„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Linke Kampfbegriffe

Und das bei bento! "Doch wenn ich all jene, die mir nicht in den Kram passen, [...] weiterhin Nazis nenne, dann ist das nicht nur faktisch falsch. Ich schmälere damit letztendlich auch das Andenken an die Opfer des NS-Regimes."

http://www.bento.de/politik/nazis-was-das-wort-bedeutet-und-warum-wir-es-zu-oft-nutzen-2193143/ 

Richtig! Die semantische Überstrapazierung von Begriffen wie "Rassismus", "Sexismus" und "Antisemitismus" nimmt diesen ihre notwendige Abschreckwirkung. Wenn jeder Nicht-Kulturrelativist als Rassist, jeder der eine Frau begehrt als Sexist und jeder sachliche Israelkritiker als Antisemit bezeichnet wird, dann:

1. ist das faktisch falsch.

 

RASSISMUS bezeichnet die biologistische Lehre von der Kategorisierung und normativen Beurteilung von "Menschenrassen" (respektive: Unterarten nach der trinären Nomenklatur). Menschenrassen sind etwas grundsätzlich anderes als Kulturen oder Religionen, weswegen Ethnozentrismus, Religionsfeindlichkeit etc. niemals rassistisch sein kann.

 

Wer etwas anderes behauptet, vermischt Biologie mit Religion und Kultur und tut es damit den Nationalsozialisten gleich.

(Auch bei der Vermischung von Israelkritik und ANTISEMITISMUS werden Biologie und Kultur vermengt.)

 

Und ja, mir ist klar, dass es auch andere Rassismuskonzepte gibt ("Kulturrassismus", Étienne Balibar, Stuart Hall). Jedoch haben diese nichts mehr mit der eigentlichen Etymologie des Begriffs "Rassismus" gemein. Hier zeigt sich: Insbesondere unter Linken werden politische Begriffe häufig so weit ausgeweitet, bis alle darunter fallen, die nicht der eigenen politischen Agenda folgen. Das ist die Definition eines Kampfbegriffes.

 

SEXISMUS schließlich ist jede Form geschlechtsspezifischer Diskriminierung. Diese Definition trifft auf den traditionellen, den modernen und auf den Neosexismus zu. Eine Frau zu begehren ist nicht sexistisch, da dieser mentale Zustand allein sie nicht untervorteilt.

2. ist das gefährlich.

 

Insbesondere die Begriffe RASSISMUS und ANTISEMITISMUS hatten einmal eine ungeheure Abschreckwirkung, niemand wollte als Rassist oder Antisemit gelten. Durch ihre semantische Ausweitung bekommen aber immer mehr Leute das Gefühl, dass nichts Unmoralisches dazugehört, um als Rassist, Sexist oder Antisemit bezeichnet zu werden. Das ist gefährlich.

 

In meinem Text zu den Montagsdemos habe ich geschrieben:

 

"[...] weil der Begriff „Antisemitismus“ durch seine sträflich inflationäre Nutzung seiner Wirkung beraubt und somit indirekt relativiert wird. Wir sehen das in aller Deutlichkeit beim Nahostkonflikt: Hier werden Kritiker der israelischen Besatzungspolitik nicht selten auch gleich Antisemiten geschimpft. Aber das Kritisieren politischer Handlungen und der pauschale Hass auf ein ganzes Volk sind zweierlei Stiefel. Nun wirft man sie aber in einem Topf, und was passiert? Unzählige Male liest man im Internet: „Jetzt ist Jeder, der Israel kritisiert, schon Antisemit.“ Diese Leute, die sowas schreiben, haben das Gefühl, dass nichts Unmoralisches dazugehört, um als Antisemit bezeichnet zu werden. Es hat für sie, infolge, keine abschreckende Wirkung mehr, wenn die Presse eine Bewegung oder eine Ideologie als antisemitisch bezeichnet. Das sollte es aber."

https://www.sapereaudepls.de/2015/01/02/montagsdemos/

 

Und die Bezeichnung von Begierde als "sexistisch" ist deshalb gefährlich, weil sie Menschen für Empfindungen sanktioniert, und uns das auf mittelalterliche und bronzezeitliche Moralvorstellungen zurückwirft ("du sollst nicht begehren deines nächsten Weib ..."). In keinem modernen Moral- oder Rechtssystem werden Empfindungen sanktioniert, weil keiner etwas für seine Empfindungen kann. Erst wenn eine Empfindung in Handlungen wie Diskriminierung oder Belästigung umschlägt, fällt sie in eine moralische Kategorie und sollte als "sexistisch" gebrandmarkt werden. Ansonsten verliert auch dieser Begriff seine notwendige abschreckende Wirkung.

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