„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Identitätstheorie und mentale Verursachung

Laut der Identitätstheorie sind mentale Eigenschaften mit Gehirneigenschaften identisch. Und zwar genau so, wie Wasser mit H20 oder Blitze mit elektrischen Entladungen identisch sind.

Nehmen wir an, es ließe sich empirisch feststellen, dass ein Mensch immer genau dann Laufen möchte, wenn in seinem Gehirn die C-Fasern feuern. Folgt daraus, dass der Wunsch zu Laufen und das Feuern von C-Fasern identisch sind? Nein. Das empirische Ergebnis belegt nur ein neuronales Korrelat – der Wunsch zu Laufen und feuernde C-Fasern treten immer gemeinsam auf. Das aber kann auch ein Eigenschaftsdualist oder sogar Substanzdualist zugeben.

Die Identitätsthese ist stärker als die Annahme einer Korrelation. Sie besagt, dass wir es letztendlich nur mit einer einzigen Eigenschaft zu tun haben. Es gibt demnach zu jedem mentalen Prädikat M ein neuronales Prädikat P, so dass M und P dieselbe Eigenschaft bezeichnen. Wie aber lässt sich für diese These argumentieren?

Die Identitätstheorie löst das Problem der mentalen Verursachung. Handlungen scheinen aus der Innenperspektive von mentalen Eigenschaften wie "x will laufen" und aus der Außenperspektive von Gehirneigenschaften wie "x hat das feuernde C-Fasern" verursacht zu werden. Eine systematische Überdetermination von Handlungen durch mentale und neuronale Eigenschaften ist aber unwahrscheinlich, weswegen einige Physikalisten so weit gehen und Wünsche als kausal unwirksam klassifizieren. Für den Identitätstheoretiker stellt sich dieses Problem gar nicht erst. Denn für ihn bezeichnen "x will laufen" und "x hat das neuronale Muster C" ein und dieselbe Eigenschaft von x. Und diese Eigenschaft kann schließlich bewirken, dass x eine Handlung vollführt.

Ähnlich argumentiert auch der Kompatibilist. Für ihn ist die richtige neuronale Determination unserer Wünsche gerade freiheitskonstitutiv. Denn wenn unsere Wünsche nicht determiniert wären, dann wären sie zufällig und nicht durch unsere Reflexionen, Charaktereigenschaften oder höherstufigen Wünsche bestimmt. 

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