„Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum – und sehe, dass wir nichts wissen können!

Das will mir schier das Herz verbrennen!“ 

- Faust I, S. 354–365

Das Modell mehrfacher Entwürfe (multiple drafts model of consciousness)

Daniel Dennet's multiple drafts model of consciousness ist eine physikalistische und kognitivistische Bewusstseinstheorie, die geistige Aktivitäten als einen Akt der Informationsverarbeitung betrachtet. Dennett diskutiert diese Theorie ausführlich in seinem 1991 veröffentlichten Buch Consciousness Explained, das, wie der Titel bereits besagt, eine mit einer starken KI konsistenten Erklärung des Bewusstseins unterbreitet.

Mit dem Konzept Multipler Module (auch: Multimind, englisch „mulitple drafts model“) tritt Daniel Dennett der verbreiteten Überzeugung entgegen, Bewusstsein sei monolithisch, d.h. fände an einem einzelnen Ort statt, an einer Art Schnittstelle von bestimmten (afferenten) Ursachen und (efferenten) Wirkungen (Vgl. Cartesianisches Theater). Das Modell mehrfacher Entwürfe (so die deutsche Übersetzung) konzipiert Bewusstsein vielmehr als einen durch und durch vorläufigen, entwurfartigen Bericht über einen momentanen Wahrnehmungszustand des Organismus, wobei es keinen privilegierten Augenblick gibt, in welchem eine Entwurfsversion die wahre Natur des bewussten Erlebens einer Versuchsperson wiedergeben würde. Der Entwurf kann stets von einem Moment zum anderen revidiert werden. Die Beschaffenheit unserer bewussten Erlebnisse steht folglich vor deren Auftreten nicht fest, sondern kann nur im Nachhinein als „Niederschrift“ im Gedächtnis objektiviert werden.

Bewusste und nichtbewusste mentale Zustände können – so Dennett – dieselben Auswirkungen auf das nichtverbale Verhalten haben. Und auch die bewussten Spuren im Gedächtnis können ebenso von nichtbewussten wie von bewussten mentalen Zuständen stammen. Dennett weist sogar die Annahme irgendeiner unumstößlichen Tatsache zurück, die dafür verantwortlich gemacht werden könnte, dass bestimmte Stimuli in unser Bewusstsein gelangen und andere nicht. Es gäbe auch keine Tatsache, die über die Beschaffenheit unserer bewussten Erlebnisse in irgendeinem bestimmten Moment entscheiden würde. In Dennetts MmE ist Bewusstsein ein distribuiertes Phänomen ohne irgendeinen einzigartigen „Hauptmeinenden“ oder „Protokollführer“. Die scheinbare Einheit des Bewusstseins führt Dennett auf Erzählungen (Narrative) und Intuitionen zurück, die wir selbst konstruieren und die unsere mentalen Zustände als zu einem vermeintlich einzelnen Leben gehörig repräsentieren.

Verweise

Multiple Module auf der deutschsprachigen Wikipedia
Multiple Module auf der englischsprachigen Wikipedia

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