ausgedacht, die diese Stabilität herstellen sollen. Die Ehe ist ein solches Ritual.

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