„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Das geozentrische Weltbild des Korans

Der Koran beschreibt die Erde als unbewegten Mittelpunkt des Universums, um den sich die Sterne und Planeten bewegen:

"Der die Nacht und den Tag erschuf und die Sonne und den Mond. Sie schweben, ein jedes Gestirn auf seiner Laufbahn." (21,33 Rassoul)

"Wir haben den untersten Himmel ausgeschmückt mit einem Schmuck; den Planeten" (37,6 Ahmadeyya) Der Himmel umgibt also die Erde. Der Himmel soll aus mehreren Schalen bestehen. Das entspricht der Astronomie des Ptolemäus (100-160 n.Chr.) Der hatte bereits behauptet: die Planeten bewegen sich vor dem Hintergrund der feststehenden Fixsterne. Die Planeten müssen sich also auf der "untersten" Himmelebene befinden. Der Koran übernimmt diese Fehleinschätzung.

https://www.youtube.com/watch?v=wyRJZbNmC7U&feature=youtu.be&t=9m49s

Die frühesten korrekten Modelle des Sonnensystems werden ab dem neunten Jahrhundert in der arabischen Welt überliefert. Hier tauchen erstmals Übersetzungen des griechischen Astronomen Seleukos von Seleukia auf, der bereits im zweiten Jahrhundert vor Christus ein heliozentrisches Modell beschrieb.
http://en.wikipedia.org/wiki/Islamic_cosmology#Early_heliocentric_models

Der Autor des Korans fiel hinter dieses Wissen zurück:

"Muhammad fragte eines Tages: "Wisst ihr, wo die Sonne hingeht?" Sie antworteten: Allah und sein Gesandter wissen es am besten". Er (der heilige Prophet) antwortete: "Wahrlich, die Sonne schwebt bis sie ihren Ruheplatz unter dem Thron erreicht. Dort fällt sie nieder und verbleibt dort bis sie aufgefordert wird: Steig wieder auf gehe dorthin, von wo Du kamst. Und die Sonne kehrt zurück und steigt auf aus ihrem Anfangsort und schwebt, bis sie ihren Ruheplatz unter dem Thron  erreicht." [Zyklus wird noch mehrfach wiederholt] (Sahih Muslim)
http://sunnah.com/muslim/1/306

Was meinte Mohammed mit dem "Ruheplatz" der Sonne? Wohin geht die Sonne über Nacht? Im Frühmittelalter war das ein Rätsel.

Die Koranautoren wussten nicht, wo sich die Sonne nachts aufhält. Sie meinten, die Sonne bewegt sich tagsüber und hat nachts einen Ruheplatz, einen Haltepunkt. Von dort aus steigt sie jeden Tag erneut am Himmel auf. Sehr poetisch, hat aber mit der Realität nichts zu tun.

"Desgleichen die Sonne. Sie eilt dem ihr gesetzten Ziel zu." (36,38) "toward its stopping point" (36,38 Saheeh International) "the sun runs its course for its final destination" (36,38 Raza Kahn) "the sun - it runs to a fixed resting-place" (36,38 Arberry)

Der Kommentar im Tafsir Ibn Kathir zu dieser Sure beschreibt die geozentrische Idee sehr deutlich: "das bedeutet [die Erde ist] dauerhaft, stabil und stationär, so dass sie sich nicht bewegt, denn anderenfalls wäre es kein guter Ort für Menschen [...] Die Erde wird nicht erschüttert oder bewegt."
http://www.qtafsir.com/index.php?option=com_content&task=view&id=2232&Itemid=83#1

"Oder wer sonst hat die Erde zu einem festen Grund gemacht und feststehende Berge auf ihr angebracht." (27,61)

"Allah hält Himmel und Erde fest, so daß sie (nicht von der Stelle) weichen. Und wenn sie (von der Stelle) weichen würden, gäbe es keinen, der sie daraufhin (wieder) festhalten würde. Er ist mild und bereit zu vergeben." (35:41)

"Weder hat die Sonne den Mond einzuholen, noch eilt die Nacht dem Tage voraus; und alle schweben auf einer Umlaufbahn." (36,40 Rassoul)

Der offensichtliche Eindruck: Sonne und Mond liefern sich ein "Wettrennen" - aber kein Himmelskörper holt dabei den anderen ein. Hätten wir keine wissenschaftliche Erziehung gehabt, dann würden wir das genau so beschreiben.

Eine oberflächliche Beobachtung des Himmels ergibt:  Beide Himmelskörper laufen entlang einer Bahn (siehe Bild). Morgens steigt die Sonne am Horizont auf, wandert einmal quer über den Himmel entlang einer festgelegten Bahn - und der Mond tat nachts das gleiche. Fehlschluss: Die Sonne bewegt sich. "Sie schweben ein jedes auf seiner Laufbahn."

Islamische Apologeten wenden an dieser Stelle gelegentlich ein, auch die Sonne schwebe auf einer "Laufbahn". Gemeinsam mit allen anderen Himmelskörpern der Milchstraße rotiert sie um das Zentrum der Galaxie. Ein kompletter Umlauf unseres Sonnensystems dauert etwa 240 Millionen Jahre. Manche Apologeten machen hier aus der Not eine Tugend und postulieren daraus ein weiteres "Wunder des Korans": "Der Koran hat die Laufbahn der Sonne vorhergesagt, lange bevor das bekannt war."

1. Das ist eine unehrliche post-hoc-Rationalisierung. Der Koran beschreibt allein die Laufbahn der Sonne um die Erde, er beschreibt keine Galaxie und keine Rotation der Sterne.
2. Diese Behauptung widerspricht der Aussage im Koran-Kommentar Tafsir Ibn Kathir, dem zufolge die Erde unbewegt sei. Mit einem bewegten Sonnensystem ist das unvereinbar.
3. Diese Sichtweise erfordert ein großes Maß an Autosuggestion. Wenn Allah eine astronomische Sensation mitteilen wollte, wie behauptet wird, warum wählt er dann eine Beschreibung, die exakt dem falschen, geozentrischen Weltbild des 7. Jahrhunderts entspricht?

Der Koran enthält exakt die Irrtümer und Fehler, die von einem rein menschengemachten Buch aus dem Frühmittelalter zu erwarten wären. Die Koranautoren wussten nicht, wo sich die Sonne nachts aufhält. Sie meinten, die Sonne bewegt sich tagsüber und hat nachts einen Ruheplatz, einen Haltepunkt. Jedem unvoreingenommenen Leser muss hier klar sein: Hier lesen wir nicht die Offenbarung einer allwissenden Intelligenz - sondern den fehlerhaften Wissensstand ignoranter Menschen aus der Entstehungszeit des Korans.

Wenn der allwissende Gott, wie muslimische Apologeten behaupten, mit dem Koran angeblich naturwissenschaftliche Informationen übermittelt - warum dann so fehlerhaft? Ein einziges geändertes Wort hätte hier Klarheit schaffen können. Nicht "die Sonne schwebt auf ihrer Umlaufbahn", sondern "die Erde (und alle anderen sichtbaren Planeten) schwebt auf ihrer Umlaufbahn (um die Sonne)". Ein zusätzlicher Satz und wir haben schon mehr astronomisches Wissen vermittelt als der gesamte Koran: Die Sonne und alle anderen Sterne unserer Galaxie kreisen um das galaktische Zentrum. Solche Sätze hätten im 7. Jahrhundert wirklich auf einen göttlichen Ursprung hingedeutet und wären ein Kinderspiel gewesen für einen wahrhaft allwissenden Autor.

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Kommentare: 3
  • #3

    Wertdes Wissens (Samstag, 17 März 2018 11:45)

    ist das Problem gelöst wenn alle Muslime von ihrem Glauben abschwören ?

  • #2

    WissensWert (Sonntag, 04 März 2018 12:12)

    Muslime sagen der Koran währe fehlerfrei und beinhalte sogar Wissen das den Menschen damals unbekannt war.

    Das dies nicht so ist, sieht man an Versen wie diesem in Sura
    At Tariq:

    Darum soll der Mensch denn bedenken, woraus er erschaffen ist! [86:5]
    Erschaffen wurde er aus einer herausschießenden Flüssigkeit , [86:6]
    die zwischen den Lenden und den Rippen hervorkommt. [86:7
    (islam.de)
    خُلِقَ مِن مَّآءٍ دَافِقٍ

    Er ist aus sich ergießendem Wasser erschaffen,

    يَخْرُجُ مِنۢ بَيْنِ ٱلصُّلْبِ وَٱلتَّرَآئِبِ

    das zwischen der Lende und der (weiblichen) Brust hervorkommt.

    (Bubenheim)

    Es ist offensichtlich das hier Entweder von Sperma, (oder einer anderen mysteriösen Flüssigkeit ?) die rede sein muss, die bei der Befruchtung der Frau eine Rolle spielen.

    Sperma wird jedoch im Hoden, Nebenhoden, den Cowpersche Drüsen , dem Samenbläschen und der Prostata gebildet. Keines dieser Organe sitzt im Lenden oder Brustbereich oder dazwischen. Auch die weiblichen Geschlechtsorgane befinden sich nicht in dieser Körperregion.

    Wie konnte ein alwissender Schöpfer so eine unkorrekte Beschreibung in seine letzte Offenbahrung einbauen ? Es sieht eher so aus als hätte Muhammad den Koran nach bestem Wissen und Gewissen seiner Zeit geschrieben.

  • #1

    WissensWert (Dienstag, 27 Februar 2018 22:56)

    Der Punkt ist doch folgender:

    Wenn man keine Ahnung hat, wie unser Sonnensystem aufgebaut ist, und die anderen Sternsysteme, dann entspricht das, was im Koran steht, genau der Art von oberflächlicher Anschauung, die man durch bloßes Beobachten mit den Augen auch sehen kann.

    Man kann nicht verstehen, wie das Sonnensystem wirklich funktioniert, wenn man nichts weiter als den Koran liest. Weil da nicht mehr steht, als man mit bloßem Auge sehen kann.

    Vieles entspricht halt nicht dem Augenschein: Es gibt keine sieben Himmel, die Sonne bewegt sich nicht auf einer festen Bahn, Mond und Erde auch nicht. Dass der "Konstrukteur" des Ganzen eine Beschreibung wählt, die nicht mehr aussagt als das, was jeder ohnehin sehen kann, ist nicht besonders einleuchtend.

    Nun kann man im Nachhinein die Interpretation dessen so anpassen, dass man irgendwie zu dem kommt, was der heutigen Wissenschaft entspricht. Aber bevor es die Wissenschaft nicht herausgefunden hat, ist nicht ein einziger der Koraninterpreten auf die Idee gekommen, dass sich die Sonne auf einer Bahn um das Zentrum der Milchstraße herum bewegt. Weil man nicht darauf kommt, es sei denn, man weiß es bereits aus anderen Quellen.

    Genau betrachtet, von einem äußeren Beobachter aus, bewegt sich die Sonne nicht auf einer festen Bahn, wie im Koran beschrieben: Sie bewegt sich auf einer äußerst komplexen Spiralbahn. Denn die Milchstraße bewegt sich ebenfalls, nur relativ zum Zentrum bewegt sie sich auf einer elliptischen Bahn. Die Art der Bewegung ist abhängig vom gewählten Bezugssystem. Alle Beschreibungen setzen immer ein solches voraus. Es ist keineswegs völlig falsch, die Sonne als "unbeweglich" festzulegen, dann ist die Sonne das Bezugssystem, und das System ist heliozentrisch. Was bedeutet, dass sich die Sterne der Milchstraße um die Sonne herum bewegen und nicht umgekehrt.

    Oder man nimmt die Erde als Bezugssystem, dann sind wir beim geozentrischen Weltbild. Dann bewegt sich die Sonne tatsächlich um die Erde. Die Wahl eines Bezugsystems ist IMMER willkürlich und eine rein praktische Frage.

    Dass der Schöpfer des Universums das nicht wusste ist erstaunlich. Ebenso, wie er offensichtlich nichts über die Größe des Universums wusste, nichts über schwarze Löcher, Spiralnebel, Gravitationslinsen, Materie usw. usf. Kein Schöpfer von irgendwas lässt es sich normalerweise nehmen, auf verborgene Aspekte seiner Schöpfung hinzuweisen. Aber alles, was der Schöpfer in seinen Beschreibungen "weiß", basiert auf blumigen Umschreibungen vom aktuellen Wissen der Menschen der Zeit, die das aufgeschrieben haben. Und die muss man mit viel Wortakrobatik später an das neue Wissen der Zeit "anpassen". Das geht, weil man blumige Wortwolken hat und die Wörter also auch anders interpretieren kann.

    Was beweist das, außer der Leichtgläubigkeit von Menschen? Die lassen sich halt gerne einreden, was ihrem Weltbild entspricht. Und je geringer die Bidung, umso leichter geht das. Und damit sind die Koranwunder schon alle ausreichend erklärt - es handelt sich um das vollkommen natürliche Phänomen der Leichtgläubigkeit.


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