„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Tag der Menschenrechte

Heute feiern wir den Tag der Menschenrechte. Auf diesen Rechten fußt zu großen Teilen der  heutige zivilisatorische Fortschritt und die Freiheit, die wir genießen.

 

Einen traurigen Beigeschmack bekommt der Tag angesichts der Tatsache, dass die Menschenrechte weltweit seit nun 11 Jahren auf dem Rückzug sind. Vor allem nationalistische Strömungen und Partien innerhalb einst demokratischer Strukturen (z.B. Polen) sind für diese Entwicklung verantwortlich, aber vor allem auch der islamische Raum weist ein chronisch schlechtes Menschenrechtsprofil auf.

 

Unter den in der verlinkten Studie untersuchten Ländern waren 45% frei, 30% teilweise frei und 25% nicht frei. Die Länder, in denen Menschenrechte am wenigsten bedeuten, liegen in den muslimischen Staaten in Nordafrika und im Mittleren Osten.

 

Die Menschenrechte sind der Zusammenarbeit vieler Kulturen zu verdanken und prinzipiell für jeden Menschen dieser Welt gedacht. Ohne den islamischen Raum würde es sie heute nicht geben. In den alten Bibliotheken Alexandrias wurden (allerdings oft in Distanz zum Islam) von den damals führenden Wissenschaftlern antike philosophische Schriften aufbewahrt, welche die Europäer zur gleichen Zeit verbrannten, weil sie nicht mit der Doktrin der Kirche konform gingen. Auf dieses Wissen der Antike stützten sich die Vordenker der Renaissance, die wiederum den Weg zu den Menschenrechten bereiteten.

 

Die Mehrheit der islamischen Länder bekennt sich heute allerdings lediglich zur Kairoer Erklärung der Menschenrechte, die mit der Scharia, dem religiösen Gesetz, in Einklang sein soll. Körperstrafen bis hin zur Amputation und Steinigung sowie die Benachteiligung der Frau sind somit (über die sogenannten Hadd-Strafen) gestattet. Meinungsfreiheit, die Grundlage gesellschaftlicher Entwicklung und Veränderung, existiert nicht.

Zudem werden in keinem islamisch geprägten Land homosexuelle Beziehungen staatlich anerkannt. In sieben islamischen Ländern droht gleichgeschlechtlich liebenden Menschen sogar die Todesstrafe: Iran, Nigeria (nördliche Landesteile), Mauretanien, Sudan (nördliche Landesteile), Jemen, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate.

 

Vier islamische Länder waren 2016 laut Amnesty International für 90% aller Hinrichtungen weltweit verantwortlich (Iran (567), Saudi-Arabien (154), Irak (88) und Pakistan (87) (China dürfte allerdings trotz fehlender Statistiken an erster Stelle stehen).

 

Das Einstehen für Menschenrechte ist der Meinung vieler muslimischer und vor allem linker Politiker zum Trotz kein "Kulturimperialismus", sondern die Pflicht einer humanistischen Politik, die jeden Menschen für gleich wertvoll erachtet. Der Kulturrelativismus, wonach die Benachteiligung von Frauen oder Homosexuellen beispielsweise nicht per se schlecht, sondern einfach "Ausdruck einer anderen (und damit schützenswerten) Kultur" ist, gereicht Minderheiten und den Schwächsten der Gesellschaft zum verhängnisvollen Nachteil.

 

Zusätzlich schwächt beispielsweise die Einschränkung der Meinungsfreiheit innergesellschaftliche Bewegungen, die wiederum Veränderung und zivilisatorischen Fortschritt bedeuten könnten. Eine Akzeptanz dieser Praxis durch weitestgehend freie Staaten ist ein Verrat an den eigenen Prinzipien. Gleichwohl sollten freiheitliche Bewegungen bestenfalls aus der eigenen Gesellschaft heraus initiiert werden, was die Frage nach einer anthropologischen Grundannahme provoziert:

 

"Können Menschen dazu erzogen werden, die Unfreiheit vor der Freiheit zu wählen?"

 

https://freedomhouse.org/report/freedom-world/freedom-world-2017

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